Samsung Galaxy S7 edge Test: Displaybogen überspannt?

Frank Ritter
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Größer, schöner besser? Wie schon im Vorjahr bringt Samsung sein Flaggschiff in doppelter Ausführung: Neben dem regulären Galaxy S7, das wir bereits getestet haben, gibt es in diesem Jahr ein Modell mit seitlich abgewölbten Displaykanten: das Samsung Galaxy S7 edge. Im Testbericht erklären wir, wo das Edge-Display sinnvoll ist – und wo es richtig nervt.

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Samsung Galaxy S7 edge im Test (deutsch)
Vorab-Kurzfazit: Wenn man gewillt ist, über die ergonomischen Probleme hinwegzusehen, die aus dem Edge-Display resultieren, erhält man mit dem Samsung Galaxy S7 edge ein Gerät ohne echte Schwächen, mit stylischem Aussehen und guten Multimedia-Fähigkeiten. Das Samsung Galaxy S7 edge ist damit ein würdiger Nachfolger für Galaxy S6 edge und edge+ und eine Empfehlung für alle, die ihr Smartphone gerne als Multimedia-Station nutzen.

Pro

  • Tolles, wertiges Design
  • Top-Performance
  • Gute Akkuleistung
  • Schnelles Laden des Akkus, auch kabellos
  • Top-Kamera
  • Speicher erweiterbar
Kontra

  • Gehäuse extrem glatt, anfällig für Fingerabdrücke
  • Bedienungsprobleme durch Edge-Screen
  • Inkonsistente Software
  • Front-Kamera nur mit 5 MP
  • Ungünstig positionierter Mono-Lautsprecher

Die Wertung findet ihr unten im Artikel.

Unser Test zum Samsung Galaxy S7 ist draußen, nun wollen wir uns dem Schwestergerät widmen, dem Galaxy S7 edge. Da die beiden Smartphones in vielen Punkten identisch sind, ist dieses Review aber erheblich kürzer. Wir machen nämlich das, was man in der Informatik einen „Diff“ nennt. Sprich: Wir konzentrieren uns in der Betrachtung auf die Unterschiede zum regulären Gerät. Aufgrund der Nähe beider Geräte zueinander lassen sich unsere Erkenntnisse zu Performance und Kamera, den Spezialfähigkeiten in puncto Speichererweiterung, Wasserdichtheit und Ladefähigkeiten, aber weitgehend auch zum Display, der Konnektivität und dem Design eins zu eins übertragen. Aus dem Grund legen wir euch dringend ans Herz, unseren ausführlichen Testbericht zum Galaxy S7 zu lesen – als Basis, wenn man so will.

Jetzt lesen: der Testbericht zum Samsung Galaxy S7 auf GIGA.DE

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Test-Unterschied 1: Die Größe des Galaxy S7 edge

Mit einem 5,5-Zoll-Display ist das Galaxy S7 edge ein Phablet, im Gegensatz zum regulären Galaxy S7, das eine 5,1-Zoll-Bilddiagonale aufweist und wenigstens nach der Definition der letzten zwei, drei Jahre noch als „normales“ Smartphone durchgeht. Da beide Geräte eine Bildschirmauflösung von WQHD, also 2.560 x 1.440, besitzen, sinkt damit die nominelle Bildschärfe beim S7 edge ein wenig – von 576 auf 534 ppi. Trotzdem sind beide Displays ultrascharf, für das bloße Auge ist kein Unterschied zu erkennen.

Samsung-Galaxy-S7-edge-Seite-Profil-Lautstaerke

Für ein Phablet ist das Galaxy S7 edge davon abgesehen aber auch erstaunlich kompakt, vor allem extrem schmal und relativ dünn. Auffällig ist zudem, dass die edge-Version mit 157 Gramm gegenüber 152 Gramm kaum schwerer ist als die normal große Version.

