Moto X (2014) im Test: Das persönlichste Smartphone

Lukas Funk
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Das Moto X hat im Jahr 2013 neue Maßstäbe in Sachen Individualisierung und Anpassbarkeit von Smartphones gesetzt, schwächelte aber hinsichtlich der rohen Rechenkraft etwas und hinterließ im Plastikkleid nur einen mittelmäßig wertigen Eindruck. Der Nachfolger mit demselben Namen versucht genau diese Schwachstellen auszubessern und setzt dazu auf Metall statt Plastik und einen High End-Prozessor. Sehen wir hier also das perfekte Smartphone vor uns? Unser umfangreicher Testbericht gibt Auskunft.

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2013 erfuhr Motorola dank Googles leitender Hand eine totale Umstrukturierung: Statt wie bisher dem Erfolg des Motorola Droid nachzueifern – also dem Smartphone, das Android in den USA salonfähig gemacht hatte –, besann man sich auf grundlegende Werte, setzte auf ein nahezu naturbelassenes Android, individualisierbare Hardware (assembled in the USA!) und ein gewisses Hipster-Image.

Diesseits des großen Teiches bekam man von alldem nur wenig mit, beschränkte sich das herausragende „Feature“ dieses Neustarts, das Individualisierungsportal Moto Maker, doch zunächst auf die USA allein. Zwar kam das Moto X (2013) Anfang 2014 schließlich doch nach Deutschland, konnte aber dank der – im Vergleich zur High End-Konkurrenz – inzwischen veralteten Hardware keinen großen Erfolg verbuchen.

Aus all diesen Problemen scheint Motorola gelernt zu haben: Mutmaßlich beflügelt vom globalen Erfolg des Moto E (Test) und vor allem des Moto G (Test) hat man sich dazu entschieden, den Nachfolger direkt ab Marktstart und individualisierbar per Moto Maker auch auf europäischen Märkten anzubieten. Alternativ sind eine weiße Variante mit silbernem Metallrahmen und Bambusrücken sowie ein schwarzes Modell mit dunklem Metallrahmen und Plastikrückseite bei gängigen Elektrohändlern verfügbar.

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Doch nicht nur in Sachen Individualisierbarkeit und Material geht das Moto X (2014) neue Wege. Im Inneren arbeitet nun Qualcomm Snapdragon 801 mit 2,5 GHz und 2 GB RAM, das Display ist auf eine beachtliche Diagonale von 5,2 Zoll angewachsen und auch die Auflösung entspricht mit 1.920 x 1.080 Pixeln und 424 ppi Pixeldichte zumindest dem aktuellen Standard. Der interne Speicher misst 16 respektive 32 GB. Er kann nicht erweitert werden und auch die Kamera, ein Hauptkritikpunkt des Vorgängers, ist mit einer Auflösung von 13 MP auf der Höhe der Zeit. Lediglich der Akku wirkt mit 2.300 mAh vergleichsweise klein.

Auf einen Blick

Display 5,2 Zoll Super AMOLED
Auflösung 1.920 x 1080
Pixeldichte 424 ppi
SoC Qualcomm Snapdragon 801
Maximale Taktrate 2,5 GHz
Arbeitsspeicher 2 GB
Datenspeicher 16/32 GB
Akku 2.300 mAh
Kamera-Auflösung 13/2 MP
Gewicht 144 Gramm
Maße 140,8 x 72,4 x 10 Millimeter
Android-Version 4.4 KitKat

Das Moto X (2014) im Video

Einen ersten Eindruck vom Moto X (2014) – ab hier der Einfachheit halber Moto X genannt – vermitteln diese Videos. Zunächst das Hands-On im Rahmen der vergangenen IFA, danach das Unboxing einer Moto Maker-Variante:

Individualisierung und Moto Maker

Beginnen wir den Testbericht mit einem Blick auf das „Feature“, das das Moto X von allen gängigen Smartphones abhebt: Die Möglichkeit der Individualisierung im Moto Maker. Dieses Portal bietet dem Nutzer die Möglichkeit, sein Smartphone in vielerlei Hinsicht anzupassen: Zwei Farben für die Vorderseite, 10 Akzentfarben für die Lautsprecherabdeckungen und den Ring um die rückseitige Mulde mit dem Motorola-Logo sowie 25 verschiedene Rückseiten stehen zur Wahl. Letztere umfassen unter anderem vier Leder-Typen, Plastik in 17 verschiedenen Farben mit matter oder glatter Oberfläche sowie Bambus-Holz, wahlweise in Teak-, Ebenholz- oder Walnuss-Optik.

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Die gewählte Rückseite lässt sich außerdem mit (fast) beliebigen Inschriften versehen, die Boot-Animation mit einer persönlichen Begrüßung und der Launcher mit einem Wallpaper. Außerdem stellt der Moto Maker die einzige Möglichkeit dar, das Moto X mit 32 GB statt 16 GB internem Speicher zu erwerben – je nach Design und Ausstattung ist für die Moto Maker-Geräte ein unterschiedlich hoher Aufpreis fällig.

