Nexus 6 im Test: Googles großer Wurf

Andreas Floemer
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Seit dem Nexus One genießt Googles Geräte-Reihe großes Ansehen in der Community. Mit dem Nexus 6 hat Google nun sein neuestes Aushängeschild der Serie vorgestellt. Doch wie schlägt sich das High End-Phablet mitsamt der neuen Android-Iteration 5.0 Lollipop im Test? Ist die in Zusammenarbeit von Google und Motorola entstandene „Wuchtbrumme“ eines Modells der Nexus-Klasse würdig? Unser Test beantwortet diese Frage.

Nexus 6 im Test: Googles großer Wurf


Nexus 6 im Videotest

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Nexus 6 [Test] Mehr als ein riesiges Moto X?
Hinweis: Während dieser Testbericht 2014 ursprünglich auf androidnext.de veröffentlicht wurde, stammte der Videotest von GIGA Android. Die Erkenntnisse dieses Testartikels spiegeln nicht zwingend die Ansichten des Videos wider.

Spätestens seit dem Nexus 4 (Test) ist Googles Nexus-Klasse in der Mitte der Gesellschaft angekommen – dies ist vor allem dem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis zu verdanken, mit dem das von LG gefertigte Gerät und sein in derselben Konstellation hergestellter Nachfolger Nexus 5 (Test) feilgeboten wurden. Sicherlich spielt auch die rasche Bereitstellung von Software-Updates mit in den Erfolg hinein, allerdings dürften die vergleichsweise niedrigen Preise der Geräte das Zünglein an der Waage gewesen sein. Nun kommt das Nexus 6 und ändert wieder einmal alles – oder bringt es, je nach Perspektive, wieder ins Lot. Vor dem Nexus 4 lagen die Preise der Nexus-Geräte auf gleichem Level wie die Top-Geräte anderer Hersteller. Das Google-Phablet kostet in der kleinen Variante mit 32 GB internem Speicher im Play Store 649 Euro, die 64 GB-Version stattliche 699 Euro – dies entspricht dem Preissegment des Galaxy Note 4 und anderer High End-Geräte.

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Was der Stein des Anstoßes für Google war, wieder zu einem höherpreisigen Modell zurückzukehren, lässt sich nur vermuten. Entweder will man anderen Herstellern nicht das Geschäft mit ihren Geräten verderben, oder Motorola als Hersteller hatte sich dagegen gesträubt, das Nexus 6 zum gleichen oder gar niedrigeren Preis als das eigene Moto X (2014, Test) anzubieten, da man sich mit dem Nexus 6 gewissermaßen selbst Konkurrenz macht. Ein weiterer möglicher Grund: Android und die Nexus-Reihe sind mittlerweile so populär, dass es des Marketings auf der Preisebene nicht mehr bedarf. Was auch immer der Grund war – das Nexus 6 ist sein Geld in Relation zur aktuellen Konkurrenz wert. Denn im Unterschied zu den Vorgängern legt man beim Phablet noch eine Schippe drauf, es kommen echte Premium-Materialien in einem hervorragend verarbeiteten Gehäuse zum Einsatz – zudem ist die Ausstattung kompromisslos auf High End-Niveau. So viel können wir schon vorweg nehmen.

Uns wurde ein blaues Nexus 6 mit 32 GB Speicher und Android 5.0 Lollipop mit der Buildnummer LRX21O von Google zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns für die Teststellung.

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Das Nexus 6 auf einen Blick

Display 5,96 Zoll AMOLED
Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel
Pixeldichte 493 ppi
SoC Qualcomm Snapdragon 805
Maximale Taktrate 2,7 GHz
Arbeitsspeicher 3 GB
Datenspeicher 32/64 GB
Akku 3.220 mAh
Kamera-Auflösung 13/2 MP
Gewicht 184 Gramm
Maße 159,3 x 83 x 3,8 bis 10,1 Millimeter
Android-Version 5.0 Lollipop

Nexus 6 im Video

Bevor es ans Eingemachte geht, hier unsere erste Begegnung mit dem Killerwal Nexus 6, wir entschuldigen uns für die suboptimale Akustik.


