IP65, IP67 & IP68-Smartphone-Zertifizierung/-Schutzklasse: Was bedeutet das?

Johannes Kneussel
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Neuere Smartphones oder andere technische Geräte kommen immer öfter mit der sogenannten IP65, IP67- oder IP68-Zertifizierung daher und sind damit angeblich wasser- und staubgeschützt. Auch das Samsung Galaxy S7 bringt IP68 mit, während ähnliche Schutzklassen bei Apple, LG und HTC größtenteils noch fehlen. Doch was bedeutet die Schutzklasse überhaupt genau?

IP67, IP68, IP65, IP54, IP58 – So liest man den IP-Code

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Was ist IP-Zertifizierung?

Der IP-Code gibt die Schutzklasse oder -art an, mit der ein bestimmtes technisches Gerät (auf Beamtendeutsch: elektrisches Betriebsmittel) zertifiziert worden ist. IP steht dabei für International Protection Marking. Der Code ist ganz einfach zu lesen:

  • Das IP im IP-Code bedeutet, dass das Gerät bis zu einem gewissen Grad gegen das Eindringen von Fremdkörpern und/oder Flüssigkeiten geschützt ist.
  • Eine IP-Zertifizierung wird von der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) vergeben.
  • Die zwei Kennziffern nach der Abkürzung IP geben genaue Auskunft über die Art des Schutzes.
  • Die erste Ziffer steht dabei für den Schutz vor dem Eindringen von festen Fremdkörpern, wie Sand oder auch Staub.
  • Die zweite Ziffer steht für den Schutz vor dem Eindringen von Flüssigkeiten.
  • Nehmen wir als Beispiel die Schutzklasse IP67:
    • Die Kennziffer 6 sagt aus, dass das Gerät gegen das Eindringen von Staub geschützt ist.
    • Die Kennziffer 7 sagt aus, dass das Gerät gegen das Eindringen von Wasser für einen gewissen Zeitraum geschützt ist.
  • Je höher die Zahl für den ersten oder zweiten Bereich, desto besser ist der Schutz des Gerätes. So ist beispielsweise IP68 also (vereinfacht gesag) immer besser als IP67 oder IP58.

Geräte mit der Zertifizierung für die Schutzklasse IP67 und IP68 sind also staubgeschützt und wasserdicht. Allerdings, und hier wird es ja erst richtig interessant: Was genau heißt nun wasserdicht? Bis in welche Tiefe kann man sein Smartphone mitnehmen? Wie lange darf es unter Wasser bleiben?

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IP67, IP68, IP65 & Co. – Zertifizierung für das Smartphone

Schauen wir uns nun zunächst die erste Ziffer der IP67 Zertifizierung an: 6 ist dabei die höchste Schutzklasse gegen das Eindringen von Fremdkörpern (siehe auch Tabelle unten). Das Gerät ist vollkommen geschützt gegen das Eindringen von Staub. Außerdem besteht ein vollständiger Schutz gegen das Berühren des Innenlebens. Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Gerät einer Schussklasse wie IP67 oder IP68 zugeordnet werden darf, und was genau bei IP54 oder IP58 schlechter ist, lest ihr weiter unten.

Die 7 in IP67 hat folgende Bedeutung: Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen. Das heißt zunächst einmal, dass man Smartphones oder andere Geräte mit der IP67-Zertifizierung nicht dauerhaft im Wasser nutzen kann, da sie nicht komplett wasserdicht sind.

Komplett wasserdicht erst mit IPx8: IP68 und IP58

Die zweite Skala geht insgesamt von 1 bis 8, Schutzklasse IPx8 bescheinigt einen Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen. Die erste Ziffer nach dem IP ist, wie bereits erwähnt, dabei zu vernachlässigen, da sie keine Aussage über die Wasserdichtigkeit gibt. IP58 und IP68 sind also, was ihre Wasserresistenz angeht, vollkommen gleichwertig.

So zumindest die einfache Erklärung. Allerdings ist damit noch nicht ganz klar, wie lange dieses zeitweilige und dauerhafte Untertauchen denn nun dauern darf. Und wie wird das geprüft? Hierfür gibt es genaue Vorgaben, ab wann ein Gerät die Zertifizierung für IP67 tragen darf:

Diese Schutzarten und Zertifizierungen gibt es für Smartphone

Neben IP67 und 68 gibt es natürlich noch wesentlich mehr Schutzarten, die wir hier in zwei Tabellen kurz für euch zusammenfassen wollen:

1. Kennziffer Schutzart
Schutz gegen Fremdkörper Schutz gegen Berührung
0 Kein Schutz Kein Schutz
1 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 50 mm Geschützt gegen den Zugang mit Handrücken
2 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 12,5 mm Geschützt gegen den Zugang mit Finger
3 Geschützt gegen feste Fremdkörper ≥ 2,5 mm Geschützt gegen den Zugang mit einem Werkzeug
4 Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 1,0 mm Geschützt gegen den Zugang mit Draht
5 Geschützt gegen Staub in schädigender Menge Vollständiger Schutz gegen Berührung
6 Staubdicht Vollständiger Schutz gegen Berührung

Die am häufigsten vorkommenden Schutzarten sind übrigens: IP68, IP67, IP54, IP65und IP58, zumindest im Technik- und Smartphone-Bereich.

