Samsung Galaxy S: Warum das Value Pack keinen Mehrwert bringt [Meinung]

Frank Ritter
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Derzeit verteilt Samsung eines der vermutlich letzten Updates für das Samsung Galaxy S I9000: Meldungen zu einer aktuellen, über KIES herunterladbare Firmware erreichen uns aus verschiedenen Ländern. Diese basiert auf Android 2.3.6 „Gingerbread“ und inkorporiert das so genannte Value Pack – eine Sammlung von Funktionen, die man von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ und dem Galaxy S2 kennt, wie etwa den TouchWiz 4-Launcher, die Möglichkeit, während einer Videoaufnahme Fotos zu machen, Face Unlock mit Blinzelerkennung und ein Bildeditor. SGS-Besitzer bemängeln, dass das keine Alternative zu dem von Samsung abgesagten ICS-Update sei.

Samsung Galaxy S: Warum das Value Pack keinen Mehrwert bringt [Meinung]

Das Samsung Galaxy S besitzt eine bewegte Versionsgeschichte: Im Juni 2010 mit Android 2.1 „Eclair“ gestartet, erhielt es in mehreren Zwischenschritten Updates auf Android 2.2 „Froyo“ und Android 2.3 „Gingerbread“ über das Samsung-Utility KIES. Damit kann man Samsung für sein Ex-Flaggschiff eine bessere Modellpflege attestieren als vielen Konkurrenten, wie etwa Motorola und LG.

Als Samsung nach einigem Hin und Her ankündigte, dass das Flaggschiff des vorvergangenen Jahres kein Update auf Android 4.0 „Ice Cream Sandwicherhalten sollte, sondern nur einige Funktionen aus ICS über ein so genanntes Value Pack, waren viele Nutzer enttäuscht. Auf ICS basierende Custom ROMs wie CyanogenMod 9 und AOKP haben schließlich bewiesen, dass die Hummingbird-CPU des Samsung Galaxy S durchaus dazu in der Lage ist, die neueste Android-Iteration mit angemessener Performance auszuführen. Die Value Pack-Firmware mit dem Versionscode XXJW4 rollt jetzt in ersten Ländern aus, darunter Portugal, Großbritannien und Südkorea. In Android-Foren und den Kommentarbereichen von Android-Websites freuen sich Samsung Galaxy S-Nutzer derweil nicht über die Aktualisierung, sondern fühlen sich um Android 4.0 betrogen.

Der Proteststurm unter den Nutzern zieht freilich nicht in Betracht, dass für den Großteil der Besitzer des weit über 20 Millionen mal verkauften Galaxy S eine konsistente Benutzererfahrung wichtiger ist als ein aktuelles Betriebssystem: Für ein ICS-Update müsste Samsung die TouchWiz-Oberfläche an die ältere Hardware anpassen und Performance-seitig optimieren – ein zeitraubender und aus Sicht von Samsung wohl wenig sinnvoller Schritt. Außerdem ist ein großer Android-Versionssprung wie der von Gingerbread auf Ice Cream Sandwich auch ein wichtiges Kaufargument für Nachfolgegeräte – obgleich das wohl weder Kunden noch Hersteller zugeben würden.

Zusammengefasst: Ein ICS-Update für das Samsung Galaxy S ist aus aus Samsungs Sicht tatsächlich nicht nur technisch schwierig umzusetzen, sondern macht auch keinen Sinn, denn die meisten Nutzer sind gewöhnt an das und zufrieden mit dem, was sie haben. Das Value Pack für das Galaxy S ist derweil ein Kompromiss, der weder Android-Enthusiasten noch Otto-Normal-Nutzer zufriedenstellt oder gar glücklich macht. Denn die neuen Funktionen sind kaum der Rede wert und trotz eines Hauchs von ICS-Makeup steckt darunter nur Gingerbread. androidnext-Leser „Wise Guy“ schrieb uns per Mail:

Ich habe mir die Firmware JW4 mal angeschaut und im Vergleich zu der JVU hat sich fast nichts geändert: Ruckeliges Scrollen, kein ext4, schwache HTML5 Performance (6 FPS bei Speed Reading), sogar der Fehler mit den zwei Punkten nach Datum und Tag besteht noch. Es wurde lediglich der schon in vielen Custom Firmwares vorhandene TouchWiz 4-Launcher implementiert. Ich habe noch getestet, wie die Grafikperformance ist und Shadowgun lief recht ruckelfrei, aber im Vergleich zu dem aktuellen CM9 KANG liegen immer noch Welten zwischen Gingerbread und Ice Cream Sandwich. Alles in allem sehr sehr enttäuschend …

Vielleicht sollte Samsung, anstatt gut gemeinte Updates und inhaltsarme Erklärungspostings zur Update-Situation zu veröffentlichen, lieber den Enthusiasten unter ihren Kunden eine Anleitung zum Flashen von Custom ROMs wie der CyanogenMod 9 – natürlich unter Verzicht auf jegliche Garantieansprüche – zur Verfügung stellen. Dass Samsung Mobile auf die Dev-Community zugeht, haben sie schon mehrmals bewiesen, etwa als sie den TeamHacksung-Mitgliedern kostenlose Samsung Galaxy S2s zur Verfügung stellten. Warum sollte nicht auch einmal ein solch unkonventioneller Schritt möglich sein? Das Galaxy S ist ein in Würde gealtertes Gerät; es hätte eine offizielle Übergabe in die Hände der Community verdient.

Wie steht ihr dazu? Meinungen zum Value Pack und zum Vorgehen Samsungs in die Kommentare.

Download des Value Packs als ODIN-Package | CM9-Kang für das Samsung Galaxy S | AOKP Build 28 (Die Galaxy S-Version findet man unter dem Gerätenamen „galaxysmtd“)

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

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