Motorola RAZR im Test: Majestätsbeleidigung oder Fortführung einer Legende?

Frank Ritter
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In den USA wurde das Motorola DROID RAZR zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt vorgestellt: Nur wenige Stunden vor dem Galaxy Nexus. Auch die europäische Version, die sich ohne das „DROID“ im Namen nur Motorola RAZR schimpft, leidet ein wenig unter der Präsenz des offiziellen Google Phones mit der strahlenden neuen Android-Version „Ice Cream Sandwich“. Kein Zweifel: Das Motorola RAZR erhält nur einen Bruchteil der medialen Aufmerksamkeit, die ihm eigentlich zustehen würde – im Angesicht der Leistungsdaten, des ungewöhnlichen Designs und auch der Geschichte der RAZR-Serie eigentlich ein Unding. Oder ist das Schattendasein, das das RAZR in der öffentlichen Wahrnehmung fristet, gar berechtigt? Wir werfen einen intensiven Blick auf das Superphone.

Motorola RAZR im Test: Majestätsbeleidigung oder Fortführung einer Legende?

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Optik und Haptik

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Das Motorola RAZR folgt derselben Designsprache wie die Motorola XOOM-Tablets der neuen Generation. Soll heißen: Statt des in der Branche üblichen Rechtecks hat Motorola an den Ecken jeweils noch ein kleines Stück weggekürzt, sodass man im Grunde ein angedeutetes Achteck betrachtet. Ungewöhnlich, aber nicht unbedingt schlecht und gewiss auch ein kleines bisschen als Rückversicherung gegen Geschmacksmuster-Klagen von Apple geeignet.

Zu den rohen Daten: Das RAZR ist 6,9 cm breit, 13,1 cm hoch und damit merklich höher und auch etwas breiter als beispielsweise das Samsung Galaxy S II (12,5 cm x 6,6 cm). Das liegt nur zum Teil an dem etwas größeren Display des RAZR (4,3 statt 4,2 Zoll Bilddiagonale). Ein wichtiger Grund dafür ist, dass der Akku und die Technik im RAZR ihren Platz brauchen. Da das Gerät sehr flach ist, haben sich die Ingenieure den Platz eben in der Breite und Höhe besorgt. Dadurch ist der Rand zwischen Gehäuse und Display recht breit: Das bewirkt bereits, dass sich das Gerät deutlich schlechter in der Hand anfühlt und bedienen lässt als das SGS2.

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Links: Motorola RAZR, Rechts: Samsung Galaxy S II

Betrachtet man das RAZR von der Seite, fällt als erstes die „Wulst“ am oberen Rand des Gerätes auf, in der sich Kamera, LED-Blitz, Lautsprecher sowie an der Oberseite die Anschlüsse für Micro-USB, Micro-HDMI und Lautsprecher befinden. Mit Ausnahme der Aussparung für den Lautsprecher ist die gesamte Front mit einer Scheibe aus dünnem Glas versehen. Als zweites fällt dann auf, wie dünn das Gerät an der flachsten Stelle ist – nur 7,1 mm (Galaxy S II: 8,5 mm). Diese Flachheit fordert ihren Tribut: So kann man zum einen den Akku nicht wechseln, zum anderen besitzt das RAZR zwangsweise ein Display mit AMOLED-Technologie; mitsamt dessen Stärken und Schwächen, aber dazu später mehr.

Die Front aus kratzfestem Gorilla Glass wird an der oberen Seite vom Hersteller-Schriftzug auf einer schmalen Metallplatte gesäumt. Ebenfalls oben sichtbar sind die Frontkamera und der Lichtsensor. An der Unterseite ist ein kaum sichtbares Loch für das Mikrofon eingelassen, dort befinden sich auch die vier Touch-Buttons in der Reihenfolge Menü, Home, Zurück und Suchen.

razr kevlar

Die Rückseite des RAZR ist mit einer Beschichtung aus Kevlar überzogen – ein massiv beworbenes Feature und sicherlich auch Alleinstellungsmerkmal des Gerätes. Dieses soll den Anspruch des RAZR auf besondere Widerstandsfähigkeit gegen physische Einflüsse unterstreichen. Etwas widersinnig dabei ist, dass die Kevlar-Beschichtung sich ausschließlich über einen Bereich zieht, der aufgrund der Bauform des Gerätes sowieso nie Bodenkontakt haben kann.

