Samsung Galaxy S3 im Test: Die rohe Kraft im Plastikkleid

Frank Ritter

Endlich ist es auf dem Markt, das Samsung Galaxy S3. Wie schlägt sich das Gerät mit dem Exynos-Herzen und dem Polycarbonat-Mantel im Alltagseinsatz, fernab aller Gerüchte, Spekulationen und Flamewars? Ist das wichtigste Android-Handy des Jahres auch das beste? Die Antwort erfahrt ihr in unserem Testbericht zum Samsung Galaxy S3.

Samsung Galaxy S3 im Test: Die rohe Kraft im Plastikkleid

Fassen wir mal zusammen, was die Gerüchteküche dem Samsung Galaxy S3 im Vorfeld alles zugedacht hatte: Wasserdichte Beschichtung, ein 1080p-Display, einen dezidierten Kamerabutton, 7 mm dünn sollte es sein und ein Keramikgehäuse besitzen. Was heute kurios klingt, war das Brot, von dem wir noch vor wenigen Wochen zehrten. Anfang Mai wurde in London endlich das Mysterium gelüftet und das Samsung Galaxy S III GT-I9300 vorgestellt. Dieses erscheint jetzt, nach der Negierung diverser Gerüchte, naturgemäß nicht mehr ganz so überlebensgroß wie in den Vorstellungen. Ernüchterung ist also ein psychologisch nachvollziehbarer Effekt. Wie gut das Galaxy S3 ist, hängt eben doch davon ab, wie es sich im Alltag macht und nicht davon, wie man es im Vorfeld imaginiert hatte.

Die Kernfrage lautet also, beim SGS3 genau wie bei jedem anderen Smartphone, egal wie heiß erwartet: Ist es ein gutes Gerät? Beim SGS3 gekoppelt mit der Anschlussfrage: Ist es ein gutes Gerät, insbesondere im Angesicht des sehr guten Konkurrenten HTC One X? Das wird unser nach tagelanger ausführlicher Beschäftigung mit dem SGS3 entstandener Testbericht klären.

Wir haben das Samsung Galaxy S3 Ende Mai/Anfang Juni in der weißen Version mit Android 4.0.4 und der Firmware I9300XXLE8 getestet.

Das Samsung Galaxy S3 im Hands-On und Unboxing

Wir konnten das Samsung Galaxy S III bereits in London ausführlich unter die Lupe nehmen und haben das Gerät nach dem Eintrudeln in der Redaktion natürlich auch dem üblichen Unboxing-Ritual unterzogen. Wer es verpasst hat, findet hier noch einmal die entsprechenden Videos:

Optik, Haptik und Verarbeitung

Als ich hörte, dass im SGS3 ein 4,8 Zoll-Display verbaut ist, ging ich zunächst davon aus, einen ziemlichen Brummer zu erhalten. Doch weit gefehlt: Obwohl die Displaygröße relativ genau zwischen seinem Vorgänger Galaxy S2 und dem „Phablet“ Galaxy Note liegt, hat man den subjektiven Eindruck, noch ein Smartphone in der Hand zu halten.

samsung galaxy s3 seitlich

Natürlich fordert die Screen-Größe trotzdem ihren Tribut. Mit meiner normalgroßen Männerhand kann ich einhändig nur etwa 60% des Bildschirms erreichen. Der von Google mit den ICS-Designempfehlungen gewünschte „Zurück“-Button in der oberen linken Ecke vieler Apps ist somit beispielsweise nur unter Zuhilfenahme einer zweiten Hand zu erreichen. Das macht aber nichts, denn dem iPhone-Mantra der zwanghaften Ein-Hand-Bedienbarkeit schwimmen sowieso längst die Felle davon. Die Menschen möchten heutzutage größere Bildschirme und Samsung liefert. Subjektiv gewöhnt man sich im Nu an die Bildschirmgröße des Superphones. Das dürfte selbst auf Personen zutreffen, die vorher ein 3,5-Zoll-Smartphone besaßen.

samsung galaxy s3 seite

Dazu kommt, dass das Galaxy S III für seine Größe fast als filigran zu bezeichnen ist. Die Maße von 13,7 cm x 7,1 cm werden relativiert durch die abgerundete Bauform, deren Silhouette sich stark am Galaxy Nexus orientiert. Das und die Tatsache, dass Samsung das dünnere Gorilla Glass 2 verwendet, lassen das SGS3 wirklich schlank wirken, auch wenn es mit 8,6 mm einen Tick dicker als sein Vorgänger (8,5 mm) ist.

samsung-galaxy-s3-top

Gehen wir ins Detail: An der komplett in Glas eingefassten Front findet man über dem Display den Samsung-Schriftzug, etwas eingeklemmt zwischen Bildschirm und Hörmuschel. Links daneben die Benachrichtigungs-LED, welche verschiedenfarbig über Mails, verpasste Anrufe oder Ladenotwendigkeit informiert – ein großer Fortschritt gegenüber den Vorgängergeräten. Rechts daneben die optischen Sensoren und die Frontkamera – jeweils deutlich sichtbar, in der weißen Geräteversion logischerweise noch markanter.

samsung galaxy s3 hardwarebuttons

An der Unterseite von links aus gesehen: die kapazitive Menütaste (Langdruck: Suchen-Funktion), den herausgestellten und durch das Displayglas ragenden Home-Button (Langdruck: Multitasking) sowie die Zurück-Taste.

Den Rand säumt ein „wellenförmiger“ Streifen aus metallfarbenem Plastik, der auch von der Rückseite aus sichtbar ist. An der rechten Seite ist darin die Powertaste, links die Lautstärkewippe eingefasst. Power- wie Lautstärke-Buttons besitzen einen guten Druckpunkt und sind aus meiner Sicht ideal positioniert. Rechts- wie Linkshänder können problemlos im Gespräch die Lautstärke anpassen und ohne Fingerverrenkungen das Display ausschalten.

An der Oberseite ist der Ausgang für das Headset platziert, unten der MicroUSB-Eingang zum Laden und Verbinden des Geräts mit dem PC. Beide Buchsen bieten leider keine Abdeckung. An der Rückseite befindet sich am oberen Rand mittig die nur leicht herausstehende Kamera, links daneben die Kamera-LED, rechts daneben der ähnlich große Lautsprecher – lobenswerterweise diesmal mit einem Grill versehen, der, anders als bei den schnöden Plastikschlitzen der Vorgänger, das Eindringen von Staub unterbinden dürfte. Am unteren Ende des oberen Drittels schließlich findet man noch einmal den dezenten Samsung-Schriftzug.

Samsung galaxy s, s2 und s3 - familientreffen

Samsung orientiert sich bei der geschwungenen Silhouette des Galaxy S3 weniger an den „eckigeren“ Vorgängern Galaxy S und S2 (siehe Bild) als vielmehr am Galaxy Nexus – von diesem erbt das Galaxy S3 seine abgerundete, aber nicht symmetrische Form an der Ober- und Unterseite. Im Gegensatz zum gemeinsam mit Google entwickelten Ice Cream Sandwich-Flaggschiff besitzt das Galaxy S3 aber Hardware-Buttons, die man als Kontinuität innerhalb der Serie und Reminiszenz an die Vorgänger werten kann. Und hier beginnen die Design-technischen Probleme des SGS3.

Nein, ich finde es keineswegs kritikwürdig, dass das SGS3 „echte“ Tasten besitzt. Ich bevorzuge diese sogar in Bezug auf Haptik, Optik und Stromverbrauch gegenüber den Software-Buttons des Galaxy Nexus. Ich finde es auch nach wie vor in Ordnung, einen Menü-Button aufzunehmen, auch wenn Google diesen als veraltet definiert – denn noch gibt es genug Apps, die diese Taste verwenden. Dass ein dezidierter Menübutton existiert und die seltener verwendete Multitasking-Funktion auf die lang gedrückte Home-Taste gelegt wurde, ist mir persönlich lieber als der hässliche zusätzlich eingeblendete Software-Menü-Balken bei den HTC One-Devices. Überhaupt: Mir hat der konturierte Home-Button der Galaxy-Geräte immer gut gefallen, auch wenn ich die kapazitiven Buttons bei Spielen gelegentlich verflucht habe. Mein Problem ist ausschließlich ästhetischer Natur.

