Samsung Galaxy S I9000: Der Test

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Das Samsung Galaxy S I9000 ist seit Juli 2010 auf dem Markt. Zwei Mitglieder der androidnews-Redaktion besitzen das Gerät fast über den gesamten Zeitraum — es gibt wohl kaum bessere Voraussetzungen, einen umfassenden Testbericht zu schreiben, zumal das Samsung Galaxy S derzeit immer günstiger und damit attraktiver wird. Wir beleuchten die Licht- und Schattenseiten des Geräts, geben konkrete Tipps und sagen, ob sich der Kauf des Samsung Galaxy S auch heute noch lohnt.

Samsung Galaxy S I9000: Der Test

Die Hardware des Samsung Galaxy S: Licht und Schatten

Das Galaxy S ist ein Smartphone im Barren-Format, das derzeit mit Android 2.2.1 “Froyo” läuft. Die Maße betragen 122,4 x 64,2 x 9,9 mm, wobei der knappe Zentimeter in der Tiefe sich auf den markanten “Knubbel” am unteren Geräterücken bezieht.

Das Samsung Galaxy S ist auch heute, ein halbes Jahr nach dem Release, nominell noch gut ausgestattet: Neben 8 GB internem Speicher (eine 16 GB-Variante ist ebenfalls erhältlich), besitzt das Samsung-Flaggschiff eine flotte 1GHz Hummingbird-CPU mit dezidierter Grafikeinheit und 512 MB Arbeitsspeicher, die seit dem Update auf Android 2.2 “Froyo” im Oktober 2010 und der JPX-Firmware aus dem Dezember 2010 endlich auch effizient genutzt werden (derzeit 339 MB Speicher, der für Anwendungen zur Verfügung steht).

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samsung galaxy s: rückseite

Das Samsung Galaxy S ist ist etwas größer als iPhone 4 und HTC Desire. Die Verarbeitung ist recht gut, wenn auch nicht optimal. So weiß zwar die Front aus kratzsicherem Gorilla Glass in unserem Langzeittest zu überzeugen, die Rückseite aus “glossy” Plastik zieht jedoch Fingerabdrücke an. Allgemein kann man festhalten, dass die Verarbeitung des Samsung Galaxy S einen nicht ganz so wertigen Eindruck macht, wie die leistungsmäßig vergleichbare Androiden von HTC oder gar das iPhone 4. Die vielgescholtene Plastik-Abdeckung ist aber — entgegen der ersten Eindrücke — sehr stabil: Bei vier SGS-Besitzern in unserem Büro hat sie klaglos Stürze, Feuchtigkeit, Akkuwechsel und andere Strapazen über Monate hinweg problemlos überstanden. Außerdem sorgt der Plastikrücken dafür, dass das Gerät sehr leicht ist: Mit nur 118 g ist das Galaxy S 19 Gramm leichter als das iPhone 4 (137 g) und 17 Gramm leichter als das HTC Desire (135 g) — trotz größerem Bildschirms.

Das Samsung Galaxy S besitzt vier “echte” Hardwaretasten (Lautstärke hoch/runter, Home, Power), die alle gutes haptisches Feedback geben. Einzig die Abdeckung für den MicroUSB-Port ist etwas lieblos gemacht — eine winzige Schiebevorrichtung, die nicht sehr gut einrastet. Immerhin ist der USB-Port überhaupt verdeckt — andere Androiden setzen den Port ungeschützt dem Hosentaschengefussel aus.

samsung galaxy s: unterseite

Die Android-typischen Funktionen “Menü” und “Zurück” sind über beleuchtete Touch-Buttons an der unteren Vorderseite (v.l.n.r.: Menü, Home, Zurück) realisiert. Eine Taste für “Suchen” fehlt, die Funktion wird stattdessen aufgerufen, wenn man länger auf “Menü” drückt. Die Touch-Tasten reagieren präzise. Etwas störend ist allerdings, dass Hardware-Tasten, Gehäuse-Vorderseite und Touchscreen nicht haptisch voneinander getrennt sind. So kann es zum Beispiel in einer hitzigen “Fruit Ninja”-Session passieren, dass man versehentlich über die “Zurück”-Taste fährt und somit das Spiel pausiert.