An der rechten Geräteseite in der oberen Hälfte findet sich die Power-Taste, mit etwa 1,5 cm Abstand darunter die Lautstärketasten. Links verbergen sich hinter einer Klappe mit Magnetverschluss zwei Einschübe: einer für eine (nicht mitgelieferte) SD-Karte – kompatibel mit SDHC-Karten bis 32 GB und bis 64 GB, die den vorhandenen internen Speicher von 16 GB auf theoretisch 80 GB erweitern können. Ein weiterer Einschub ist der Micro-SIM-Karte vorbehalten.

motorola razr

Der Kevlarrücken wird von einem Rahmen aus Edelstahl eingefasst. Der umgibt allerdings nicht das gesamte Gerät im Unibody-Stil, stattdessen ist das Außengehäuse des Geräts mehrteilig und besitzt baulich bedingte Rillen. Das tut dem stabilen Eindruck, den das RAZR macht, jedoch keinen Abbruch. Überhaupt muss sich Motorola verarbeitungstechnisch keinen Vorwurf machen: Das Smartphone wirkt trotz seines grazilen Profils so, als ob es kein Wässerchen trüben könnte – oder besser umgekehrt: buchstäblich von keinem Wässerchen getrübt werden könnte; denn auch ein paar Spritzer Flüssigkeit soll das Smartphone dank einer speziellen Nanobeschichtung problemlos abkönnen. Das Risiko sind wir nicht eingegangen, schließlich müssen wir unser Testgerät in tadellosem Zustand zurückgeben, aber diverse Versuche mutiger RAZR-Besitzer, die in YouTube-Videos festgehalten sind, bestätigen das.

So viel zu den objektiven äußeren Werten. Die Frage, die die meisten Leser dieses Testberichts sicher umtreibt, ist: Wie fühlt sich das Gerät an? Mit einem Wort: durchwachsen.

Das Format des RAZR ist ungewöhnlich. Die „Knubbel“ in diversen Smartphones der neuesten Generation sind mittlerweile normal, aber dass dieser Knubbel oben statt unten sitzt, wie bei der Galaxy S-Serie oder auch älteren Motorola-Modellen, nicht. Man gewöhnt sich aber im Nu daran und weiß ihn nach einigen Tagen der Benutzung sogar zu schätzen: Hält man nämlich das Gerät während eines Gesprächs längere Zeit am Ohr, dient er dem Zeigefinger als Stütze.

motorola razr 2011

Die Kevlar-Beschichtung auf der Rückseite, die sich leicht gummiartig anfühlt, mag das Gerät geringfügig leichter machen als vergleichbare Smartphones mit einer Plastik- oder Metallrückseite, letztlich ist das Alleinstellungsmerkmal aber ein Marketinggag. Es bringt keinen realen Vorteil, aber es stört auch nicht.

Deutlich stärker stört da das Format des Motorola RAZR: So ist nicht nur die Bildschirmgröße von 4,3 Zoll in der Diagonale an der absoluten Obergrenze des Spektrums von einhändig bedienbaren Touchscreens, auch das dünne Profil und die geringe Breite lassen das RAZR nicht gerade zu einem Handtellerschmeichler werden. Wohlgemerkt: Das Samsung Galaxy S2, das hier schon wieder als Vergleichsgröße herhalten muss, bereitet dem Tester mit durchschnittlich großen Händen keine Probleme. Herbe Kritik müssen sich die Ingenieure des RAZR auch an den Lautstärketasten gefallen lassen: Diese sind sehr schmal und heben sich wenig vom Gehäuse ab, so dass man beim „blinden“ Bedienen Probleme bekommen kann, etwa um die Gesprächslautstärke anzupassen. Überhaupt macht die Position der Lautstärketasten wenig Sinn: So sind sie in der für einen Rechtshänder wohl schlechtest möglichen Position angebracht und verlangen absurde Verrenkungen des Daumens beim Regeln der Lautstärke.

Display

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Das Display des Motorola RAZR nennt sich Super AMOLED Advanced Screen. Wofür das Advanced steht, können wir nicht genau beantworten, aber mit ziemlicher Sicherheit dürfte das Display in qHD-Auflösung (960 x 540) von Samsung gefertigt worden sein. Das Display ist noch mit einer PenTile-Matrix versehen – was trotz der hohen Auflösung für ein nicht ganz so scharfes Bild sorgen soll wie Super AMOLED-Screens mit RGB-Matrix. In der Praxis nimmt man das höchstens latent wahr, vor allem bei weißer Schrift auf schwarzem Untergrund. Motorola hat das Display bei automatischer Helligkeitsanpassung eher dunkel eingestellt. Des weiteren wirkt das Bild – insbesondere für ein S-AMOLED – sehr warm. Zu warm, denn wenn man die Displayhelligkeit nicht manuell auf einen relativ hohen Wert justiert, besitzen alle an sich weißen Flächen eine leichten grauen und gelben Touch. Vermutlich wird Motorola versucht haben, die Farbdarstellung per Treiberanpassung an die standardmäßig wärmer wirkenden LCD-Screens anzupassen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Unser Tipp: In den Anzeigeeinstellungen den „Display-Energiesparmodus“ ausstellen sowie unter „Helligkeit anpassen“ die Auto-Helligkeit deaktivieren, dann mit dem Schieberegler einen Wert nach eigenem Gusto einstellen – etwa 70% haben sich in unserem Test bei den meisten Lichtverhältnissen als angenehm erwiesen.