Gerüchten zufolge wurde bei Samsung erst kurz vor dem Fertigungsbeginn entschieden, dass das Galaxy S3 Hardwaretasten erhalten sollte. Das glaube ich gerne, denn das Tastendesign des SGS3 kann guten Gewissens als schlampig bezeichnet werden. Der Home-Button ist nicht vertikal zentriert zwischen Display und unterer Gerätekante und er befindet sich auch nicht auf einer Höhe mit den kapazitiven Buttons. Und überhaupt – was hat der Home-Button für eine merkwürdige Form? Soll das ein Tropfen sein? Ein abgerundetes Trapez? Der Button spiegelt ja nicht einmal die untere Gerätekante wieder, was vielleicht noch nachvollziehbar gewesen wäre. Und weg von den Buttons – warum habe ich stets das Gefühl, das Display sei 1 bis 2 Millimeter zu hoch platziert? Das Galaxy S3 wirkt auf mich unbalanciert und in Sachen Design nicht ganz durchdacht.

Samsung bewirbt das Galaxy S3 als von der Natur inspiriertes Smartphone. Das ist nichts Neues, auch Biere, Autos und Parfums werden so beworben. Möglicherweise würde jemand, der für das Design des Gerätes verantwortlich ist, auf das Chaos-Prinzip in der Umwelt verweisen und so die zahlreichen asymmetrischen Elemente verteidigen. Vielleicht liegt es vielmehr an der konstanten Drohung von Apple, Samsung aufgrund der Verletzung von Geschmacksmustern in Grund und Boden zu klagen, dass diese Asymmetrien eingebaut wurden – das wäre besonders schade. Machen diese Aspekte einen Unterschied in der Benutzung aus? Nein. Dürfte es den Großteil der Menschen stören? Nein. Aber jemand, der auf ein gutes Gerätedesign Wert legt, hat den nagenden Eindruck des Unperfekten beim Anschauen des neuen Samsung Boliden.

Mag man die eben genannten Punkte noch als Frage ästhetischer Präferenzen abtun, ist die Rückabdeckung aus Plastik auch nach objektiven Maßstäben zu kritisieren. Polycarbonat hin, Hyperglaze her – hier muss man nichts mit Marketing-Begrifflichkeiten beschönigen: Plastik bleibt Plastik. Vor allem hat sich Samsung hier für die schlechtestmögliche Variante von Plastik entschieden – glatten und glänzenden Kunststoff, wie wir ihn etwa vom BASE Lutea 2 und den meisten Sony Ericsson-Geräten des letzten Jahres kennen.

samsung galaxy s3 back

Die Rückabdeckung ist im abgenommenen Zustand recht wabbelig und zieht Fingerabdrücke deutlich sichtbar an. Immerhin sitzt der Deckel auf dem Gerät fest und rastet gut ein. Der seitliche Plastikrand in Metalloptik ist mehr Schein als Sein und wirkt ebenfalls eher billig, immerhin ist das Spaltmaß zwischen Deckel und Seitenstreifen aber ausreichend klein, um nicht zur dauerhaften Schmutzsammelstelle zu werden.

Samsungs Materialwahl für die Rückseite ist wenig nachvollziehbar. Gerade in den wärmeren Monaten des Jahres wird es zur Qual, länger als ein paar Minuten zu telefonieren, weil das Galaxy S3 in Kombination mit nur der geringsten Menge Handschweiß ständig herabzurutschen droht. Schaut man in die Zukunft, drohen Schmierer, Kratzer und ein generelles Abstumpfen der glänzenden Oberfläche, wenngleich das erst ein Langzeittest sicher zeigen kann.

samsung galaxy s3 blau rückseite vs. samsung galaxy s2

Auch das blaue SGS3, hier in einem Foto aus London, leidet unter Fingerabdrücken. Rechts im Vergleich die angeraute Rückabdeckung des Galaxy S2.

Plastik ist nicht per se schlecht, es besitzt nicht von der Hand zu weisende Vorteile in puncto Empfangsleistung und Gewicht. Sony hat beim Xperia S, HTC beim One X bewiesen, dass angeraute Oberflächen Handling und wahrgenommene Wertigkeit bei Plastikgehäusen spürbar verbessern können. Nur: Warum orientiert sich Samsung mit seinem Flaggschiff nicht an der Konkurrenz beziehungsweise wenigstens an den geriffelten Rückseiten der Modelle Galaxy S2 oder Galaxy Nexus aus eigenem Hause? Warum appliziert Samsung stattdessen den für diese Preisklasse unmöglichen Plastik-Billig-Look und die Designsprache des Samsung Galaxy Mini 2? Kurzum: Das Samsung Galaxy S3 ist in Sachen Design und Verarbeitung ein Rückschritt gegenüber seinem Vorgänger.

Um fair zu bleiben: Diese Kritikpunkte sind sehr drastisch formuliert und vor allem in Relation zum Preis des Gerätes zu sehen. Es ist natürlich absolut möglich, mit dem Galaxy S3 den Alltag zu meistern, das Smartphone besitzt in Haptik und Optik auch diverse positive Aspekte. Es liegt sehr gut in der Hand, die Gorilla Glass 2-gestärkte Frontblende weiß vollkommen zu überzeugen und schmeichelt dem Daumen dank der Herabwölbungen am Gehäuserand. Das Schimmern der kapazitiven Buttons bei Beleuchtung sieht toll aus, die neu hinzugekommene Benachrichtigungs-LED ist sinnvoll. Das Samsung Galaxy S3 ist leicht, stabil und besitzt im Angesicht seiner Größe eine gute Ergonomie. Vergessen sollte man bei aller Kritik auch nicht, dass der Glossy-White-Klavierlack-Look noch vor wenigen Jahren, nämlich im Zeitalter der ersten iPods, oberstes Design-Paradigma war. Nur ist heute 2012 und glattes Plastik verpönt. Um meine Kritik am Design des SGS3 in einem Satz zusammenzufassen: Niemand wird sich das SGS3 wegen seiner Verarbeitung kaufen.

Scharf und bunt: Das Display des Galaxy S3

Samsung als einer der großen Hersteller im Display-Business verbaut im Samsung Galaxy S3 natürlich nicht irgendeinen Bildschirm, sondern das Beste, was die eigenen Fabriken gerade herzustellen imstande sind. Nun gut, streng genommen ist das beste Display derzeit im Galaxy Nexus verbaut, denn das besitzt bei gleicher HD-Auflösung (1280 x 720) eine kleinere Diagonale (4,65 statt 4,8 Zoll) und ist dank der höheren Pixeldichte (306 statt 316 ppi) somit noch einen Tick schärfer. Dafür hat man aber im S3 insgesamt mehr Displayfläche, die auch nicht durch Software-Buttons eingeschränkt wird.

samsung galaxy s3 display

Das Super AMOLED HD-Display ist wahrlich ein Augenschmaus. Alle Befürchtungen hinsichtlich der vermeintlich unschärferen PenTile- statt RGB-Matrix im Vorfeld werden hinfällig, sobald man auf diesen wunderbaren Bildschirm blickt. Natürlich mag man unter dem Mikroskop die Nachteile der Matrix erkennen – im Alltag ist das irrelevant. Das Bild ist einfach knackscharf, die Farben satt, das Schwarz abgrundtief dunkel und das Gesamtbild sehr kontrastreich.

Aufgrund der AMOLED-Technologie ist das Bild gleichmäßig ausgeleuchtet und das Display verbraucht wenig Strom, insbesondere bei dunklen Bildschirminhalten. Nachteilig ist die geringe Maximalhelligkeit und die, wie bei so vielen Smartphone-Modellen, insgesamt zu dunkel justierende automatische Helligkeitsanpassung. Immerhin hat Samsung das Problem der kälteren Farbtendenzen nun im Griff. Im Gegensatz zu früheren AMOLED-Screens ist der Blaustich beim Kippen des Geräts kaum noch wahrnehmbar. Allenfalls weiße Farben wirken latent gräulich, jedoch auch nur im direkten Vergleich mit einem SLC-basierten Display. Wer etwas gegen die „Blendung“ durch die extrem hellen Displays mancher Sony- und LG-Smartphones hat, wird dieses sogar als Vorteil werten. Leider ist das Display somit auch bei Tageslicht, insbesondere unter direkter Sonneneinstrahlung, nicht allzu gut ablesbar.

