Samsung Galaxy S8 im Test: Lustobjekt im Glashaus

Frank Ritter
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Lüsterne Blicke, frivole Avancen, wilde Träume – Samsungs neues Handy-Flaggschiff sieht geradezu verboten gut aus – und weckt Begierden. Aber taugt es auch oberhalb der Gürtellinie? Im Test vom Samsung Galaxy S8 konfrontieren wir es mit dem Alltag.

213.278
Samsung Galaxy S8: Der Test

Vorweg: OMGWTF

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Die Größe des Galaxy S8
  3. Buttons
  4. Display
  5. Software
  6. Kamera
  7. Performance
  8. Konnektivität und Speicher
  9. Telefonie und Sound
  10. Akku und Alltag
  11. Fazit und Wertung zum Galaxy S8

Bevor ich hier auch nur ein Wort über Spezifikationen, Displayhelligkeit, Akkulaufzeiten, ergonomische Eigenschaften oder Foto-Details verliere, möchte ich etwas deutlich aussprechen, Entschuldigung, aufschreiben, was du beim Lesen dieses Testberichts im Hinterkopf behalten solltest: Das Samsung Galaxy S8 ist ein fantastisches Smartphone. Es ist brillant gestaltet und gebaut, schmiegt sich perfekt in die Hand und überstrahlt mit seinem fantastischen Display jedes andere Smartphone. Das Galaxy S8 appelliert an niedere Instinkte, wenn man so will. Ich möchte es besitzen – und das trotz einiger durchaus vorhandener Makel. Denn das Galaxy S8 besitzt ein herausragendes Industriedesign und ist nach dem HTC One M7 das erste Smartphone seit Jahren, das ich auf sein Design bezogen als kompromisslos atemberaubend bezeichne.

Huch, so eine Liebeserklärung vom für seine übertriebene Penibilität und notorische Meckerei bekannten Frank? Nachdem ich das vorausgeschickt habe, ist es natürlich schwierig, die Perspektive zu einem objektiven Standpunkt zu wechseln. Aber natürlich kann ich nicht aus meiner Haut heraus, deswegen soll es ab hier sachlich zugehen. Zumindest überwiegend. Ich versuche es. Wirklich.

Google Pixel 2 XL und Samsung Galaxy S8 im Vergleich: Kampf der Android-Ikonen

Das Galaxy S8 ist groß und klein zugleich

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Klären wir zu Beginn gleich mal einen Irrtum auf, dem man in den Kommentarspalten und Foren oft begegnet. Dieser Irrtum betrifft die Größe des Samsung Galaxy S8. Denn das Gerät hat ein 5,8-Zoll-Display. Der Wert suggeriert gigantische Ausmaße, die kaum in Hosentaschen Platz finden. Stimmt aber nicht, denn das S8 besitzt ein Display mit dem ungewöhnlichen Displayverhältnis von 18,5:9. Das bedeutet, dass das Galaxy S8 ein Display hat, das im Porträtmodus gehalten überproportional höher ist als das der meisten anderen Smartphones mit dem traditionelleren 16:9-Displayverhältnis, und deswegen ist auch die Bilddiagonale größer als die bei anderen Geräten.

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In der Realität ist das Display vom Galaxy S8 genauso breit wie das vom Galaxy S7 mit seinem 5,1-Zoll-Display, nur eben etwa eine Daumenbreite länger. Dazu kommt, dass Samsung es geschafft hat, das Gehäuse merklich schmaler zu bauen als das des Vorgängers. Zusammen mit den seitlichen Rundungen fühlt sich das Galaxy S8 also sogar kompakter an als das S7 – das war die eine große Überraschung nach dem Auspacken des Galaxy S8.

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Dass Samsung sein Flaggschiff in diesem Jahr nicht mehr in Version mit planem Display anbietet – und dass, obwohl die Akkuprobleme des Galaxy Note 7 indirekt auf diese Bauweise zurückzuführen sind – deutet bereits an, dass der Hersteller genug Vertrauen in die eigene Fertigungstechnik und Qualitätssicherung hat. Das Konzept geht, zumindest was die Verarbeitung angeht, auf: Die ist nämlich makellos. Zur Akkusicherheit können wir aktuell nichts Anderes sagen als: Unser S8 ist nicht explodiert. Da das Samsung Galaxy S8 aber mittlerweile seine ersten Besitzer hat und wir bislang keine Berichte von irgendwie gearteten Selbstentzündungen im Netz gelesen haben, kann man dahin gehend wohl Entwarnung geben.