Aber auch die positiven Eigenschaften des Super AMOLED-Screens sollen nicht unerwähnt bleiben: Dank der hohen Auflösung ist viel Platz auf dem Bildschirm. Die Farben sind intensiv, die Kontraste hoch, das Schwarz so dunkel, wie es dunkler eben nicht geht. Das Bild bleibt auch bei spitzen Betrachtungswinkeln relativ farbtreu. Und natürlich benötigt ein AMOLED-Screen auch keine Hintergrundbeleuchtung, was ein gleichmäßig ausgeleuchtetes Bild befördert und die kompakte Bauform erst ermöglicht.

Software

Auf dem Motorola RAZR kommt mit Android 2.3.5 eine relativ aktuelle Version von Android zum Einsatz. Des weiteren soll in Kürze ein Update auf Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ erfolgen. Da wir nur Fakten und keine Versprechen bewerten, fließt das jedoch nicht in die Wertung ein.

Motorola hat das Android auf dem RAZR mit einer eigenen Oberfläche und zahlreichen eigenen Apps verändert. Ich hätte an der Stelle gern „verbessert“ geschrieben, das könnte ich jedoch nicht guten Herzens tun. Denn es gibt, neben einigen ansehnlichen Effekten beim Bewegen und Verschieben von Objekten auf dem Homescreen, einiges zu bemängeln. Hier mehrere Punkte, die uns in unserem Test besonders negativ aufgefallen sind:

Beim Sliden nach links oder rechts über den Homescreen ist kurz nach der Hälfte der Bewegung irgendwann ein „Point of no Return“ erreicht, bei dem der Bildschirm einfach weiter scrollt, egal, wie sich der Finger bewegt – nervig und unintuitiv. Im App-Drawer existiert das Problem nicht. Dafür wirkt dort die Schrift unter den Icons merkwürdig verwaschen. Bei einem Buchstaben „N“ etwa wird die linke vertikale Linie gelegentlich doppelt so dick dargestellt wie die rechte. Manche Apps, mit denen Motorola die Standard-Apps ersetzt, wirken schlecht oder zumindest übertrieben kompliziert übersetzt. Uns kam zum Beispiel eine „Stromtaste“ anstatt eines Power-Buttons unter.

Insgesamt wirken die Apps von Motorola inkonsistent und erschlagen den Nutzer mit Optionen. Als Beispiel sei hier die Galerie zu nennen: Neben den lokal auf dem Handy gespeicherten Bildern hat man hier beispielsweise auch Zugriff auf die Bilder der Freunde bei Flickr und Co. (Konten für diverse Webdienste und Soziale Netzwerke richtet man global bei Inbetriebnahme des Smartphones ein). Was soll ein Menüpunkt wie „Fotorolle“ eigentlich bedeuten? Hinter der Featuritis deutlich vernachlässigt wurde der Feinschliff der Basisfunktionen. So ruckelt das RAZR beim Pinch-to-Zoom einzelner Bilder in der Galerie nur so vor sich hin, was den Genuss der eigenen Bilder deutlich erschwert und den Sinn einer Galerie-App ad absurdum führt. Und warum hat eine Galerie-App, die sich so stark die Anbindung an soziale Netzwerke auf die Fahne schreibt, eigentlich keine „Share“-Funktion?

Ganz besonders ärgerlich ist auch beim RAZR wieder die Vorinstallation einer Vielzahl an Apps, die nur für wenige Nutzer von Interesse sind und/oder für die es bessere Alternativen im Android Market gibt. Der Umgebungserkunder Social Location, der E-Book-Reader Zinio und die App GoToMeeting, deren Zweck sich uns nicht erschloss, sind Beispiele dafür. Viel wäre schon gewonnen, wenn Motorola diese Apps deinstallierbar gemacht hätte. Insbesondere bei der App der Zeitung „BILD“ wäre das wünschenswert gewesen, denn bei weitem nicht jeder Nutzer möchte von den brennenden Neuigkeiten des Revolverblatts zwangsbespaßt werden, die diese ungefragt in die Benachrichtigungsleiste wirft.