Im Vergleich zum Display des Galaxy Nexus hat sich, muss man ehrlicherweise sagen, im SGS3 wenig geändert. Außer das, was die Konkurrenz aufzubieten hat. Zwischenzeitlich sind nämlich das HTC One X, das Sony Xperia S und das LG Optimus LTE/Spectrum/True HD LTE erschienen. Diese Geräte besitzen LC-Displays der neusten Generation, die viele der alten Nachteile gegenüber AMOLED-basierten Displays ausgleichen. Soll heißen: Andere Mütter (Smartphone-Hersteller) haben auch schöne Töchter (Displays). So besitzt das Samsung Galaxy S3 ein Display „nur“ auf gleichem Niveau wie das HTC One X, wenngleich mit anderen Prioritäten: Wer die knalligeren Farben möchte, ein Display, das Strom spart, echtes Schwarz zeigt und das dünnere Smartphone ermöglicht, greift zum Samsung. Wer ein besser im Freien lesbares Display mit einem Tick mehr Schärfe, längerer Haltbarkeit und natürlicheren Farben will, nimmt das HTC. Ich persönlich bevorzuge nach wie vor die auf mich hypnotisch wirkenden Farben von Super AMOLED und damit das Display des Samsung Galaxy S3 – realistische Farben habe ich schließlich genug, wenn ich nicht auf mein Handy schaue. Unter dem Strich haben beide Displays aber dieselbe Einstufung als Klassenprimi verdient.

Die Kamera im Samsung Galaxy S3

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Das Samsung Galaxy S3 besitzt eine 8 MP-Kamera. Das sagt erst einmal nicht viel über die Qualität der damit geschossenen Fotos aus, denn 8 MP-Auflösung beherrschte auch schon der Vorgänger. Da unter den Android-Smartphones derzeit das HTC One X die wohl beste Kamera besitzt, muss diese als Vergleichsgröße herhalten.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass 2012 eine neue Generation an Fotomodulen bei Android-Handys der Oberklasse eingezogen ist – wohl nicht zuletzt aufgrund des Drucks von Apple, einem Konzern, der mit dem iPhone 4 einen Trend einläutete, nach dem Handys die traditionelle Point&Shoot-Kamera langsam ersetzen. Das Sony Xperia S, das HTC One S und X sowie nun auch das Samsung Galaxy S3 sind dafür gute Beispiele. Noch vor einem Jahr musste man – nur ein bisschen überspitzt formuliert – zwei Sekunden warten, bis die Kamera-App gestartet war, eine weitere Sekunde, bis der Autofokus den relevanten Bildteil scharf gestellt hatte und noch eine Sekunde, bis nach dem Druck auf den Auslöser ein Foto gespeichert war. Heute geht das alles in einer Sekunde, teils sogar noch schneller. Das SGS3 macht da lobenswerterweise keine Ausnahme – auch wenn ein dezidierter Kamera-Button wie im Xperia S ein toller Mehrwert gewesen wäre. Aber auch per Lockscreen-Shortcut startet die Kamera-App sehr schnell.

Und wie schlägt sich das Samsung Galaxy S3 gegen die Konkurrenz von 2012 in Sachen Bildqualität? In zwei Worten: Sehr gut. Ironischerweise tauscht das Galaxy S3 die Rollen mit dem HTC One X bei der Fotodarstellung, verglichen mit dem Displaybild. Soll heißen: Das Samsung Galaxy S3 zaubert etwas klarere, realistischere Bilder mit weniger gesättigten Farben als das One X auf den Bildschirm. Dazu kommt, dass das SGS3 weniger Bildrauschen produziert und somit auch bei digital hereingezoomten Bildern klarere Konturen zeigt. Dafür sind die Ergebnisse der SGS3-Kamera bei nicht optimalen Lichtverhältnissen schlechter, auch wenn man im Vergleich zu vergangenen Handygenerationen immer noch relativ viel erkennen kann. Zur Not hilft auch der sehr helle LED-Blitz.

So ist denn auch die Kamera im Samsung Galaxy S3 deutlich besser als die Knipse im Vorgänger. Vergessen sind die Autofokus-Probleme des Galaxy S2, wenngleich man auch im SGS3 beim Fotografieren einer hellen Flächen einen ganz schwachen „Pink Spot“ in der Mitte ausmachen kann – beim Fotografieren normaler Motive ist der aber nicht mehr zu sehen. Hier einige Beispiel-Fotos:

Die Foto-App im SGS3 kann als gediegener Standard bezeichnet werden. Praktisch ist, dass man eigene Shortcuts zu häufig verwendeten Funktionen auf dem Bildschirm platzieren kann. Nervig hingegen, dass man die Kamera-Sounds nicht ausschalten kann. Ähnlich wie die HTC One-Serie verfügt auch das SGS3 über einen „Burst Mode“, der in 6 Sekunden bis zu 20 Fotos aufnimmt, aus denen man sich anschließend nur die Gelungenen aussucht. Und genau wie im One X und One S kann man während der Aufnahme eines Videos auch Fotos (in 5 MP-Auflösung) schießen. Beides extrem praktische Features, die man schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchte.

Kurzer Schwenk zur 2 MP-Frontkamera: Diese macht ebenfalls hervorragende Bilder und ist somit sehr gut geeignet für Videochat & Co.

Und sonst? Die mittlerweile obligatorischen Panorama-Fotos leiden im SGS3 leider an häufigen Stitching-Fehlern. Dafür ist die Berechnung des Panoramas nach der Aufnahme viel schneller, außerdem kann man diese auch vertikal aufnehmen. Die HDR-Aufnahmefunktion ist seltsam – sie scheint nur schnell hintereinander zwei verschieden belichtete Bilder aufzunehmen, diese aber nicht zu kombinieren.

Insgesamt sind im SGS3 weniger bildverändernde Effekte als bei HTC vorhanden, die kann und sollte man sowieso aber lieber im Nachhinein applizieren (Instagram lässt grüßen). Wer, wider besseren Wissens, den digitalen Zoom verwenden möchte, kann auf zweierlei Weisen „näher ran“: mit den Lautstärketasten oder per Pinch-to-Zoom-Geste – das ist besser gelöst als bei HTC und seinem schnöden Zoombalken. Insgesamt wirkt die App auf dem SGS3 schneller als bei HTC, das Bild im Sucher flüssiger. Der Auto-Weißabgleich ist vielleicht eine Spur zu aggressiv. Autofokus und Touch to Focus funktionieren hingegen absolut zuverlässig – vor allem gleichzeitig und wahlweise. Normalerweise wird das Bildelement in der Mitte des Suchers scharf gestellt, man kann aber auch per Druck auf den Bildschirm andere Elemente fokussieren.

Das Verändern des Fokus per Bildschirmberührung klappt sogar, während man ein Video aufnimmt, wie in unseren Beispielvideos ersichtlich. Die 1080p Videos, die das Samsung Galaxy S3 aufnimmt, sind generell toll. Stereo-Sound, eine hohe Bitrate, keine erkennbaren Videoartefakte oder andere durch Videokomprimierung erzeugten Bildprobleme – so muss es sein. Hier hat das SGS die Nase deutlich vor dem (auch schon guten) HTC One X. Hier noch zwei Videobeispiele – ohne und mit Bildstabilisator -, in dem die Akustik leider aufgrund des starken Windes etwas verzerrt wird:

Insgesamt ist die Kamera des Galaxy S3 gefühlt auf dem gleichen Niveau wie die des One X, wenn sie auch andere Prioritäten setzt. Wer ein gutes Kamerahandy sucht, macht jedenfalls mit beiden Geräten nichts falsch.

Die Software im Samsung Galaxy S3

samsung galaxy s3 homescreen

Die installierten Programme, den Launcher und die Herstelleroberfläche eines Smartphones zu beurteilen ist ein etwas heikles Unterfangen, denn der Bereich Software ist natürlich der volatilste Faktor in einem Android-Gerät. Launcher können ausgetauscht, Stock-Apps ersetzt, ja sogar das gesamte Betriebssystem aktualisiert, ausgebessert oder vom Nutzer durch eine Custom Firmware ersetzt werden. Trotzdem müssen wir uns ein Urteil über die Software bilden, denn ein nicht unerheblicher Teil der Nutzer passt sein Smartphone wenig an, ja – macht sich nicht einmal die Mühe, durch die zahlreichen App-Alternativen im Google Play Store zu stöbern.