Hier ein Vergleich der Maße und des Gewichtes verschiedener 5,5-Zoll-Geräte aus diesem und dem letzten Jahr:

Samsung Galaxy S7 edge Apple iPhone 6s Plus Huawei Mate S OnePlus 2 LG G4
Höhe 150,9 mm 158,2 mm 149,8 mm 151,8 mm 148,9 mm
Breite 72,6 mm 77,9 mm 75,3 mm 74,9 mm 76,1 mm
Tiefe 7,7 mm 7,3 mm 7,2 mm 9,9 mm 9,8 mm
Gewicht 157 Gramm 192 Gramm 156 Gramm 175 Gramm 155 Gramm

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Im Ergebnis bedeutet das, dass das Galaxy S7 edge wesentlich leichter vertikal in der Hand zu halten und zu greifen ist. Horizontal ist das anders …

Test-Unterschied 2: Die Displaykanten des Samsung Galaxy S7 edge

Denn durch das vorne und hinten abflachende Gehäuse ergibt sich eine Form, die etwas schwerer im Landscape-Modus zu halten ist als die des Galaxy S7. Daran gewöhnt man sich zwar mit der Zeit, aber die Chance, dass man das Gerät beim Wechsel der Bildschirmorientierung versehentlich fallen lässt, ist trotzdem etwas höher. Ein Punkt, an den man sich ebenfalls gewöhnen muss, ist, dass das Smartphone an den sich verjüngenden Seiten das Licht so reflektiert, dass man den Bildschirminhalt dort aufgrund des „Lichtstreifens“ nicht richtig gut erkennen kann. Dass man das Display in solchen Situationen etwas kippen muss, geht dem Nutzer schnell in Fleisch und Blut über, zumal am Displayrand selten wichtiger Inhalt angezeigt wird.

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Die schlechtere Haptik und Optik sind entsprechend zwei Punkte, die ein wenig Gewöhnungsleistung beim Nutzer erfordern, aber auch durch den Coolness-Faktor, den das Edge-Display unzweifelhaft besitzt, ein stückweit kompensiert werden. Schwieriger wird es beim nächsten Punkt.

Unterschied 3: Die Software

Das Galaxy S7 edge hat ein Problem mit seinen Displayrändern, das wirklich nervt: Weil es quasi keine „Bezels“ links und rechts gibt, registriert das Galaxy S7 edge häufig „Phantom“-Toucheingaben. Zwar hat Samsung offensichtlich eine Software-Lösung integriert, mit der solche ungewollten Berührungen nicht mehr ausgelöst werden, diese funktioniert aber nicht zuverlässig und verschlimmert das Problem manchmal sogar. Ein paar Beispiele:

  • Wenn man das Gerät einhändig bedient, werden häufig Eingaben auf die Multitasking-Taste ausgelöst.
  • Hält man das S7 edge in der rechten Hand und versucht, in einer App ein Slideout-Menü von der linken Seite hereinzuziehen, wird diese Wischbewegung häufig nicht registriert.
  • In Tastatur-Apps wie SwiftKey werden mitunter Tastendrücke am Geräterand nicht registriert, manchmal drückt der Handballen aber auch immer wieder auf die Enter-Taste.
  • In einigen Apps wie der Twitter-App ist es sehr schwer, den Cursor zur Texteingabe an den Rand – zum Beispiel den Anfang – eines Eingabefeldes zu verschieben.

Gut möglich, dass Samsung an dieser Stelle noch Software-Verbesserungen nachschiebt. Zum aktuellen Zeitpunkt stört diese Eigenschaft aber häufig, weil sie den Besitzer des Galaxy S7 edge oft genug zur beidhändigen Verwendung zwingt – und selbst dann noch nervt.

