Samsung Galaxy S5 im Test: Richtig gut mit unnötigen Schwächen

Jens Herforth
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Größer, schöner, stärker, schneller – Man könnte die diversen Eigenschaften des Galaxy S5 ewig vorführen. Allerdings nicht nur in positiver Richtung. Was genau das neue Samsung Flaggschiff ausmacht und was das S5 noch nicht kann erfahrt ihr in unserem Testbericht.


Das Samsung Galaxy S3 war damals ein großes Schlag in die Magengrube der Konkurrenz. Handlich, schnell und gutaussehend (für 2012) stemmten sich die Südkoreaner massiv auf den Markt, zurecht. Seitdem versuchen sie es jedes Jahr erneut mit solch einem Knall. Bisher vergebens. Das Samsung Galaxy S5 ist trotz allem ein sehr gutes Smartphone, mit ein paar unnötigen Punktabzügen.

Die häufigsten Probleme des Samsung Galaxy S5 findet ihr hier.

Samsung Galaxy S5 im Test: Die technischen Spezifikationen

Display 5,1 Zoll Super AMOLED Full HD, 1920 x 1080 Pixel (432 ppi)
Prozessor 2,5 GHz Quad-Core Qualcomm Snapdragon 801
Arbeitsspeicher 2 GB RAM
Interner Speicher 16 GB/32 GB, erweiterbar mittels microSD-Karte
Betriebssystem Android 4.4/KitKat
Hauptkamera 16 MP mit ISOCELL, 4K Aufnahme (max. 5 Minuten)
Frontkamera 2,1 MP
Maße 142 x 72,5 8,1 mm
Gewicht 145 Gramm
Akku 2.800 mAh
Konnektivität 4G/LTE, Bluetooth 4.0 LE, microUSB, WiFi a/b/g/n
Farben Schwarz, Weiß, Blau, Gold
Sonstiges IP67 Zertifizierung (Staubdicht und Schutz gegen Strahlwasser/kurzzeitiges Eintauchen), Fingerabdrucksensor

Samsung Galaxy S5-Review: Erster Eindruck, Design und Verarbeitung

Schon wieder keine Revolution? Ach verdammt! Das schmälert aber nicht die Leistung des Galaxy S5. Der erste Eindruck aus der Ferne war mittelmäßig, fünf Minuten aktiv am Gerät können aber schon sehr überzeugend sein.

Die Rückseite ist leicht gummiert, besteht aber weiterhin aus Polycarbonat (eine robuste Art Plastik, gehört zu den Kunststoffen) und sorgt für eine angenehme Haptik. Das neue Galaxy wirkt nicht so billig wie sein Vorgänger und profitiert auch sonst vom Material. Die Rückseite kann abgenommen und der Akku ausgetauscht werden. Außerdem kann man problemlos ein Drahtlos aufladen-Cover kaufen und anstecken. Das hat schon was!

Bildergalerie Samsung Galaxy S5 Hands-On

Unser Testgerät hat allerdings nach wenigen Tagen normaler Nutzung schon so einige Gebrauchsspuren: Die dunkle Umrandung der Kamera hat ein paar Schürfstellen, es gibt zwei Kratzer auf dem Homebutton und an einer Ecke ist die gummierte Oberfläche abgesprungen. GIGA Testgeräte werden nie überstrapaziert, sondern in einem normalen Alltagsumfeld eingesetzt. Dass es dabei so schnell zu Abnutzungen kommt, ist bei solch einem teuren Telefon natürlich schade.

Samsung Galaxy S5: Die Leistung

Der Qualcomm Snapdragon 801 ist beim Galaxy S5 auf 2,5GHz getaktet. Das sind 200 Mhz mehr als beim HTC One und damit minimal schneller in Benchmarks. Unser Gameplay Video zeigt, dass anspruchsvolle Spiele-Apps wie geschaffen für das Galaxy S5 sind. Flüssig, hübsch – da gibt es nichts zu meckern.

Bildergalerie Samsung Galaxy S5 Benchmarks

Dennoch merkt man der Software an, dass da noch eine Menge Platz nach oben ist. TouchWiz zeigt öfter mal die eine oder andere “Denkpause” in den Einstellungen. Tippt man auf eine Option, kann es schon mal zwei Sekunden dauern, bis das Galaxy S5 etwas tut. Im Vergleich zum fluffigen Nexus 5/HTC One M8 wirkt TouchWiz wie eine Bremse, die dringend optimiert werden muss.

