Samsung Galaxy S7 im Test: Besser statt anders

Frank Ritter
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Das Samsung Galaxy S7 geht mit dem klaren Ziel an den Start, die Schwächen des für Samsung fast schön revolutionären Vorgängers Galaxy S6 auszubessern. Naturgemäß finden sich die Optimierungen eher im Detail und treten erst in der täglichen Nutzung so richtig zu Tage. In unserem ausführlichen Testbericht zum Samsung Galaxy S7 geben wir euch einen umfassenden Einblick in die Alltagsfähigkeit des Smartphones aus allen Perspektiven.

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Samsung Galaxy S7 im Test

Interessiert am Schwestermodell? Hier geht es zu unsem Samsung-Galaxy-S7-edge-Test.

Kurz-Fazit vorweg: Das Samsung Galaxy S7 ist, neben dem Galaxy S7 edge, das wir separat untersuchen, das derzeit beste Android-Smartphone. Samsung hat mit Wasserdichte und micro-SD-Slot zwei zentrale Features (wieder) eingebaut, die im Alltag nützlich sind; der größere Akku war im Vergleich zum Vorgänger eine Pflichtaufgabe und in Sachen Verarbeitung markiert das Gerät im Android-Bereich weiterhin die absolute Spitze.

Das Galaxy S7 ist aber nicht ohne Fehler, oder sagen wir mal: Fehlerchen. Ausgerechnet im Bereich Foto nervt das Gerät mit dem häufig auftretenden Auslöse-Bug. Ambitionierte Smartphone-Fotografen irritiert Samsung mit zu starkem Postprocessing, Selfie-Fans stoßen sich an der etwas gering auflösenden Frontkamera. Die glatte Rückseite zieht Fingerabdrücke an und macht das Gerät glitschig. Und auch die Software hat immer noch diverse Schwächen. In Relation zum Wettbewerb sowieso, aber noch stärker nach einer gewissen Gewöhnungs- und Anpassungsphase, sind das aber alles „Pet Peeves“, also vernachlässigbare Aspekte. Wer ein performantes und zukunftssicheres Smartphone sucht, macht mit dem Galaxy S7 oder dessen Schwestergerät S7 edge keinen Fehler.

Pro

  • Tolles, wertiges Design
  • Top-Performance
  • Schnelles Laden des Akkus, auch kabellos
  • Top-Kamera
  • Speicher erweiterbar
Kontra

  • Gehäuse extrem glatt, anfällig für Fingerabdrücke
  • Inkonsistente Software
  • Front-Kamera nur mit 5 MP
  • Ungünstig positionierter Mono-Lautsprecher

Die Wertung findet ihr unten im Text

Die Hersteller von High-End-Smartphones stecken in einer Sinnkrise: Der Markt fordert von jedem Hersteller ein neues Flaggschiff pro Jahr. Dabei sind in kaum einem Bereich – ob Display, Leistung oder Kamera – derzeit wesentliche technische Fortschritte erzielbar, zumindest aus der Sicht eines Normalnutzers. „Schlimmer“ noch: Google trimmt Jahr für Jahr sein Android-Betriebssystem darauf, immer ressourcenschonender zu agieren und raubt den Leistungsboliden damit noch mehr Legitimation.

Das führt zu fast schon makaberen Entwicklungen: High-End-Prozessoren, die doppelt so viele Kerne haben und trotzdem schlechter performen als ihre Vorgänger. Smartphones, die so dünn konzipiert werden, das deren in das schmalstmögliche Gehäuse hineingequetschter Akku kaum einen Tag durchhält. Displays, die höher auflösen als Desktop-Monitore, ohne, dass das menschliche Auge einen Unterschied zu geringeren Pixeldichten feststellen kann – außer bei der Betrachtung der Akkubilanz. Und sogar Smartphone-Kameras, die zwar nominell höher auflösen als manche DSLR, aber dennoch bescheidenere Qualität liefern.

Das Dilemma der Smartphone-Oberklasse 2015 und 2016 ist also, auf den Punkt gebracht, dass die Mittelklasse die vernünftigeren Geräte hervorbringt. Damit gerät natürlich jeder Hersteller von Smartphones, die über 500 Euro kosten, in Erklärungsnot. „Wie bringen wir denn nun neue Geräte an den Mann?“ fragen sich die Produktstrategen. Denn dass es das jährliche Flaggschiff-Upgrade geben muss, stellt kein Top-Hersteller ernstlich infrage.

Kommen wir zum Anlass dieses Artikels: Samsung vermarktet das Galaxy S7 zwar mit Pomp und Gloria, mit Promis und wilden Werbeaktionen – unter diesem vermeintlichen Glitzermantel, der für die Öffentlichkeitsarbeit gewebt wurde, steckt aber ein Gerät, das eher punktuell und zielgerichtet gegenüber dem Vorgänger verbessert denn revolutionär umgestaltet wurde. Dass das Galaxy S7 ein Pragmatiker ist, ist in diesem Fall nichts Verwerfliches. Denn man merkt deutlich, dass die Basis dessen, was Samsung beim Galaxy S7 verbessert hat, das ist, was in vielen Reviews und natürlich auch unserem Testbericht zum Galaxy S6 kritisiert wurde. Warum ich das betone? Nun, in der Vergangenheit hat Samsung oft genug unter Beweis gestellt, dass man die eigenen Flaggschiffgeräte lieber mit Nonsens-Funktionen verschlimmbessert statt sie an vielgewünschten Stellen zu optimieren: Das Scrollen per Blickrichtung, zur gemeinsamen Audioausgabe kabellos koppelbare Smartphones, ein Fotomodus für Golfschwünge und der Pulsmesser auf der Rückseite, um nur mal ein paar Featuritis-Auswüchse zu nennen, die Samsung der Galaxy-S-Serie in den vergangenen Jahren hat angedeihen lassen.

2015 hat Samsung bereits Tabula Rasa gemacht und mit dem Galaxy S6 ein Gerät auf den Markt gebracht, das insbesondere beim Design alles anders machte – dafür fiel manches Feature weg, das man stets mit der Galaxy-S-Reihe assoziiert hatte. Allen voran der wechselbare und der microSD-Kartenslot. Ein paar davon kommen nun nach Fan-Protesten zurück. Passgenaue Modellpflege statt Feature-Creep lautet also die Devise beim Galaxy S7, Verfeinerung mit Augenmaß statt Veränderung um der Veränderung willen. Das Samsung Galaxy S7 ist ein Ergebnis der selbst auferlegten Reflexionsarbeit seines Herstellers. Aber heißt das auch, dass Besitzer des Vorgängers schleunigst umsteigen sollten?

Schwer, wertig, glatt: Das Design des Galaxy S7

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Das Galaxy S6 sah bereits toll aus, das Galaxy S7 ist aber optisch wahrlich betörend. Ich durfte die schwarze Version des S7 testen und war beim Betrachten hin und weg. Fotos werden dem Galaxy kaum gerecht, aber ihr könnt mir glauben: Das Smartphone sieht im unberührten Zustand einfach prachtvoll aus.

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Ein matter Metallrahmen fasst Glasfront und Rückseite ohne erkennbare Spaltmaße ein, selbst unterbrochen nur von den zwar dezent sichtbaren, aber nicht den Gesamteindruck trübenden Antennen-Plastikstreifen sowie den notwendigen Slots, Buchsen und Löchern: SIM und Speicherkarten-Tray sowie Sekundär-Mikro oben; Klinkenbuchse, micro-USB-Port, Mono-Lautsprecher und Primär-Mikrofon unten. Hinten dann – eine wesentliche Verbesserung zum Vorgänger – hat Samsung seitliche Abrundungen statt einer profanen Ebene in das Glas eingearbeitet.

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Gegenüber dem Galaxy S6 ist das S7 etwas dicker und merklich schwerer, was keineswegs ein Nachteil ist. Vielmehr transportiert das eine bessere Wertigkeit und sorgt ganz praktisch dafür, dass Samsung einen größeren Akku verbauen kann – dazu später mehr. Somit liegt das Galaxy S7 viel besser in der Hand als sein Vorgänger, erinnert in der Ergonomie gar an das genauso handschmeichlerische LG G2 – nur eben mit besseren Materialien.