Aber haben die zusätzlichen Edge-Features, die Samsung seinem größeren Flaggschiff verpasst, auch Vorteile? Nun zunächst einmal muss man feststellen, dass die Features theoretisch keine angepasste Hardware, also herabgesenkten Displayränder erfordern. Ausnahme von dieser Regel ist die bereits von den Vorgängern bekannte Möglichkeit, den Anrufer zu signalisieren, wenn das Telefon auf dem Display liegt. Dabei scheint dann eine vorher eingestellte Farbe über die Seitenleiste durch.

Abgesehen davon wären aber alle anderen Edge-Features auch auf einem normalen Galaxy S7 (oder beliebigen anderen Telefon) umsetzbar. Warum Samsung das nicht tut, liegt auf der Hand – es müssen Alleinstellungsmerkmale für das Edge-Display als Verkaufsargument vorhanden sein. Aber wirken sich diese Software-Goodies auch im Alltag aus? Ehrlich gesagt: kaum.

Samsung-Galaxy-S7-edge-Sidebar-1-Homescreen
Samsung-Galaxy-S7-edge-Sidebar-2-Wetter
Samsung-Galaxy-S7-edge-Sidebar-3-Kompass
Samsung-Galaxy-S7-edge-Sidebar-4-Konfiguration

Samsung integriert eine Seitenleiste in die Edge-Software, die an einer optisch konfigurier- und frei am Rand positionierbaren Lasche verschoben werden kann. Zieht man das dort liegende Slideout-Menü hervor, kann man schnell seine präferierten Apps erreichen. Bei weiteren Wischbewegungen sind zusätzliche Paneele erreichbar. Welche das sind, kann man einstellen: Neben den Lieblingskontakten, lassen sich dort auch Funktionspaneele hinterlegen, die etwa einen Kompass oder das Wetter anzeigen.

Unterm Strich möchte ich nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, die Edge-Features mit Gewinn nutzen. Ich selbst habe sie im Test aber schnell ausgeschaltet. Zum einen, weil ich für diese Zwecke lieber Widgets, Icons und Shortcuts auf dem Homescreen nutze und damit die Anzahl der Interaktionsebenen auf meinem Smartphone klein halte, zum anderen weil ich schlicht zu oft die Paneele versehentlich hervorgezogen habe.

Desweiteren kann man sich auch Informationen in der Sidebar anzeigen lassen, wenn das Display aus ist: Dazu muss man auf der Längsseite des Bildschirms schnell hin und her wischen. Der Informationsgehalt, die Qualität der „Darreichungsform“ und der Mechanismus, um die Anzeige zu aktivieren, sind aber so komplex, dass der Nutzwert gering ist. Insbesondere, weil man in beinahe der gleichen Zeit auch einfach das Gerät entsperren und sich die notwendige Information auf einem anderen Weg beschaffen könnte.

Zusammengefasst: Das Edge-Display hat nur geringen Mehrwert, nervt gar an mancher Stelle, sieht aber lässig aus.

Test-Unterschied 4: Der Akku des Galaxy S7 edge

Samsung-Galaxy-S7-edge-liegend-Unterseite

Mit einer Kapazität von 3.600 mAh wächst die Akkukapazität beim Samsung Galaxy S7 edge gegenüber dem kleineren S7 um satte 20 % an. Zum Vergleich: Das Display des S7 edge besitzt „nur“ eine um 16,3 % größere Fläche. Das heißt, dass der Akku über Proporz wächst. Da das Display aber nur einen Bruchteil der Tageszeit an ist und sich die übrigen Spezifikationen und damit auch der Akkuverbrauch im Standby bei beiden Geräten bis aufs Haar gleichen, müsste das Galaxy S7 edge bereits rein rechnerisch deutlich länger durchhalten.

Um es kurz zu machen: Im Alltag bestätigt sich diese These. Während in unserem Test zum Galaxy S7 bei normaler Nutzung eine Akkulaufzeit von 18-20 Stunden drin ist, schafft man es mit dem Galaxy S7 edge normalerweise problemlos über den Kalendertag. Wer also abends vergisst, das Smartphone an die Strippe zu hängen, hört am nächsten Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem sein Weckerklingeln. Beruhigend.

