OnePlus 2 im Test: Der Flaggschiff-Killer schießt scharf

Amir Tamannai
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Selten musste ein Smartphone ein derart schweres Erbe antreten wie das OnePlus 2 in diesem Jahr: Sein Vorgänger, das OnePlus One, war eine kleine Sensation und lehrte den etablierten Galaxies und Ones mit toller Hardware, High End-Specs, stimmigem Design und vor allem einen kleinen Preis das Fürchten. Diesen Erfolg soll das OnePlus 2 nun wiederholen – mit einem höheren Preis, minimalen Design-Veränderungen und dem Snapdragon 810-Chipsatz, aber ohne NFC und Schnelllade-Funktion. Ob das Kunststück gelingen kann, verrät unser Test zum OnePlus 2.

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OnePlus 2 im Test

Vier Millionen Interessenten zählt die Invite-Registrierungsseite für das OnePlus 2 aktuell und ebay quillt bereits über vor Angeboten, die eigene Position in dieser Rangliste auf dubiosen Wegen zu verbessern – der Run auf das neue Smartphone des chinesischen Überraschungs-Startups OnePlus ist gemessen am Bekanntheitsgrad der Marke und der kaum vorhandenen Marketingmaßnahmen des Unternehmens wie schon im letzten Jahr gewaltig. Das sind auch die Erwartungen an den „Flaggschiff-Killer 2016“: Nicht nur soll das OnePlus 2 abermals Smartphones vom Schlage eines Galaxy S6, LG G4 oder auch iPhone 6 – die nebenbei bemerkt allesamt auch relativ betrachtet besser sind als ihre Vorgänger – Feuer unterm sprichwörtlichen Hintern machen, auch soll es natürlich ein Fortschritt im Vergleich zum OnePlus One (Test) sein.

Zum Thema: Vorgänger und Nachfolger

Wir haben den 5,5-Zoller, der auf den ersten Blick gar nicht so viel Neues bringt, in den vergangenen Tagen intensiv genutzt, ausführlich getestet und zeigen im Folgenden auf, ob das 399 Euro-Smartphone — wir haben das 64 GB-Modell mit 4 GB RAM getestet, die kleinere Version mit 3 GB RAM und 16 GB internem Speicher kostet 339 Euro – erneut eines der besten Android-Flaggschiffe des Jahres ist.

Design, Haptik und Verarbeitung des OnePlus 2

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Samsung hat sein Design mit dem Galaxy S6 neu erfunden, HTC hat versucht, im One M9 das Beste aus beiden Vorgängern in einen neuen Look fließen zu lassen und LG hat beim G4 der ledernen Rückseite zu einem recht gelungenen Revival verholfen – beim OnePlus 2 hat der Hersteller ziemlich viel beim Alten belassen und gegenüber dem One lediglich im Detail optimiert: Die Kameraeinheit sitzt nun ein ganzes Stück tiefer, was nach einem Leak der ersten Bilder manchen Fans sauer aufstieß, im Alltag tatsächlich aber weder positiv noch negativ, sondern einfach egal ist.

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Außerdem ist der Metallrahmen um das Gerät deutlich breiter und beherbergt damit nun auch Power-Button, Lautstärkewippe, die Öffnungen für den Lautsprecher und den USB Typ C-Port sowie den ebenfalls neuen „Alert Slider“ am rechten Rand des OnePlus 2. Der Rahmen selbst ist das eigentlich designerische Highlight, auch weil die an sich einzigartige Sandpapier-Rückseite bereits des Vorgänger auszeichnete: Das hier verarbeitete Metall wirkt robust und stark, dank seiner dunkeln Färbung äußerst edel, ist an den Kanten sehr sauber abgeschliffen, die Lautsprecheröffnungen sind makellos gebohrt und Buttons sowie Slider perfekt eingesetzt. Das schlägt sich allerdings auch im Gewicht des 5,5-Zollers nieder, der mit 175 Gramm ein ordentlicher Brocken ist.

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Auf der Front fällt der neue Home-Button im unteren Bereich des mit 151,8 Millimeter in der Länge, 74,9 Millimeter in der Breite und 9,9 Millimeter in der Tiefe messenden nicht gerade kompakten Gerätes ins Auge. Der reagiert lediglich auf Berührung, nicht auf mechanischen Druck und fungiert gleichzeitig als Fingerabdruckscanner. Rechts und links davon sind die beiden kapazitiven Tasten positioniert, die ob der Tatsache, dass sie frei belegbar sind, nicht mit Symbolen, sondern bei Aktivität blau leuchtenden Querstreifen versehen wurden.

