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Spyder 3 Studio

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Die Spyder- und PrintFIX-Serie wendet sich seit Jahren an Designer und Fotografen. Spyder 3 Studio soll die Kalibration von Monitor, Beamer und Drucker nun noch einfacher gestalten

Das Spyder 3 Studio genannte Bundle von Da⁠tacolor besteht aus Spyder 3 für die Mo⁠ni­tor- und Pro­jek­⁠tor⁠kalibration⁠ und Spyder Print für die Druc⁠kerkalibration. Durch das Prinzip der getrennten Messgeräte ergeben sich in der Hand­habung zwangsläufig Einschränkungen gegenüber einer All-in-One-Lösung, denn jede Hauptaufgabe verlangt hier ihr spezifisches Messgerät und eine eigene Software.

Datacolor hat sich jedoch die Mühe gemacht, die beiden Applikationen aneinander anzu­gleichen, und es zeigt sich im Detail, dass sich speziell bei der Software auch einiges unter der Haube getan hat. Die Spyder-Software erscheint in einem aufgeräumten Fenster und leitet den Anwender zum Ziel: dem kalibrierten Monitor, Projektor oder Drucker. Die Monitorkalibration gefällt dabei durch verschiedene Modi – je nach Anwenderanspruch und Know-how. Im einfach⁠s­­ten Modus wird der Monitor ohne jegliche Justagen auf ein Ziel kalibriert. Im Experten-Mo⁠dus hat der Benutzer dann vollständigen Zu⁠griff auf al⁠le wichtigen Parameter wie Weißpunkt, Lu⁠minanz und Gamma. Profis können zu⁠dem be⁠stimmen, ab welcher Abweichung die Software bei der Kalibration einen Fehler angibt und wel⁠che chromatische Adaption gewählt wird. Einschränkend fällt lediglich auf, dass – an⁠ders als bei vergleichbaren Lösungen – relativ viele Schritte zu erledigen sind, bevor man überhaupt mit einer Messung beginnen kann.

Der neue Spyder-3-Sensor verfügt über sie­ben Filter und einen Umgebungslichtsensor. Von Letzterem sollte man nicht zu viel erwarten, denn er kann lediglich die Helligkeit messen und sitzt auf der Außenseite des Gehäuses. Nach einer Messung wird das Umgebungslicht in fünf Klassen zwischen zu hell und zu dunkel kategorisiert. Eine Farbtemperaturmessung ist nicht möglich, da der Sensor über keinen Kosinus-korrigierten Aufsatz verfügt, was die Funktion der Umgebungslichtmessung stark einschränkt. Dank der vielen Farbfilter erweist sich Spyder 3 grundsätzlich als präzises Messgerät – leider wird die Software diesem Niveau bei der Profilgüte nicht ganz gerecht. Zwar wird der Weißpunkt genau getroffen, aber das Gamma ist etwas zu hoch, die Grauachse nicht ganz neutral, und die Profilgenau­igkeit ist mit einem Maximalfehler von über 6 Delta E deutlich höher als die Grenzwerte, die die UDACT-Zertifizierung für eine Monitorkalibration erlaubt. Die Messung dauert mit 6 bis 8 Minuten recht lang, was der Messgeschwindigkeit des Sensors geschuldet ist und weniger der Anzahl der gemessenen Farbfelder, denn neben der (optionalen) Grauachse werden nur Rot-, Blau- und Grüntone vermessen. Eine Vermessung von Sekundärfarben findet nicht statt.

Professionelle Zusatz-Features wie Kurven-justage und Messhistorie runden den Funktionsumfang ab und erlauben eine manuelle Korrektur der Kalibration. Nach Abschluss der Kalibration können mit der Funktion SpyderProof ein Softproof mit dem Datacolor-Testbild oder ein Vorher-nachher-Vergleich durchgeführt werden.

Die Profilierung und Kalibration von Digitalprojektoren (Beamern) ist ein interessanter Zu⁠satznutzen, und der Spyder 3 wird gleich mit einer Stativhalterung geliefert. Diese ist auch notwendig, denn das Colorimeter muss etwa 30 cm von der Projektionsfläche entfernt aufgestellt werden – eine dafür zumeist benötigte USB-Ver⁠längerung liegt leider nicht bei. Die Präzision der Profilierung ist dem Zweck angemessen, wo⁠bei die Farben etwas flau rüberkommen, in sich aber stimmig sind. Da jedoch keine RGB-Justage stattfindet, muss das Profil alle Abwei­chungen kompensieren, was zwangsläufig mit Dynamikeinschränkungen einhergeht.

