Samsung Galaxy S6: Warum der Wegfall des microSD-Kartenslots die richtige Entscheidung war [Meinung]

Martin Malischek
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Samsung bekam für das Galaxy S6 und S6 edge direkt nach der Vorstellung ein deutlich besseres Feedback als für das Galaxy S5 – sowohl von der Presse als auch von potenziellen Käufern und Interessierten. Das Fehlen eines microSD-Kartenslots wird bei den aktuellen Modellen indes als Manko aufgegriffen. Zu Unrecht: Wenn man es genauer betrachtet, ist dies sogar ein Vorteil.

Samsung Galaxy S6: Warum der Wegfall des microSD-Kartenslots die richtige Entscheidung war [Meinung]

Android ist das mobile Betriebs- und Ökosystem mit der größten Auswahl an Mobilgeräten, die von zahllosen Herstellern kommen. Es gibt für fast jeden Geldbeutel, Anspruch und für zahllose Einsatzszenarien das passende Gerät. Samsung ist aktuell der wichtigste Anbieter von Smartphones und Tablets mit dem Google-Betriebssystem.

Ein Hauptmerkmal der Geräte des koreanischen Herstellers war bislang der austauschbare Akku sowie ein separater Slot für microSD-Speicherkarten. Mit den neuen Flaggschiffen Samsung Galaxy S6 und S6 edge ändert sich dies, ein solcher Schacht zur Speichererweiterung ist nicht mehr vorhanden. Die Geräte lassen sich nur noch mit festem internen Speicher erwerben – konkret in Varianten mit 32, 64 und 128 GB. Bei aller geäußerten Kritik an dieser Maßnahme: Für den Wegfall der Option zum Speicherausbau gibt es gute Gründe.

Samsung Galaxy S6 und S6 edge: SD-Karte würde Speichergeschwindigkeit ausbremsen

Kommentiert hat Samsung die Entscheidung nicht, nichtsdestotrotz sprechen — vor allem aufgrund der eingesetzten Speichertechnologie bei den neuen Smartphones — einige Gründe gegen einen Speicherkartensteckplatz. So kommt im Samsung Galaxy S6 und S6 Edge die neue UFS 2.0-Speichertechnologie zum Einsatz, mit dieser erreicht der interne Speicher des Geräts SSD-Festplatten-ähnliche Schreib- und Lesegeschwindigkeiten — bis zu 19.000 Input-Output-Operationen pro Sekunde (IOPS) sollen laut Samsung abgehandelt werden können, und damit deutlich mehr als die sämtlicher Konkurrenzgeräte. Eine handelsübliche SD-Karte hingegen ist mit 1.500 IOPS deutlich langsamer und würde somit die hinzugewonnene Geschwindigkeit wieder negieren.

Ein weiterer Nachteil ist die eingeschränkte Möglichkeit, Apps auf die externe Speicherkarte zu verschieben: Manche Android-Anwendungen unterstützen eine Auslagerung gar nicht — von anderen lassen sich nur kleine Teile oder externe Daten (zum Beispiel die heruntergeladenen Tracks bei einem Pocdcast-Client) auf die externe Speicherkarte verschieben. Installiert man viele Apps und Spiele, kann es durchaus passieren, dass der interne Speicher des Geräts voll ist, sich jedoch keine Anwendungen auf die leere Speicherkarte auslagern lassen – verwirrend. Zusätzlich sollte auch der Energieverbrauch in Betracht gezogen werden: Wird eine Speicherkarte oft beschrieben, dies passiert beim häufigen Auslagern von Apps oder bei Viel-Fotografieren, die die Fotos und Videos auf die externe Speicherkarte ablegen, kann sich dies durchaus negativ auf den Akku auswirken.