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Wem die abnehmbare Rückseite in Nagelfeilen-Haptik nicht zusagt, kann diese durch die sogenannten StyleSwap-Cover beispielsweise im Bambus-Look ersetzen – OnePlus verlangt in diesem Jahr etwas günstigere 27 Euro pro Wechselrücken. Unter der – übrigens sehr fest und ohne jegliches Spiel sitzenden – Rückschale findet sich der Schlitten mit Platz für gleich zwei nano-SIM-Karten; ein Einschub für microSD-Karten fehlt indes. Ebenso hat das OnePlus 2 kein NFC an Bord; der weder kabellos noch per Quick Charge aufladbare 3.300 mAh-Akku ist nicht wechselbar.

Optisch wie haptisch hat OnePlus mit dem 2 die Design-Tugenden des Vorgängers gekonnt zur Basis minimaler aber gelungener Weiterentwicklungen gemacht: Das neue Flaggschiff sieht dem Vorgänger ähnlich genug, um klarzustellen, welches Erbe es antritt, bringt aber vor allem mit dem schicken Rahmen noch ein Quäntchen mehr Edel-Flair ins Spiel.

Das Display des OnePlus 2 im Test

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Ich werde nicht müde es zu betonen, und das OnePlus 2 ist abermals ein feiner Anlass dazu: Eine Auflösung von 1080p reicht auch auf einem 5,5 Zoll-Display vollkommen aus. Der IPS-Screen des OP2 stellt Inhalte mit seinen 401 ppi scharf, farbecht, mit guten Blickwinkeln und vor allem anders als sein Vorgänger ohne jegliche Verfärbungen dar. Draußen, im hellen Sommerlicht könnte das Display noch einen Ticken heller strahlen, ansonsten gibt es aber nichts zu beanstanden.

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Da das OP2 nicht mit einem Super AMOLED-Panel ausgerüstet ist, wirken die dargestellten Farben freilich nicht ganz so satt oder auch überzogen wie auf einem Samsung Galaxy S6. Eher zeichnet der 5,5 Zoll-Screen Inhalte dezent und vergleichbar beispielsweise mit dem (noch) aktuellen Nexus 5. Dennoch: Schwarz sieht tiefschwarz aus und Weiß strahlt hell ohne erkennbare Schleier oder Stiche.

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Kamera-Test zum OnePlus 2

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13 MP, optischer Bildstabilisator und Laser-Autofokus – die rückseitige Kamera des OP2 protzt nicht unbedingt mit hoher Megapixel-Zahl, bringt dafür aber mit dem OIS auf dem Papier das nötige Rüstzeug für gute Fotos auch unter widrigeren Bedingungen mit, die f/2.0-Blende geht auch in Ordnung. Und tatsächlich schießt das Smartphone bei Tag und gutem Licht ganz famose Bilder, in der Dämmerung sehr akzeptable und nachts wenigstens noch brauchbare, wenn auch mit deutlichem Rauschen gespickte Fotos.

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Bildergalerie OP2-Testfotos

Das 5 MP-Frontmodul hingegen überzeugt weniger, neigt es doch dazu, ein wenig überzubelichten. Problematisch ist auch die Kamera-App selbst, die mit relativ wenig Funktionen auskommt, dabei aber dennoch den Zugriff auf die Modi und die Einstellungen reichlich unintuitiv hinter per Wischgeste einblendbaren Symbolen versteckt – bis ich das winzig kleine Zahnrad, über das sich beispielsweise das Foto-Format festlegen lässt, erstmalig gefunden hatte, hatte ich die ersten viel versprechenden Motive bereits verpasst.

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Großes Lob gibt es für die Videoaufnahmefähigkeiten des OnePlus 2: Noch nie habe ich mit einem Smartphone gefilmt, das derart schnell und autonom Fokuswechsel von Fern- auf Nahaufnahmen bewältigt; Gleiches gilt für die Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse. Das OP2 kann Videos in bis zu 4K-Auflösung aufnehmen und zusätzlich noch passable Zeitlupen- und Zeitraffer-Clips realisieren:

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OnePlus 2 Zeitlupenaufnahme
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OnePlus 2 Zeitrafferaufnahme

Dennoch: Mit den aktuellen Platzhirschen in Sachen Smartphone-Fotografie, dem Samsung Galaxy S6 (edge) und dem LG G4 (Test), kann das OnePlus 2 unterm Strich nicht ganz mithalten.