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Hat man sich schließlich nach vielem Hin und Her für ein Design entschieden, wird das Gerät in den USA zusammengebaut und verschickt – vom Klicken des Bestellen-Buttons bis zum Auspacken vergingen bei uns lediglich rund 7 Tage.

Das Gerät, das als Grundlage dieses Tests dient, stammt aus dem Moto Maker, besitzt eine schwarze Front, einen Bambus-Rücken und violette Akzente. Der interne Speicher beträgt 32 GB.


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Optik, Haptik und Verarbeitung des Moto X

Diese Kategorie zeigt signifikante Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger. Wo vorher nur Plastik im Einsatz war, glänzen nun Metall, Glas und wahlweise Holz oder Leder.

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Von vorne könnte das Moto X unauffälliger kaum sein. Dank des Verzichts auf physische Buttons erscheint die Front als schwarzes Rechteck mit symmetrisch abgerundeten Ecken, das lediglich von der Abdeckung des Lautsprechers und der Hörermuschel – beide abermals symmetrisch angeordnet – unterbrochen wird. Deren Farbe lässt sich im Moto Maker frei bestimmen, sie können also je nach Geschmack etwa in unaufdringlichem Schwarz oder peppigem Rot gehalten sein.

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Vom restlichen Gehäuse ist an der Front nichts zu sehen – keine „Wanne“ wie etwa beim Nexus 5 (Test) oder HTC One (M8, Test) stört die Ästhetik –, stattdessen schmiegt sich das Display-Glas leicht abgerundet um die Ränder. Wer schon einmal ein Nexus 4 oder iPhone 6 (Plus) in Händen gehalten hat, weiß diese Beschaffenheit beim Streichen vom Displayrand aus zu schätzen.

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Wählt man statt der schwarzen die weiße Front für das Moto X, sind zusätzlich unter dem Glas die Frontkamera, Sensoren für Licht und Näherung sowie die vier Infrarot-Sensoren erkennbar – zu letzteren später mehr.

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Umrandet wird das Moto X von einem Band aus Metall, das dem Gerät eine wertige Haptik und ein gewisses Gewicht verleiht. Dieses ist abhängig von der Farbe der Front entweder silberfarben oder aus dunklem Metall. Um Empfangsprobleme zu vermeiden, wird es an mehreren Stellen von unauffälligen Plastikstreifen geteilt, hinter denen die Antennen sitzen.

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An der unteren Kante findet sich der Micro USB-Anschluss, an der oberen mittig die Klinkenbuchse für Kopfhörer oder Headset, links daneben die Schublade für Nano-SIM-Karte. Die linke Kante ist komplett ununterbrochen, der Power-Button samt Lautstärkewippe findet sich rechts. Beide sind aus demselben Material gefertigt wie der Metallrahmen und besitzen einen angenehm satten Druckpunkt, der Power-Button ist darüber hinaus geriffelt, um ihn leichter ertastbar zu machen – erneut ein Hinweis auf Motorolas Liebe zum Detail.

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Der Rücken schließlich ist in seinem Aussehen stark abhängig vom Geschmack des Nutzers. Er besteht aus einem der oben genannten Materialien und wird auf der Mittelachse zweimal kreisrund unterbrochen: Der untere Ring liegt in der Mitte der oberen Gerätehälfte und stellt ein reines Zierelement dar – eine metallene Mulde mit dem Motorola-Logo, das wiederum von einem Ring in der gewählten Akzentfarbe umgeben ist.

Darüber findet sich die 13 MP-Hauptkamera, umgeben von einem durchsichtigen Plastikring, der zwei Kamera-LEDs enthält. Dessen Nutzen wird später diskutiert, optisch interessant ist diese Lösung allerdings ohne Frage.

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Auffällig am Rücken des Moto X ist außerdem seine Wölbung, die von 9,9 Millimetern in der Mitte hin zu 3,8 Millimetern am Rand abfällt und dem Gerät trotz seiner Größe eine gewisse Handlichkeit verleiht.

Im Internet gibt es vereinzelt Berichte, nach denen besonders Holzrücken etwas über den Metallrahmen hinausragen und so leicht ausfransen. Beim Testgerät besteht dieses Problem nicht, eine Beanstandung bei Motorola sollte aber in der Regel genügen, um Ersatz zu erhalten. Allerdings war zu Anfang eine ungleich große Lücke rechts und links der Bambusplatte zu sehen – diese dient mutmaßlich dazu, der natürlichen Ausdehnung des Holzes bei Feuchtigkeit und Wärme Rechnung zu tragen und scheint sich mit zunehmender Benutzung langsam zu schließen.

Auf hohem Niveau sind die Lautsprecherabdeckungen an der Front zu bemängeln, in deren Umgebung sich gerne Staub sammelt. Dieser Makel ist allerdings nur bei genauerer Betrachtung sichtbar und lässt sich mit sanftem Pusten beheben.

