Galaxy Note 7 begraben: Für Samsung alles halb so schlimm – oder etwa doch nicht?

Sebastian Trepesch
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Was für ein Schauspiel: Samsung hat Probleme mit einem Produkt – und schwups: 17 Milliarden US-Dollar Unternehmenswert vernichtet. Für Apple wäre ein derartiger Vorfall noch wesentlich schlimmer.

Galaxy Note 7 begraben: Für Samsung alles halb so schlimm – oder etwa doch nicht?

Jetzt beerdigt Samsung das Galaxy Note 7 also endgültig. Produktion eingestellt, die 2,5 Millionen verkaufter Geräte wird eingesammelt. Auch die überarbeiteten Produkte. Dabei sollte das Note 7 doch das Aushängeschild und der iPhone-7-Widersacher werden. Aber mal ehrlich, für die Samsung Group und deren unmittelbaren wirtschaftlichen Erfolg ist es nur ein kleiner Baustein von vielen. Selbiges gilt auch für den wirtschaftlichen Schaden – wenn, ja wenn nicht alleine die Ausgaben und der entgangene Gewinn berücksichtigt werden müssten.

Das Galaxy Note 7, ein Pups im Samsung-Portfolio

Die Samsung Group ist breit aufgestellt: Zum Unternehmen gehören Schwerindustrie, Versicherungen, Medizintechnik, hergestellt wird so ziemlich alles von der Smartphone-Hülle über die Waschmaschine bis hin zur Ölplattform.

Besonders ausgeprägt ist der Geschäftszweig Elektroindustrie, mehrere Unternehmenstöchter fabrizieren Bauteile für viele Produkte unterschiedlicher Firmen. In diesem Geschäftszweig ist Samsung Electronics angesiedelt, es nimmt eine exponierte Rolle in der Unternehmensgruppe ein: Die Firma ist in der Öffentlichkeit sehr präsent und sorgt für die Hälfte des Gewinns der Samsung Group. Der letzte Quartalsbericht informiert: Der Gewinn von Samsung Electronics allein von April, Mai und Juni betrug 6,4 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 40,5 Milliarden Euro. Bei der Produktion konzentriert sich die Tochter nicht nur auf Smartphones, sondern unter anderem auf Fernseher, Drucker, Festplatten, Tablets – aber eben auch das Galaxy Note 7.

Ganz grob gerechnet sorgen die Smartphones für die Hälfte des Gewinns von Samsung Electronics. Samsung Electronics wiederum sorgt für die Hälfte des Gewinns der Samsung Group. 

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Note 7 vernichtet, Geld vernichtet, Schaden überschaubar?

Nun hat Samsung Electronics die Produktion des Note 7 endgültig eingestellt. Das Smartphone wurde wohl etwas übereilt, um vor dem iPhone 7 auf den Markt zu kommen. Ein kleiner Konstruktionsfehler für den Akkueinbau sorgte für Brände bei den Käufern.

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Vergleich: Samsung Note 7 vs. iPhone 6s Plus

Hier wurde Geld vernichtet, durch Entwicklung, Produktion, Vermarktung, Rücknahme (mitsamt Problemen) und so weiter. Der finanzielle Schaden für die Samsung Group hält sich in Grenzen, schließlich ist nur ein Teil der Smartphone-Sparte, ein Teil des Unternehmens, ein Teil der Unternehmensgruppe, betroffen. Die Erkenntnisse aus der Entwicklung kann Samsung für kommende Geräte nutzen. Es muss ja nicht unbedingt der Akku übernommen werden ... 

Die Summen, die das Note-7-Desaster bereits vernichtet hat, dürfte für Samsung also übersichtlich sein. Nicht vergessen darf man aber entgangene Gewinne, die das Unternehmen nur teilweise mit anderen Geräten auffangen dürfte. 

Warum das Note 7 doch ein Drama für Samsung ist

Und doch, dieses einzelne Smartphone, das Note 7, bedeutet für Samsung trotzdem ein großes Problem. Der erste Schaden ist bereits deutlich sichtbar:

Milliarden verbrannt
Der Aktienkurs ging sofort auf Talfahrt, als Samsung das endgültige Aus für das Smartphone verkündete. Milliarden an Unternehmenswert werden dadurch vernichtet (aktuell sollen es rund 17 Milliarden US-Dollar sein). Einen großen finanziellen Verlust schaffte das Note 7 also indirekt – über die Börse.

Vertrauensverlust: unbezahlbar
Der Imageschaden ist dagegen schwer zu beziffern, dürfte aber immens sein: Ausgerechnet das Topmodell hat es erwischt, ausgerechnet waren eigene Akkus verbaut, sodass die Verantwortung nicht abgeschoben werden kann. Kann man den Samsung-Geräten noch trauen? Besitzer von anderen Smartphones des Herstellers, mussten wir bereits mitbekommen, sind ebenfalls stark verunsichert. Entweder, weil sie jetzt gegenüber allen Samsung-Produkten skeptisch sind – oder weil sie nicht wissen, ob sie eines der gefährlichen Geräte besitzen oder nicht. In den Augen der Durchschnittsnutzer ist Galaxy halt Galaxy...

Es ist schwer, Vertrauen wieder aufzubauen.

Samsung Galaxy Note 7 Brand SM

Apple und Co. müssen sich hüten

Die Akku-Technologie konnte nicht mit der technischen Entwicklung um sie herum mithalten – Akkuprobleme können jeden Hersteller treffen, und treffen jeden Hersteller. Meist handelt es sich bei Bränden aber um Einzelfälle, nicht wie jetzt bei Samsung um ein Massenphänomen.

Wenn das Management geschickt arbeitet, dürfte Samsung Electronics mit einem großen blauen Auge aus der Angelegenheit kommen. Andere Unternehmen könnte ein Produkt wie das Note 7 in existenzielle Schwierigkeiten bringen. Beispiel Apple: Alles konzentriert sich mehr oder weniger auf ein Modell, in zwei Größen. Das iPhone ist zudem der größte Gewinnbringer im Hause, bei jeder kleinen Negativschlagzeile wird die Börse nervös.

Was können die Hersteller daraus lernen? Alle Geräte vor Marktstart bis zum Gehtnichtmehr testen. Voreilige Marktstarts können böse enden.

Was können die Kunden daraus lernen? Nicht immer sofort das neueste Modell kaufen. Geduld ist eine Tugend.

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