Das ist schade, aber nun mal die Realität, insbesondere bei einem Smartphone, das so sehr auf den Mainstream abzielt wie das Samsung Galaxy S3. Und was die Firmware angeht – hier haben wir gar keine andere Wahl als die zum Testzeitpunkt aktuellste Version in Augenschein zu nehmen, auch wenn ein Testbericht nach einem halben Jahr gelesen wird und sich in der Zwischenzeit viel geändert haben mag. Kommen wir zum Thema: Der Software-Ausstattung des Samsung Galaxy S3.

TouchWiz

Samsung versieht das installierte Android 4.0.4 „Ice Cream Sandwich“ mit der neuesten Version seiner TouchWiz UI. Diese Herstelleroberfläche greift nicht so tief ein wie beispielsweise HTCs Sense-Oberfläche. Dennoch haben wir es mit einem Sammelsurium bunter Icons, einem farblich leicht angepassten Framework, diversen ausgetauschten Apps, sowie einigen Tweaks und Schnelleinstellungen, aber auch einigen kleinen nervigen Makeln zu tun.

samsung galaxy s3 touchwiz

Der Launcher, also Homescreen und App-Drawer, laufen absolut flüssig, da gibt es kein Vertun. Nun gut, bei aufwändigen Live Wallpapers und vielen aktivierten Widgets gerät auch das Galaxy S3 gelegentlich ins (kaum wahrnehmbare) Stocken, aber das ist eine Randerscheinung und bei weitem nicht so schlimm wie beim HTC One X mit Sense 4. Freilich muss auch erwähnt werden, dass sich Samsung die gute Performance mit einem schmutzigen Trick erkauft: Wallpaper scrollen nämlich nie mit, egal ob es sich um ein statisches oder ein animiertes Live-Hintergrundbild handelt. Der nette, wenngleich häufig Performanceprobleme verursachende, Parallax-Effekt aus den Vorgängerversionen und so ziemlich jeder anderen Android-Benutzeroberfläche ist also passé. Wer ihn zurück will, muss sich einen alternativen Launcher wie Apex oder Nova installieren. Diese Launcher laufen ebenfalls durchgehend flüssig, nicht einmal der Zugriff auf die Samsung-Widgets wird eingeschränkt.

Endlich befindet sich der Standard-Homescreen mittig, statt – wie in früheren TouchWiz-Versionen – ganz links. Dank Infinite Scrolling kommt man am Ende wieder auf der anderen Seite heraus. Der horizontale Verschiebeeffekt sieht schick aus und läuft butterweich. Wer eine Umsortierung der Homescreens vornehmen, neue Screens hinzufügen oder alte entfernen will, kann das in der Homescreen-Verwaltung komfortabel tun, die entweder per Menü oder Zweifingergeste erreichbar ist (Daumen hoch und Zeigefinger runter gleichzeitig).

Samsung-typisch befindet sich das App-Drawer-Icon im Dock rechts. Abgesehen von diesem kann man im Dock Apps und App-Ordner nach Wahl bestücken, austauschen und umsortieren.

Der App-Drawer selbst ist gelungen. Aufgrund des durchschimmernden Hintergrundbildes wirkt dieser etwas farbenfroher als in Stock-ICS. Merkwürdigerweise ist die App-Sammlung allerdings unter „Menü“ erreichbar, neben der Schaltfläche für die „Widgets“. Beide Punkte sind voneinander getrennt. Scrollt man rechts über das Ende von „Menü“ hinaus, kommt man wieder an den Anfang, anstatt wie bei Standard-ICS, zu den Widgets. Standardmäßig sind die Apps nach Installationsreihenfolge sortiert. Per Menü lässt sich die sinnvollere alphabetische Sortierung aktivieren, es existieren aber auch noch weitere Anordnungs- und Anzeigemöglichkeiten.

Ein bisschen unglücklich ist das Ordnermanagement geraten. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen kann man keine App-Ordner erstellen, indem man wie in Stock-Ice Cream Sandwich einfach ein Icon auf das andere zieht. Stattdessen muss man zunächst den leeren Ordner per Langdruck auf den Homescreen erstellen und dann die Icons hineinziehen – umständlich. Ebenfalls schade ist, dass Samsung die Option zum schnellen Deinstallieren von Apps durch Langdruck im App Drawer entfernt hat, immerhin geht das aber über einen Zwischenschritt: App-Symbol auf „App-Info“ ziehen und von dort deinstallieren.

Samsung hat die Schnellkonfigurations-Buttons in der Benachrichtigungsleiste zum Aktivieren und Deaktivieren solcher Features wie WLAN, GPS und Bluetooth erweitert. Diese ist jetzt nach rechts scrollbar und erlaubt nun Zugriff auf noch mehr Funktionen – klasse. Schade wiederum ist, dass Samsung eine praktische Funktion aus früheren TouchWiz-Versionen herausgenommen hat, mit der man per Langdruck auf die Benachrichtigungsleiste und Wischen nach links und rechts die Helligkeit regeln konnte. Immerhin ist nun optional einstellbar, dass die Akkuanzeige auch Prozentzahlen anzeigt.

In den Einstellungen finden sich im Vergleich zu Standard-Ice Cream Sandwich diverse neue Menüpunkte neben bunten Punkten. Die Settings sind insgesamt recht nachvollziehbar, wiewohl der Menüpunkt „Weit. Einst.“ negativ auffällt. Nicht nur aufgrund der unnötigen Abkürzung, sondern auch, weil man diesen Punkt problemlos „Verbindungen“ hätte nennen können – denn dahinter verbergen sich die Einstellungen zu NFC, WiFi-Direct und Netzwahl/Roaming.

Das Multitasking-Menü, aufrufbar per langem Druck auf „Home“, wurde aus ICS entnommen und lässt den Nutzer aktive Apps per Wischbewegung entfernen – perfekt.

Der standardmäßig eingestellte Lockscreen zeigt einen interessanten Wassertropf-Effekt nebst passendem Plätscher-Geräusch, wenn man den Bildschirm sperrt oder entsperrt. Der Lockscreen ist vielseitig konfigurierbar, kann zum Beispiel auch das Wetter, aktuelle Nachrichten oder die Uhrzeit am Urlaubsort anzeigen sowie vier konfigurierbare Apps schnell starten. Allerdings vermisst man die Player-Schnellkontrollen, wenn man Musik hört, diese werden nur auf den anderen, ebenfalls aktivierbaren, Standard-ICS-Lockscreens angezeigt. Wir raten dann auch dazu, einen solchen zu verwenden, denn der Wasser-Effekt nutzt sich schnell ab, zudem ist dieser Sperrbildschirm überhaupt nicht sicher. Andere Lockscreens besitzen zumindest ein Quäntchen Schutz vor Datendieben.

Screenshots löst man nicht mehr über eine hakelige Tastenkombination aus, sondern sehr elegant, indem man mit der Handkante von links nach rechts über den Bildschirm wischt, so als wolle man Brotkrumen vom Tisch fegen. Nach kurzer Eingewöhnung ein tolles Feature, insbesondere für Tech-Redakteure.

Trotz kleinerer Macken hinterlässt TouchWiz in der neuesten Iteration einen guten Eindruck. Es handelt sich um eine stilistisch konsistente, freundlichere, aber nicht übertrieben bunte Interpretation des Holo-Looks von Android 4.0. Vor allem die Flüssigkeit der Bedienung und so manches durchdachte Helferlein wissen zu gefallen – ebenso wie die Tatsache, dass TouchWiz bei weitem nicht so tief in das System eingreift wie etwa HTCs Sense-Oberfläche.

Gestensteuerung

Samsung stattet das SGS3 mit diversen Sensoren zur Lagebestimmung, Beschleunigungsmessung und so weiter aus. Mit deren Hilfe kann man das Telefon auf innovative Weise bedienen. Ein Beispiel ist das Halten des Telefons ans Ohr, während man sich in der SMS-App befindet. Das SGS3 startet daraufhin sofort einen Anruf mit der betroffenen Person. Wenn man ein Element von Homescreen zu Homescreen verschiebt, kann man das auch durch „Festhalten“ des Icons und Bewegen des Handys. Die Kamera lässt sich vom Lockscreen aus starten, indem man diesen festhält und das Handy in die Horizontale dreht. Aber bringt das wirklich etwas?