Insgesamt hinterlässt das Gerät – unabhängig von der Wahl seiner Komponenten – einen hochwertigen Eindruck, den man in diesem Maße in der Android-Welt viel zu selten findet. Zwar lässt sich über Geschmack vortrefflich streiten – und manch eine Design-Entscheidung Motorolas wird dem ein oder anderen nicht gefallen – doch nach objektiven Kriterien wie sauberer Verarbeitung bewertet gibt es hier nichts auszusetzen.

Das Display des Moto X

Wie sein Vorgänger – und im Gegensatz zu den günstigeren Geschwistern G und E – setzt das Moto X auf ein AMOLED-Panel aus der Fertigung von Samsung. Ausschlaggebend für diese Wahl sind einige Software-Features, die weiter unten Erwähnung finden. An dieser Stelle soll das Display als solches bewertet werden.

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AMOLED-typisch fällt die Farbwiedergabe sehr intensiv aus. Besonders als Umsteiger vom eher blassen LC-Display des Nexus 5 war die Gewöhnung an die teils krass übersättigten Farben für den Autor auch nach Wochen der Benutzung schwierig. Wer aber Samsung-Displays gewohnt ist, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Da keine Hintergrundbeleuchtung nötig ist, entstehen außerdem keine Lichthöfe, die Darstellung ist absolut gleichmäßig.

Die Full HD-Auflösung ist für Flaggschiffe im Jahr 2014 eine Selbstverständlichkeit und sorgt auch auf dem 5,2 Zoll in der Diagonalen messenden Display des Moto X für scharfe Darstellungen. Zwar kommt hier eine PenTile-Matrix zum Einsatz, dank der diamantförmigen Anordnung – die übrigens auch Samsung in seinen Galaxy-Devices verwendet – und der hohen Auflösung leidet die Darstellung aber in keiner Weise: Schriften, Farbverläufe und harte Kanten werden ohne sichtbares Ausfransen dargestellt.

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Bei extrem hoher oder extrem niedriger Helligkeit allerdings stößt das Gerät an seine Grenzen: Erstere ist zu niedrig angesetzt, was das Ablesen bei direkter Sonneneinstrahlung schwer macht. Im Außeneinsatz war das Display in der Regel dennoch gut erkennbar, lediglich an sonnigen Tagen sollte es hier zu Problemen kommen. Die niedrigste Display-Helligkeit dagegen ist etwas zu hell, was besonders das nächtliche Lesen im Bett unangenehm gestaltet. Außerdem ist hier eine Verfärbung der Inhalte zu sehen: Weiße Flächen wirken im Vergleich mit anderen Displays leicht gelblich, schwarze dagegen rutschen ins Rote ab.

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Die Blickwinkelstabilität dagegen ist recht gut. Bei gängigen Betrachtungswinkeln bleiben die Inhalte gut erkennbar, lediglich bei Sonneneinstrahlung unter spitzen Winkeln betrachtet behindern regenbogenfarbige Reflexionen das Ablesen.

Die Performance des Moto X

In Sachen Performance hat das Moto X im Vergleich zum Vorgänger ein maßgebliches Upgrade erhalten. Wo vorher ein modifizierter Snapdragon S4 Pro mit 2 Rechenkernen und mehreren Coprozessoren arbeitete, verrichtet jetzt das bewährte Snapdragon 801-SoC mit 4 x 2,5 GHz und 2 GB RAM. Dieser ist zwar auch nicht mehr taufrisch, gehört aber dennoch zu den momentanen Top-SoCs.

Und wie ein solcher verhält er sich auch: Im Alltagsbetrieb ist keinerlei Stottern und Ruckeln zu bemerken – mit der Facebook-App als prominenter Ausnahme – und auch grafikintensive Games laden und performen mit höchsten Einstellungen reibungslos. Besonders deutlich wird die optimierte Software beim Betätigen des Multitasking-Buttons: Hier wird die aktive App ohne Verzögerung minimiert, bevor sie in einer flüssigen Animation zu den übrigen Vorschaubildern gleitet. Eine derart flüssige Animation ist dem Autor noch bei keinem anderen Gerät untergekommen, weder beim puristischen Nexus 5 noch beim durchgestylten Galaxy S5 – durchaus ein leckerer Vorgeschmack auf Android Lollipop mit seinen Animationen bei konstanten 60 FPS.

In nackten Zahlen und verglichen mit anderen Geräten liest sich die Leistung wie folgt:

Benchmark Moto X (2014) LG G3 Samsung Galaxy S5
Antutu 5.1 Total 43389 37047 40023
Antutu UX (Multitask/Dalvik) 6887/2345 6978/1946 7166/2182
Antutu CPU (integer/float) 3404/4247 3037/3295 3104/3705
Antutu RAM (Operation/Speed) 2172/1711 1946/1563 1947/1370
Antutu GPU (2D/3D) 1644/14052 1646/10472 1649/12994
Antutu I/O (Storage/Database) 1566/680 1077/665 813/675
CF-Bench 1.3 Overall 39089 36199 37579
CF-Bench Java 37217 33834 35717
CF-Bench Native 41899 39747 40374
GFXBench 2.7
(2.7 Manhattan HD Offscreen)
727 Frames
11,7 fps
712 Frames
11,5 fps
729 Frames
11,8 fps
GFXBench 2.7
(2.7 T-Rex HD Offscreen)
1530 Frames
27,3 fps
1521 Frames
27,2 fps
1552 Frames
27,7 fps


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Software

Wie gewohnt setzt Motorola auf ein oberflächlich naturbelassenes Android in Version 4.4 mit wenigen zusätzlichen Apps und Funktionen sowie einigen Optimierungen unter der Haube. Da Stock-Android hinreichend bekannt ist, soll der Schwerpunkt hier auf den Anpassungen seitens Motorola liegen. Details zum grundlegenden Betriebssystem finden sich auf unserer Android 4.4 KitKat-Übersichtsseite.