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Auf der Rückseite ruht nun auch die (dank dickeren Gehäuses) endlich kaum noch herausragende Kameralinse. Wie schon beim Vorgänger oszillieren auch die Farben des Galaxy S7 unter bestimmten Licht-Einfallswinkeln. Das sieht faszinierend aus, vor allem unter echtem Sonnenlicht und zwar auch deswegen, weil der Home-Button anders schillert. Hübsch ist ebenfalls, dass man bei genauem Hinschauen erkennen kann, dass das Gorilla Glass 4 auf der Front im Grunde in eine Art „Wanne“ eingelassen ist statt einfach auf einer geraden Fläche angebracht wurde. Es sind Details wie dieses, die das Galaxy S7 zu einem der derzeit hübschesten Smartphones machen, ...

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... zumindest solange es unberührt bleibt. Denn das Galaxy S7 ist dank seiner Glasoberflächen ein Fingerabdruckmagnet, insbesondere in der von uns getesteten schwarzen Version. Kaum legt man Hand an, hat man sich auch schon optisch verewigt und die „Jungfrau“ ist befleckt.

Diese fiesen Fingerfett-Verwerfungen machen den hervorragenden Eindruck, den das S7 optisch erweckt, schon ein bisschen zunichte. Auch wenn die Oberfläche fettabweisend ist und sich nach einiger Zeit beziehungsweise beim Verstauen in der und Herausholen aus der Hosentasche partiell selbst reinigt.

Das Galaxy S7 sieht faszinierend aus – solange man es nicht anfasst

Ein weiteres konsequenzenreiches Problem, das aus der Materialwahl erwächst, ist die Glattheit der Oberfläche, vor allem der Glasrückseite. Die bewirkt nämlich sowohl bei sehr trockenen als auch schweißnassen Händen, dass das Galaxy S7 glitschig wird und schlimmstenfalls die negativsten Aspekte der Schwerkraft kennenlernt. Ja selbst wenn man das Gerät einmal unbedacht auf einer glatten, leicht schrägen Fläche ablegt, rutscht das Samsung-Smartphone herab. So musste unser Gerät bereits im kurzen Testzeitraum von zwei Wochen einige Male den Fußboden küssen. Immerhin ist das Gorilla Glass 4 erstaunlich sturzfest: Selbst einen unfreiwilligen Abflug vom Tisch auf den Kachelboden überstand es ohne sichtbare Blessuren – wiewohl wir hier anekdotische Erfahrungen nicht verallgemeinern wollen.

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Nicht unter den Tisch fallen lassen wollen wir eine der zentralen Neuerungen des Galaxy S7: nämlich die Staub- und Wasserdichtheit des Gerätes. Wobei „Neuerung“ eigentlich der falsche Terminus ist, denn bereits das Galaxy S5 und die Galaxy-S-Spinoffs mit Active-Suffix waren vor den Mächten der Natur gefeit. Allein im Galaxy S6 aus dem letzten Jahr fehlte der Support – zum Ärger manches Fans. Das Galaxy S7 ist nun sogar nach dem IP67-Standard wasserdicht und soll somit selbst Tauchgänge auf unbestimmte Zeit überstehen können. Sollte man sein Smartphone deswegen mit in die Badewanne nehmen? Ganz sicher nicht – schon allein, weil zu warme Temperaturen dem Akku schaden könnten.

Die Wasserdichte des Galaxy S7 hat eher psychologischen denn praktischen Nutzen

Nein, die wenigsten Käufer werden das Galaxy S7 zum Tauchen mitnehmen. Die Wasserdichte ist vielmehr als psychologische Rückversicherung sinnvoll. Nein, das Ding wird nicht gleich implodieren, wenn es in die Wanne fällt. Ja, man kann das Smartphone auch mal mit nassen Händen anfassen. Nein, es ist nicht schlimm, wenn man damit im strömenden Regen telefoniert und es ist keine Katastrophe, wenn sich das 11 Monate alte Baby in einer unbeobachteten Sekunde das Smartphone greift und – natürlich – umgehend in den Mund nimmt, um leidenschaftlich mit seinen sechs Zähnen darauf herum zu kauen. Dieses Gefühl der Sicherheit ist jedenfalls nicht zu unterschätzen – man vermisst es, wenn man es nicht mehr hat, weil man auf ein nicht-wasserdichtes Gerät umgestiegen ist.

Zurück zum Design: Die Hardware-Buttons an der Front sind wie bei Samsung gewohnt angeordnet – weiterhin setzt der Hersteller auf die historisch gewachsene, im Android-Kontext aber eigentlich falsche Reihenfolge „Multitasking“ (kapazitive Taste) – „Home“ (Mechanischer Button mit integriertem Fingerabdrucksensor) – „Zurück“ (kapazitive Taste). Für manchen Android-Puristen mag die Anordnung grotesk sein, tatsächlich handelt es sich aber in erster Linie um eine Gewöhnungssache. Etwas auffällig ist derweil, dass der Home-Button sehr laut klickt – wackelig wie in manchen Produktionsmargen des Vorgängers ist er aber nicht mehr.

Die Lautstärke-Buttons (linke Seite oben) und der Power-Button (rechte Seite, oberer Rand des mittleren Drittels) bieten, obwohl sie ziemlich schmal sind, ebenfalls ein sattes, wenngleich weniger ohrenbetäubendes Klicken. Der Power-Button ist für Rechts- wie Linkshänder optimal positioniert, die Lautstärkebuttons hingegen hätte Samsung gerne einen Zentimeter tiefer platzieren dürfen.

Bildergalerie Samsung Galaxy S7

Die kapazitiven Tasten haben wie gewohnt große Touch-Flächen, was uns gut gefallen hat. Uns fiel allerdings auf, dass man im täglichen Betrieb regelmäßig versehentlich die Buttons betätigt, etwa wenn man eine obere Ecke des Bildschirms erreichen will und man mit dem Handballen dabei „Zurück“ oder „Multitasking“ berührt. Vielleicht sollte Samsung doch endlich mal in Erwägung ziehen, Software-Buttons einzuführen – gerne auch „nur“ optional, so wie OnePlus das handhabt.

Fassen wir zusammen: Samsung hat mit dem Galaxy S7 ein wunderschönes Gerät gebaut, das nicht ganz ohne Tadel ist, vor allem weil man ob der Glasoberflächen ein sehr rutschiges und fingerabdruckanfälliges Gerät in Händen hält. Nun ist bislang keine Materialwahl für Smartphone-Gehäuse ohne Nachteile: Plastik wirkt billig und knarzt, Glas ist rutschig und kann brechen, Metall ist ebenfalls glatt und behält kleine Unfälle dank Dellen und Beulen leider permanent in Erinnerung. Insofern ist die Entscheidung für ein Smartphone weiterhin eine, bei der man einen für die eigene Person passenden Kompromiss zwischen Haptik und Optik finden muss. Der Autor gibt zu Protokoll, dass er als Besitzer eines Galaxy S7 definitiv den pragmatischen Weg gehen und zu Case, Bumper oder Hülle fürs Galaxy S7 greifen würde – spätestens wenn er sich an der Schönheit des Telefons erst einmal satt gesehen hat.

Simply the best: Das Display im Galaxy S7

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Das Galaxy S7 hat das derzeit beste Smartphone-Display

Dass Samsung sein eigenes Flaggschiff mit der Crème de la Crème dessen ausstattet, was die konzerneigenen Displayfabriken zu produzieren imstande sind, versteht sich von selbst. Und so ist wie auch schon beim Galaxy S6 im vergangenen Jahr ein hervorragendes AMOLED-Panel verbaut, das in 2.560 x 1.440 Pixeln auflöst. Der Fachmann sagt WQHD oder 1440p dazu, die Werbung Quad-HD. Unterschiede zum Vorgängerdisplay konnten wir zwar keine ausmachen, die wären aber auch nicht notwendig gewesen.

Denn, und das sei hier in aller Deutlichkeit gesagt, das AMOLED-Display im Galaxy S7 ist prachtvoll. Mit 576 ppi weist es nach dem Sony Xperia Z5 premium (801 ppi) die zweithöchste Pixeldichte aller Displays am Markt auf, auch wenn die Schärfe dank der verbauten Diamond-PenTile-Matrix (eine Trickserei mit Subpixeln, die bei Samsung Tradition hat) in der Realität ein wenig geringer ist.

