Samsung Galaxy S: Warum US-Nutzer noch auf Froyo warten

Frank Ritter
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Dass die Updates des Samsung Galaxy S auf Android 2.2 “Froyo” in den USA auf sich warten lassen, hatten wir bereits berichtet. Offizielle Erklärung von Samsung: Man wolle “einzigartige Funktionalität” in das Froyo-Update integrieren. Im Rest der Welt war Froyo allerdings bereits seit Mitte Oktober verteilt worden. Nun hat sich ein Eingeweihter in den Foren der XDA-Developers geäußert: Das Fehlen von Froyo auf dem SGS sei ein Politikum und auf Streitigkeiten zwischen Samsung und den US-Telekommunikationsunternehmen zurückzuführen.

Samsung Galaxy S: Warum US-Nutzer noch auf Froyo warten

Laut dem anonymen Insider “The.Samsung.Secret”, der im Forum der XDA-Developers aus dem Nähkästchen plauderte und laut Eigenaussage dafür eine Schweigeklausel (Non Disclosure Agreement) brach, ist Grundlage der Streitigkeiten, dass die Mobilfunkunternehmen für Software-Updates Geld an Samsung zahlen müssen. Unterschiedliche Arten von Updates kosten auch unterschiedlich viel.

Samsung habe mit den Mobilfunkunternehmen, so der anonyme Insider, vertraglich unterschiedliche Preise für verschiedene Arten von Updates festgelegt:

  • “Kritische Updates” (Critical Updates), die schwere Bugs in Hard- und Software beheben.
  • “Wartungsupdates” (Maintenance Updates), die kleinere Bugs und andere vom Provider gemeldete Probleme beheben.
  • “Funktionsupdates” (Feature Updates), die das Gerät um neue Funktionen erweitern.

Für Feature Updates verlangt Samsung eine Gebühr pro Gerät, das aktualisiert wird. Hier liegt in den USA der Hase im Pfeffer. Für Samsung ist das Update auf Android 2.2 ein Funktionsupdate, für die Provider “nur” ein Wartungsupdate. Auch andere Hersteller wie HTC und Motorola sehen die Aktualisierung eines Geräts auf eine neue Android-Version eher als Wartungsupdate, da die Android-Version eines Gerätes eine größere Rolle spielt als bei Handys vergangener Generationen.

Die US-Mobilnetzbetreiber sind nicht einverstanden mit Samsungs Entscheidung, das Froyo-Update als “Feature Update” herauszugeben. Deswegen verweigern AT&T, Sprint, Verizoin und Co. im Schulterschluss ihren Nutzern das Update — wohl in der Hoffnung, dass nur Samsung einen Imageschaden davonträgt. Ironischerweise bekommt nun die Erklärung von Samsung, man wolle das Froyo-Update mit “einzigartiger Funktionalität” versehen, einen gewissen politischen Drall.

Aber wer ist schuld an dem Dilemma? Es gibt unserer Meinung nach kein eindeutig identifizierbares schwarzes Schaf in dieser Situation. Einerseits beugt sich Samsung nicht der Marktsituation und liefert die Aktualisierung auf eine neue Android-Version als obligatorisches Update aus. Andererseits tragen auch die Mobilfunkunternehmen mit ihrem koordinierten und anscheinend wenig kompromissbereiten Auftreten eine Mitschuld. Immerhin haben die Updates auf Froyo im restlichen Teil der Welt gut geklappt (lässt man mal die mehrmonatigen Verzögerungen außer acht). Die Leidtragenden sind derweil die Kunden in den USA. Diese haben nur zwei Optionen: Entweder warten und hoffen, dass sich Samsung mit AT&T, Verizon, Sprint & Co einigen — oder selbst tätig werden und sich eine aktuelle Froyo-Version per Hand installieren.

Inzwischen hat Samsung Stellung bezogen und dementiert, dass sie von den Mobilfunkbetreibern Geld für Updates beziehen würden. Der Grund für die Verzögerung seien die “Komplexität und einzigartige Funktionalität jedes Galaxy S-Gerätes”, die “zusätzliche Tests” erforderten. Bedenkt man, dass inoffiziell stabile Froyo-Versionen für das SGS seit Juli/August 2010 kursieren und Europa das Update per KIES vor über vier Monaten erhalten hat, klingen die Aussagen von “The.Samsung.Secret” allerdings wesentlich glaubhafter als die von Samsung.

XDA-Developers Forum: The Samsung Secret – Why U.S. Galaxy S Phones run Android 2.1 Still

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