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Zwar bin ich weiter nicht davon überzeugt, dass sich nach unten verjüngende Displayränder einen irgendwie gearteten Vorteil in der Bedienung bringen, aber es sieht unbestreitbar sexy aus. Und weil die geschwungenen Glasränder vorne und hinten praktisch nahtlos in den Metallrahmen übergehen, fühlt sich dieser metalleingefasste Glasbarren in der Hand schlicht einzigartig an und sieht eines Premiumgerätes wahrhaft würdig aus.

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Der Preis der edlen Optik ist, dass das Galaxy S8 rutschig ist. Holt man es einen Tick zu hektisch aus der Hosentasche, gleitet einem der edle Telefonriegel schon einmal aus der Hand. Im Testzeitraum ist mir das bereits dreimal passiert, immerhin überstand das Gerät die Kollisionen mit Frontglas- und Rahmen-Bodenkontakt komplett unbeschadet. Zumindest anekdotisch können wir also den überraschend robusten Eindruck aus dem Falltest-Vergleich bestätigen. Was dauerhafte Schäden angeht, hat sich lediglich ein freches Sandkorn aus meiner Hosentasche auf der Rückseite mit zwei minimalen Kratzern verewigt. Trotz des offenkundig recht widerstandsfähigen Mantels aus Gorilla Glass 5 an der Vorder- und Rückseite empfehlen wir dennoch ein Case fürs Galaxy S8, um die Gefahr dauerhafter Schäden und die Rutschigkeit des Gehäuses signifikant zu mindern.

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Das Gehäuse ist wieder wasser- und staubdicht nach dem Industriestandard IP68. Das ist vorteilhaft nicht nur gegen Regenwasser und für etwaige, nicht näher zu schildernde, Unfälle am Wasserklosett, sondern auch um das Telefon gelegentlich mal unter den Wasserhahn zu halten. Denn die Glasrückseite ist natürlich auch ein Magnet für Fingerabdrücke und anderer Ekeligkeiten, derer man sich so hin und wieder entledigen kann.

Krieg der Knöpfe – Samsungs neue Buttons

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Eine der großen Änderungen des Galaxy S8 gegenüber seinen Vorgängern betrifft die Buttons. Genauer: Es gibt drei große Änderungen.

  1. Die zentralen Buttons zur Steuerung sind keine echten Buttons (Druckknopf und kapazitiv) mehr, sondern Software-Tasten. So können die Buttons frei konfiguriert werden und in Vollbild-Anwendungen wie Spielen einfach ausgeblendet werden. Der Software-Homebutton erhält dennoch haptisches Feedback, wenn man ihn stärker drückt.
  2. Beim Galaxy S5, S6 und S7 befand sich der Fingerabdrucksensor noch auf der Vorderseite, beim S8 wandert er nach hinten. Gerüchteweise wollte Samsung den Sensor eigentlich im Display integrieren, hat es aber aufgrund technischer Probleme nicht geschafft. Die Positionierung auf der Rückseite ist dann auch deutlich eine Notlösung: Dort hinzulangen ist unkomfortabel und man fasst immer wieder auf die Kameralinse. Zudem ist der Scanner nicht so genau wie beispielsweise bei Huawei. In der Konsequenz haben wir ihn nur noch selten benutzt – Iris-Scanner oder PIN-Eingabe sind dann doch schneller.
  3. Zusätzlich gibt es eine weitere Hardware-Taste auf der linken Seite unter der Lautstärke-Wippe. Mit der startet man den Bixby-Assistenten – dazu später mehr. In der täglichen Nutzung irritiert die Taste eher, als dass sie nützt, weil man die Lautstärke nicht mehr problemlos blind ertasten kann.

Abgesehen davon sind die seitlichen Tasten für Lautstärke (links) und Power (rechts) aber wieder ergonomisch optimal positioniert und bieten satte Druckpunkte. Hardware-Buttons sind überhaupt schon seit vielen Jahren eine Qualität von Samsung, die zu selten hervorgehoben wird: Ihr macht das gut, Samsung, weiter so!

Das Display im Galaxy S8 ist fantastisch – überwiegend

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Das Display des Galaxy S8 fasziniert, insbesondere dann, wenn man Apps im Vollbild ausführt. Apps, die einen schwarzen Hintergrund besitzen, sehen fast so aus, als ob sie das komplette Display einnehmen. Schaut man sich Fotos darauf an, glaubt man fast hineingreifen zu können. Ich hatte meine helle Freude daran, die Möglichkeiten und Grenzen des Infinity-Displays auszuloten, es ist wirklich eine ganz neue Bildschirmerfahrung. Spannenderweise tragen auch die abgerundeten Displayecken und das Edge-Display zu diesem Effekt bei. Zudem gibt Samsung die Möglichkeit, auf dem Homescreen wieder einen leichten Parallax-Effekt zu nutzen. Schaut man darauf und bewegt das Gerät in der Hand, bewegt sich der Hintergrund anders als der Vordergrund. Je nach Wallpaper hat dieser subtile 3D-Effekt etwas von einem Diorama, das man in der Hand hält.