Anders als in früheren Versionen zeigt sich die Spyder-Print-Software für die Kalibration von RGB-Druckern im gleichen Kleid wie die Monitorkalibration. Neu ist auch ein Messlineal zur besseren Ausrichtung des Sensors. Es bleibt aber dabei, dass das Spyder-Print-Spektrocolorimeter keine Streifen messen kann – auch wenn das Li⁠neal dies suggeriert. Ebenso bleibt es bei der Be⁠schränkung auf RGB-Targets, da im Messgerät kein Spektralsensor, sondern ein Colorimeter mit eigener 6-Farb-Lichtquelle zum Einsatz kommt.

Die gegenüber einer Streifenmessung langsamere Spotmessung wird etwas kompensiert, da ab der Software-Version 3.5 das Messintervall auf die Hälfte verkürzt wurde. Ein zweiseitiges Chart mit 449 Farbfeldern benötigt dann nur noch etwa 10 Minuten Messzeit. Durch die Kombination ei⁠nes Graubalance- und Farbcharts erzeugt die Spyder-Print-Lösung gut durchgezeichnete Haut­töne und glänzt besonders bei Schwarz-Weiß-Drucken mit einer sauberen Abstufung und einer neutralen Graubalance. Hier zeigt sich deutlich der Vorteil gegenüber Lösungen mit ei⁠ner geringeren Zahl an Farb- und Graufeldern.

Richtig glänzen kann das erzeugte Profil im Vergleich zu den bei Fotodruckern mitgeliefer­ten Werksprofilen. Es fällt allerdings auf, dass der resultierende Farbraum etwas kleiner ausfällt als bei einer Spektralvermessung. Der aus der Monitorkalibration bekannte Softproof-Vie⁠wer findet sich auch hier und gestattet einen Ausblick auf das Kalibrationsergebnis.

So testet MACup

Die Kalibration testeten wir mit einem Apple Cinema Display, das an einen Mac Mini Core 2 Duo unter Mac OS 10.4.11 angeschlossen ist, einem Optoma-910-Projektor und dem Drucker Epson Stylus Photo R2400. Eine messtechnische Überprüfung der Monitorkalibration erfolgte mit dem Ugra Display Analysis Tool (UDACT) der Schweizer Ugra. Die Ausdrucke wurden optisch über die Visual Print Reference und gegen eine Referenzkalibration mit spektraler Messung verglichen. Zusätzlich wurden ausgewählte Farbfelder direkt mit einer Referenz verglichen.

Fazit

Obwohl die Gesamtlösung in der Handhabung und der Messgeschwindigkeit hinter einer All-in-One-Lösung wie dem X-Rite ColorMunki zurückfällt, zeigen sich doch viele clevere Details, die sich sonst nur in absoluten Profilösungen fin⁠den. Datacolor gelingt diese Balance zwischen Consumer-Anforderungen und Profi-Features recht gut und das macht Spyder 3 Studio zu ei⁠nem lohnenswerten Komplettpaket für ver­sier⁠tere Anwender ohne zu hohe Ansprüche an die absolute Präzision.

Glossar

  • Gradation Tonwertkurve beispielsweise von Monitoren. LCDs haben im Allgemeinen ein Gamma von etwa 2.2 als Gradation.
  • Primärfarben Farben 1. Ord­nung. Beim additiven Modell (RGB) sind dies Rot, Grün und Blau, im subtraktiven Modell entsprechend Cyan, Magenta und Gelb. Die Mischung zweier Primär­farben ergibt immer eine sekundäre Farbe, Cyan + Magenta = Blau oder Blau + Grün = Cyan.
  • Chromatische Adaption Hier die Funktion, bei der eine Monitorfarbtemperatur jenseits von D50 auf den ICC-Standard D50 zurück-gerechnet wird, um die Farben korrekt anzuzeigen.
  • Delta E Farbfehler zwischen zwei Farbtönen – meist zwischen Soll- und Istwert. Ab etwa 3 Delta E bis 5 Delta E erkennt das mensch­liche Auge Unter­schiede zwischen Farben.

Jörn S. Schneider/ok


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