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Als Zentrale für die meisten Motorola-eigenen Anpassungen dient eine App namens Moto. Hier verbergen sich die Features Action, Regeln, Sprache und Infos, die die Interaktion mit dem Smartphone vereinfachen und die hier im Detail beleuchtet werden sollen:

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Moto Infos ist der neue Name des als Active Display bekannten Features des ersten Moto X. Dieses setzt voll auf die AMOLED-Technologie des Displays und dient unter anderem als Ersatz für eine Benachrichtigungs-LED. Bei eingehenden Nachrichten aktiviert sich der Bildschirm automatisch und zeigt in einem Kreis das Icon der App, von der die Benachrichtigung stammt. Stehen mehrere Benachrichtigungen aus, werden bis zu 3 App-Icons angezeigt. Möglich ist dies dadurch, dass AMOLED-Displays das Ansteuern einzelner Pixel erlauben und der Stromverbrauch so in Grenzen gehalten werden kann. Um weiter Strom zu sparen wird außerdem zunächst nur jeder zweite Pixel des Icons angezeigt, wodurch sich ein etwas gröberes Bild ergibt.

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Berührt man nun eines der angezeigten Icons, wird am oberen Bildschirmrand eine Vorschau der Benachrichtigung angezeigt. Zieht man den Finger in dessen Richtung, öffnet sich die entsprechende App; wischt man dagegen zur Seite verschwindet die Benachrichtigung, wischt man nach unten wird das Gerät regulär entsperrt.

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Doch nicht nur bei eingehenden Benachrichtigungen wird Moto Infos aktiv. Stößt man gegen das Gerät, zeigt es anstehende Benachrichtigungen. Zieht man es aus der Tasche, sieht man die Benachrichtigungen. Winkt man oberhalb des Displays, werden Benachrichtigungen angezeigt.

Hierzu werden die vier Infrarot-Sensoren genutzt, die in den vier Ecken um das Display angebracht sind. Es mag zunächst übertrieben scheinen, vier zusätzliche Sensoren und damit Stromfresser allein für dieses Feature zu verbauen, doch stellt es sich schon nach kurzer Zeit der Benutzung als so praktisch heraus, dass die Entscheidung keiner weiteren Rechtfertigung bedarf.

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Die Option Moto Regeln räumt dem Moto X die Autorität ein, die Umgebungssituation selbständig abzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Was zunächst abstrakt klingt äußert sich in ganz konkreten Aktionen. Derzeit werden vier Szenarien mit verschiedenen Detaileinstellungen unterstützt: Bei Besprechung wird das Gerät etwa lautlos geschaltet und auf eingehende Anrufe mit einer automatischen Antwort reagiert, beim Autofahren werden eingehende Benachrichtigungen automatisch vorgelesen und die Interaktion per Sprache wird angeboten, zu Hause deaktiviert das Moto X auf Wunsch den Lautlos-Modus und kündigt per Sprache an, wer anruft. Bei der Nachtruhe schließlich werden Benachrichtigungen allgemein stumm geschaltet. Auf Wunsch werden Anrufe und Nachrichten von priorisierten Kontakten sowie wiederholte Anrufe von derselben Nummer dennoch gemeldet – speziell Menschen ohne Festnetzanschluss sind so in Notfällen (oder für betrunkene Freunde) dennoch erreichbar.

In welcher Situation man sich derzeit befindet, schließt das Moto X aus mehreren Quellen: Kalendereinträge deuten auf Besprechungen hin, schnelle Bewegung und Beschleunigung auf das Autofahren und die fortgeschrittene Uhrzeit sowie der Aufenthalt zu Hause auf eine entspannte Nachtruhe.

Die Kategorie Moto Action fällt vergleichsweise kurz aus: Hier kann das Aktivieren von Moto Infos beim Griff nach dem Smartphone deaktiviert werden, ebenso das Stummschalten von Anrufen und Weckern per Wischbewegung und die Drehbewegung, die von jeder Ausgangssituation aus die Kamera-App startet – auch bei gesperrtem Smartphone.