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Königsdisziplin des Galaxy S: Das Display

Stichwort Bildschirm: Das Display des Samsung Galaxy S mit einer Auflösung von 800×480 ist im wahrsten Sinne des Wortes das Highlight des Geräts. Die SuperAMOLED-Display-Technologie, die im SGS zum ersten Mal zum Einsatz kam, besitzt eine enorme Helligkeit, intensive Farben, sattes und tiefes Schwarz sowie gute Lesbarkeit bei Tageslicht, noch dazu mit großer Unabhängigkeit vom Blickwinkel. Auch der verbaute kapazitive Touchscreen ist ultrapräzise und wesentlich genauer als der des Desire. Das Schönste am Galaxy S ist profanerweise die Größe: Die 4-Zoll-Display-Diagonale machen einen deutlichen Unterschied gegenüber den 3,5 Zoll eines iPhone aus. Es surft, liest und spielt sich erheblich entspannter auf dem Samsung Galaxy S. Und trotz der leicht höheren Maße ist das Gerät dabei keineswegs unmobil.

Größenvergleich: iPhone 4, Samsung Galaxy S, HTC Desire

Groß, aber nicht unhandlich: Das Samsung Galaxy S (Mitte), verglichen mit iPhone 4 (links) und HTC Desire (rechts)

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Die Samsung Galaxy S-Software

Das Samsung Galaxy S wurde mit Android 2.1 “Eclair” ausgeliefert, ist jedoch in fast allen Ländern mittlerweile auf Android 2.2.1 “Froyo” aktualisiert worden. Neben den Standard-Apps finden sich diverse Samsung-Applikationen, auch Dialer (Wählprogramm), MP3-, Video-Player und der Kalender wurden durch Samsung-eigene Varianten ersetzt. Diese Apps sind durchweg brauchbar, weitere Anwendungen können exklusiv über den Dienst “Samsung Apps” heruntergeladen werden. Ärgerlich: Einige vorinstallierte Apps wie Aldiko, Layar, ThinkFree Office und Press Reader lassen sich nicht deinstallieren und ob der speziellen Anpassung an/durch Samsung auch nicht über den Android Market aktualisieren. Hierzu muss sich der User Root besorgen und die Apps per Hand aus dem Verzeichnis /system/app/ entfernen.

Glanzstück und echtes Alleinstellungsmerkmal zur Zeit der Veröffentlichung des Samsung Galaxy S war Swype, ein neuer Weg der Texteingabe, bei dem man über die Tastatur wischt, statt einzelne Buchstaben anzutippen. Mittlerweile kann jeder an der Swype-Beta teilnehmen, weswegen die Software nicht mehr ganz so exklusiv ist. Wir haben ein Tutorial, wie man die vorinstallierte Swype-Version durch die Beta ersetzen kann.

Samsung hat das Galaxy S mit der eigenen TouchWiz-Oberfläche überzogen — diese greift aber bei weitem nicht so tief in das Gerät ein wie etwa HTC Sense, sondern enthält nur einen eigenen Launcher (vertikal), ein wenig anpassbares Homescreen-System und diverse Widgets. Mit TouchWiz lässt sich leben, ohne aber auch: LauncherPro, ADW und Konsorten sind der Samsung-Eigenentwicklung bei weitem überlegen. Wer LauncherPro installiert hat, kann TouchWiz mit Root-Rechten und dem Root Explorer ohne Probleme entfernen.

Mit dem PC koppelt sich das Samsung Galaxy S über die Software KIES, die sowohl zur Synchronisierung als auch für Daten-Backup, -Übertragung, -Konvertierung sowie als Aufspielstation für Firmware-Updates fungiert. Leider ist KIES unserer Meinung nach wenig brauchbar. Die Mac-Version von KIES unterstützt nicht einmal das Samsung Galaxy S. Das macht aber nichts, denn man ist auf KIES nicht angewiesen. Kontakte, Termine und Mails synct man automatisch per OTA/Push mit Google, Dateien mit Dropbox. Firmware-Updates führt man schneller und sicherer per ODIN oder ClockworkMod Recovery durch, die entsprechenden Firmware-Packages gibt’s bei XDA.