Über den Sinn und Unsinn von WQHD-Displays in Smartphones haben wir oft genug lamentiert, trotzdem sei uns an dieser Stelle noch einmal gestattet festzustellen, dass eine solch hohe Pixeldichte größtenteils unnötig ist, ja sogar kontraproduktiv, wenn man den höheren Akkubedarf bedenkt. „Größtenteils“ deswegen, weil sie durchaus einen Unterschied beim Einsatz in VR-Brillen machen: Selbst bei der Verwendung mit einer normalen Google-Cardboard-Brille ist der Unterschied zu Full-HD-Geräten deutlich.

Andere Werte sind ebenfalls traumhaft: Der bei AMOLED-Displays typische Schwarzwert ist ein „echtes“ Schwarz, weil das Display ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt, verbraucht die Anzeige schwarzer Pixel praktisch keinen Strom. Bei den Weißwerten kommt das Galaxy S7 zwar nicht ganz an ein Gerät mit gutem LCD heran und besitzt einen leichten Graustich, das fällt aber im Grunde nur im direkten Vergleich auf. Sehr gut ist abermals die seitliche Blickwinkelstabilität: Selbst aus spitzen Winkeln bleibt der Bildschirminhalt gut erkennbar, lediglich leichte Farbverfälschungen ins Gelblich-Grüne treten auf.

Einer der früheren Pferdefüße von AMOLED-Displays war die maximale Helligkeit. Das hat Samsung mittlerweile im Griff, auch im Sonnenlicht bleibt das Display gut ablesbar. Der Autor ist kein großer Freund von automatischer Helligkeitsanpassung, diese hat sich im kurzen Test aber zumindest als brauchbar erwiesen und kann zusätzlich relativ angepasst werden. Im Alltag reicht es in der Regel den per Benachrichtigungsleiste schnell erreichbaren Regler auf 60 bis 70 Prozent zu stellen. Mit diesen Werten hat man einen guten Kompromiss zwischen Ablesbarkeit und „Ich-mache-dich-blind-und-fresse-deinen-Akku-bei-lebendigem-Leib“.

Oft übersehen, aber tatsächlich ziemlich nützlich ist, dass sich das Display auch extrem dunkel schalten lässt – damit kann man dem fiesen Blendeffekt entgegenwirken und wahrt den Ehefrieden, wenn man nächtens noch mal schnell aufs Handy schaut, während die Partnerin bereits durchs Traumland mäandert. So dunkel wie Samsung bekommt kein anderer Hersteller sein Display.

Dank der AMOLED-Technik ist das Display auch für das „Always-On“-Feature prädestiniert, das Samsung mit den Geräten der Galaxy-S7-Reihe einführt. Ist das Gerät aus, zeigt es Uhrzeit, Datum und wahlweise einen Kalender (ohne Termine) an sowie eingegangene SMS. Die Info-Happen werden normalerweise mit geringer Helligkeit angezeigt und „wandern“ über den Bildschirm, um den so genannten Burn-In-Effekt bei AMOLED-Displays zu verhindern.

Das Always-On-Display hat Tücken im Detail

Im Gegensatz zu den Implementationen anderer Hersteller, etwa Motorola, ist das Always-On-Feature allerdings stark eingeschränkt: Denn der Screen bietet nur Informationsrudimente, keine Interaktion und zu wenig relevante Benachrichtigungen – wichtige Messengerdienste wie WhatsApp fehlen zum Beispiel. Auch nervte mich – und das ist ein rein subjektiver Eindruck – die Tatsache, dass im Grunde immer etwas auf dem Bildschirm sichtbar ist und man somit ständig den Impuls verspürt, das Gerät in die Hand zu nehmen.

Samsung sagt, dass der Akkuverbrauch des Features gering sei und bei lediglich 0,8 % der Gesamtleistung pro Stunde liege. Nett, aber auf einen normalen Tag hochgerechnet sind das mindestens 10 %, die mir hintenheraus fehlen. Das Argument, dass man dank des Features unnötiges Einschalten des Displays vermeidet und somit trotzdem spart, stach bei mir nicht und so habe ich die Funktion nach einigen Tagen ausgeschaltet. Vielleicht steigert sich der Nutzen, sobald mehr Benachrichtigungen angezeigt werden, momentan ist das aber nicht gegeben.

An einer Stelle hat Samsung aber erfreulicherweise nachgebessert: Während ältere Geräte dank des Hardware-Home-Buttons regelmäßig in der Hosentasche aktiv wurden und entweder Fotos von der Hosen-Innentasche machten oder (wie es mir beim Test zum Galaxy A5 passierte) gar Schlimmeres wie Gruppenanrufe per Hangouts starteten, hat Samsung nun ein Feature integriert, mit dem das effektiv verhindert wird. Das Display bleibt trotz Drucks auf den Home-Button aus, wenn das Gerät über die Näherungssensoren erkennt, dass es sich in einer Hosentasche befindet. Warum diese Funktion, zu finden unter EinstellungenAnzeigeBildschirm AUS lassen, standardmäßig nicht aktiviert ist, weiß aber wohl nur Samsung selbst.

Als solches ist das Display des Galaxy S7 also so toll wie erwartet, die damit einhergehende Funktionalität im Großen und Ganzen auch, auch wenn Samsung beim Always-On-Display sicher noch nachlegen kann. Negativ zu verzeichnen ist der erhöhte Akkuverbrauch, den das Gerät aufgrund seiner opulenten Bildschirmauflösung provoziert. Aber dazu später mehr.

Knips das Ding: Die Kamera des Galaxy S7 im Test

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Um ehrlich zu sein, war ich am Anfang ein bisschen enttäuscht von der Kamera im Galaxy S7. Das lag allerdings nicht an ihr, sondern an mir, oder genauer: an meinen hochgesteckten Erwartungen, die ich nach der Präsentation hatte. Als Hintergrund: Für mich war die Kamera im Galaxy S6 aus dem letzten Jahr wegweisend im Smartphone-Sektor, der neue Sensor sollte schließlich sogar einen draufsetzen. Als ich mir nun aber die ersten Foto-Ergebnisse betrachtete, war da tatsächlich ein wenig Ernüchterung. Die Fotos waren gut, unbenommen, aber kamen eben nicht der Qualitätsexplosion gleich, die ich mehr oder weniger unbewusst erwartet hatte. Im Detail konnte ich doch Vermatschungen ausmachen, die ach so gepriesenen Low-Light-Qualitäten zeigten mir eben doch keine Dinge in der Dunkelheit an, die ich mit dem bloßen Auge nicht ausmachen konnte und durch die verringerte Auflösung schienen mir die Bilder nicht scharf genug.

Rolle vorwärts mit justierter Erwartungshaltung: Insbesondere ein direkter Fotovergleich zwischen Galaxy S6 und S7 hat mir schlussendlich doch noch geholfen, die Fotoqualität des Galaxy S7 anzuerkennen – und wert zu schätzen.

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Aha-Moment durch Auslegware

Besonders gewahr wurde ich des Unterschieds, als ich Fotos verglich, die allen Ernstes nichts anderes zeigten als den Teppich in unseren Büroräumen: Während das Galaxy S6 zwar die Struktur des Bodens zeigte, aber hoffnungslos verrauscht war und sogar den bei Samsung fast schon traditionsreichen „pink spot“ aufwies, war das Bild der Galaxy-S7-Kamera geradezu erschütternd ruhig und zeigte ein sehr ausgeglichenes Bild. Der „Fehler“ saß in diesem Fall also vor dem Smartphone – und als ob es plötzlich „Klick“ bei mir gemacht hätte, sah ich auch die hervorragende Qualität der Galaxy-S7-Kamera und konnte meinen Frieden mit ihr machen. Denn sie macht unterm Strich einfach ziemlich gute Bilder, zwar ohne Mind=Blown-Effekt und nur dann auf dem vielbeschworenen DSLR-Niveau, wenn die Lichtverhältnisse optimal sind – aber doch mit der hohen Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis brauchbar ist, wenn man auf den Auslöser drückt.

