OnePlus One im Test: Preisbrecher oder Papiertiger?

Andreas Floemer
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Mit dem OnePlus One hat der erst im Dezember letzten Jahres gegründete chinesische Hersteller mächtig vorgelegt. Das Smartphone verfügt über Spezifikationen auf High End-Niveau und kostet mit einem Preis von rund 300 Euro für die 64 GB-Version nur die Hälfte aktueller Topmodelle, seit dem Verkaufsstart ist das One aber rar gesät. Wir haben uns das Gerät näher angesehen und verraten in unserem Testbericht, ob das One nur ein Papiertiger in Sachen Spezifikationen ist oder tatsächlich ein Preisbrecher, der den immensen Hype um das Gerät rechtfertigt.

OnePlus One im Test: Preisbrecher oder Papiertiger?

OnePlus ist ein junges Unternehmen, das von Ex-OPPO-Chef Pete Lau und weiteren ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens gegründet wurde, in gewissem Grade ist OnePlus aber weiter mit Oppo verbandelt, was sich auch in der Tatsache zeigt, dass das OnePlus One dem Oppo Find 7a in vielerlei Hinsicht ähnelt.

Testberichte der Nachfolger:

OnePlus One im Videotest


Hinweis: Während dieser Testbericht 2014 von der androidnext-Redaktion geschrieben wurde, stammte der Videotest von GIGA Android. Die Ergebnisse von Testartikel und -Video müssen also nicht zwingend übereinstimmen.

► OnePlus One auf der offiziellen Website
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Als das OnePlus One im April offiziell vorgestellt wurde, war die Begeisterung groß. Die Spezifikationen des One sind auf gleichem Niveau wie die Oberklasse-Geräte der großen Hersteller wie Samsung, HTC oder Sony. Auch das Design ist ansprechend. Aber nicht nur mit Hard- wie Software ließ der Hersteller die Herzen der Tech-Gemeinde höher schlagen, auch die Preise der beiden Modelle, die sich nur in puncto Farbe und Flashspeicher unterscheiden, ist als Kampfansage an etablierte Hersteller zu verstehen.

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Zwei Speichergrößen, zwei Farben: Das weiße Modell verfügt über 16 GB internen Speicher, das schwarze OnePlus One hingegen besitzt 64 GB.

Denn die 16 GB-Version in Weiß und die schwarze Variante mit ungewohnt üppigen 64 GB internem Speicher schlagen lediglich mit 269 respektive 299 Euro zu Buche. Android-Fans freuen sich zudem über die Software-Wahl, denn sie ist in Kooperation mit den Custom ROM-Bastlern von Cyanogen Inc. entstanden: Auf dem Gerät läuft eine spezielle Version der CyanogenMod 11, basierend auf Android 4.4 KitKat.

Ein Gerät mit einer solchen Ausstattung zum genannten Preis würde wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln über die Ladentheke gehen, wäre da nicht eine große Einschränkung: die Art, wie das OnePlus One verkauft wird. Denn man konnte es bislang ausschließlich dann erwerben, wenn man einen Invite erhalten hat. Das Einladungssystem ist zwar seit wenigen Wochen beinahe Geschichte, dennoch scheint die Verfügbarkeit des One weiterhin begrenzt zu bleiben. Über Zwischenhändler sind die Geräte meist teurer.

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Optik, Haptik und Verarbeitung

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Doch ehe wir noch länger über die Verkaufspolitik lamentieren, gehen wir lieber auf das Gerät selbst ein, denn das kann sich durchaus sehen lassen. Das One mag aus der Sicht des Testers vielleicht nicht unbedingt einen Schönheitswettbewerb gewinnen, hier spalten sich aber die Meinungen in der Redaktion. OnePlus hat gewiss eine Menge richtig gemacht: Das Phablet mit seinem 5,5 Zoll in der Diagonale messenden Display ist auf der Vorderseite mit einem silberfarbenen Rahmen aus Kunststoff versehen, der den Screen umfasst und auf Ober- und Unterseite einen kleinen Abstand – eine Nase – zwischen Display und Rahmen produziert.

Der Rahmen selbst ist oben und unten zudem leicht geschwungen, sodass der Eindruck erweckt wird, als würde der Screen an den Enden ein Stück aus dem Gehäuse herausstehen. Das ist natürlich nicht der Fall, die Konstruktionsweise produziert allerdings den Effekt, dass das Gerät filigraner wirkt als es ist. Einen funktionalen Mehrwert bietet dies nicht, dennoch handelt es sich um ein feines Design-Detail. Problem dieser Bauweise: Auf der Nase kann sich, vor allem wenn man es regelmäßig in der Hosentasche mit sich trägt, Staub ansammeln, den man aus den feinen Winkeln entweder mit einem Brillenputztuch oder einer Zahnbürste entfernen muss.