Doch die Software des RAZR hat auch gute Seiten. Gut zu gefallen wissen die Animationen beim Verschieben von Widgets, auch ist der Wechsel vom Portrait- in den Landscape-Modus oder umgekehrt butterweich animiert. Einzelne Apps wie der Musikplayer besitzen einen schicken Cover-Flow-artigen Effekt. Ein nettes Detail am Musikplayer ist, dass er auch das Abspielen von Onlineradios (per Shoutcast-Protokoll) unterstützt. Das Personenwidget auf dem Homescreen ist pfiffig – wenn man auf ihm „herunterwischt“, erscheinen statt vier die 16 wichtigsten Kontakte.

Ein Lob gebührt auch den Intelligenten Aktionen (Smart Actions). Hier kann man Einstellungen des Gerätes automatisieren (Gerätezustände oder Ähnliches), basierend auf bestimmten Orten an denen man sich befindet. So wird das Handy auf Wunsch leise gestellt, wenn man sich im Büro befindet, das Display gedimmt und die automatische Hintergrundsynchronisierung gestoppt, wenn nicht mehr genügend Akku vorhanden ist. Diese Funktion ist nicht nur pfiffig und zugänglich gestaltet, sie schlägt dem Nutzer auch regelmäßig sinnvolle Einsatzregeln vor.

Trotzdem bleibt unterm Strich das Bild eines überladenen Softwarepakets auf dem RAZR, das mir persönlich optisch zu bunt und einen Tick zu aufdringlich daherkommt.

Performance

Leistungsmäßig erfüllt das Gerät alle an es gestellten Erwartungen: Die 1,2 GHz-Doppelkern-CPU vom Typ TI OMAP 4430 beschleunigt das Gerät so, dass es allerhöchstens auf stark überladenen Homescreens zu winzigen Rucklern kommt. Apps werden flink gestartet, 1 GB RAM sorgt für entspanntes Multitasking.

Wer Benchmarks mag: hier die Ergebnisse des jeweils mittleren Ergebnissen aus einer Testreihe von je drei Versuchen.

  • CF-Bench Native: 11112; Java: 3002; Overall: 6304
  • Quadrant: 2497
  • Antutu: 5588

In Spielen, egal ob 2D oder 3D, zeigte sich das Motorola RAZR von seiner besten Seite – mit einer Ausnahme: Die Wischbewegungen bei Fruit Ninja nahm der Touchscreen nur stark verzögert an. Der Fehler verschwand auch nach einem Neustart nicht.

Insgesamt geht die Leistung des Motorola RAZR voll in Ordnung für ein Hersteller-Spitzenmodell, wobei mit einer Firmware auf Ice Cream Sandwich-Basis und/oder Custom ROMs sicher noch ein bisschen mehr drin ist.

Kamera

Zwar fehlt im Motorola RAZR ein dezidierter Kamera-Button, mit dem man die Kamera-App starten kann, immerhin befindet sich auf dem Standard-Lockscreen aber eine Option, dank der man durch das Wischen nach rechts die Kamera einsatzbereit macht. Der Auslöser in der Foto-App reagiert recht schnell – schneller als das SGS2, aber langsamer als das Galaxy Nexus.

Bei guten Lichtverhältnissen macht das RAZR sehr gute, wenn auch nicht herausragende Fotos. Die Farben wirken etwas blass, wenn auch natürlich wiedergegeben, beim Heranzoomen ist ein leichtes Bildrauschen erkennen. Richtig ärgerlich sind dann aber zwei Aspekte: Zum einen verheddert sich gelegentlich der Autofokus in der ihm gestellten Aufgabe und produziert stark unscharfe Fotos. Zum anderen gelingen Fotos bei künstlichem Licht oft nicht, weil sich im Sucher abgebildeten Bild ein Bildflackern einstellt, welches sich dann auch als „Lichtwelle“ im fertigen Foto darstellt.

Der sich mittlerweile als Standard in den meisten Fotografie-Apps zu etablieren scheinende Panorama-Modus funktioniert gut.

An der Camcorderfunktion im RAZR, welche bis zu 1080p große Videos erzeugen kann, ist wenig auszusetzen – allenfalls könnten die Farben etwas intensiver und das „Wobbeln“ bei schnellen Schwenks geringer sein. Ein optional zuschaltbarer Bildstabilisator verrichtet seinen Dienst zuverlässig.