Bildergalerie Samsung Galaxy S7 (edge): Kamera-Testfotos

Auf der Habenseite verbucht das Galaxy S7 überdies den guten optischen Bildstabilisator, die Möglichkeit RAW-Fotos aufzunehmen, einen extrem schnellen Autofokus – schön zu sehen, dass so etwas auch ohne Nebelkerzen wie LGs „Laser-Autofokus“ funktioniert. Außerdem wertet eine Automatik den aktuellen Bildinhalt aus und macht zuverlässig HDR-Aufnahmen, bei einem längeren Druck auf den Auslöser wird eine Fotosequenz im Burst-Modus aufgenommen. Auch die Kamera-App ist gut zu verwenden und überfordert nicht in puncto Aufbau und Funktionalität. Der Pro-Modus mit fein justierbaren Werten für ISO, Verschlusszeit und Helligkeit sowie der Möglichkeit von RAW-Aufnahmen ist sinnvoll für Foto-Profis, die mehr aus der Kamera herausholen möchten.

Ein offensichtlich von Apple inspiriertes Feature ist die so genannte Bewegungsaufnahme, die man in den Einstellungen der Kamera-App aktivieren kann. Dabei wird ein kurzer, tonloser Videoclip von etwa 2 Sekunden mit im Bild gespeichert, der vor dem eigentlichen Foto automatisch aufgenommen wurde. Die Bilder werden dadurch etwa doppelt so schwer, die Dateigröße wächst von rund 4 MB auf etwa 9 MB an. Die Bilder können als solche überall angesehen werden, die dazugehörige Animation ist bis jetzt jedoch nur per Tap auf einen speziellen Button in der Galerie-App von Samsung möglich. Möglich, dass Samsung das Feature zunächst nur „passiv“ integriert hat, also im Auslieferungszustand deaktiviert, weil der Konzern plant, das Feature in Zukunft breiter auszurollen.

Die beste Kamera, mit Schattenseiten

Trotzdem habe ich ein paar Aspekte an der Kamera zu kritisieren, nachdem ich sie nun einige Wochen benutzt habe.

  • Bezogen auf die Auflösung von Fotos ist der Unterschied zwischen der 16-MP-Kamera im Galaxy S6 und der 12-MP-Kamera im Galaxy S7 noch größer als anhand eines Überfliegens des Datenblattes offensichtlich. Denn auf dem S6 werden Bilder standardmäßig im 16:9-Breitbild-Format (5.312 × 2.988) aufgenommen, beim S7 im schmaleren 4:3-Format (4.032 x 3.024). Stellt man die Auflösung des Samsung Galaxy S7 auf ein mit dem S6 vergleichbares Bildverhältnis, also die bestmögliche 16:9-Auflösung (4.032 x 2.268) um, bleiben sogar nur 9,1 MP übrig.
  • Beim starken Hereinzoomen sieht man, dass im Postprocessing etwas zu aggressiv nachgeschärft wird und Farbnuancen vermatschen, vor allem in dunklen Bereichen. Auch die automatische Helligkeitsjustierung kommt uns einen Tick zu aggressiv vor.
  • Die Frontkamera macht zwar brauchbare Bilder im Weitwinkel-Format, löst aber mit 5 MP recht gering auf für ein Gerät in der Premium-Klasse. Praktisch alle aktuellen Geräte der Mittel- bis Oberklasse besitzen 8 MP und höher auflösende Frontkamera-Module.
  • Die Kamera-App ist zwar allgemein sehr schnell, hat aber häufig Probleme beim Druck auf den Auslöser – dann wird partout kein Foto aufgenommen. Manchmal hilft es, die Bildschirmorientierung zu wechseln und wieder zurück zu wechseln, aber nicht immer. Zweimal stürzte die Kamera-App sogar komplett ab und ließ sich nur durch einen Neustart des Gerätes wieder zum Funktionieren bewegen.
  • Ebenfalls nervig ist, dass man in den Pro-Modus wechseln muss, um RAW-Bilder aufzunehmen. Überdies wird die Einstellung immer wieder ohne erkennbaren Grund zurückgesetzt, sodass man stetig in den Einstellungen überprüfen muss, ob die entsprechende Einstellung tatsächlich aktiv ist.
  • Noch seltsamer: Die Option zur Aufnahme von RAW-Fotos zeigt sich zwar immer in den Einstellungen der Kamera-App; aber nur wenn ich mich gerade im Pro-Modus befinde, kann ich sie wie erwähnt aktivieren, ansonsten ist sie ausgegraut. Das ist das Gegenteil von intuitiv.

Die Video-Fähigkeiten des Galaxy S7 sind toll und variantenreich: Aufnahmen in 4K, WQHD, Full HD mit 30 oder 60 FPS, oder sogar Zeitlupenaufnahmen mit 240 FPS sind nur einige der verschiedenen Modi. Zu beachten ist dabei allerdings, dass HDR-Video und zusätzliche digitale Bildstabilisierung nur bis 1080p30 möglich sind. Außerdem sollte man Slow-Motion-Videos nur unter natürlichem Licht aufnehmen, weil künstliches Licht (abgesehen von LEDs) unweigerlich zu heftigem Flackern führt.

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Das Video-Bild ist in jedem Fall sehr gut und detailreich, wenngleich uns auch hier die automatische Helligkeitsanpassung eine Spur zu hart vorkommt und der an sich schnelle Autofokus gelegentlich Probleme hat, das Bild scharf zu stellen. Dank Tap-to-Focus und optionalem Verfolgungs-AF gerät das im Alltag jedoch selten zum Problem. Im Vergleich zu früheren Flaggschiffen fällt in jedem Fall auf, dass das berüchtigte Nachpumpen zum Fokussieren praktisch nicht mehr auftritt.

Unterm Strich ist die Kamera des Galaxy S7 in Sachen nomineller Bildqualität wieder eine Klasse für sich. Kleinere Unstimmigkeiten – insbesondere der nervige Auslöser-Bug, die für ein Flaggschiff etwas unterdimensionierte Frontkamera und das zu aggressive Postprocessing – verhindern aus unserer Sicht die Bestnote nicht (obwohl wir dieses Thema intern hart diskutiert haben). Denn: Egal von welchem Smartphone man kommt, das Galaxy S7 ist im Vergleich zu fast jedem Modell ein signifikantes Kamera-Update. Immerhin zwei der drei Kritikpunkte kann Samsung per Software-Update lösen – bleibt zu hoffen, dass der Hersteller hier flott abliefert.

Die Software im Samsung Galaxy S7 im Test

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Samsung-Galaxy-S7-TouchWiz-Screenshot-03-Homescreen
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von links: Lockscreen, Homescreen, App-Drawer

Ach, TouchWiz.

Meine Smartphone-Adoleszenz habe ich mit Samsungs bunten Icons, dem eigentümlich ruckeligen Homescreen und den stets ehern und unverschiebbar in der rechten unteren Ecke platzierten Button verbracht, der zum App-Drawer führte. Ich war gewöhnt an die vielen Features, die ich nicht brauchte. Die Hersteller-Apps, die irgendjemand mit offensichtlich wenig Gefühl für die englische Sprache mit einem einzelnen S beginnen ließ. Die Me-Too-Apps und -Features, die wohl aus einem gewissen Minderwertigkeitsgefühl gegenüber Apple entstanden zu sein schienen (S Voice, anyone?). Und natürlich Samsungs traurige Versuche, eigene Ökosysteme, etwa für Messenger und Apps zu etablieren und dabei Funktionsdopplungen gegenüber den ebenfalls installierten Google-Apps in Kauf zu nehmen.

Kurzum: Für mich gehörte es zum Einrichtungsprozess eines beliebigen Samsung-Smartphones – wenn kein Custom ROM darauf lief – erst einmal Apps und Features zu deaktivieren, den Nova Launcher drüberzuflanschen und die furchtbaren Standard-Sounds zu ändern um einen, aus meiner Sicht, alltagsfähigen Zustand des Smartphones zu erreichen. In meinem Umfeld aber oder wenn ich nur den Blick über die Smartphones der Passagiere meines U-Bahn-Waggons streifen ließ, sah ich immer wieder die naturbelassenen Homescreens, hörte das berüchtigte Samsung-Pfeifen und mich überkam unwillkürlich ein Schaudern.