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Moto Sprache ist schließlich das Vorzeige-Feature des Moto X: Die erweiterte Sprachsteuerung klinkt sich in Google Now ein, fängt Spracheingaben ab und bietet eine Reihe weiterer gerätespezifischer Befehle. Dies beginnt damit, dass man dem Moto X einen individuellen Namen geben kann, der fortan als Hotword zum Start der Spracheingabe dient – „Hey Jarvis“, „Okay Computer“, „heda Stallbursch!“ und vieles mehr ersetzen fortan das gewohnte „Okay Google“ – der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Folgt auf dieses Hotword ein Befehl wie „was gibt’s neues?“, „Selfie machen“ oder „gute Nacht“ liest das Smartphone Benachrichtigungen und Termine vor, startet die Kamera oder aktiviert den Nachtmodus. Erkennt das Gerät dagegen keinen Moto-spezifischen Sprachbefehl, wird die Eingabe an Google Now weitergereicht und gegebenenfalls vom Google-Assistenten beantwortet.

Auch Moto Sprache ist ein Feature, dessen Benutzung schnell in Fleisch und Blut übergeht, insbesondere wenn man zuvor schon viel mit Sprachbefehlen gearbeitet hat. Zum unbestreitbaren Coolnessfaktor, sein Smartphone wie den Computer der USS Enterprise bedienen zu können, kommt eine gewisse Bequemlichkeit hinzu, nicht jedes Mal nach seinem Smartphone greifen zu müssen, wenn es klingelt – ein einfacher Ruf von der Couch quer durch das Wohnzimmer genügt.

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Doch auch außerhalb der Moto-App finden sich hie und da Detailverbesserungen: Mit Migrate kann man per NFC und Google-Account Apps und Dateien von einem anderen Smartphone übertragen und das Moto X so direkt startklar zu machen. Im Test funktionierte dies leider nicht, was mutmaßlich auf die auf dem Nexus 5 installierte Android L-Preview zurückzuführen ist.

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Mit Motorola Connect kann man eingehende Anrufe und SMS auf einem PC mit dem Chrome-Browser anzeigen lassen und letztere beantworten. Wer ohnehin die App Pushbullet nutzt, wird diese Features schon kennen, für alle anderen stellen sie einen Mehrwert dar. Wer überdies im Besitz einer Moto 360-Smartwatch ist, erhält hier einige zusätzliche Features, über die sich etwa Zifferblätter farblich anpassen lassen.

Einige weitere Details finden sich verborgen in den Einstellungen: Ein Equalizer (warum ist dieser nicht schon längst Bestandteil von Stock Android?), die Möglichkeit, den Netzbetreiber in der Statusleiste anzuzeigen sowie die Option, den Bildschirm bei Betrachtung nicht abzuschalten – hier scheint eine Gesichtserkennung ähnlich zu Samsungs Smart Stay aktiv zu sein.

Insgesamt gestaltet sich die Software also puristisch. Neben dem funktionalen und inzwischen auch hübsch anzusehenden Stock Android stellen die vorinstallierten Apps einen Mehrwert dar – natürlich abhängig vom individuellen Nutzerverhalten. Es ist übrigens wahrscheinlich, dass sich mit dem Update auf Android 5.0 Lollipop, das Motorola zeitnah ausliefern wird, das Antlitz der Software auf dem Moto X deutlich ändern wird.

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Einzig die Spotlight Stories könnte manch ein Nutzer als Bloatware ansehen: Diese stellen eine Sammlung von kurzen, interaktiven 360 Grad-Animationsfilmen dar, die der Nutzer nur durch Schwenken des Smartphones vollständig verfolgen kann – putzig, aber streng genommen unnötig.

Die Kamera des Moto X

Die Kamera war ein weiterer großer Kritikpunkt des ersten Moto X und der letzten Motorola-Smartphones generell. Rein nominell kommt in diesem Jahr ein Upgrade in Form eines 13 MP-Moduls von Sony zum Einsatz – doch vorweg: auch dieses kann nicht überzeugen.

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Die Kamera-App hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig verändert: Von links wischt man einen Ring mit verschiedenen Optionen herein, von rechts eine Übersicht bisher geschossener Fotos. Die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr rudimentär: HDR und Blitz können deaktiviert, aktiviert oder auf Automatik gestellt, der Auslöseton stumm geschalten, die Handbewegung zum Start der Kamera-App deaktiviert werden, die Auflösung und das Format des Bildes lässt sich ebenso einstellen – auch das Moto X stellt die vollen 13 MP nur im altmodischen 4:3-Format zur Verfügung, Bilder im Verhältnis 16:9 lösen lediglich mit 9,7 MP auf. Weiterhin gibt es Optionen für Videoqualität, Geotag, Panoramamodus und manuelle Auswahl des Fokuspunkts.

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Bei gutem Wetter macht die Kamera keine schlechte Figur. Links: Reguläre Aufnahme. Rechts: Mit HDR. (Zum Vergrößern klicken)

Dank des poppigen AMOLED-Screens fällt es besonders am Anfang schwer, die Farbdarstellung von Fotos abzuschätzen. Doch auch mit etwas Gewöhnung stellt sich schnell heraus, dass die Kamera besonders bei hellem Sonnenschein gerne überbelichtet und so Farbinformation verloren geht. Dunkle Flecken dagegen tendieren zu Bildrauschen. Bei guten Lichtverhältnissen kann man die Leistung der Kamera dennoch als okay bezeichnen, für schnelle Schnappschüsse taugt sie allemal. Ganz anders sieht es leider aus, sobald das Licht nachlässt: Schnell wird das ganze Bild von Rauschen dominiert. Auch der futuristisch anmutende Ringblitz hilft im Dunkeln nicht weiter. Möglich, dass das Licht wie angepriesen etwas besser verteilt wird, eine großartige Verbesserung gegenüber einem regulären sollte man dadurch aber nicht erwarten.