Samsung Galaxy S5: Das Display

Das Display ist eine Wucht! Wer das aktuell beste Display in einem Smartphone sucht, wird um das Galaxy S5 nicht herum kommen. Natürlich ist die Auflösung bei 5,1 Zoll und Full-HD entsprechend hoch – Ja Ja Retina. Mit 432 Pixel pro Zoll erkennt man keine Pixel mehr. Es sei denn, sie sind gewollt.

Im Vergleich mit dem schon extrem hellen Galaxy Note 3 (660 Nits) ist das S5 noch mal um einiges heller. Laut ersten Messungen liegt das S5 bei 698 Nits, andere Geräte liegen sonst zwischen 400-500. Das kann allerdings nur im automatischen Modus erreicht werden, da dieses Modus sehr viel Energie raubt.

S5 Test 1

Samsung Galaxy S5: Software und Bloatware

Toolbox, Multi Window, Download-Booster, Smart Pause, Smart Stay, S Voice, S Health, Fingerscanner – Es gibt so viel ZEUG auf dem Samsung Galaxy S5 und doch ist es gefühlt weniger als bei den Vorgängern. Es wirkt endlich mal so, als würde Samsung mehr Zeit in einzelne Features investieren. Besonders praktisch finde ich die Toolbox. Ein kleiner Kreis der auf dem Display verharrt und überall hingeschoben werden kann. Ein Klick darauf bietet Zugriff auf bis zu fünf verschiedene Apps. Drückt man etwas länger darauf, könnt ihr den Punkt wieder entfernen oder ihn bearbeiten und mit eigenen Apps bestücken.

Der Fingerabdrucksensor funktionierte bei mir (überschlagen) in 8,5 von 10 Fällen. Er ist akkurat aber bei weitem nicht so praktisch wie Touch-ID von Apple. Warum? Weil man mit dem Finger über den Sensor wischen muss. Bei Touch-ID drückt man auf den Homebutton und gleichzeitig(!) wird der Fingerabdruck überprüft. Bei Samsung muss man also zwei Schritte für die Entsperrung übernehmen: drücken und wischen.

Dennoch funktionierte genau das wirklich gut und ich würde mir wünschen, dass Samsung das nicht aus den Augen verliert. Eine „Just-Touch-To-Unlock“ Funktion ist wirklich extrem praktisch. Der Pulsmesser ist eine nette Sache aber hätte wohl fast genau so akkurat über die Hauptkamera gelöst werden können. Mehr als Spielerei ist das leider nicht. Auch an Bloatware hat Samsung nicht gespart, einen Großteil kann man aber auf Wunsch auch deinstallieren.

Bildergalerie Samsung Galaxy S5 Software

TouchWiz ist mit dem neuen Design etwas erwachsener/reifer geworden, bleibt aber in fast allen Bereichen genau so unübersichtlich wie die Vorgänger. Die Kameraoptionen sind versteckt und fummelig und die Systemeinstellungen befinden sich plötzlich in einer ewig langen Rasteransicht. Warum? Die Registerkarten empfinde ich übersichtlicher, auch wenn man zum wechseln der Register ausschließlich die Leiste oben benutzen kann. Warum das nicht auch über den kompletten Bereich funktioniert ist mir ein Rätsel.

S5 Test Kamera

Samsung Galaxy S5-Test: Die Kamera

Die Kamera hat sich im Vergleich zum Vorgänger mächtig gemausert! Die ISOCELL Technologie in Zusammenhang mit dem unterstützenden Prozessor sorgt für einen sehr schnellen Fokus und tolle Fotos (am Tage)! Allerdings kommt die Automatik beim Wechsel von nah auf fern etwas ins Straucheln. Hier sollte man per Hand nachfokussieren, wenn man nicht mehrere Sekunden warten möchte. Fotos sind mit einem Format von 16:9 und 16 Megapixel ordentlich groß (5312 x 2988) und nachträglich kann man auch sehr gut zoomen.