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von links: Benachrichtigungen, Schnelleinstellungen, Einstellungen

Trotz der berechtigten Kritik sollte natürlich nicht vergessen werden, dass es ein paar gute Gründe für TouchWiz gibt und Samsung über die Jahre viele sinnvolle Neuerungen eingebracht hat, die heute Bestandteil von Stock Android sowie vieler weiterer Android-Herstelleroberflächen sind: Schnelleinstellungen und Helligkeitsregler im Benachrichtigungsbereich, schnelle Dateitransfers zwischen Geräten per Wifi Direct oder die Suchfunktion in den Einstellungen, um nur einige zu nennen.

Wer den Nova Launcher installiert, hat mehr Spaß mit dem Galaxy S7

Seit dem letzten Jahr hat sich aber auch an den Anlässen zur Kritik etwas geändert, denn Samsung hat seinen Anspruch auf Software-Hegemonie beim Galaxy S6 ordentlich zurückgefahren. Das ist gut so und wurde in diesem Jahr sogar noch weitergeführt. Unter der Haube des Galaxy S7 verrichtet Android 6.0.1 Marshmallow sein Werk, wie gehabt aber in einer stark von Samsung angepassten Version. Es gibt jetzt weniger Bloat-Apps und auch die Performance hat sich gegenüber dem Vorgänger merklich verbessert. Trotzdem ist TouchWiz noch immer nicht perfekt, wurde an einigen Stellen sogar verschlechtert und weckt, so wie all die Jahre vorher auch, den Impuls, sofort Nova zu installieren. Um ein paar Beispiele zu nennen:

  • Der App-Drawer nervt. Zum einen durch die fehlende Fähigkeit, Apps alphabetisch zu ordnen und geordnet zu lassen. Ja, es gibt im Drawer zwar den „A-Z“-Button, mit dem sich die App sortieren lassen, das bleibt aber nicht bestehen. Wenn ich eine neue App installiere, wird diese nach ganz hinten einsortiert, wenn ich eine deinstalliere, klafft eine Lücke im Drawer. Warum, Samsung?
  • Zum anderen befinden sich im App Drawer die Ordner „Google“ mit allen Google-Apps, „Microsoft Apps“ mit allen Microsoft-Apps, „Samsung“ mit allen … na ihr wisst schon und „Social“ mit Instagram und WhatsApp. Nicht nur, dass die Ordner inkonsistent benannt sind, sie lassen sich auch nicht auflösen und deren Inhalt in den übergeordneten Gesamt-App-Drawer einsortieren. Wie oft ich im Testbetrieb die YouTube-App im App-Drawer suchen musste, um schließlich zu realisieren, dass sie sich im Google-Ordner befindet, geht auf keine Kuhhaut.
    Update: Über den „Bearbeiten“-Button im App Drawer geht’s doch. Danke für den Hinweis an unsere Leser.
  • Weitere Kleinigkeiten: Warum schaltet der Nicht-stören-Modus, mit dem man das Samsung Galaxy S7 nächtens still schalten kann, nicht auch die Benachrichtigungs-LED aus? Warum ertönt trotzdem der überflüssige und nicht abschaltbare Sound, wenn ich das Ladekabel anschließe? Was sollen diese furchtbaren Tastentöne, wenn ich auf die Tastatur drücke. Und warum gibt es keinen Button für den Flugzeug-Modus mehr im Power-aus-Menü?

Man kann vielleicht erkennen, dass sich mein gespaltenes Verhältnis zu TouchWiz auch beim S7 nicht wesentlich zum Besseren gewendet hat. Denn andere Hersteller zeigen weiterhin wie es besser geht. Google mit Vanilla Android, HTC mit seinem eleganten und konsistenten Sense UI und Cyanogen mit dessen an zahlreichen sinnvollen Stellen erweiterter Interpretation von Stock Android.

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Samsung-Galaxy-S7-TouchWiz-Screenshot-14-SMS-App-Tastatur
Samsung-Galaxy-S7-TouchWiz-Screenshot-16-Taschenrechner

Samsung-Apps (v.l.): Wetter-App, SMS-App und Tastatur, Taschenrechner

Samsungs TouchWiz dagegen ist weiterhin, obwohl Verbesserungen erkennbar sind, ein visueller Gemischtwarenladen. Abgerundete pseudoquadratische App-Icons mit oder ohne Farbgradienten für die Samsung-Apps treffen auf die einfarbigen Icons in den Einstellungen und Quick-Settings. Grau trifft auf Blau, Orange auf Weiß, stilisierte Icons auf Text-Buttons. Samsung hat noch einiges zu tun, um eine einheitliche und nachvollziehbare Optik für seine Software zu erschaffen. Immerhin orientieren sich die Standard-Apps von Samsung visuell nun am Material Design von Google. Das allerdings nur eingeschränkt: Auch hier gibt es das bekannte Mischmasch aus Icons und Text-Buttons. Seitliche Slideout-Menüs und Action Buttons gibt es nicht in allen Apps, mit Animationen geht Samsung sparsam um und die Apps verhalten sich oft genug nicht standardkonform. Um hier nur einige Beispiele zu nennen: die seitlichen Wischgesten in der Telefon-App, dass die Lautstärke-Buttons in der SMS-App eine Schriftgrößen-Änderung bewirken oder die Tatsache, dass viele Apps (S Health, S Planner, Rechner, Galerie) im Vollbild-Modus laufen und dadurch keine Benachrichtigungsleiste mehr angezeigt wird.

Zwei Apps für eine Funktion bleibt ein Problem in TouchWiz

Verwirrend, gerade für Umsteiger, dürfte die Tatsache sein, dass die Telefon-App zwar eine Kontakte-Sektion enthält, diese sich aber in Details funktional von der eigenständigen Kontakte-App unterscheidet. Das Problem der Funktionsdopplungen zwischen den vorinstallierten Samsung- und Google-Apps (Mail vs. Gmail, Samsung-Browser vs. Chrome, SMS vs. Hangouts, S Voice vs. Google-Sprachassistent, Play Store vs. Galaxy Apps, Galerie vs. Google Fotos) ist weiter vorhanden – und wird sogar verschärft, indem Samsung einen großen Teil des App-Portfolios von Microsoft vorinstalliert: Skype konkurriert mit Hangouts, OneDrive mit Google Drive, Word mit Google Docs und so fort. Einsteiger werden es also weiterhin schwer haben zu durchschauen, welche App für welchen Zweck die geeignetste ist.

Schlimmer noch: Samsung hat den App-Picker so überarbeitet, dass die Option „einmalig mit App XY öffnen“ weggefallen ist. Standard-Apps werden, ohne dass der Nutzer darauf hingewiesen wird, mit einem Tap festgelegt. Wer also einmal im Browser ein PDF herunterlädt und sich entschließt, diese im Adobe Acrobat zu laden, kann diese künftig nicht mehr in der Google-Drive-App öffnen. Zumindest nicht, wenn man sich nicht in die Einstellungen der standardmäßig öffnenden App begibt oder die kompliziert zu findende Übersicht (EinstellungenAnwendungenStandardanwendungenFestlegen als Standard) aufruft und die entsprechende Einstellung dort findet. Dieser Versuch Samsungs, das für einen normalen Nutzer sicherlich zu komplexe Intent-System von Android zu zähmen, ist übers Ziel hinausgeschossen.

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Samsung-Apps (v.l.): Fitness-App „S Health“, Kalender-App „S Planner“, Galerie

Immerhin hat das Galaxy S7 in Sachen Performance deutlich aufgeholt. Während die Vorgänger aufgrund des aggressiven RAM-Managements große Probleme hatte, Apps im Speicher zu behalten, wenn sie in den Hintergrund versetzt wurden, klappt das Multitasking auf dem Galaxy S7 wesentlich besser. Selbst wenn das Gerät eine Stunde lang unbenutzt auf dem Tisch lag, kann man danach in den App-Switcher wechseln und einen nicht unerheblichen Teil der dort aufgeführten zuvor geöffneten Apps erneut öffnen – ohne dass man die nervige Nachdenkpause erdulden muss, die es beim Galaxy S6 noch gab, weil die App komplett neu gestartet werden musste. Ich vermute, das war mindestens einer der Gründe für die Entwickler-Schützenhilfe von Google, die Samsung im letzten Jahr erhalten haben soll.