Konnektivität


Hier gibt es wenig zu meckern. Das RAZR ist mit allen gängigen Standards ausgestattet: WLAN nach der N-Konvention, HSDPA/HSUPA bis 14 MBit/s (die US-Variante DROID RAZR hat bereits LTE), Bluetooth nach dem neuesten Standard 4.0, der höhere Reichweiten zulässt und den Stromverbrauch verringert. Der Micro-HDMI-Ausgang ist ein willkommenes Plus für jeden, der selbst aufgenommene Videos gerne am TV anschauen will. Ebenfalls hilfreich zum Streamen von Medien im lokalen Netzwerk könnte der eingebaute DLNA-Client sein. Der ließ sich in unserem Test jedoch nicht zum Funktionieren bewegen (obwohl im gleichen Netzwerk ein Smartphone mit Samsungs DLNA-Client AllShare klaglos seinen Dienst verrichtete). Mit dem GPS hatten wir hingegen keine Probleme, Fixes und Positionsbestimmungen kamen innerhalb von Sekunden zustande.

Erwähnt und betont werden soll, dass das RAZR das noch ungewöhnliche Micro-SIM-Format verwendet. Wer von einem anderen Gerät mit regulärer SIM-Größe umsteigt, sollte sich dessen bewusst sein, dass er sich entweder eine neue SIM-Karte besorgen muss oder seine alte zurechtschnitzen. Letzteres empfehlen wir nicht, da der dafür vorgesehene Schacht sehr eng ist und das spätere Herausholen der Karte sehr kompliziert wird.

Telefonie und Akku

Der 1800 mAh-Akku im Motorola RAZR ist fest verbaut und von Otto-Normalbürger nicht selbst austauschbar. Das schränkt die Möglichkeiten für Vielreisende etwas ein. Immerhin bringt den Nutzer eine Akkuladung auch bei Vielnutzung fast immer über einen Tag. Entscheidend ist dabei wie so oft, zu welchem Ausmaß man Apps einsetzt, die als Hintergrunddienst fungieren und ob man sich auch mit weniger Displayhelligkeit zufrieden gibt.

Telefonieren war stets glasklar möglich, allerdings erlitt das Motorola RAZR auch in unserem Test einmal den in Android-Foren berüchtigten Fehler „com.android.phone wurde unerwartet beendet“, wonach kein Telefonieren mehr möglich war. Dann hilft nur, entweder Smart Actions zu deaktivieren oder WLAN auszuschalten und das Handy neuzustarten und danach die Dienste wieder zu aktivieren. Ein Bugfix von Motorola soll den Fehler in Kürze beheben.

Fazit


Am Motorola RAZR zeigen sich zwei Trends in der Smartphone-Welt, deren Ambivalenz viel zu selten beleuchtet wird: Zum einen die immer größer werdenden Displays. Ohne das Mantra der Apple-Jünger perpetuieren zu wollen, nachdem alles über 3,5 Zoll unbenutzbar sei, sind die breitenverstärkten 4,3 Zoll schlicht zu viel für die einhändige Bedienung durch Nicht-Basketballer-Hände. Zum anderen der Trend zu immer dünneren Geräten. Auch aufgrund der werbewirksamen 7,1 mm Dicke gibt es Nachteile im Handling, mal ganz abgesehen von dem fest verbauten Akku und dem „nur“ guten Display – beides Konzessionen an die Bauform. Die Software des RAZR schließlich ist so inkonsistent, dass man sich regelmäßig ärgert. Über ein Gerät, das jede Menge Power besitzt und einen Platz in der Smartphone-Top 5 verdient hätte – wenn da nicht die diversen schlechte Designentscheidungen wären und die Software konsequenter auf Benutzerfreundlichkeit ausgerichtet wäre. So bleibt das RAZR ein Smartphone, mit dem man andere beeindrucken kann – mit dem man sich selbst aber häufiger bei dem Gedanken ertappt, ob ein Galaxy Nexus nicht die bessere Wahl gewesen wäre.

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Wertung

Display: 4/5
Verarbeitung und Haptik: 3/5
Software: 3/5
Performance: 5/5
Telefonie: 4/5
Kamera: 4/5
Konnektivität: 5/5
Alltagstauglichkeit: 3/5

Gesamt: 3,9/5

Pro

  • Leistungsmäßig stark
  • Extravagantes Design
  • Sehr stabil

Kontra

  • Unhandlich
  • Software mit stellenweisen Schwächen
  • Kaputter Autofokus in der Kamera

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Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

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