Spyder 3 Studio

Das Spyder 3 Studio genannte Bundle von Datacolor besteht aus Spyder 3 für die Monitor- und Projektorkalibration und Spyder Print für die Druckerkalibration. Durch das Prinzip der getrennten Messgeräte ergeben sich in der Handhabung zwangsläufig Einschränkungen gegenüber einer All-in-One-Lösung, denn jede Hauptaufgabe verlangt hier ihr spezifisches Messgerät und eine eigene Software.


Der neue Spyder-3-Sensor verfügt über sieben Filter und einen Umgebungslichtsensor. Von Letzterem sollte man nicht zu viel erwarten, denn er kann lediglich die Helligkeit messen und sitzt auf der Außenseite des Gehäuses. Nach einer Messung wird das Umgebungslicht in fünf Klassen zwischen zu hell und zu dunkel kategorisiert. Eine Farbtemperaturmessung ist nicht möglich, da der Sensor über keinen Kosinus-korrigierten Aufsatz verfügt, was die Funktion der Umgebungslichtmessung stark einschränkt. Dank der vielen Farbfilter erweist sich Spyder 3 grundsätzlich als präzises Messgerät – leider wird die Software diesem Niveau bei der Profilgüte nicht ganz gerecht. Zwar wird der Weißpunkt genau getroffen, aber das Gamma ist etwas zu hoch, die Grauachse nicht ganz neutral, und die Profilgenauigkeit ist mit einem Maximalfehler von über 6 Delta E deutlich höher als die Grenzwerte, die die UDACT-Zertifizierung für eine Monitorkalibration erlaubt. Die Messung dauert mit 6 bis 8 Minuten recht lang, was der Messgeschwindigkeit des Sensors geschuldet ist und weniger der Anzahl der gemessenen Farbfelder, denn neben der (optionalen) Grauachse werden nur Rot-, Blau- und Grüntone vermessen. Eine Vermessung von Sekundärfarben findet nicht statt.
Professionelle Zusatz-Features wie Kurven-justage und Messhistorie runden den Funktionsumfang ab und erlauben eine manuelle Korrektur der Kalibration. Nach Abschluss der Kalibration können mit der Funktion SpyderProof ein Softproof mit dem Datacolor-Testbild oder ein Vorher-nachher-Vergleich durchgeführt werden.


Die gegenüber einer Streifenmessung langsamere Spotmessung wird etwas kompensiert, da ab der Software-Version 3.5 das Messintervall auf die Hälfte verkürzt wurde. Ein zweiseitiges Chart mit 449 Farbfeldern benötigt dann nur noch etwa 10 Minuten Messzeit. Durch die Kombination eines Graubalance- und Farbcharts erzeugt die Spyder-Print-Lösung gut durchgezeichnete Hauttöne und glänzt besonders bei Schwarz-Weiß-Drucken mit einer sauberen Abstufung und einer neutralen Graubalance. Hier zeigt sich deutlich der Vorteil gegenüber Lösungen mit einer geringeren Zahl an Farb- und Graufeldern.
Richtig glänzen kann das erzeugte Profil im Vergleich zu den bei Fotodruckern mitgelieferten Werksprofilen. Es fällt allerdings auf, dass der resultierende Farbraum etwas kleiner ausfällt als bei einer Spektralvermessung. Der aus der Monitorkalibration bekannte Softproof-Viewer findet sich auch hier und gestattet einen Ausblick auf das Kalibrationsergebnis.
So testet MACup
Die Kalibration testeten wir mit einem Apple Cinema Display, das an einen Mac Mini Core 2 Duo unter Mac OS 10.4.11 angeschlossen ist, einem Optoma-910-Projektor und dem Drucker Epson Stylus Photo R2400. Eine messtechnische Überprüfung der Monitorkalibration erfolgte mit dem Ugra Display Analysis Tool (UDACT) der Schweizer Ugra. Die Ausdrucke wurden optisch über die Visual Print Reference und gegen eine Referenzkalibration mit spektraler Messung verglichen. Zusätzlich wurden ausgewählte Farbfelder direkt mit einer Referenz verglichen.
Fazit
Obwohl die Gesamtlösung in der Handhabung und der Messgeschwindigkeit hinter einer All-in-One-Lösung wie dem X-Rite ColorMunki zurückfällt, zeigen sich doch viele clevere Details, die sich sonst nur in absoluten Profilösungen finden. Datacolor gelingt diese Balance zwischen Consumer-Anforderungen und Profi-Features recht gut und das macht Spyder 3 Studio zu einem lohnenswerten Komplettpaket für versiertere Anwender ohne zu hohe Ansprüche an die absolute Präzision.
Glossar
- Gradation Tonwertkurve beispielsweise von Monitoren. LCDs haben im Allgemeinen ein Gamma von etwa 2.2 als Gradation.
- Primärfarben Farben 1. Ordnung. Beim additiven Modell (RGB) sind dies Rot, Grün und Blau, im subtraktiven Modell entsprechend Cyan, Magenta und Gelb. Die Mischung zweier Primärfarben ergibt immer eine sekundäre Farbe, Cyan + Magenta = Blau oder Blau + Grün = Cyan.
- Chromatische Adaption Hier die Funktion, bei der eine Monitorfarbtemperatur jenseits von D50 auf den ICC-Standard D50 zurück-gerechnet wird, um die Farben korrekt anzuzeigen.
- Delta E Farbfehler zwischen zwei Farbtönen – meist zwischen Soll- und Istwert. Ab etwa 3 Delta E bis 5 Delta E erkennt das menschliche Auge Unterschiede zwischen Farben.
Jörn S. Schneider/ok