Zur Stabilität: Abgesehen von den bereits oben genannten Problemen mit der Kamera-App stellten wir auch sonst mehrmals Hänger, in einem Fall sogar ein komplettes Einfrieren des Geräts fest. Dieser Komplettabsturz war freilich nicht reproduzierbar und könnte auch mit einer selbst installierten App zu tun gehabt haben. Weil die Ursachensuche schwierig ist, können und wollen wir dem Galaxy S7 dies erst einmal nicht als Negativpunkt anrechnen.

Die einzelnen Apps sind zum Großteil identisch zu denen des Vorjahresmodells. Eine signifikante Änderung ist, dass Samsung nun nicht mehr auf Flipboard bei seinem News-Homescreen setzt, sondern den Service Upday nutzt. Das Scrollverhalten zu diesem Screen links vom Haupt-Homescreen ist weiter nicht ganz konsistent mit dem zu den anderen Screens rechts davon – irritierend. Wer Upday nicht nutzen will, kann den Dienst aber über die Homescreen-Übersicht abschalten (länger auf eine freie Stelle am Homescreen drücken, nach links scrollen und den Schalter oben deaktivieren). Upday ist eine gute App; ärgerlich ist lediglich, dass es keine Option gibt, die News in einem normalen Browser zu öffnen.

Samsung hat zudem den Game Launcher zu seiner Software hinzugefügt. Dabei handelt es sich einerseits um einen separaten App-Ordner, in dem installierte Spiele automatisch gesammelt werden, und um ein Overlay, das über einen kleinen, verschiebbaren Button erreicht werden kann. Über diesen kann man unter anderem die Bildschirmauflösung reduzieren, Aufzeichnungen vornehmen, Benachrichtigungen deaktivieren und vor allem auch die Hardware-Buttons sperren, die man im Eifer des Gefechts sonst häufig betätigen würde. Der Game Launcher ist ein absolut sinnvolles Feature für Nutzer, die ihr Smartphone gerne mal zum Spielen verwenden.

Samsung legt der Software zudem das gesamte Portfolio der Microsoft-Apps bei. Im Einzelnen sind das Skype, OneNote, Word, Excel, PowerPoint und OneDrive. Wer sich für die Nutzung von OneDrive entscheidet, erhält immerhin 100 GB Gratis-Cloudspeicher für zwei Jahre, dieser Bonus ist allerdings pro OneDrive-Account – selbst mit mehreren Samsung-Geräten – nur einmal anwendbar. Merkwürdig kam uns vor, dass einige der Apps ganz normal über den Play Store aktualisiert werden, andere über Samsungs Galaxy Apps.

In Sachen Bloatware bleibt alles wie gehabt: Je nach Mobilfunkanbieter-Branding, aber auch bei brandingfreien Geräten werden wieder einige Apps mehr oder weniger bekannter Webdienste und Online-Shops mit installiert, die aber problemlos wieder deinstalliert werden können. Das kennt man so von Samsung-Geräten; dass man überhaupt die Zeit zum Deinstallieren investieren muss, nervt trotzdem.

Zum Schluss möchten wir aber noch drei coole Features erwähnen, die Samsung gerne beibehalten darf: zum einen Screenshots, die nicht nur den aktuellen Bildschirminhalt aufnehmen, sondern „scrollbar“ sind. Zum anderen die Integration eines Anbieters zur Identifikation unbekannter Nummern: Im Testzeitraum rief mich beispielsweise der Mitarbeiter eines Fahrradladens an, dessen Nummer nicht im Smartphone gespeichert waren – nach wenigen Sekunden wurde mir der Name des Ladens und sogar ein passendes Bild angezeigt. Und schließlich der bereits im Galaxy S6 integrierte Theme Store, mit der man die Optik des Galaxy S7 mit Skins anpassen kann. Die Theming-Engine mag nicht ganz so mächtig sein wie die von Cyanogen OS, ist aber dennoch und durchaus brauchbar, um mit wenigen Taps den Look des Betriebssystems komplett zu ändern.

Unterm Strich ist Samsungs Software aber immer noch nicht da, wo man sie bei einem Marktführer erwarten würde – auch wenn die Absicht, sich zu verbessern, Feature Creep zu reduzieren und eine konsistentere Nutzeroberfläche zu designen deutlich erkennbar ist. Wünschenswert wäre, dass Samsung in Sachen Software dieselbe revolutionäre Courage hätte wie seinerzeit beim Hardware-Design des Galaxy S6 und fürs Galaxy S8 einen kompletten Neuanfang wagen würde.

Die Akkuleistung des Galaxy S7

Die wichtigste Nachricht vorweg: Die Akkulaufzeit des Samsung Galaxy S7 ist besser als die des S6. Alles andere wäre aber auch verwunderlich, denn bei einem gleich gebliebenen Screen, einem effizienteren SoC und einer um 15 % erhöhten Akkukapazität müsste es andernfalls ja mit dem Teufel zugehen. Reicht das aber, um über den Tag zu kommen? Naja …

Zunächst einmal zur Einordnung meines Nutzungsverhaltens: Ich habe in der Regel eine Screen-on-Time von 2,5 bis 3 Stunden, bei manueller Helligkeitsjustierung zwischen 60 und 70 % – ohne automatische Anpassung. Ich nutze Hangouts und WhatsApp als Messenger, synchronisiere vier Google-Konten und den Feedreader Reader+ mit feed.ly-Anbindung, letzteren allerdings nur bei Nutzung im WLAN. In puncto Social Media wird bei mir nur ein Twitter-Konto über die offizielle App synchronisiert, Facebook nutze ich nur noch mit Metal Pro – einer Wrapper-App für die mobile Website. Fotos und Videos nehme ich gelegentlich auf, diese werden bei mir im Hintergrund, sofern ich mich im WLAN befinde, mit Dropbox und Google Fotos synchronisiert. Außerdem nutze ich die Standortfreigabe, um meine Position permanent mit Google+ zu synchronisieren. Mein Multimedia-Konsum variiert etwas, in der Regel sind am Tag aber durchaus eine halbe Stunde E-Books über die Kindle-App, YouTube-Videos und/oder Casual Games sowie eine weitere halbe Stunde Spotify-Musik und Podcasts per Pocket Casts normal. Unterwegs befinde ich mich täglich zumeist rund 1,5 Stunden im LTE/HSPA+-Netz von E-Plus in Berlin, das bekanntermaßen mittlerweile ergänzt wird durch das Netz von Telefónica. Ich telefoniere rund 30 Minuten am Tag. Das Always-on-Display-Feature des Galaxy S7 nutze ich nicht. Unterm Strich halte ich das für ein Nutzungsverhalten irgendwo zwischen Normal- und Poweruser.

Normalerweise kommt man mit dem Galaxy S7 über den Tag

Mit einem vergleichbaren Nutzungsverhalten kam ich mit dem Galaxy S6 nur selten über den Tag. In der Regel war der Akkustand bereits am frühen Abend so niedrig, dass nachgetankt werden musste. Mit dem Galaxy S7 komme ich etwas weiter: So musste das Smartphone im Test gelegentlich spätabends an die Strippe, meist hielt der Akku aber gerade so durch. Soll heißen, 18 Stunden sind normalerweise machbar – gegenüber 14 bis 15 Stunden beim Vorgänger ein signifikanter und auch kritischer Unterschied.

In der Praxis habe ich aus guter alter Tradition trotzdem häufig zwischendurch nachgetankt. Sehr zupass kamen mir dabei zwei Eigenschaften des Galaxy S7: Die Möglichkeit, das Gerät per Quickcharge innerhalb von wenigen Minuten um dutzende Prozentpunkte nachzutanken und die Kompatibilität mit kabellosen Ladestandards. In der Redaktion testen wir parallel derzeit auch zwei Qi-Wireless-kompatible Ladegeräte und durch das unkomplizierte Ablegen und sofortige Laden war die Akkuladung – außer an Tagen, an denen ich es für den Test darauf anlegte – kein Thema. Eine der genannten Ladestationen konnte das Galaxy S7 sogar kabellos per Quick Charge befüllen – das Beste aus beiden Welten. Wer sich also dementsprechend ausstaffiert, muss keine „Battery Angst“ haben. Das kann immerhin ein sachter Trost sein für diejenigen, die den wechselbaren Akkus der ersten fünf Galaxy-S-Generationen hinterhertrauern. Dass diese Option irgendwann wiederkommt, darf man guten Gewissens bezweifeln.