2. Kennziffer Schutzart
0 Kein Schutz
1 Schutz gegen Tropfwasser
2 Schutz gegen fallendes Tropfwasser
3 Schutz gegen fallendes Sprühwasser
4 Schutz gegen Spritzwasser von allen Seiten
5 Schutz gegen Strahlwasser
6 Schutz gegen starkes Strahlwasser
7 Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
8 Schutz gegen dauerndes Untertauchen

Natürlich geben auch die anderen Schutzklassen ganz genaue Vorgaben vor, die erfüllt werden müssen.

Schutz gegen Fremdkörper? Schutzklasse IP6x – So wird getestet

Habt ihr ein Gerät mit einer 6 als erste Ziffer, also die erwähnten IP68, IP67, aber auch IP65, dann ist euer Gerät auf folgende Art und Weise geprüft worden:

  • Um die Staubdichte des Gerätes zu überprüfen, wird ein Unterdruck (20 mbar) im Gerät erzeugt, während sich dieses in einer abgeschlossenen Staubkammer gefüllt mit kleinstem Talkumpuder befindet.
  • Wenn nach acht Stunden kein Staub in das Gerät eingedrungen ist, gilt es als staubdicht und erhält Klasse IP6x.

Geräte mit der Zertifizierung IP5x, also beispielsweise die häufig vorkommenden IP54 oder IP58, weisen einen geringeren Schutz gegen das Eindringen von festen Körpern auf. So sind sie lediglich gegen das Eindringen von Staub in schädigender Menge sicher. Etwas Staub kommt also trotzdem noch hinein.

Für IP5x und IP6x gilt außerdem, dass das Innenleben vollkommen gegen Berührungen geschützt ist: Man kann also die inneren Komponenten nicht ohne Weiteres erreichen.

Wasserdicht? Schutzklasse IPx7 und IPx8 – So wird getestet

Um das Gerät auf seine Wasserfestigkeit zu überprüfen, geht die Industrie folgendermaßen vor:

  • Das Gerät wird in einem Tauchbecken versenkt, der Wasserstand über dem Smartphone etc. beträgt einen Meter.
  • Hier verbleibt das Gerät für 30 Minuten. Wenn es diese Prozedur übersteht, hat es die Bedingungen für die Zertifizierung IPx7 erfüllt.
  • Bei IPx8 sind die Vorgaben noch strenger. Hier muss die Tiefe mehr als einen Meter betragen und das Gerät darf dauerhaft untergetaucht werden.
  • Die exakte Tiefe, die das Gerät dauerhaft unter Wasser bestehen muss, wird dabei vom Hersteller selbst festgelegt, muss dabei jedoch immer an den Kunden kommuniziert werden.
  • Für IPx4 (wie bei der häufigen Kombination IP54) ist wiederum lediglich ein Schutz gegen Spritzwasser von allen Seiten gegeben. IPx5-Geräte (wie beispielweise IP65) sind gegen Strahlwasser ausreichend gefeit und könnten somit auch bei Regen oder in der Dusche kurzzeitig verwendet werden.

Smartphones mit ihren Schutzklassen

Hier eine Auswahl an Smartphones, die bestimmte (oder eben auch keine) Schutzklassen mitbringen:

Links zum Thema:

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Umfrage: Wasserdichtes Smartphone: Sinn oder Unsinn?
Muss euer neues Smartphone wasserdicht sein?

Eigentlich sollte ein Smartphone ja nicht in wassernaher Umgebung benutzt werden. Ausnahmen sind Menschen, die einen Beruf am oder im Wasser ausüben. Dafür gibt es aber spezielle Geräte. Oder fällt tatsächlich so vielen Leuten ihr Smartphone in die Toilette? Muss euer neues Smartphone wasserdicht sein?

Weitere Themen: Samsung Galaxy S5, Samsung Galaxy S7 edge, Galaxy S5 Premium, HTC One M8, Sony Xperia Z2, Android, MWC 2016: Der Mobile World Congress in Barcelona, Samsung Electronics

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