Optik, Haptik und Verarbeitung

Beim ersten Blick auf das Nexus 6 werden die meisten wohl „Was für ein Brocken!“ denken. Diesen Eindruck wird man auch nach einigen Tagen des Gebrauchs nicht wieder los – vor allem wenn man zuvor das Nexus 5 oder ein ähnlich großes Gerät in alltäglicher Verwendung hatte. Wer sich bereits an Phablet-Dimensionen gewöhnt hat, wird indes keine Überraschung erleben, schließlich handelt es sich „nur“ um ein sehr großes Smartphone mit einem 5,96 Zoll in der Diagonale messenden Display.

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Das Nexus 6 ist ein wenig größer als das Galaxy Note 4 von Samsung. Apples iPhone 6 Plus ist etwa genau so lang wie das Google-Phablet, allerdings auch etwas schmaler. Beide Vergleichsgeräte besitzen mit 5,7- und 5,5 Zoll-Screens aber auch merklich kleinere Displays. Das Gehäuse des Nexus 6 besitzt Maße von 159,2 x 82,9 x 10,1 Millimeter, das Galaxy Note 4 153,5 x 78,6 x 8,5 Millimeter und das Apple iPhone 6 Plus 158,1 x 77,8 x 7,1 Millimeter. Anhand der Daten wird deutlich, dass insbesondere die Breite des Google-Phablets deutlich größer ist als die der beiden Vergleichsgeräte – doch das 6 Zoll-Display muss auch irgendwo untergebracht werden. Vor allem die Breite macht sich negativ in der Hand bemerkbar. Von komfortabler Einhandbedienung kann man nur träumen – die ist zwar bedingt möglich, stellt jedoch einen Drahtseilakt dar, da man das Nexus 6 nicht gleichzeitig fest in der Hand halten und Eingaben tätigen kann – auch der Zurück-Button lässt sich mit dem Daumen nur unter Schwierigkeiten erreichen. Das 184 Gramm schwere Nexus 6 ist ohne Zweifel für die Verwendung mit zwei Händen ausgelegt.

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Wie bereits angesprochen, ist das Nexus 6 in Sachen Verarbeitung eine Klasse besser als Nexus 4 und 5. Statt eines Rahmens aus Kunststoff setzt Hersteller Motorola auf einen Metallrahmen, der sich wunderbar um das Gerät herum schmiegt und beinahe organisch anmutet – stellenweise verdünnt er sich auf wenige Millimeter, während auf Ober- und Unterseite genug Raum für diverse Anschlüsse bleibt. Auf der Oberseite ist der Rahmen obendrein noch in Richtung der Rückseite abgerundet, was dem Gerät eine elegante Note verleiht. Um eine gute Empfangsqualität der im Rahmen untergebrachten Antennen zu gewährleisten, wird dieser an mehreren Stellen von dezenten Kunststoffstreifen unterbrochen.

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Die Form des Nexus 6 dürfte manch einem Nutzer bekannt vorkommen, denn Motorola hat sich stark am Moto X (2014) orientiert, das Design des 5,2-Zollers dabei aber auf Phablet-Dimensionen gestreckt. Entsprechend befinden sich auf der Oberseite des Geräts ein Schlitten für die nanoSIM-Karte sowie eine Audiobuchse; auf der Unterseite ist hingegen nur ein microUSB-Port zum Aufladen und zur Verbindung mit einem Rechner vorhanden.