Schon beim Galaxy S6 per Update integriert und auch bei anderen Samsung-Geräten vorhanden war ein Software-Mechanismus zur Optimierung von Apps hinsichtlich der Akku-Nutzung, den es nun auch im Galaxy S7 gibt. Der könnte zwar etwas besser erreichbar sein (entweder über die täglich eingehende Benachrichtigung oder über EinstellungenAkkuAkkuverbrauchDetail im Abschnitt „App-Energiesparmodus“) und verständlicher erklären, was genau gemacht wird (Absenkungen von Prozessor-Taktraten? Einschränkungen der Hintergrundaktivität? Anpassungen der Display-Helligkeit? Gutes Zureden?), hat aber einen merklichen Einfluss: Wenn eine App drei Tage nicht aufgerufen wurde, landet sie automatisch im Akkuspar-Modus – nach den ersten drei Tagen eines „jungfräulichen“ Galaxy S7, bei dem aber die Apps eines alten Geräts über die Restore-Funktion von Android wiederhergestellt wurden, verbesserte sich der Verbrauch entsprechend zusehends. Nachteile sind uns dadurch kaum aufgefallen. Lediglich die Dropbox-App musste von der Optimierung ausgenommen werden, damit der Upload von Bildern und Videos im Hintergrund nicht gefährdet wird. Ein gutes und sinnvolles Feature, insbesondere wenn man bedenkt, dass häufig „Amok laufende“ Apps schuld daran tragen, wenn der Akkuverbrauch eines Smartphones überbordet.

Unterm Strich leidet aber auch das Galaxy S7 offenbar wieder an dem hinsichtlich seiner Auflösung überdimensionierten Display. Zum Vergleich: Das unlängst von uns getestete Galaxy A5 (2016) hat nominell dieselbe Akkukapazität und ein fast genauso großes Display, hält bei identischem Nutzungsverhalten aber knapp doppelt so lang pro Akkuladung durch. Neben dem genügsameren Prozessor dürfte der Hauptgrund dafür im Full-HD-Display liegen.

Um die Frage nach der Akkulaufzeit des Galaxy S7 in einem Satz zu beantworten: Sie ist in Ordnung, aber nicht herausragend. Die meisten Nutzer werden an den meisten Tagen damit aber über den Tag kommen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, installiert sich eine komfortable und/oder schnelle Möglichkeiten zum Nachtanken zwischendurch.

Samsung Galaxy S7: Performance im Test

Wie zu erwarten war, brilliert das Galaxy S7 in Benchmarks. Dazu tragen das hochperformante Exynos-8890-SoC mit acht 64-Bit-fähigen Prozessorkernen (4x ARM Cortex A53 @ 1,6 GHz; 4x Samsung Exynos M1 @ 2,6 GHz) und seiner ARM Mali-T880MP12-GPU bei, der üppige Arbeitsspeicher von 4 GB und der schnelle interne UFS-2.0-Speicher sind hier ebenfalls relevant.

Benchmarks

Benchmark Samsung Galaxy S7 LG G5 BlackBerry Priv Samsung Galaxy S6 Huawei Mate S
Samsung Exynos 8890 Octa-Core
4 x Mongoose @ 2,3 GHz + 4 x A53 @ 1,6 GHz
ARM Mali-T880 MP12 GPU
2.560 x 1.440
4 GB RAM
Qualcomm Snapdragon 820 Quad-Core
2 x Kryo @ 2,15 GHz, 2 x Kryo @ 1,6 GHz
Adreno 530-GPU
2.560 x 1.440
4 GB RAM
Qualcomm Snapdragon 808 Hexa-Core
2 x A57 @ 1,8 GHz, 4 x A53 @ 1,44 GHz
Adreno 418-GPU
2.560 x 1.440
3 GB RAM
Samsung Exynos 7420 Octa-Core
4 x A57 @ 2,1 GHz, 4 x A53 @ 1,5 GHz
Mali-T760 MP8-GPU
2.560 x 1.440
3 GB RAM
HiSilicon Kirin 935 Octa-Core
4 x A53 @ 2,2 GHz, 4 x A53 @ 1,5 GHz
Mali-T628 MP4-GPU
1.920 x 1.080
3 GB RAM
CF-Bench 1.3
Overall
71.789 36.306 53.381 78.769 54.527
CF-Bench 1.3
Native
104.797 37.808 54.889 99.484 87.635
CF-Bench 1.3
Java
49.784 35.306 52.376 64.959 32.455
AnTuTu 6.0
Gesamt
132.214 120.803 63.753 77.490 52.206
AnTuTu 6.0
3D
41.604 46.544 16.054 20.698 9.844
AnTuTu 6.0
UX
42.339 34.577 23.164 24.707 19.731
AnTuTu 6.0
CPU
38.236 30.577 19.211 25.809 17.643
AnTuTu 6.0
RAM
10.035 9.105 5.324 6.276 4.988
GFXBench 4.0
T-Rex ES 2.0 OnScreen
2.871 Frames
51 FPS
3.003 Frames
54 FPS
1.384 Frames
25 FPS
1.969 Frames
35 FPS
920 Frames
16 FPS
GFXBench 4.0.2
T-Rex ES 2.0 1080p OffScreen
4.510 Frames
81 FPS
4.421 Frames
79 FPS
1.973 Frames
35 FPS
2.512 Frames
45 FPS
858 Frames
15 FPS

Die Benchmark-Resultate sind exorbitant, wie zu erwarten war. Zwar haben Geräte mit dem Qualcomm Snapdragon 820, im Vergleich repräsentiert durch das LG G5, etwas mehr Leistungspotenzial im Bereich 3D-Grafik, aber dann auch wieder etwas weniger CPU-Power – wiewohl der Unterschied nicht so krass ausfällt wie die beim Snapdragon 820 nur halb so große Anzahl an CPU-Kernen vermuten lassen würde. Beides sind absolute High-End-SoCs und im Alltag dürfte die Differenz zwischen Snapdragon-820- und Exynos-8890-Gerät de facto nicht auffallen. Ob Spiele oder Performance-intensive Anwendungen, es gibt praktisch nichts, was das Galaxy S7 in unserem Test ins Schnaufen brachte.

Wie bereits geschildert, hat Samsung die Software an einigen Stellen auf Performance getrimmt und das macht sich auch bemerkbar – auch wenn zur „absoluten“ UI-Flüssigkeit und Multitasking-Hoheit wie bei Nexus- oder iOS-Geräten subjektiv noch ein Tröpfchen fehlt. Macht aber nichts – das Galaxy S7 ist in dieser Hinsicht durch und durch alltagsfähig. Selbst nach mehreren Wochen der Benutzung ändert sich daran übrigens nichts. In puncto Abwärme bei starker Beanspruchung kommt uns das Galaxy S7 etwas besser vor als sein Vorgänger. Zwar wird auch das S7 bei längeren anspruchsvollen Aufgaben wie 3D-Spielen oder Benchmarks merklich warm, dank der integrierten Heatpipes wird die entstandene Wärme aber schnell nach außen geleitet, Heruntertaktungen von CPU und GPU sind seltener nötig. In solchen Situationen ist natürlich der Energieverbrauch des Galaxy S7 trotzdem ziemlich hoch, andere Geräte sind wesentlich genügsamer. Aber Leistung ist nicht gleich Leistungspotenzial, und dass alle acht CPU-Kerne nebst GPU voll eingespannt sind, wird im Alltag selten vorkommen. Aber gut zu wissen, dass die Möglichkeit da wäre.

Wenig Lücken: Konnektivität und Speicher des Galaxy S7 im Test

Samsung-Galaxy-S7-Unterseite-Kopfhoerer-Klinke-Buchse-micro-USB-

Das Galaxy S7 hat nominell 32 GB Speicher, von denen beim ersten Start rund 24,3 GB zur freien Nutzung zur Verfügung stehen. Eine Version mit 64 GB soll es laut Samsung auch geben, die wird zumindest in deutschen Online-Shops aber nicht aufgeführt. 32 GB Systemspeicher sind aus unserer Sicht unterer Standard in der High-End-Klasse. Dass Samsung nicht mehr Speicher verbaut, hat mutmaßlich damit zu tun, dass wieder extrem der schnelle (und teure) UFS-2.0-Speicher aufs Blech gelötet wurde. Das bürgt für hohe Performance, selbst wenn der Speicher verschlüsselt ist.