Hardware und Performance des OnePlus 2 im Test

Für größere Skepsis sorgte bei vielen Beobachtern im Vorfeld die Tatsache, dass im OP2 der berüchtigte Snapdragon 810-Chipsatz aus dem Hause Qualcomm zu Einsatz kommt – der hatte beispielsweise im HTC One M9, im LG G Flex 2, aber zuletzt auch in Sonys Xperia Z4 mit Hitzeproblemen und resultierend daraus mit recht drastischer Taktdrosselung Negativschlagzeilen gemacht. OnePlus gelobte im Vorfeld der Veröffentlichung ihres neuen Flaggschiffs, diese Missstände beseitigt und den 810er optimal mit dem OnePlus abgestimmt zu haben.

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Und tatsächlich: Zwar wird der 5,5-Zoller zwischendurch – und das erstaunlicherweise oftmals bei ganz alltäglichen Anwendungen – sehr warm, zu Abschaltungen oder außergewöhnlicher Drosselungen kam es in unserem Testzeitraum aber nicht. Auch unter anhaltender Belastung durch Benchmarks blieben sowohl Temperatur als auch Performance jeweils auf akzeptablem Niveau. In unserem Benchmark-Video untersuchen wir das Thema ausführlich:

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OnePlus 2 im Benchmark-Marathon

Mehr noch: Unser 4-GB-Testmodell erreichte in kaltem Zustand im AnTuTu-Benchmark Werte, die an der 60.000er-Grenze kratzten – für einen Snapdragon 810-Chipsatz ist das geradezu rekordverdächtig. Um das grundsätzliche Performance-Potenzial des OnePlus 2 muss sich also nicht gesorgt werden. Dennoch flutscht im Alltag nicht alles immer gänzlich ohne Zögern – selbst im direkten Vergleich mit dem nunmehr fast zwei Jahre alten Nexus 5, das mit der Hälfte des RAMs auskommen muss, genehmigen sich Apps auf dem OP2 zum Starten deutlich mehr Zeit, zuweilen kommt der Eindruck auf, das OnePlus 2 verzögert beinahe absichtlich. Und dieses Problem dürfte der Software des 5,5-Zollers anzulasten sein …

OnePlus 2: Spezifikationen im Überblick

Display 5,5-Zoll-Full-HD (1.920 x 1.080) IPS In-Cell-Technologie
Prozessor Qualcomm Snapdragon 810-SoC
Arbeitsspeicher 4 GB RAM (64 GB Modell), 3 GB (16 GB Modell)
Interner Speicher 16/64 GB (nicht erweiterbar)
Kamera 13 MP OIS mit Laserautofokus und f/2.0-Blende, 5 MP-Frontkamera
Akku 3.300 mAh, kein QuickCharge
Betriebssystem Oxygen OS basierend auf Android 5.1 Lollipop
Abmessungen & Gewicht 151,8 x 74,9 x 9,85 Millimeter, 175 Gramm
Sonstiges Alert-Slider für Benachrichtigungen, Fingerabdrucksensor an der Front, Dual-SIM
Preis 339 Euro für 16 GB/399 Euro für 64 GB

Die Software des OnePlus 2

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Statt Vanilla Android oder wie zuvor Cyanogen OS pflastert OnePlus den eigenen Android-Fork Oxygen OS in der Version 2.0 auf das OP2 – das Gute daran: Oxygen OS sieht weitgehend aus wie ein unbehandeltes Android und bedient sich auch so. Gravierende Änderungen, Optimierungen oder auch nur besondere Funktionalitäten bietet es kaum. Es gibt mit „Shelf“ einen optionalen Hub auf dem ganz linken Homescreen, in dem häufig genutzte Apps, Wetterinfos und nach eigenem Ermessen bestimmte Widgets angezeigt werden. Das ist zwar nicht weiter schädlich (und eben abschaltbar), aber gleichzeitig noch nicht einmal so nützlich wie HTCs BlinkFeed. Die Schnelleinstellungen sind im Vergleich zu naturbelassenem Android 5.x Lollipop etwas besser individualisierbar und es gibt in den Einstellungen die Möglichkeit, das gesamte UI in dunklen Farben anzeigen zu lassen sowie die jeweilige Akzentfarbe zu verändern. In den Einstellungen finden sich noch Einträge zur Belegung der kapazitiven Tasten und zur Einrichtung von Bildschirmgesten sowie des Double-Tap-to-Wake-Features.