Bildergalerie Samsung Galaxy S7 edge

Test-Unterschied 5: Multimedia auf dem Samsung Galaxy S7 edge

Abgesehen von der aufgrund des großen Displays offensichtlich besseren Eignung des Galaxy S7 edge für Multimedia, also Games, eBooks und Filme, die wiederum zulasten der Ergonomie geht, soll hier noch ein signifikanter Unterschied genannt werden, der uns ins Auge fiel. Beziehungsweise ins Ohr – denn der Mono-Speaker des Galaxy S7 edge klingt durchaus besser als der seines Schwestergerätes, also satter und bei hohen Lautstärken weniger verzerrt. Trotzdem finden wir auch beim Galaxy S7 edge die Positionierung ungünstig, da man bei Halten im Landscape-Modus viel zu leicht versehentlich den Speaker verdeckt.

Samsung Galaxy S7 vs. S7 edge: Spezifikationen im Vergleich

Samsung Galaxy S7 Samsung Galaxy S7 edge
Display 5,1 Zoll Super AMOLED, 2.560 x 1.440 Pixel (WQHD, 576 ppi) 5,5 Zoll Super AMOLED, 2.560 x 1.440 Pixel (WQHD, 534 ppi)
Dual-Edge-Screen
SoC Samsung Exynos 8890 Octa-Core, 14 nm, 64-Bit,
4 x Mongoose @ 2,3 GHz + 4 x A53 @ 1,6 GHz
ARM Mali-T880 MP12 GPU
Arbeitsspeicher 4 GB
Interner Speicher 32 GB UFS 2.0, erweiterbar per microSD (bis 200 GB)
Kamera 12 MP mit Smart OIS
Dual-Pixel-Sensor mit 1,4 Mikrometer-Pixel und F/1.7-Blende
Video: UHD mit 30 FPS, Full HD mit 30/60 FPS, Zeitlupe mit 240 FPS
Frontkamera 5 MP mit F/1.7-Blende
Konnektivität Bluetooth 4.2 LE, NFC, Dualband-WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2,5 und 5 GHz), ANT+, GPS+GLONASS
Akku 3.000 mAh 3.600 mAh
Maße 142,4 x 69,6 x 7,9 Millimeter 150,9 x 72,6 x 7,7 Millimeter
Gewicht 152 Gramm 157 Gramm
Betriebssystem Android 6.0 Marshmallow mit TouchWiz UI
Farben Schwarz, Weiß, Silber, Gold
Besonderheiten Wasser- und staubdicht nach IP68-Standard, kabelloses Laden (WPC- und PMA-Standard)

Unser Test-Fazit zum Samsung Galaxy S7 edge

Samsung-Galaxy-S7-edge-Rueckseite-Oberseite-Packung

Wie bereits oben zusammengefasst ist das Samsung Galaxy S7 edge trotz kleinerer Mängel ein Smartphone, das die Messlatte höher hängt. Gegenüber der kleineren Version ist die edge-Variante das stylischere Gerät mit größerem Display und mehr Akku-Power, zieht aber bei der Ergonomie den Kürzeren. In Relation zu den restlichen Stärken – von der Wasserdichte über das herausragende Display und der tollen Kamera bis hin zur Top-Performance, kann man das verschmerzen. Wir haben bei der Haptik aufgrund der Bedienprobleme durch das Edge-Display einen Punkt abgezogen, beim „Akku“ dafür einen Punkt mehr gegeben als dem Galaxy S7 – an der Gesamtnote von verdienten 90 % ändert das nichts.

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 5/5
  • Kamera: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 5/5

Gesamt: 90 %

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Samsung-Galaxy-S7-edge-Display-Award
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Samsung Galaxy S7 vs. S7 edge: der Videovergleich

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Samsung Galaxy S7 vs. S7 edge - Vergleich

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(28. April 2016)

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