Ich habe im Testzeitraum festgestellt, dass ich die meisten dieser Gesten nicht benötige, weil ich auf traditionellem Weg schneller und zuverlässiger ans Ziel komme. Ich mag aber nicht ausschließen, dass manche für den einen oder anderen Nutzer einen Mehrwert bringen. Praktischerweise lassen sich alle Gesten in den Einstellungen einzeln aktivieren oder deaktivieren.

Smart Stay

Mit Smart Stay registriert das Samsung Galaxy S3 mithilfe der Frontkamera, ob man auf das Display blickt, wenn der Bildschirm eigentlich per Timeout-Einstellung dunkel werden würde. Etwa, wenn man einen längeren Text liest, aber den Touchscreen gerade nicht berührt. Erkennbar ist diese Überprüfung an einem kurz aufleuchtenden Augen-Symbol in der Benachrichtigungsleiste. Smart Stay funktioniert sehr gut, solange es nicht zu dunkel ist und stellt eine echte Innovation von Samsung dar, die ein altes Ärgernis effektiv behebt. Es würde mich wundern, dieses Feature nicht bald in allen Smartphones zu sehen.

Pop Up Play

Der integrierte Videoplayer enthält eine Funktion, mit der man das Video in Miniaturansicht frei auf dem Bildschirm platzieren kann, während man sich gleichzeitig anderen Dingen widmet, etwa dem Surfen im Netz. Diese Funktion mag beeindruckend sein, besitzt aber im Grunde wenig praktischen Nutzwert, denn zumeist will man nicht gleichzeitig ein Video schauen und etwas anderes tun.

S Voice

Mit Vlingo hatte das Samsung Galaxy S2 bereits im letzten Jahr einen sprachgesteuerten Assistenten an Bord, der nur selten genutzt wurde. Nur kurze Zeit, nachdem Apple dann im Herbst das iPhone 4S und damit Siri veröffentlicht hatte, stellte sich heraus, dass auch dieser Assistent bei weitem noch nicht alltagstauglich ist. Einer der prominentesten Siri-Kritiker war Apple-Mitbegründer Steve „Woz“ Wozniak persönlich. Schade, dass Samsung mit den Schafen blökt und den, wieder von Vlingo programmierten, Siri-Klon S Voice trotzdem auf das SGS3 bringt. Denn dieser ist nicht nur unnötig, sondern auch noch extrem schlampig programmiert.

samsung galaxy s3 s voice deutsch

Das fängt bereits bei der Ersteinrichtung an, die den deutschen Nutzer plötzlich mit niederländischen Dialogfetzen konfrontiert. Es gibt sogar Dialoge, die lediglich durch einen automatischen Übersetzer gejagt wurden – siehe Screenshots. Im praktischen Einsatz – zumindest auf Deutsch – erweist sich S Voice dann auch als Nichtskönner. Mails beispielsweise lassen sich nicht mit der Google Mail-App schreiben. Einfache Befehle wie „GPS ausschalten“ werden nicht interpretiert, sondern im Internet gesucht. Weiteres Beispiel: In der Hilfe wird als Beispielfrage die nach der Größe des Mount Everest gestellt. Auf exakt diese Frage versteht S Voice mich in 4 von 5 Fällen falsch („Wie hoch ist der Mond Terrorist“) und weiß einmal keine Antwort („Leider kenne ich die Antwort nicht, wollen Sie im Internet suchen?“ – Besonders die Betonung auf der Silbe „ter“ im Wort Internet lässt mich bei der Sprachausgabe von S Voice wahnsinnig werden). Auf eine normale Suchanfrage hin ruft S Voice plötzlich einen Kontakt an. Diese völlige Unzuverlässigkeit bei der Spracherkennung in Verbindung mit der quälend langsamen Performance lässt S Voice überflüssig werden wie ein Kropf. Bis Google mit „Project Majel“ um die Ecke kommt, wird man das SGS3 wohl weiter auf herkömmliche Weise bedienen müssen.

Hubs

Die im letzten Jahr zum Start des Samsung Galaxy S2 mit großem Bohei angekündigten Hubs hat Samsung teilweise zurückgefahren. Mit dem Music Hub ist allerdings gerade ein Musik-Streaming-Dienst nebst Locker für eigene MP3s an den Start gegangen, dieser kostet aber auch rund 10 Euro im Monat. Der Shop basiert auf dem Dienst 7digital, der auch auf HTC-Handys vorinstalliert ist, die App wirkt insgesamt altbacken. Hier bieten Konkurrenzangebote mehr.

Der Game Hub ist nach wie vor nicht mehr als ein alternativer Store, in dem nur eine kleine Anzahl Games bereitgestellt wird. Das sind überwiegend Social Games, nur wenige echte Spiele-Highlights wie Samurai: Vengeance sind darunter. Da man die Games über sein Samsung-Konto kauft, während die Spiele gleichsam im Play Store verfügbar sind, empfehlen wir, den Game Hub zu ignorieren.

Der unsinnige Social Hub, der SMS, MMS und sozialen Netzwerke im Vorgängergerät verknüpfte, wurde ganz eingestellt. Auch der Reader’s Hub ist nicht mehr dabei, über den man Zeitungen und Bücher in elektronischer Form beziehen konnte.

Absolut irritierend, insbesondere für unerfahrene Nutzer, sind in dem Zusammenhang die zahlreichen vorinstallierten App-Quellen zu nennen. Neben dem regulären Play Store von Google bekommt der Nutzer App-Downloads und -Empfehlungen aus dem erwähnten Game Hub, der App „S Suggest“, den „Samsung Apps“ und der App „Weitere Dienste“ – teilweise mit Überschneidungen. Unser Tipp: Nur den Google Play Store verwenden. Wer gerne spielt, kann alle paar Wochen auch mal einen Blick in die Samsung Apps werfen. Denn dort gibt’s gelegentlich gute Games kostenlos, die im Play Store mehrere Euro kosten.

Widgets

Samsung liefert diverse eigene Widgets für den Homescreen mit, die auch mit alternativen Launchern verwendet können. Die Widgets sind fast durchgehend sinnvoll – von der obligatorischen Wetter-Uhr über ein Taschenlampen-Widget mit dem etwas seltsamen Namen „Assistenz-Licht“ über das Kalender-Widget bis hin zur von Apple geborgten Schaltfläche zum Invertieren von Farben.

Apps

Samsung hat einige Drittanbieter-Apps vorinstalliert, darunter solche zum Bestellen von Pizza, zum Lesen aktueller Nachrichten und von Boulevard-Trash, Buchen von Taxis und Hotels. Diese Apps kann man deinstallieren – sinnvoll, da viele dieser Apps nur Nischeninteressen bedienen und wohl für die meisten Nutzer nicht von Belang sind.

Samsung ersetzt des Weiteren einige Standard-Apps von ICS durch eigene, meist nur gering modifizierte Varianten. Diese Modifikationen sind nicht immer vollständig gelungen. Da ist zum Beispiel der für mein Empfinden etwas unschön gestaltete Kalender S Planner in Leder- und Erdtonoptik. Die Pinch-to Zoom-Gesten des Stock-Kalenders werden hier durch nicht-animierte Varianten ersetzt. Dafür zeigt der Kalender aber auch Facebook-Events an (Screenshot rechts).

s memo und s planner auf dem samsung galaxy s3

Zusätzlich wird die Notiz-App S Memo mitgeliefert (Screenshot links). Diese ist bereits vom Galaxy Note bekannt, lässt den Nutzer handschriftliche Notizen aufzeichnen, kann auch Sprachnotizen aufnehmen, besitzt eine passable Handschriftenerkennung und kann sogar mit Samsung-Servern synchronisieren. Auch der eigene Instant Messenger ChatON ist dabei. Dieser ist in Ordnung, wenngleich es im Play Store diverse bessere Alternativen gibt, die sicherlich von mehr Kontakten verwendet werden, allen voran WhatsApp.