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Der Preis für diese paar Zusatzoptionen und gleichzeitig der ganz große Nachteil des Oxygen OS: Es läuft nicht ganz störungsfrei und vor allem nicht so performant wie Vanilla Android, nicht einmal wie Samsungs TouchWiz oder HTC Sense. Die oben erwähnten Lags und Denkpausen beim Start von Apps sind mit ziemlicher Sicherheit in der Software begründet. Darüber hinaus bleibt abzuwarten, wie schnell OnePlus sein Oxygen OS zukünftig aktualisieren wird – insbesondere in Anbetracht des bevorstehenden Android 6.0 Marshmallow-Releases. Alles in allem scheint es uns gerade bei einem Smartphone kontraproduktiv, das nicht unbedingt die ganz breiten Käuferschichten, sondern eher die versierten Enthusiasten anspricht, auf Oxygen OS statt Vanilla Android zu setzen beziehungsweise letzteres nicht wenigstens zur Option zu machen. Leider ist das nicht die einzigen Entscheidung OnePlus’ bei ihrem aktuellen Flaggschiff, die ein wenig an der potenziellen Nutzerschaft vorbeigeht.

Update vom 31.08.2015: Mit dem inzwischen ausgerollten Update auf Oxygen OS 2.0.1 verbessert sich die Performance des OnePlus 2 merklich: Apps starten nun deutlich schneller, wenn auch immer noch nicht ganz so schnell wie unter naturbelassenem Android.

OnePlus 2 im Test: Alltag und Akku

Man könnte meinen, dass der 3.300 mAh-Akku im OP2 vor allem aufgrund des verhältnismäßig niedrig auflösenden Displays dafür sorgt, dass das Smartphone mühelos über ein, zwei Tage kommt – das ist in der Praxis aber leider nicht so: Das OnePlus 2 schafft zwar auch bei intensiver Nutzung locker einen ganzen Arbeitstag, muss aber definitiv allabendlich ans Netzteil. Wer gar richtig viel mit seinem Smartphone zockt oder Videos am laufenden Band konsumiert, dem dürften auch die 3.300 mAh nicht für einen Tag gereichen. Und wenn dem One Plus 2 der Saft tatsächlich mal ausgeht, dann wird es doppelt dramatisch: So verfügt der 5,5-Zoller weder über induktive noch über Schnelllade-Kapazitäten; eine volle Akkuladung nimmt also stets gut drei Stunden in Anspruch.

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Noch problematischer ist der verbaute USB Typ C-Port am unteren Rand: Was zunächst nach Zukunftsicherheit klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung heute als Hemmschuh und morgen gar als Augenwischerei – denn der USB-Anschluss im OP2 ist lediglich mechanisch ein Typ C. Ein konventionelles (und wesentlich stärker verbreitetes) Micro-USB-Ladekabel lässt sich am „Flaggschiff-Killer“ schlicht nicht anstecken. Das wäre noch verschmerzbar, wenn denn wenigstens die Vorteile des neuen Typ C mit an Bord wären, sprich theoretisch schnelleres Laden sowie die mit USB 3.1 realisierbaren bis zu 1.212 MB/s bei der Datenübertragung, die wohl eher von der Bandbreite des Speichers ausgebremst würden. Der „falsche“ USB Typ C im OnePlus 2 arbeitet technisch jedoch noch auf Basis des gängigen USB 2.0-Standards, bringt also keinen dieser Vorteile mit. Man darf OnePlus an dieser Stelle mit Fug und Recht vorwerfen, lediglich aus Marketinggründen zum Typ C gegriffen zu haben – um halt irgendwie die ersten zu sein, die auf den neuen Standard setzen –, dabei aber eigentlich einen faulen Trick anzuwenden, der dem Nutzer des OP2 heute Sorgen bereiten könnte und später nicht das halten wird, was er verspricht.

Und noch einen Bärendienst erweist OnePlus dem Nutzer mit dem OP2: NFC wurde gestrichen. Angeblich, weil damit verbundene Funktionalitäten von Besitzern des OnePlus One nicht genutzt wurde. Eine fragliche Begründung, denn so ein NFC-Modul kostet lediglich ein paar Cent und wiegt praktisch nichts; es hätte niemandem geschadet, diesen Standard einfach im Gerät zu lassen – so, wie es bei faktisch jedem halbwegs neuen Android-Gerät des Planeten der Fall ist. Mag ja sein, dass die meisten Nutzer bis dato kein NFC benötigen; spätestens aber, wenn die Zahlung beispielsweise mittels NFC-gestütztem Android Pay in der Breite anläuft, werden OnePlus 2-Besitzer – und nochmal: Das sind tendenziell die versierten Nutzer, die solche neuen Technologien ausprobieren und nutzen – in die Röhren schauen.