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Die Multimedia-Features des Samsung Galaxy S

Die MP3-Player-App ist gut, übersichtlich und zuverlässig, wenn auch nicht mit der eines iPods zu vergleichen. Der Videoplayer ist auch gut und kann nahezu alle relevanten Formate ohne Probleme wiedergeben. Da das Samsung Galaxy S ein Android-Smartphone ist, kann man zudem aus etlichen Alternativen zum Abspielen der gewünschten Multimedia-Files wählen: vPlayer und RockPlayer für Video, Winamp und MortPlayer für Audio, um nur ein paar zu nennen. Eine bessere Alternative zum von Samsung fest integrierten Bildbetrachter Gallery 3D ist JustPictures. Schön ist die DLNA-Zertifizierung des Samsung Galaxy S und die “AllShare”-App: Damit kann man Video und Audio von kompatiblen DLNA-Servern streamen (zum Beispiel ein Windows 7-PC im Heimnetzwerk). Es ist also nicht mehr nötig, Filme und Musik auf dem Gerät direkt zu speichern. Kann man natürlich trotzdem machen — dank des MicroSD-Speicherkartenslots für Karten bis zu 32 GB ist bei Bedarf genug Platz auf dem Gerät vorhanden.

Die Kamera des Samsung Galaxy S: Gut, auch ohne Blitz

samsung galaxy s kamera

Etwas schade ist, dass das Samsung Galaxy S keinen LED-Blitz besitzt, somit ist man also das Fotografieren von bereits beleuchteten Szenerien beschränkt. Die Qualität der 5MP-Kamera ist dafür überdurchschnittlich gut. Es gibt bei guter Beleuchtung kaum Farbverschiebungen, die aufgenommenen 720p-Videos sind flüssig und ziehen auch bei ruckartigen Bewegungen keine Schlieren. Insgesamt neigt die Kamera jedoch zum “Überstrahlen” von Licht, viele Fotos und Filme besitzen einen leichten “Aura”-Effekt. Von der Videoqualität des Galaxy S kann man sich unter anderem in einem koreanischen Kurzfilm überzeugen, der vollständig mit dem Galaxy S gedreht wurde. Im Folgenden einige mit dem Samsung Galaxy S aufgenommene Beispielfotos.

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Galaxy S: Alltagstauglichkeit und Langzeiterfahrungen

Nach 6 Monaten mit dem Gerät haben wir einen guten Rundum-Eindruck vom Samsung Galaxy S gewinnen können. Um es kurz zu machen: Es hat sich bewährt. Der Bildschirm ist auch nach Monaten noch eine Augenweide, das Surfen im Netz macht Spaß, leistungsmäßig ist das Galaxy S sowieso immer noch vorne dabei. Weil das Gerät dünn leicht und trotzdem stabil ist, findet es in jeder Hosen- und Jackentasche Platz. Initiale Befürchtungen, dass sich das Gerät schnell abnutzen könnte, waren unbegründet: Trotz Plastikabdeckung ist das SGS auch ein halbes Jahr nach dem Kauf völlig intakt, bis auf mikroskopisch kleine Abnutzungsspuren an der (wechselbaren) Rückseite ist dem Gerät die sechsmonatige Dauerbenutzung nicht anzusehen. Lob gebührt vor allem dem Gorilla Glass, dem selbst der gemeinsame Hosentaschenaufenthalt mit Münzgeld und Schlüsseln nichts anhaben konnte.

samsung galaxy s: swype

Im Alltagseinsatz hat sich der wechselbare 1500 mAh-Akku als für Smartphone-Verhältnisse ausreichend erwiesen. Je nach Datenverbindung, Displayhelligkeit, installierten Apps und Synchronisierungsoptionen hält der Akku in der Regel zwischen 18 und 36 Stunden durch. Die gute alte Smartphone-Regel “Vor dem Pennen: Handy anklemmen” trifft also auch auf das Samsung Galaxy S zu.

Das Samsung Galaxy S ist natürlich auch als Telefon brauchbar. Es überzeugt durch einen klaren Klang und die Empfangsleistung ist immer gut — egal, wie man es in der Hand hält. Ob man nun per WLAN, HSPA, EDGE oder UMTS ins Netz geht — wir hatten keine Probleme damit. Allenfalls der Stromverbrauch bei Verwendung von HSDPA und HSUPA ist recht hoch — dieses Problem teilen aber alle Smartphones.

Das GPS vom Galaxy S war beim Verkaufsstart kaum zu gebrauchen — entweder benötigte der “Fix” viel zu lange, oder die Verbindung mit den Lokalisierungssatelliten brach nach kurzer Zeit ab. Mittlerweile hat sich das durch Treiberoptimierungen etwas verbessert, wenn auch nicht zu jedermanns Zufriedenheit. Dank A-GPS wird die aktuelle Position des Nutzers auch anhand von WLAN-Routern in der Nähe und Mobilfunkmasten bestimmt. Kurzum: In der Regel weiß Google Maps in kurzer Zeit, wo genau man sich befindet. Auf eine Wandertour in den Himalaya sollte man jedoch besser einen echten GPS-Tracker mitnehmen.