Die Galerie-App bietet mehrere Anlässe zur Kritik. Anders als in der Stock-ICS-Galerie werden Instant Uploads aus Google+ nicht zusammengefasst, sondern in datumsbasierten Ordnern gruppiert, was sehr schnell sehr unübersichtlich wird. Zudem fehlt das „durchwischbare“ Galerie-Widget und die Performance der App rutscht gelegentlich so dermaßen ins Bodenlose ab, dass sie extrem zu ruckeln beginnt. Die eingebaute Gesichtserkennung ist nett gedacht, funktioniert aber nur unter bestimmten Umständen. So muss die angezeigte Person als Kontakt auf dem Telefon vorhanden sein (oder angelegt werden) und das Bild auf dem Telefon gespeichert sein. Eine Markierung von Bildern die etwa bei Google+ liegen oder gar die Synchronisierung von Personenmarkierungen mit den bei Google liegenden Fotos sind nicht vorgesehen. Ebenfalls ärgerlich: Man kann innerhalb eines Albums nur nach links und rechts wischen, wenn das aktuelle Bild komplett herausgezoomt ist. Immerhin synchronisiert auch die Galerie-App mit dem eigenen Facebook-Album.

samsung galaxy s3 browser

Der Browser ist ICS-typisch schön schnell. Zoomen geht leicht von der Hand, allerdings gibt es beim Scrollen auf größeren Seiten leichte Probleme: Wenn man in eine Richtung scrollt, dann aber die Richtung mit dem Finger ändert (etwa: zunächst abwärts, dann abrupt nach links), registriert der Browser den Richtungswechsel nicht, das nervt auf Dauer sehr. Schade auch, dass Samsung nicht das Tab-Management aus Stock-ICS übernommen hat. Anstatt Tabs per Wischbewegung zu schließen, muss man einen kleinen X-Button in einer Art-Pseudo-3D-Ansicht treffen, wie es schon bei den auf Android 2.x basierenden Vorgängern der Fall war. Die Tabs zeigen in den meisten Fällen nicht einmal Thumbnails, sondern nur weiße Flächen. Überdies ist die Anzahl der maximal offenen Tabs auf acht begrenzt.

Sowohl im Browser als auch dem Videoplayer gibt es eine vom System unabhängige Helligkeitseinstellung. Diese Funktion macht keinen Sinn – es nervt ungemein, wenn man die Helligkeit seines gesamten Smartphones gering eingestellt hat, etwa weil man im Dunkeln etwas lesen möchte, aber der Browser plötzlich eine gleißend helle Google-Startseite anzeigt. Es muss die Frage gestattet sein, warum Samsung nicht wenigstens als Option anbietet, die Helligkeit der Apps mit der Systemeinstellung zu koppeln. Der Videoplayer selbst ist in Ordnung und zeigt bereits in der Thumbnail-Übersicht bewegte Bilder. Toll ist, dass er auch mit Untertitel-Dateien umgehen kann. Die bereits weiter oben erwähnte Video-Overlay-Funktion ist ein nettes Gimmick, aber nicht mehr. Minimale Schnittfunktionen sind im Videoplayer enthalten, die Schnitt-App aus ICS ist nicht enthalten.

samsung galaxy s3 touchwiz mp3 player

Samsungs MP3-Player ist nüchtern gehalten, aber funktional. Er spielt lokal gespeicherte MP3s ab und besitzt einen integrierten Equalizer mit sehr gut klingenden Presets – der allerdings leider nicht systemweit zur Verfügung steht. Ärgerlicherweise unterstützt auch dieser Player nicht die ICS-Wischgesten, um etwa schnell zwischen Playlisten, Künstlern und Alben zu wechseln.

Die Kontakteverwaltung ist recht gut. Nach wie vor wissen die Wischgesten zum Schreiben einer SMS sowie schnellen Anrufen zu gefallen – auch wenn diese strenggenommen den Ice Cream Sandwich-Designempfehlungen widersprechen. Das Zusammenführen von Kontakten – immerhin eines der größten Problembereiche von Android – bleibt nach wie vor unnötig kompliziert, weil das Galaxy S3 Kontakte aus unterschiedlichen Netzwerken holt und es deswegen fast automatisch zu Dopplungen kommt. Wer viele Kontakte hat, sollte die Einstellung „Nur Kontakte m. Telefonnr.“ wählen, das schränkt den Kontaktschwall etwas ein.

Samsung bietet zudem eigene Apps für das integrierte Radio, E-Mail, SMS/MMS, den Dateimanager „Eigene Dateien“, die Diktaphon-App „Sprachmemo“ (mit Funktionsüberschneidung der zuvor erwähnten S Memo-App) sowie eine Uhren-Stoppuhren-Wecker-App an. Diese entsprechen dem, was man von ihnen erwartet. Natürlich sind auch die Google-Anwendungen an Bord – vom Play Store über Google Mail und Google Talk bis hin zu Google Maps.

Besonderes Schmankerl ist noch die Dropbox -App. Denn neben der App an sich erhält man auch 50 GB kostenlosen Online-Speicherplatz über den Zeitraum von 2 Jahren – nutzbar natürlich auch am PC und anderen Geräten. Das ist genial und ein echter Mehrwert, denn regulär zahlt man bei Dropbox für 50 GB 99 US-Dollar im Jahr – wenn man Dropbox aktiv und unter Ausnutzung dieser Speichermenge nutzt, spart man somit also umgerechnet etwa 160 Euro. Angenehm auch, dass Samsung hier wie viele andere Hardware-Hersteller keinen eigenen Weg geht, sondern eine Partnerschaft mit einem etablierten und beliebten Cloudspeicher-Anbieter eingeht. For the records: Auch HTC bietet bei den One-Geräten Dropbox-Speicher, allerdings nur 25 GB.

Was fehlt?

Zum einen die von mir persönlich häufig genutzte App „News & Wetter“, die im Standard-Lieferumfang von Android normalerweise dabei, aber nicht auf dem SGS3 vorinstalliert im Play Store verfügbar ist. Hier muss man bei Bedarf den Weg über eine separat installierbare APK gehen. Zum anderen die Wischtastatur Swype, welche die Vorgänger noch schmückte und ein wirklicher Bonus war. Wer Swype vermisst, muss derzeit den Weg über die kostenlose Beta-Version gehen. Ein Leser machte uns per Kommentar darauf aufmerksam, dass ein Swype-ähnlicher Modus zum Wischen auf der Standardtastatur über den Punkt optionalen Punkt „T9 Trace“ in den Einstellungen der „Samsung-Tastatur“ aktiviert werden könne. Dieser Modus funktionierte in einem kurzen Test aber bei Weitem nicht so gut wie Swype und neigte zum Einfrieren und Abstürzen. Zuletzt sei noch die früher iOS-exklusive App Flipboard zu nennen, die bei der SGS3-Premiere in London erstmals auf einem Android-Handy gezeigt wurde und angeblich exklusiv sein sollte. Auf unserem SGS3 fehlt Flipboard – mutmaßlich, weil die App noch nicht oder nicht ausreichend deutsch lokalisiert ist. Auch hier gibt es allerdings eine kostenlose Beta-Version. Für mich nicht, für manchen Nutzer dann aber doch fehlend ist ein Office-Paket nebst PDF Viewer. Hier kann man aber entweder die kostenlose Cloud-basierte Google Drive-App nutzen oder das, ebenfalls kostenlose, konservativere Office-Paket von Kingsoft.

Soweit unser Überblick zur Software im SGS3. Im Grunde zeigt sich hier dasselbe Phänomen wie bei den Vorgängern. Das Samsung Galaxy S3 besitzt zahlreiche Software-Funktionen und einige davon mögen überflüssig sein. Das war jedoch bei den Vorgängern genauso – hielt diese aber nicht davon ab, Millionenseller zu werden. Denn man kann diese kleinen Makel ignorieren – so etwa das komplett vergeigte S Voice oder die unnötigen Hubs. Was zählt ist, dass Samsung in den Kernbereichen nicht versagt: Die Standard-Apps sind – trotz kleiner Mankos – allesamt brauchbar und im Umfang für den Otto-Normal-Nutzer ausreichend, auch der Launcher taugt etwas. Kurzum: Samsung stellt seine Software dem Nutzer nicht in den Weg – und das ist viel wert.

Modifizierbarkeit

Und wer dann doch genervt sein sollte, der kann sich immer noch einen Launcher wie Apex installieren. Oder gleich eine Custom ROM flashen, die die Samsung-Apps entfernt. Oder eine Firmware wie die CyanogenMod 9 aufspielen, die auf AOSP-Android aufbaut. Letztere Möglichkeiten stehen dem SGS3-Nutzer dank der nicht modifikationsfeindlichen Gerätepolitik Samsungs zur Verfügung; es ist absehbar, dass rund um das SGS3 eine lebhafte Dev-Community entstehen und demnächst zahlreiche Alternativen zur Standard-Software des SGS3 anbieten wird.