Aufatmen: Der microSD-Slot ist zurück

Das Galaxy S7 hat wieder einen Speicherslot für micro-SD-Karten, über den der interne Speicher vergleichsweise preiswert aufgerüstet werden kann. Im Galaxy S6 fehlte der Slot, verargumentiert wurde die Anpassung seinerzeit damit, dass sich die Nutzung von Speicherkarten negativ auf die Performance auswirken würde. Für dieses Problem hat Samsung eigenen Angaben zufolge jetzt eine Lösung erarbeitet. Zwar hat Samsung im gleichen Atemzug die Fähigkeit von Android 6.0 Marshmallow deaktiviert, internen Speicher und den der Speicherkarte zu vereinen und einheitlich zu verwenden – mit einem Trick lässt sich die Option aber dennoch nutzen. Zudem können Apps, sofern gewünscht, trotzdem auf den externen Speicher ausgelagert werden. Nimmt man die Speicherkarte heraus, werden die auf ihr installierten Apps im Drawer ausgegraut und können nicht mehr gestartet werden, das System funktioniert als solches aber weiter.

Das Samsung Galaxy S7 macht selbstverständlich einen Haken an fast alle aktuellen Konnektivitätsstandards: Dank Bluetooth 4.2 (LE) mit A2DP und ANT+-Support, Dual-Band-WLAN bis zum n-Standard, GPS/Glonass, NFC, LTE bis Cat.9 (die unter anderem in Asien verkauften Snapdragon-820-Modelle beherrschen Cat.10) präsentiert sich das Galaxy S7 nicht nur alltagstauglich, sondern hinreichend zukunftssicher. Übrigens: Von den kurz nach Release kolportierten Verbindungsschwierigkeiten haben wir nichts bemerkt.

In Sachen Sensorik ist fast alles im Galaxy S7 integriert, was integriert werden kann – sogar an ein Barometer wurde gedacht, dass die Positionsfindung verbessern soll und der Fitness-App gesundheitsrelevante Daten liefert. Im Test funktionierten alle Systeme so zuverlässig und auch stromsparend, wie man sich das wünscht; bei der Konnektivität gibt es also nichts zu bemängeln – fast.

Warum haben Samsungs Mittelklassegeräte ein UKW-Radio – das Galaxy S7 aber nicht?

Mir persönlich fehlte nichts in diesem Bereich, denn den in den Vorgängern verbauten IR-Blaster habe ich nie verwendet. Wer allerdings sein Smartphone gerne als Universal-Fernbedienung benutzt, dürfte enttäuscht sein, dass Samsung die Infrarot-Schnittstelle wegrationalisiert hat. Seltsam ist weiterhin, dass Samsung seine High-End-Modelle nicht mit einem UKW-Radio ausstattet, während viele Geräte der Mittelklasse weiterhin als Radioempfänger taugen. Auch auf MHL muss man, wie beim Vorgänger, verzichten, selbst DLNA wird zur Weitergabe des Bildschirminhalts nicht mehr unterstützt. Wer also seinen Bildschirminhalt auf einen Fernseher spiegeln will, muss auf Miracast, Chromecast, Fire TV oder die native Lösung zurückgreifen, die in Samsungs SmartTVs integriert ist und muss hier unter Umständen Qualitätsverluste hinnehmen – schade.

Spezifikationen des Samsung Galaxy S7: Technische Daten im Überblick

Display 5,1 Zoll Super AMOLED mit 2.560 x 1.440 Pixeln (WQHD, 577 ppi)
SoC Samsung Exynos 8890 Octa-Core
4 x Mongoose @ 2,3 GHz + 4 x ARM Cortex A53 @ 1,6 GHz
64-Bit, 14-nm-Fertigung
ARM Mali-T880 MP12 GPU
Arbeitsspeicher 4 GB
Interner Speicher 32/64 GB UFS 2.0, erweiterbar per microSD (bis 200 GB)
Kamera 12 MP mit Smart OIS, Dual Pixel Sensor mit 1,4 Mikrometer-Pixel und F1.7-Blende
Frontkamera 5 MP mit F1.7-Blende
Konnektivität Bluetooth 4.2 LE, LTE, NFC, Dualband-WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2,5 und 5 GHz), ANT+, GPS
Akku 3.000 mAh
Maße 142,4 x 69,6 x 7,9 Millimeter
Gewicht 152 Gramm
Betriebssystem Android 6.0 Marshmallow mit TouchWiz UI
Farben Schwarz, Weiß, Silber, Gold
Besonderheiten Wasser- und Staubdicht nach IP68-Standard, Kabelloses Laden (WPC- und PMA-Standard)

Etwas enttäuschend, aufgrund der fehlenden Alltagsrelevanz aber nicht entscheidend ist, dass Samsung weiterhin nur den USB-2.0-Standard und dessen lahme Datenraten zur Übertragung per Kabel unterstützt. Das Fehlen eines USB-Typ-C-Ports ist aus meiner Sicht aber (noch) nicht wirklich zu bemängeln: Einerseits hätte Samsung zwar den neuen Stecker-Standard voranbringen können, dem unzweifelhaft die Zukunft gehört, andererseits ist die Kompatibilität zu bestehendem Zubehör trotzdem ein Wert, der nicht unterschätzt werden sollte.

Nett ist in dem Zusammenhang, dass Samsung der Verkaufsverpackung gleich einen USB-OTG-Adapter beilegt, der den micro-USB- auf einen USB-Anschluss herkömmlicher Größe durchschleift. Dessen vorderster Zweck ist zwar, den Datentransfer vom Alt- auf ein Neugerät über Samsungs komfortable Smart-Switch-App zu vereinfachen. Wer aber mal schnell Peripherie wie USB-Speichersticks, Mäuse, Tastaturen oder Gamecontroller anschließen will, hat gleichzeitig auch den passenden Adapter parat. Und das Galaxy S7 lässt sich auf diese Weise sogar als Akku-Pack für andere Geräte verwenden, die per USB aufgeladen werden können.

Telefonie und Multimedia

Samsung-Galaxy-S7-Test-84

Im Testbetrieb fiel uns mehrfach die glasklare Klangqualität des Galaxy S7 auf, auch die Rauschunterdrückung funktioniert hervorragend – hier hat Samsung ganze Arbeit geleistet und verdient uneingeschränktes Lob.

Der Mono-Speaker auf der Unterseite des Smartphones konnte uns nicht ganz so gut überzeugen: Zwar ist der Klang durchaus in Ordnung, kommt aber beispielsweise nicht ganz an andere Mono-Geräte wie Huawei Mate S oder die jüngsten Apple iPhones heran – ganz zu schweigen von Smartphones mit Front- oder Stereo-Lautsprechern. Zudem wird der Klang immer wieder abgeschnitten, wenn man das Gerät im Landscape-Modus mit dem Home-Button nach rechts hält, weil man so den Lautsprecher leicht verdeckt. Samsung hätte gut daran getan, den Lautsprecher auf der anderen Seite zu integrieren, also links vom USB-Port.

Test-Wertung zum Samsung Galaxy S7

Samsung-Galaxy-S7-Packung

Das Fazit haben wir oben vorweggenommen – hier noch in einem Satz, gefolgt von den blanken Wertungszahlen: Trotz kleinerer Schwächen kommt man im High-End-Bereich der Android-Smartphones derzeit nicht am Galaxy S7 vorbei.

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 5/5
  • Kamera: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 90 %

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Samsung-Galaxy-S7-Test-Display-Award-Badge
Samsung-Galaxy-S7-Test-Kamera-Award-Badge

Videos: Samsung Galaxy S7 im Hands-On und Unboxing

90.162
Samsung Galaxy S7 im Hands-On-Video

88.031
Samsung Galaxy S7 im Unboxing

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Samsung Galaxy S7
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(20. April 2016)

Weitere Themen: MWC 2016: Der Mobile World Congress in Barcelona, Samsung Electronics

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