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Im Dunkeln setzt schnell Rauschen ein (links), Lichter wirken nicht differenziert (rechts).

Positive Worte dagegen lassen sich für den Autofokus und den Auslöser finden. Beide arbeiten äußerst schnell und meist zuverlässig, sodass Schnappschüssen nichts im Weg steht.

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Videos lassen sich mit dem Moto X in Full HD, Zeitlupe sowie 4K (2160p) aufnehmen. Videos in Full HD und 4K leiden zwar etwas unter dem fehlenden optischen Bildstabilisator, stellen aber, eine ruhige Hand vorausgesetzt, zufrieden. Die absolute Qualität der 4K-Videos konnte mangels entsprechendem Monitor leider nicht vollständig bewertet werden, die Aufnahmen erfolgen aber ruckelfrei und – abgesehen von der höheren Dateigröße – ohne Nachteile gegenüber einfacher Full HD-Auflösung. Eine Beschränkung in der Aufnahmedauer gibt es übrigens nicht, lediglich der verfügbare Speicherplatz setzt hier Grenzen.

Testvideo Full HD

Testvideo Ultra HD/4K (2160p)

Die Zeitlupenaufnahme dagegen stellt eher eine Spielerei dar: Videos werden wie gewohnt mit 30 Frames pro Sekunde in Full HD-Auflösung aufgenommen und dann mit halber Geschwindigkeit abgespielt. Durch die resultierend auf 15 fps reduzierte Bildwiederholrate wirkt das Bild holprig und grob, Videos wie etwa mit dem iPhone 6 lassen sich mit dem Moto X nicht erstellen – auch Sound fehlt bei Slo-Mo-Aufnahmen komplett. Cool ist immerhin die Funktion, mit der der Nutzer selbst bestimmen kann, welcher Abschnitt des Videos verlangsamt und welcher in Echtzeit abgespielt wird.

Full HD, Slow Motion

Die 2 MP-Frontkamera verrichtet ihren Dienst für Videotelefonie und Selfies ordentlich, mehr aber auch nicht. Bei schlechten Lichtverhältnissen kommt es schnell zur Artefaktbildung und die Performance des Suchers bricht plötzlich ein – ein Unding bei einem Smartphone der Oberklasse.

Hinsichtlich der Kameraleistung bildet das neue Moto X keine Ausnahme unter den Motorola-Geräten: Die Performance lässt zu wünschen übrig und kommt bei weitem nicht an die Qualität anderer Flaggschiffe heran. Rein Hardware-bedingt ist dieses Problem indes nicht. Der verbaute Sony IMX135-Sensor kam unter anderem schon im Samsung Galaxy Note 3 und LG G3 zum Einsatz und sorgte dort für gute Aufnahmen. Dies weckt zumindest Hoffnungen, dass Motorola mit dem Lollipop-Update das neue Kamera-API von Android 5.0 voll ausnutzen und diese Schwachstelle beheben wird.

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Als Galerie-App kommt eine oberflächlich modifizierte AOSP-Galerie zum Einsatz. Diese gliedert sich in die selbsterklärenden Kategorien Fotorolle, lokale Alben und Videos, welche allesamt über eine hereinwischbare Seitenleiste erreicht werden. Weiterhin findet sich dort die Kategorie Highlights: Hierbei handelt es sich um kurze Filme, die halbautomatisch aus Fotos und Videoclips erstellt werden können, die am selben Ort zur selben Zeit entstanden – ganz ähnlich also HTCs Zoe und den automatisch generierten Google+-Videos. Öffnet man eine Kategorie, reihen sich Fotos und Videos in einem vertikal scrollenden Raster nahtlos aneinander, öffnet man ein Bild entspricht die Funktionalität aber der zugrunde liegenden AOSP-Galerie. Es stehen also vorgefertigte Filter sowie einige Möglichkeiten der Detailanpassung zur Verfügung.

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Speicher und Konnektivität

Was den internen Speicher angeht hält sich Motorola beim Moto X (2014) weiter an das von Google vertretene Dogma: keine SD-Karten. Entsprechend ist der Nutzer je nach Modell auf 16 GB respektive 32 GB beschränkt – da bei ersterer Variante kaum 12 GB freier Speicherplatz verfügbar sind, raten wir dringend zur größeren Version. Die ist freilich nur über den Moto Maker zu haben.