Die Performance des Samsung Galaxy S3

Das Samsung Galaxy S3 besitzt eine CPU vom Typ Exynos 4412, deren vier Cortex-A9-CPU-Kerne mit 1,4 GHz getaktet sind und das Gerät enorm flott machen. Enorm flott bedeutet: Schneller als alles, was wir bis jetzt gesehen haben, inklusive Tegra 3. Einen Anteil mag daran die von Samsung gut auf Leistung getrimmte Software haben, aber halten wir eines fest: Die Hardware ist auch für sich genommen ein Biest.

samsung galaxy s3 benchmarks

Das zeigt sich unter anderem in Benchmarks, wo das Samsung Galaxy S3 vor allem in grafiklastigen Tests (ohne Leistungsdeckelung durch die maximale Bildschirmwiederholrate) die Konkurrenz deklassiert. Hier einige beispielhafte Ergebnisse, jeweils das mittlere aus drei Durchläufen (zum Testzeitpunkt aktuelle Benchmark-Versionen, in Klammern Testwerte des One X im Vergleich):

  • Quadrant: 6232 (HTC One X: 4627)
  • CF-Bench: Overall 13348, Java 6716, Native 23298 (HTC One X: Overall 12849, Java 5832, Native 23375)
  • AnTuTu: 11970 (HTC One X: 10912)
  • GLBenchmark 2.1 Egypt OffScreen: 11242 Frames / 99 FPS (HTC One X: 7244 Frames / 64 FPS)
  • GLBenchmark 2.1 Pro OffScreen: 6352 Frames / 127 FPS (HTC One X: 4574 Frames / 91 FPS)

Aber auch gefühlt ist das Samsung Galaxy S3 an der Spitze und selbst dem HTC One X eine Nasenlänge voraus. Einen maßgeblichen Anteil dürfte daran die wenig beachtete Tatsache haben, dass Samsung es geschafft hat, die Latenz zwischen Fingereingabe und Bildschirmausgabe zu minimieren. Deutlich wird das etwa, wenn man ein Icon länger antippt und auf dem Homescreen mit variierender Geschwindigkeit herumzieht. Das Icon folgt dem Finger in deutlich geringerem Abstand als das bei anderen Smartphones der Fall ist, inklusive dem HTC One X – was einen deutlichen Vorteil für die im Alltag wahrgenommene Arbeitsgeschwindigkeit des Smartphones ausmacht.

Der CPU-Governor scheint perfekt ausbalanciert und lässt die CPU immer so viel Leistung bereitstellen, wie gerade nötig ist, bleibt andererseits aber stets so sparsam, dass man selten um seinen Akku fürchten muss. Dass im Galaxy S3 „nur“ 1 GB RAM verbaut sind, stört hingegen nicht weiter.

gta 3 auf dem samsung galaxy s3

In Android-Games zeigt sich die hohe Performance des SGS3 besonders eindrucksvoll, trotz der zum Vorgänger gleich gebliebenen GPU ARM Mali-400. Diese ist nämlich auch noch nach einem Jahr noch performanter als die aktuelle GPU im Tegra 3-Chip von Nvidia . Casual Games wie Cut the Rope und Fruit Ninja sind sowieso kein Problem und laufen immer flüssig. Aber auch in Sachen 3D-Performance macht dem Samsung-Smartphone kein Spiel etwas vor. So läuft etwa GTA 3 in vollen Details und ohne Frame Limiter absolut flüssig. Es ist buchstäblich das erste Mal, dass ich das auf einem Android-Gerät beobachte. Ein Jammer, dass dafür der Ingame-Sound von GTA 3 nicht funktioniert. In anderen getesteten 3D-Spielen (Shadowgun, Death Rally, Mini Motor Racing, Freestyle Motocross 4 Pro HD) machte die Akustik jedoch keine Probleme, sodass der Fehler wohl am Spiel liegt und hoffentlich bald gepatcht wird. Das Gerät wird im 3D-Betrieb leicht warm, aber niemals heiß.

Großer Vorteil für passionierte Gamer wird sein, dass das Galaxy S3 aufgrund seiner absehbar hohen Verkaufszahlen ein Gerät sein wird, über das kein Spieleentwickler hinwegsehen kann. Android-Fragmentierung hin oder her, auf das SGS3 werden nahezu alle Spiele in den nächsten 12 Monaten angepasst werden.

Fazit: Das SGS3 bietet Top-Leistung ohne Kompromisse und ist bestens austariert. Egal ob Standby, Homescreen, 2D oder 3D-Apps – dieses Telefon findet stets die optimale Balance aus Leistung und ökonomischem Umgang mit den Ressourcen. Fazit: Herausragend.

Multimedia-Fähigkeiten des Samsung Galaxy S3

Video Player

Das Samsung Galaxy S3 schluckte im Test brav jedes Videoformat, das man ihm vor die Füße warf. Die internen Lautsprecher sind passabel, aber etwas blechern und nicht auf dem Niveau des Sony Xperia S, auch besitzt der Sound weniger Höhen als im HTC One X. Was alles kein Wunder ist, angesichts der flacheren Bauform des Samsung-Smartphones. Videos, Fotos und andere Medien können dank DLNA-Support per AllShare Play-App direkt an kompatible Fernseher oder aber über den separat erhältlichen „AllShare Cast Dongle“ (ca. 90 Euro) auf Nicht-im LAN befindlichen Fernsehern verfügbar gemacht werden, sogar das komplette Spiegeln des Bildschirminhaltes ist möglich. Zudem verfügt das Samsung Galaxy S3 über die bei Samsung obligatorische Möglichkeit, ein Bild per HDMI auszugeben. Dafür braucht man lediglich einen passenden MHL-Adapter.

Die Möglichkeiten zum Streaming und Abspielen von Mediendateien sind vielfältig, der große HD-Bildschirm tut sein Übriges. Alles bestens also in Sachen Multimedia.

Konnektivität und Speicher des SGS3

Das Samsung Galaxy S3 ist – mit Ausnahme von LTE – mit allen gängigen Sensoren und Verbindungsarten ausgestattet. Fangen wir mal an: WLAN bis zum n-Standard, WiFi Direct, Bluetooth 4.0 mit A2DP und EDR-Profil, mobile Datenverbindung bis hoch zu HSPA+ mit theoretisch bis zu 21 MBit/s, NFC.

samsung galaxy s3 gps test

Beeindruckend ist die GPS-Leistung des Samsung Galaxy S3. Im Test wurde es auf einem Balkon neben ein Galaxy S2 und ein HTC One X gelegt, dabei die App GPS Test gestartet. Innerhalb von geschätzt drei Sekunden hatte das S3 14 GPS-Satelliten entdeckt und sofort Fixes zu den meisten davon hergestellt. Die Positionierung konnte flugs auf wenige Meter genau erfolgen. One X und S2 hatten das Nachsehen und konnten erst später und dann auch nur schlechtere GPS-Positionsbestimmungen herzeigen. Diese Ergebnisse konnten bei einer Positionierung per GPS (ohne A-GPS) in Google Maps bestätigt werden. Wer sein SGS3 als Navi verwenden möchte, kann das ohne Bedenken tun.

In unserem nicht-repräsentativen Test konnte das Galaxy S3 sowohl unterwegs sehr flott Daten abrufen als auch daheim per WLAN. Die Geschwindigkeit per HSPA+ in einem dicht besiedelten Wohngebiet bei nicht optimalen Empfangsbedingungen betrug immerhin 1,2 MBit/s up und 1,7 MBit/s down. Im WLAN entsprach die Verbindung nahezu komplett der zur Verfügung stehenden Bandbreite. Auch EDGE und 3G funktionierten gut, wobei das Samsung Galaxy S3 den Wechsel zwischen den Datenstandards subjektiv recht nervös durchführte. In einem Fall wurde HSPA-Konnektivität angezeigt, obwohl keine Daten durch die Leitung kamen, erst ein Neustart ließ die Daten wieder fließen. WLAN ist beim SGS3 gelegentlich deaktiviert, wenn das Gerät aus dem Standby geholt wird – was aber keine negative Auswirkung zu haben scheint.