Ist der Bildschirm gesperrt und der interne Speicher verschlüsselt, lassen sich die auf dem Android-Telefon abgelegten Bilder, Videos, Musiktitel, Telefonnummern und dergleichen nicht auslesen; auch nicht, wenn man das Gerät mit einem USB-Kabel an einen Computer anschließt — ganz anders bei einer Speicherkarte. Sie lässt sich einfach entnehmen und in ein Lesegerät oder ein anderes Android-Gerät mit Speicherkartenslot stecken. Damit hat man bei Verlust oder Diebstahl seines Android-Geräts nicht nur ein unter Umständen sehr kostspieliges und abhanden gekommenes Gerät zu beklagen, sondern muss sich auch darum sorgen, dass Daten wie private Fotos möglicherweise in den Händen von Kriminellen sind.

Auch Google findet Technologie zu verwirrend

Zugegeben, Google ermöglicht mit dem Android-System die Nutzung von externen Speicherkarten, der Internetriese ist jedoch selbst nicht überzeugt von der Technologie. So erklärte das Unternehmen Ende 2012, warum in den hauseigenen Nexus-Geräten seit dem Nexus S von 2010 keine SD-Kartenslots mehr verbaut werden. Google findet, dass in Android-Geräten eingesetzte Speicherkarten für den Nutzer schlichtweg zu intransparent sind: Wo werden die Fotos und Apps gespeichert? Soll der Nutzer jedes Mal gefragt werden, wo Medien abgespeichert werden? Viel einfacher ist es doch, einen Speicher für alles zu nutzen, so die Android-Konzernmutter.

Weitere sich daran anschließende Aspekte: Wie soll das System damit umgehen, wenn eine Speicherkarte plötzlich entfernt wurde oder nicht mehr richtig funktioniert, Apps darauf aber für die korrekte Lauffähigkeit wichtige Daten abgelegt haben? Zudem ist die Qualität von Speicherkarten volatil. Als App-Entwickler kann man sich nicht darauf verlassen, dass alle Nutzer Class 10-Karten namhafter Hersteller verwenden, insofern müssten die Apps auch auf langsame Speicherkarten hin optimiert werden. Mal abgesehen davon dass auch schnelle Speicherkarten nicht durchgehend genug Bandbreite für bestimmte Anwendungsszenarien haben, etwa das Abspeichern von 60 FPS- oder 4K-Videos.

Man sollte nicht vergessen, dass Samsung auch ein Branchenriese im Bereich der Speicherkarten ist. Der Konzern schneidet sich mit der Absage an einen Speicherkartenslot gewissermaßen ins eigene Fleisch. Die Entscheidung dürfte auch intern kontrovers diskutiert worden sein. Für mich persönlich hat Samsung mit dem In-Rente-schicken des Speicherkarten-Slots aber die richtige Wahl getroffen. Die beiden diesjährigen Flaggschiffe Samsung Galaxy S6 und S6 edge sind in Speichervarianten bis 128 GB verfügbar, die für heutige Zwecke vollkommen ausreichend sein sollten – einen angemessen großen Geldbeutel selbstverständlich vorausgesetzt: Die 128 GB-Variante kostet gegenüber der 32 GB-Version 200 Euro mehr. Dafür handelt es sich aber auch um den schnellen UFS 2.0-Speicher. Zum Vergleich: Der Preis einer – wie oben geschildert – langsameren, unsicheren und unkomfortableren SD-Karte mit 128 GB, etwa , beträgt derweil immerhin auch rund 80 Euro.

Und schließlich besteht für jeden, der partout nicht auf Wechselspeichermedien verzichten kann, ja auch noch die Option, micro-USB-Speichersticks am Galaxy S6 zu verwenden. Die kosten nicht viel mehr als microSD-Karten (zum Beispiel der ), lassen sich ohne das Gerät auseinander zu nehmen direkt am PC einstecken und können am Smartphone fast genauso verwendet werden wie Speicherkarten.

Mein persönliches Fazit: Alles richtig gemacht, Samsung. Wie sehen das unsere Leser? Wir freuen uns über eure Kommentare zu diesem kontroversen Thema.

 
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Abstimmung: War es die richtige Entscheidung, dass Samsung beim Galaxy S6 auf einen SD-Karten-Slot verzichtet hat?
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Weitere Themen: Samsung Galaxy S6 Edge, Samsung Galaxy, Samsung Pay, MWC 2015: Der Mobile World Congress in Barcelona, Samsung Electronics

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