Bildergalerie Samsung Galaxy S5 Beispielfotos

Die Aufnahmen sind am Tage richtig gut, doch schon bei leicht schwierigen Lichtverhältnissen kann auch die Galaxy S5 Kamera nicht glänzen. Fotos sind schmierig, verwaschen, körnig – das hatten wir uns anders vorgestellt. Da helfen einem auch keine 16 MP mehr, bei normalen Motiven in semi-optimalen Lichtverhältnissen haben wir schon weitaus bessere Fotos mit einem Smartphone gemacht. Schade!

Der Selektive Fokus ist eine nette Spielerei die nur bei festen Motiven funktioniert. Außerdem verarbeitet die Kamera zu lange (mehrere Sekunden) bis man wieder mit dem Handy weitermachen kann. Nett aber für den Alltag wohl nicht zu gebrauchen.

Die Videofunktion überzeugt am Tage auf ganze Linie. Guter Ton, schönes Bild – am Abend oder bei weniger gutem Licht wird es aber schon wieder matschig und verwaschen. Die Zeitlupenfunktion läuft mit 1280 x 720p und kann kaum bearbeitet werden. Höchstens die Länge des Videos kann nachträglich korrigiert werden, da kennt man von der Konkurrenz schönere Lösungen, Schade!

Samsung Galaxy S5

Samsung Galaxy S5: Lautsprecher/Sound

Der Lautsprecher des Galaxy S5 ist auf der Hinterseite platziert und befindet sich bei Rechtshändern genau unter dem Handballen. Als „Verstärker“ funktioniert die Hand zwar ganz gut, der Ton ist aber auch eher mäßig. Generell kann man das Galaxy S5 aber durchaus als kleine Soundanlage im Bad benutzen, nur fehlen da natürlich die Tiefen und es klingt etwas blechern.

Samsung Galaxy S5-Test: Der Akku

Die Akkuleistung des Galaxy S5 ist gut. Nicht sehr gut, aber ziemlich gut. Das wahre Potential entwickelt sich erst durch die Verwendung des Ultra-Energiesparmodus. Hier gilt wie beim HTC One M8: Wer die intelligenten Sparmodi benutzt, überlebt locker ein richtig aktives Wochenende mit Nachrichten schreiben, telefonieren, surfen und ein paar Spiele-Apps. Das Super-AMOLED Display und der Qualcomm Snapdragon 801 arbeiten hier sehr gut und sehr sparsam zusammen.

Galaxy S5 Test 3

Samsung Galaxy S5: Das Fazit

Den großen Wurf, die Revolution, den richtig großen Knall bringt Samsung mit dem neuen High-End Smartphone leider nicht. Wie schon beim Galaxy S4 entwickelt man sich Stück für Stück, aber das muss man den Jungs mal anrechnen! Das S5 ist nicht mehr so extrem überladen wie die Vorgänger, es wirkt nicht mehr so billig und die Kritik der Vorgänger wurde beachtet. Dafür macht Samsung aber an anderen Stellen Fehler. Die Kamera ist zwar grandios am Tage, aber wird von der Software  in den eher lichtschwachen Alltagssituationen schrecklich “unterstützt”. Ein Essen mit Freunden im Restaurant, ein komisches Straßenschild in der Nacht abfotografieren, das Endergebnis ist selten zufriedenstellend.

Beim Spielen kam ich zudem oft auf den „Multi-Tasking“ Button. Das kann irgendwann regelrecht den Spielspaß trüben! Hier gehört eine Reaktions-Toleranz von Samsung eingebaut, die Touch-Buttons habe ich gefühlte 300 Mal ungewollt angetippt. Ach, und eine Frage noch: Wenn das Galaxy S3 „Designed for humans“ war, was möchte uns Samsung dann mit dem Design vom S5 sagen? Die Rückseite ist weitaus besser als erwartet, aber der Plastik-Chrom-Rahmen sieht aus wie von einem Kinderspielzeug, nicht wie ein teures High-End Smartphone.

Das Samsung Galaxy S5 ist ein richtig gutes Smartphone mit unnötigen Schwachstellen. Wer damit leben kann, den erwartet ein grandioses und starkes Telefon, mit dem besten Display, einer ziemlich guten Akkulaufzeit und (unter optimalen Bedingungen) tollen Fotos und Videos.

Weitere Themen: Samsung Galaxy S5 Bedienungsanleitung, Samsung

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