Auf die zahlreichen integrierten Sensoren wie Beschleunigungsmesser und Gyroskop, welche die Gestensteuerung im Galaxy S3 erst ermöglichen, sei hier nur am Rande verwiesen. Diese funktionierten im Test zuverlässig und machen Augmented Reality-Apps oder etwa den Street View-Kompassmodus zuverlässig verwendbar.

NFC ist an Bord, somit auch die Funktionen von Android Beam. Samsung erweitert die NFC-Möglichkeiten allerdings um das interessante S Beam-Konzept. Per NFC soll hier schnell eine WiFi-Direct Verbindung aufgebaut werden, die dann das Austauschen von Daten erlaubt, unter anderem auch MP3-Dateien. Möglich, dass diese simple kleine Erfindung eine neue Stufe des Filesharings einläutet. Ob und wie S Beam funktioniert, müssen wir allerdings noch testen.

Das Samsung Galaxy S3 kommt in drei möglichen Speicherkombinationen daher: 16, 32 und 64 GB. Dank microSD-Kartenslot lässt sich der Speicher aber preisgünstig erweitern. Das Smartphone taucht am Rechner als MTP-Laufwerk auf, der USB-Massenspeichermodus ist nicht mehr möglich – Mac-Benutzer müssen das Helfertool Android File Transfer installieren, da MTP von Mac OS X nicht nativ unterstützt wird. Unverständlicherweise kann man das Galaxy S3 nicht benutzen, wenn gerade Daten per USB vom oder auf das Gerät übertragen werden.

Telefonieren mit dem Galaxy S3

Samsung hatte das Galaxy S3 bei seiner Vorstellung auch damit beworben, dass man spezielle Mechanismen zur Erhöhung der Klangqualität in Gesprächen ergriffen hätte. Diese hört man: Der Klang des Samsung Galaxy S3 ist sowohl beim Hören als auch beim Sprechen, im Senden wie im Empfang ausgezeichnet — selbst an Orten, wo die Empfangsbedingungen sonst schlecht sind. Lediglich in einem Fall klang meine Stimme laut Aussagen des Telefonpartners etwas verzerrt. Nach Auflegen und sofortigem Neuanruf war das Problem behoben, sodass wir von einem Netzproblem ausgehen. Der Lautsprecher nebst Freisprechfunktion muss ebenfalls gelobt werden – alles klingt klar und akzentuiert, auch der Gesprächspartner kann den SGS3-Besitzer verstehen, sofern dieser nicht zu weit entfernt ist. Ein Hinweis für Handy-Wechsler: Das Galaxy S3 erfordert eine Micro-SIM-Karte. Diese am besten beim Anbieter gleich mitbestellen oder selbst zurechtstanzen.

Das Samsung Galaxy S3 im Alltag

samsung galaxy s3

Im Punkt Alltagstauglichkeit kumulieren sich Licht und Schatten des Samsung Galaxy S3. Zum einen ist da der üppige 2100 mAh-Akku zu nennen. Dieser um 450 mAh vergrößerte Akku macht den erhöhten Stromverbrauch des im Vergleich zum Vorgänger deutlich vergrößerten Displays mehr als wett. In Verbindung mit den stromsparend implementiert zu sein scheinenden Datenverbindungsmodi und der gut skalierenden CPU hatte ich trotz starker Benutzung bei auf 80% fixierter Bildschirmhelligkeit kein Problem, mit dem Akku über 24 Stunden zu kommen. Das schaffe ich sonst mit keinem anderen Android-Smartphone, Ausnahme ist mein SGS2 mit dem separat erhältlichen 2000 mAh-Akku. Insbesondere der Standby-Modus scheint sehr wenig Energie zu verlangen – toll, dass Samsung hier sein Versprechen einlöst, Smartphones besser für den Dauereinsatz zu rüsten. Zusätzlich kann man sein SGS3 noch sparsamer betreiben, wenn man den „Energiesparmodus“ aktiviert. Dieser regelt unter anderem CPU und Bildschirmhelligkeit herunter, die Optionen sind vom Nutzer einzeln auswählbar. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass der Akku im SGS3 wechselbar ist – ein dicker Pluspunkt. In Verbindung mit der kompromisslosesten Leistungsfähigkeit, die man bislang in einem Android-Handy sehen konnte, macht das SGS3 einfach Spaß.

Auf der anderen Seite ist da dann doch das große Format, das eben nicht mehr mit jeder Hosentasche kompatibel ist, das verhältnismäßig dunkle Display, das bei prallem Tageslicht nur noch schwer zu lesen ist und natürlich die groteske Gehäuserückseite, die langes Telefonieren bei schwitzigen Fingern im Sommer erschwert. So ist dann das Gesamtbild der Alltagstauglichkeit auch ein wenig durchwachsen, im Saldo aber noch positiv.

Samsung Galaxy S3: Unser Fazit

samsung galaxy s3 androidnext

Das Samsung Galaxy S3 ist – wie vorher erwartet – ein Spitzen-Smartphone. Das Display ist toll, die Leistung herausragend und die Kamera Spitzenklasse. Es besitzt einen Wechselakku, die aktuellste Android-Version und erweiterbaren Speicher. Samsung hat in Sachen Software versucht, innovativ zu sein und das ist in manchen Fällen auch gelungen, vor allem Smart Stay und die Screenshot-Wischbewegung haben es dem Tester angetan.

Aber das Galaxy S3 besitzt auch Schattenseiten. Neben diversen Detailmängeln – überwiegend Bagatellen – wiegt schwer, dass sich Samsung keine Mühe gegeben hat, das Hauptmanko der Vorgänger auszumerzen: Das Gefühl, hochwertige Technik in der Hand zu halten, die in minderwertiges Material verpackt wurde. Im Gegenteil: Gegenüber Galaxy S2, Note und Nexus, die die Materialwahl zumindest gut zu kaschieren wussten und die Vorteile des Plastiks deutlich in den Vordergrund stellten, sind Verarbeitung, Design und Materialwahl des SGS3 – allen Marketing-Stunts zum Trotz – Rückschritte. Vor allem die billig wirkende Rückenschale ist ein Armutszeugnis, die ein Stück Technik für über 500 Euro nicht verdient hat. Im Angesicht des wieder zu erstarken drohenden iPhone hätte das Android-Ökosystem eine „Lichtfigur“ verdient gehabt. Das SGS3 ist diese Lichtfigur nicht – obgleich abzusehen ist, dass es sich wieder wie geschnitten Brot verkaufen wird. Was bleibt? Ein gutes, nein – ein sehr gutes Handy, das sich freilich nicht genug von seinem Hauptkonkurrenten absetzen kann – dem HTC One X. Beide Geräte setzen unterschiedliche Akzente, haben aber eines gemein: Sie sind nicht perfekt.

Video-Fazit

Wertung

Display: 5/5
Verarbeitung und Haptik: 3/5
Software: 4/5
Performance: 5/5
Telefonie: 5/5
Kamera: 5/5
Konnektivität und Speicher: 5/5
Alltagstauglichkeit: 3/5

Gesamt: 4,4/5

Pro

  • Tolles Display
  • Sehr gute Kamera
  • Herausragende Performance

Kontra

  • Plastik
  • Sehr „exzentrisches“ Design
  • Display bei direkter Sonneneinstrahlung schwer abzulesen

Hinweis zur Wertung des Samsung Galaxy S3 in Relation zum HTC One X

Das HTC One X hatte in unserem Test eine Gesamtwertung von 4,5/5 Punkten erhalten, in der Unterkategorie „Performance“ 5/5. Maßgeblich bei der Bewertung in jeder Kategorie ist das aktuell beste Smartphone auf dem entsprechenden Gebiet. In der Performance-Wertung würde das One X im Vergleich mit dem SGS3 zum heutigen Zeitpunkt jedoch nur noch 4/5 Punkte erhalten. Damit würde sich die Gesamtwertung des One X auf 4,4 herabsenken und wäre damit auf demselben Niveau wie das Galaxy S3.

Dies sei nur für Leser angemerkt, die im Kauf zwischen beiden Modellen schwanken. Wir nehmen grundsätzlich keine Ab- oder Aufwertungen im Nachgang eines Tests vor, sondern weisen unsere Leser deutlich darauf hin, dass jede Wertung im Zusammenhang mit dem Testzeitpunkt und den zu diesem Zeitpunkt geltenden Referenzgeräten zu verstehen ist.

Samsung Galaxy S3-Fotogalerie

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