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Uns liegt die 64 GB-Version des OnePlus One vor, die die so genannte „Sandstone Black“-Rückseite besitzt. Die weiße Version mit 16 GB Speicher ist bedeutend seltener zu haben – wir spekulieren, dass OnePlus diese Variante mittlerweile eingestellt hat (wie auch die StyleSwap-Cover), da die Preisdifferenz von nur 30 Euro zwischen den beiden Modellen die meisten Interessenten wohl ohnehin zur größeren Variante greifen lässt.

Das Besondere an der schwarzen Variante ist die Materialbeschaffenheit: Denn anstelle einfach auf einen matten oder glatt-glänzenden Kunststoff zu setzen, ist die sehr schwer abnehmbare Rückseite aufgeraut und fühlt sich an wie eine Mischung aus feinem Sandpapier und Samt. Dank dieser Beschichtung liegt das Gerät rutschfest in der Hand und besitzt eine Haptik wie derzeit kein anderes Gerät. Mit der Zeit greift sich die raue Rückseite zwar etwas ab, doch von Abnutzung kann auch nach Wochen der aktiven Verwendung nicht die Rede sein. Man sollte allerdings Vorsicht walten lassen, wenn man das Gerät mit fettigen Fingern anfasst oder versehentlich Flüssigkeit verschüttet, denn die Beschichtung ist diesbezüglich empfindlich. Im Unterschied zu einer regulären Kunststoffrückseite lässt sich das Cover nicht einfach mit Wasser abwaschen. Austauschcover schlagen mit 25 Euro zu Buche, wenn man denn eines bekommt.

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Wo wir schon bei der Rückseite sind: Auf dieser befindet sich abgesehen von der hübschen Sandstone-Schale die 13 MP-Kamera mitsamt LED-Blitz, ein OnePlus-Logo und ein CyanogenMod-Schriftzug mitsamt eines FCC-Logos sowie weiteren technischen Informationen.

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Auf der Oberseite des Geräts sitzen rechtsbündig eine Audiobuchse und ein Mikrofon. Linksseitig sitzen die Lautstärkewippe sowie ein Schacht für den Micro-SIM-Tray, ein zusätzlicher Schlitten für nano-SIMs wird seit neuestem ebenfalls mitgeliefert. Dieser lässt sich entweder mittels des mitgelieferten Dorns oder einer Büroklammer herausholen. Auf der rechten Gehäuseseite befindet sich der Power-Button und auf der Unterseite die obligatorische microUSB-Buchse sowie Stereo-Lautsprecher.

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Die Front wird beinahe vollständig vom Display eingenommen, lediglich oberhalb des Screens befindet sich eine 5 MP-Frontkamera und die Hörermuschel, die in mattem Schwarz gehalten ist. Unter dem Screen sind kapazitive Tasten zu finden, die bei deaktiviertem Screen nicht zu erkennen sind. Auch bei beleuchtetem Display sind sie nur leicht illuminiert – deutlich genug aber, um ihre Funktionen zu erkennen: Links: Menü, Mitte: Home, Rechts: Zurück. Eine Besonderheit am OnePlus One ist, dass sich die kapazitiven Bedienfelder komplett abschalten und durch On-Screen-Tasten ersetzen lassen können. Selbst als eingefleischter On-Screen-Button-Anhänger hält der Autor die kapazitiven Buttons beim OnePlus für die bessere Option, da sich das Gerät mit diesen besser einhändig bedienen lässt. Überdies wird der Raum unterhalb des Displays nicht vollends verschwendet.

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Was Verarbeitung und Haptik des One anbelangt, so kann man OnePlus gratulieren, denn der Hersteller hat ganze Arbeit geleistet. Das Gerät liegt trotz seines großen Displays dank der leicht gebogenen Rückseite gut in der Hand. Natürlich muss man mit dem Formfaktor etwas anfangen können – das ist zu 40 % Geschmacks- und zu 60 % Gewöhnungssache. Das Gewicht des OnePlus One ist ausgewogen auf das Gerät verteilt, was dem Handling zuträglich ist. In Sachen Verarbeitung ist kaum etwas zu beanstanden, denn es sind nur geringe Spaltmaße auszumachen – nichts wackelt oder knirscht. Etwas schade ist die Wahl von Material und Größe bei Lautstärkewippe und Power-Buttons, denn sie bestehen aus Kunststoff und wirken filigran, lassen sich dabei aber mit ein wenig Gewöhnung gut ertasten. Positiv hervorzuheben sind zudem die deutlich definierten Druckpunkte der Knöpfe.

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Weitere Themen: CyanogenMod, OnePlus: Das Unternehmen hinter den „Flaggschiff-Killern“

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