Die übrigen Verbindungsmöglichkeiten entsprechen, dem verbauten Snapdragon 801-SoC sei Dank, dem momentanen Standard: Mobil steht neben HSPA auch LTE zur Verfügung, im Heimnetz versteht sich das Moto X mit den Frequenzen 2,4 GHz und 5 GHz und unterstützt neben den Standards WiFi b/g/n auch den neuesten, ac.

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Zur einfachen Paarung mit Peripheriegeräten oder anderen Smartphones verfügt das Gerät über ein NFC-Modul sowie Bluetooth 4 LE, lediglich das kabellose Laden nach Qi-Standard ist nicht implementiert – und wird vom Autor als Umsteiger vom Nexus 5 schmerzlich vermisst. Da es sich hierbei allerdings noch nicht um ein etabliertes Feature handelt, schlägt sich dieser Mangel nicht in der Bewertung nieder, lediglich im persönlichen Empfinden.

In den zwei Wochen der Benutzung verrichteten fast alle Verbindungen ihren Dienst einwandfrei. Empfangsqualität und Geschwindigkeit von Mobilfunk und WLAN waren tadellos, die Ortung per GPS erfolgte in wenigen Sekunden. Ein ungewöhnlicher Konflikt trat allerdings zwischen Bluetooth und WLAN auf: Im Testzeitraum war das Moto X ständig per Bluetooth mit dem Sony SmartBand SWR10 (Test) verbunden. Diese Kopplung zeigte sich in der Regel so lange stabil, bis sich das Gerät mit einem WLAN verband und große Datenmengen übertragen wurden, dann brach sie plötzlich ab. Weitere Recherchen ergab, dass dieses Problem mit anderen Bluetooth-Geräten nicht auftritt – es scheint also an Sonys Definition einer konstanten Verbindung zu liegen, die das Moto X nicht aufrechterhalten kann. Dieses Problem ist zwar ärgerlich, da sich SmartBand und Smartphone aber nach dem Abbruch die Verbindung automatisch neu herstellen, jedoch verzeihlich.

Telefonie und Audio

Schaut man sich die Front des Moto X an, könnte der Eindruck entstehen, es verfüge über Stereo-Lautsprecher – zumal der kleine Bruder Moto G (2014) ebensolche besitzt. Weit gefehlt: Der obere Metallstreifen verbirgt lediglich die Hörermuschel, während nur der untere einen Lautsprecher bedeckt.

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Dieser verrichtet seine Arbeit aber auch alleine ganz gut und gibt Sound in ordentlicher Lautstärke und Qualität aus. Konkurrenz mit HTCs BoomSound besteht hier zwar nicht, doch sollte der Lautsprecher für die gängigen Einsatzzwecke eines Smartphones mehr als ausreichend sein – selbst bei maximaler Lautstärke ist keinerlei Scheppern zu hören.

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Ebenso kann die Qualität bei der Telefonie überzeugen. Im deutschen D2-Netz (Vodafone) war die Gegenstelle stets gut verständlich und die Stimme kam trotz Umgebungsgeräuschen gut an. Hier gibt es nichts zu meckern.

Akkulaufzeit und Alltagstauglichkeit

„Was soll ich mit einem Smartphone, das größer als 4,7 Zoll in der Diagonalen ist?“ – so noch die Meinung des Autors vor wenigen Jahren. Dann kam das Nexus 5 und nun schließlich das Moto X, und die Meinung musste relativiert werden. Sicherlich hätte das Moto X auch mit 5 Zoll Display-Diagonale gut funktioniert, doch dank der kompakten Bauweise schlägt es sich im Alltag de facto nicht anders als Googles letztes Nexus.

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Dieser kompakten Bauweise ist auch zu verdanken, dass lediglich ein nicht wechselbarer Akku mit 2.300 mAh Ladung im Gehäuse Platz gefunden hat – auf dem Papier sehr wenig, wenn man neben der beachtlichen Display-Größe das immer mithörende Mikrofon sowie die vier ständig aktiven Infrarot-Sensoren beachtet. Dennoch schafft es Motorola, dank optimierter Software die begrenzten Ressourcen optimal auszunutzen. Bei mittlerer Benutzung sind 17 Stunden Akkulaufzeit keine Seltenheit, bei starker Nutzung etwa von Browser, Maps zur Navigation und dem ein oder anderen Game sollte der Akku dennoch 12 Stunden durchhalten und somit auch den längsten Arbeitstag überstehen. Ein Akkuwunder ist das Moto X also nicht, man darf sich aber auch vom nominell kleinen Akku nicht abschrecken lassen.

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Ein weiteres großes Fragezeichen schwebt vor dem Kauf wohl über der Alltagstauglichkeit der exotischen Materialien. Wie überstehen Holz und Leder das ständige Rein und Raus in die und aus der Hosentasche? Laut einigen Berichten im Netz scheint sich das Leder stabil zu sein aber sich recht schnell abzugreifen – ob dies gut oder schlecht ist hängt wohl vom ästhetischen Empfinden des Nutzers ab, mangels Testexemplar wollen wir uns hier kein Urteil erlauben. Die Holzrückseite zeigt sich im Alltag allerdings äußerst robust und angenehm in der Handhabung. Sicherlich wäre ein texturiertes oder gummiertes Plastik etwas griffiger, doch gibt auch das natürliche Gefühl des Holzes, das trotz der Bearbeitung und Versiegelung zum Vorschein kommt, einigen Halt. Wie sich das Material über Jahre hinweg schlägt, bleibt natürlich abzuwarten.