Wenigstens geht OnePlus in einem wichtigen Punkt mit der Zeit und verpasst dem OP2 einen Fingerabdrucksensor: Integriert in den neuen Homebutton á la Samsung lässt sich das Smartphone per Daumenauflegen entsperren (nicht bezahlen). Allerdings funktioniert der Scanner im Alltag nicht ganz so elegant wie wir das inzwischen von Samsung, Apple und besonders Huawei gewohnt sind. Zum einen ist die Erkennung des aufgelegten Fingers zwar grundsätzlich gut, klappt aber nicht immer auf Anhieb, zum anderen lässt sich das OP2 mal per Fingerlauflegen direkt entsperren, die meiste Zeit muss aber zunächst das Display aktiviert werden, bevor der Scanner reagiert. Wir sind recht sicher, dass hier erneut das Oxygen OS und nicht die Hardware selbst schuld ist, was Hoffnung auf Besserung per Software-Update lässt.

Update vom 31.08.2015: Das Software-Update auf Oxygen OS-Version 2.0.1 verbessert auch den Fingerabdruckscanner: Dieser reagiert nun deutlich zügiger und auch das Wecken per Fingerauflegen aus dem Standby funktioniert nun zuverlässig. Kleinere Aussetzer leistet sich der Sensor des OnePlus 2 von Zeit zu Zeit aber weiterhin.

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Konnektivität und Audio

In Sachen Sprachqualität und Konnektivität gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Von Bluetooth 4.1 und Dualband-WLAN, einschließlich des ac-Standards, über GPS bis hin zu den nun auch komplett unterstützten europäischen LTE-Bändern – im OnePlus One fehlte noch das gerade in Deutschland verwendete Band 20 – weiß das OnePlus 2 zu überzeugen. Ein wichtiges Argument für das Gerät mag auch die Dual-SIM-Funktion sein: Wer häufig im Ausland ist, einen separaten Datentarif nutzen möchte oder einfach private und berufliche Nutzung auf seinem Gerät vereinen will, hat im OnePlus 2 den perfekten Begleiter. Ein positives Zeugnis darf abschließend dann auch noch dem Lautsprecher des OnePlus 2 ausgestellt werden: Zwar wären Front- oder wenigstens seitliche Stereo-Lautsprecher etwas besser gewesen, aber der Mono-Speaker am unteren Rand verrichtet seinen Dienst ordentlich – und vor allem auch bei hohen Lautstärken mit nur geringen klanglichen Verzerrungen.

OnePlus 2 im Test: Unser Fazit

Scharf geschossen, OnePlus – aber nicht ganz getroffen, ein Streifschuss wäre das passende Bild: Ein Flaggschiff-Killer ist das OnePlus 2 nicht, schon gar nicht der für 2016, wie OnePlus selbst das Gerät so selbstsicher betitelt. Kein NFC, nur ein halber USB Typ C-Port, ein funktional nicht ganz ausgereifter Fingerabdruckscanner, kein kabelloses oder QuickCharging und als Krönung das unnötige Oxygen OS – damit kann der 5,5-Zoller nicht ganz gegen die diesjährigen Smartphone-Superstars stechen, geschweige denn gegen die, die uns im nächsten Jahr erreichen werden.

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Trotzdem hat OnePlus mit dem potenziellen Erben ihres Vorjahres-Erfolges ganz viel richtig gemacht: Der Snapdragon 810 rennt im 5,5-Zoller, das Display ist richtig gelungen, der Akku groß genug für lange Tage und das ungewöhnliche, aber gute Design des Vorgängers wurde konsequent und gelungen optimiert. Zumal zum Preis von 399 Euro für die 64 GB-Variante ist das OnePlus 2 eine Kaufempfehlung für alle, die nicht zwingend das Branding eines großen Unternehmen auf ihrem Smartphone brauchen oder wollen – und einen Invite haben; denn von seinem kuriosen Einladungssystem weicht OnePlus auch für seinen aktuellen Flaggschiff-Killer nicht ab.

Unsere Wertung zum OnePlus 2

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Kamera: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 85 %

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Pro

  • Performance auf Top-Niveau
  • Gutes Display
  • Kleiner Preis
  • Dual SIM-fähig

Kontra

  • Oxygen OS nicht so performant wie Vanilla Android
  • Kein NFC, nur ein „halber“ USB Typ C
  • Nerviges und manipulierbares Invite-System

Bildergalerie OnePlus 2

OnePlus 2

1. September 2015

85/100 Punkte

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