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Die linke Gehäuseseite ist frei von jeglichen Anschlüssen und Buttons, auf der rechten Seite hingegen sind sowohl der Power-Button mit einer aufgerauten Oberfläche sowie darunter eine Lautstärkewippe verbaut. Während diese beim Moto X (2014) recht weit oben am Gehäuse sitzen, hat der Hersteller sie beim Nexus 6 aus ergonomischen Gründen weiter unten angebracht, sodass man sie leichter erreichen kann.

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Die Front wird beinahe vollkommen vom Display eigenommen, wobei das Display-zu-Gehäuse-Verhältnis mit 74,26 Prozent nicht ganz so gut ist wie beim LG G3 (Test) mit 76,33 Prozent oder gar dem Huawei [link id=2134008]Ascend Mate 7, bei dem das Display ganze 78,03 Prozent von der Vorderseite ausmacht. Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass das Nexus 6 Stereo-Frontlautsprecher besitzt, die einen gewissen Raum beanspruchen. Wo wir bei den Lautsprechern sind: die Öffnungen der beiden Speaker ober- und unterhalb des Displays sind recht groß, sodass sich dort rasch Staub oder Flusen, der sich gern in Hosentaschen ansammelt, ablagern können. Ausgefuchstes Detail: Die Lautsprecherabdeckungen lugen ein Stück weit aus der Front hervor, sodass sie auch als eine Art Displayschutz dienen, falls man das Phablet mal mit der Vorderseite auf den Tisch legen sollte. Das mit Gorilla Glass 3 geschützte Display sollte für sich genommen aber auch einiges überstehen. Ebenso positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass das Displayglas zu den Seiten hin abgerundet ist, sodass sich das Wischen vom Rahmen ins Display hinein sehr geschmeidig anfühlt.

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Rückseitig sind sowohl die große 13 MP-Kamera mit einem ringförmigen Dual-LED-Blitz, die markante Mulde mit dem Motorola-Logo als auch der typische Nexus-Schriftzug zu finden. Letzterer zieht sich in silbernen Lettern quer über den Großteil der Rückseite. Sanft irritierte uns, dass das Motorola-Logo waagerecht zum Portrait-Modus und damit anders als der Nexus-Schriftzug ausgerichtet ist.

Wie wir durch einen Teardown des Nexus 6 von iFixit erfahren konnten, lässt sich die angenehm gewölbte Rückseite nicht ohne Weiteres abnehmen, sie ist fest mit dem Gerät verklebt. Etwas schade: Anstelle der gummierten Rückseite, die beim schwarzen Nexus 5 und dem Nexus 7 (2013) zum Einsatz kommen, setzt man auf einen relativ glatten Kunststoff, der besonders bei trockenen Händen recht rutschig ist. Hier hätte sich der Autor entweder das „altbewährte“ Material zurückgewünscht oder gar die lederartig gemaserte Kunststoffrückseite des Samsung Galaxy Note 4. Überdies ist zu erwähnen, dass die dunkle Rückseite des Nexus 6 optisch recht anfällig für Fettfinger-Spuren ist – wer das nicht mag, sollte gegebenenfalls die weiße Version wählen.

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Trotz der kleinen Kritikpunkte: Das Nexus 6 ist hochwertig verarbeitet und kann – wobei sich hier die Geschmäcker sicherlich unterschieden – subjektiv als das optisch bisher gelungenste Gerät der Nexus-Serie betrachtet werden. Allerdings ist es, entsprechend dem Codenamen „shamu“, durchaus ein „Killerwal“ von einem Smartphone, das deutlich schlechter handhabbar ist wie seine Vorgänger und nicht in jede Hosentasche passt. Für ein 6 Zoll-Display mag es zwar noch relativ kompakt sein, im übertragenen Sinne aber in etwa so wie ein 1,90 Meter großer Spieler in einem Basketball-Team mit einer Durchschnittsgröße von 2 Metern.


Wie gut ist das Display des Nexus 6? Und wie performant ist das Phablet? Auf der nächsten Seite erfahrt ihr es.

Weitere Themen: Android 5.0 (Lollipop), Google

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