Werbespot fürs Samsung Galaxy S II: Clevere Satire oder plumpe Imitation?

Samsung hat aus der Get-A-Mac-Kampagne von Apple etwas gelernt: Erkenne die Schwächen Deines Gegners und nutze sie zu Deinem Vorteil. Versuche dabei, komisch zu sein. Deshalb glaubt das Unternehmen, mit seinem neuesten Werbespot Apple-Fans dort zu treffen, wo es sie am meisten schmerzt: Ihrer Loyalität. Doch irgendetwas ist bei der Übersetzung ins Koreanische schief gelaufen.

Der durchaus recht unterhaltsame Spot lässt sich folgendermaßen kurz zusammenfassen: iPhone-Jünger warten wochenlang vor einem Apple Store auf das neueste Modell der Begierde und entlarven sich dabei als engstirnige, entkernte Hipster. Vor lauter Lobhudelei auf ihr Smartphone drohen sie zu platzen und einer aufgeschreckten Herde Gazellen nicht unähnlich geraten sie in große Aufruhr, als sie ein Galaxy S II in der Nähe wittern.

Der direkte Vergleich zeigt schnell, dass Samsung sich von Apple in den Augen der Konsumenten offenbar vor allem durch zwei Dinge abheben will: Displaygröße und 4G-Unterstützung. “Schau dir den Bildschirm an, das Ding ist riesig”, raunt man sich zu – “Wieso holt Ihr Euch nicht einfach 4G-Smartphones”, fragt die gut aussehende junge Galaxy-Besitzerin die Wartenden.

Man will ja als iPhone-User nicht eingeschnappt sein und erkennt die Leistung der beauftragten Werbeagentur an, das Klischee des “Apple-Fanboy/-Fangirl” erfasst und maßstabsgetreu wiedergegeben zu haben. Irgendwie bleibt aber ein bitterer Nachgeschmack, dürften sich doch iPhone-Besitzer größtenteils als ausgeglichene, nur selten fanatische Konsumenten verstehen.

Nun könnte man meinen, das war bei Apples berühmten Get-A-Mac-Spots nicht anders, der tumpige, pummelige PC war eigentlich immer der Dumme. Doch gibt es einen kleinen Unterschied, wie auch John Gruber in seinem Blog feststellt: Apple hat sich über den PC lustig gemacht, nicht über seine Anwender. Letztere waren stets außen vor und wenn sie doch einmal in Erscheinung traten, dann nie als Stereotyp, sondern als jemand, der eine Aufgabe zu bewältigen hat und dafür das beste Werkzeug sucht.

Über solche kleinen Ungenauigkeiten könnte man geflissentlich hinwegsehen. Doch bleibt am Ende des Spots hauptsächlich diese “Message” in den Köpfen: iPhone-Nutzer sind idiotische Herdentiere, angewiesen auf gut sichtbare Statussymbole. Die angeführten Vorteile, namentlich das größere Display und die 4G-Unterstützung fließen mehr am Rande in das Geschehen ein.

Letztlich ist Werbung nichts weiter als ein Weg, Aufmerksamkeit zu erregen. Dass diese Darstellung der Apple-Jünger und ihrer Spleens kontrovers, oder zumindest provokant ist, dürfte den Schöpfern nicht nur bewusst gewesen sein, es wird ihnen gerade darauf angekommen sein. Sie haben also ihr Ziel erreicht. Das steht bei der Fülle an, je nach “Lager” teils aufgebrachten, teils schadenfrohen Meldungen außer Frage.

Doch gewinnt eine solche Taktik ungemein durch den Einsatz subtiler, unterschwelliger Mittel. Apple hat diese Technik meisterlich beherrscht. Samsung bedient sich stattdessen der Holzhammer-Methode.

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Weitere Themen: Samsung Galaxy S, Samsung Galaxy S2 GT-I9100 Handbuch, Samsung

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