Motorolas Anpassungen, allen voran die Sprachbefehle und die liebevoll Twisty Wristy genannte Drehbewegung zum Start der Kamera werden schnell Teil des Alltags. Beim Schreiben dieses Testberichts etwa beantwortete der Autor eine SMS, die das Moto X vorgelesen hatte, wie selbstverständlich per Spracheingabe. Dieser Dialog mit dem Smartphone stellt gemeinsam mit der optischen Anpassbarkeit an die eigenen Wünsche wohl den wichtigsten Faktor dar, eine persönliche Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu etablieren und den Kunden an das Moto X zu binden – und dieses Kalkül geht auf.


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Fazit zum Moto X (2014): Das persönlichste Smartphone

Ist das Moto X nun das perfekte Smartphone, wie eingangs gefragt? Nein, das leider nicht. Zum perfekten Smartphone fehlt zumindest eine bessere Kamera sowie kabelloses Laden. Auch muss die Frage gestattet sein, warum Motorola seinem Mittelklasse-Modell Moto G (2014) Features wie einen microSD-Kartenslot und Stereo-Lautsprecher spendiert, nicht jedoch seinem Flaggschiff. Auch wenn wir darauf keine Antwort haben, ist das Moto X dem perfekten Smartphone so nahe wie kein anderes.

Das ist vor allem Verdienst des persönlichen Faktors: Es macht eben doch einen Unterschied aus, ob man ein Smartphone von der Stange kauft – selbst wenn dieses in einem halben Dutzend Farbvarianten zur Verfügung steht –, oder ob man es optisch vollständig und nuanciert an das eigene ästhetische Empfinden anpassen kann. Ob man nun ein Fußballfan ist und das Gerät farblich an das favorisierte Team anpasst, ob man Gothic-Anhänger ist und sich ein rundheraus schwarzes Gerät mit roten Akzenten wünscht oder als Ottonormalbürger einfach seine Lieblingsfarben verwendet und das Moto X mit austauschbaren Mottos vom Schlage eines „Carpe Diem“ ausstattet – nirgendwo hat man so stark das Gefühl, dass es sich um die Verlängerung der eigenen Persönlichkeit in einen Gebrauchsgegenstand hinein handelt wie beim Moto X. Dieser Aspekt ist kaum zu unterschätzen bei einem Gerät, dass man Dutzende Male täglich in die Hand nimmt. Deswegen raten wir auch dringend dazu, eine optisch selbst konfigurierte Variante des Moto X aus dem Moto Maker zu wählen, auch wenn diese ein bisschen teurer sein mag und unter Umständen den Wiederverkaufswert schmälert.

Davon abgesehen zeigt das Moto X wichtige Eigenschaften auf, die in der Android-Welt allzu gerne übersehen werden:

Moto-X-2014-Foto-18

Es nutzt hochwertige Materialien und verarbeitet diese sauber. Beim Moto X befinden sich wie bei wenigen anderen Geräten Materialwahl, Gestaltung und Verarbeitung im Einklang – was nützt ein Aluminiumgehäuse, wenn das Smartphone dadurch klobig wird? Was die eleganten Kurven, wenn sie aus glitschigem Plastik gefertigt sind? Überdies zeigt Motorola Liebe zum Detail, die sich etwa in der symmetrischen Anordnung optischer Elemente oder der Riffelung des Power-Buttons äußert.

Komplementiert wird dieses hübsche Äußere durch ein Innenleben, das – um ein Apple-Mantra zu beschwören – einfach funktioniert. Prozessor und Arbeitsspeicher sind nicht „Cutting Edge“, aber schnell und groß genug, um bei der Benutzung nicht im Weg zu stehen. Ebenso wird die Software zunächst aufs Wesentliche reduziert, um daraufhin hier und dort sinnvoll erweitert zu werden, statt den Nutzer mit einer Flut gut gemeinter aber mehrheitlich überflüssiger Features zu erschlagen.

Mit dem Moto G (2013, Test) hat Motorola Empfehlungen für Smartphones der Mittelklasse zum „No-Brainer“ gemacht. Wenn auch nicht so eindeutig erfüllt das Moto X (2014) diese Funktion nun in der Oberklasse.

Wertung

  • Display: 4/5
  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Kamera: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5
  • Bonuspunkt für Individualisierbarkeit (Moto Maker-Version): +1

Insgesamt: 4,5/5

Motorola-Moto-X-2014-Test-Badge-androidnext

Pro

  • Hervorragende Materialien und Verarbeitung
  • Vanilla Android mit sinnvollen Erweiterungen
  • Individuell gestaltbar

Kontra

  • Verbesserungswürdige Kamera
  • Knapp bemessener Akku
  • Keine Speichererweiterung, 16 GB-Version zu wenig


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