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Do it your Way: Modding beim Samsung Galaxy S

Das Samsung Galaxy S besitzt einen offenen Bootloader; Samsung veröffentlicht außerdem regelmäßig die Kernel-Quellcodes aktueller Firmware-Versionen. Daher hat sich schnell eine lebhafte Szene entwickelt, die Custom ROMs entwickelt. Auf Seiten wie dem unvermeidlichen XDA-Developers-Forum finden sich ständig frische Varianten des Android-Betriebssystems, einschließlich eines ersten Ports von Android 2.3 “Gingerbread”. Es wird aber momentan an einer besseren Version gebastelt, die dann auch als Grundlage einer Portierung von der CyanogenMod 7 fungieren wird. Mehr dazu im Interview mit codeworkx und coolya.

Falls es etwas alltagstauglicher sein darf: Je nach Geschmackslage empfehlen sich bei den von Nutzern erstellten Custom Firmwares Darky’s ROM, Hamster’s ROM, Ultimate oder, für fortgeschrittene Nutzer, eine selbstgebraute Firmware aus dem ROM Kitchen von Doc und Stefunel. Wer Wert auf optimale Ressourcennutzung legt und ein paar coole, erweiterte Features haben möchte, installiert sich Hardcores Speedmod Kernel, wer sich ans Übertakten wagen will (1,2 GHz statt 1 GHz sind bei vielen Geräten möglich), nimmt stattdessen den Advanced Voodoo Kernel. Definitiv empfehlenswert ist es, im Kernel einen so genannten Lagfix zu aktivieren, der das Dateisystem von rfs auf ext4 konvertiert und somit das System insgesamt merklich beschleunigt — vor allem bei vielen gleichzeitig installierten Apps.

Bei all den Modifikationen, die man an dem Gerät vornehmen kann, ist es übrigens beinahe unmöglich, das Galaxy S zu bricken, also softwareseitig unrettbar zu zerstören. In den Download-Modus kommt man eigentlich immer und von dort aus ist es ein Kinderspiel, eine neue Firmware zu flashen. Halten wir fest: Ein Modding-freundlicheres Gerät als das Galaxy S gibt es in der Android-Welt vermutlich nicht.

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Die Zukunft des Samsung Galaxy S

Weil das Galaxy S von Samsung nicht nur sehr offen konzipiert wurde, sondern auch dem Nexus S sehr ähnlich ist, kann man beinahe sicher davon ausgehen, dass das Gerät auf inoffiziellem Wege Portierungen der Android-Version 2.3 und 2.4 erhalten wird. Was die offizielle Update-Politik angeht, möchten wir uns nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Zwar gibt es Gerüchte um den Veröffentlichungszeitpunkt des Gingerbread-Updates, wann genau es kommen wird, bleibt aber fraglich, vor allem wenn man das Hinhalten Samsungs beim Termin für das Froyo-Update berücksichtigt. Wie immer gilt also: Wer selbst Hand anlegt (oder jemanden kennt, der das für einen macht), kommt weiter.

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Samsung Galaxy S – das Fazit

Im Reigen der aktuellen (Januar 2011) Android-Handys gehört das Samsung Galaxy S immer noch zur Spitzenklasse und braucht sich neben Desire HD und Nexus S nicht zu verstecken. Das Galaxy S hat eine angenehme Form, bietet viele Möglichkeiten der Anpassung und besitzt ein fantastisches Display. Die wenigen negativen Aspekte (fehlender Kamerablitz, Materialien “nur” durchschnittlich) werden von den vielen Vorzügen nach unserem Dafürhalten gut kompensiert.

Nachteile

- Touch-Buttons nicht optimal (Eingewöhnung erforderlich)
- Gehäuse Kunststoff nicht so wertig, zieht Fingerabdrücke an
- kein LED-Blitz für Kamera
- GPS teils fehlerhaft

Vorteile

+ flach und leicht
+ gute Leistungswerte
+ helles und farbintensives 4-Zoll-SuperAMOLED-Display
+ superpräziser Touchscreen
+ gute Kamera
+ Gorilla Glass absolut kratzfest
+ Swype-Tastatur integriert
+ sehr Modding-freundlich
+ generell ein tolles Handy

 

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