Technisch ist das AMOLED-basierte Display über fast jeden Zweifel erhaben, die Ergebnisse von Displaymate können wir hier nur unterstreichen. Es ist hell, mit einer Displayauflösung von 2.960 × 1.440 extrem scharf (Tipp: Nach der Inbetriebnahme gleich unter EinstellungenAnzeigeBildschirmauflösung die native Auflösung einstellen, der Einfluss auf die Leistung ist minimal), farbintensiv und HDR-fähig. Die seitlichen Blickwinkel sind auch ziemlich gut, leichte Probleme gibt es allenfalls AMOLED-typisch bei weißen Bildschirminhalten, die etwas gräulich wirken können, vor allem wenn man sie aus spitzen Winkeln betrachtet. Dafür sind die Schwarzwerte so tief, dass man sie kaum noch vom Rest der Front unterscheiden kann – auch ein verblüffender Effekt, wie man hier beispielsweise am Reddit-Client „reddit is fun“ sehen kann.

Die Gesamthelligkeit ist recht gut, selbst im Sonnenlicht kann man das Display gut ablesen. Positiv zu verzeichnen ist, dass die automatische Helligkeitsanpassung in den meisten Situationen zuverlässig funktioniert – wie schon beim Galaxy Note 7 setzt Samsung hier auf gleich zwei Helligkeitssensoren, die das Umgebungslicht offenbar deutlich realistischer zu messen in der Lage sind und das Display schnell an die Situation anpassen. Zudem ist wieder Samsungs Active-Display-Variante „Always-on-Display“ dabei, mit der auch bei ausgeschaltetem Display dauerhaft die Uhrzeit, Termine und Benachrichtigungen angezeigt werden können. Es gibt jetzt sogar weitere Always-On-Display-Voreinstellungen, ich habe die Funktion nach wenigen Tagen jedoch deaktiviert, weil der Nutzen für mich begrenzt war und den signifikant höheren Akkuverbrauch nicht gerechtfertigt hat.

Zwei Fehler sind mir beim Display des Galaxy S8 aufgefallen. Zum einen gab es zeitweise mitunter kleine Grafikfehler beim Scrollen, etwa im Webbrowser, allerdings jeweils nur für Sekundenbruchteile sichtbar. Nach dem Launch-Update sind sie aber nicht mehr aufgetreten. Definitiv ein Hardwareproblem sind allerdings die leichten Rotstiche an den Displayrändern, insbesondere am oberen Rand. Diese sieht man zwar nur selten, nämlich dann, wenn der Hintergrund hell ist und man frontal draufschaut. Sie stören nicht sonderlich, trotzdem sind sie vorhanden und sollten bei einem derart teuren Gerät nicht vorkommen.

Die Software im Galaxy S8

Nach der Inbetriebnahme sind mir drei Dinge an der Software des Galaxy S8 aufgefallen. Erstens: Overlays überall. Samsung stellt mit zahlreichen Hilfetexten in Form von Überlagerungen sicher, dass seine Nutzer auch wirklich wissen, wie man das Gerät bedient – das nervt erfahrene Nutzer wie mich zwar, nach ein zwei Tagen hat man aber den Großteil weggeklickt. Eine Option „Keine Hilfetexte mehr anzeigen“ in den Dialogen wäre aber trotzdem sinnvoll. Zweitens: Die Schrift und das App-Raster auf dem Homescreen sind dünn und relativ klein, ich musste beides für bessere Lesbarkeit und Bedienung manuell hochstellen. Drittens: Die Edge-Funktionen bieten mir immer noch keinen Mehrwert, ich habe sie nach kurzem Ausprobieren deaktiviert.

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Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-App-Drawer
Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-Homescreen

von links: Lockscreen, Homescreen, App Drawer

Die Software des Galaxy S8 basiert auf Android 7.0 und noch nicht der neuesten Version 7.1. Sie wird garniert mit der Samsung-eigenen Benutzeroberfläche, die gegenüber dem Galaxy Note 7 noch einmal verfeinert wurde und nach Jahren des Schliffs nun endlich einen konsistenten und eleganten eigenständigen Eindruck macht. Samsung ist in puncto Software-Design endlich an einem Punkt angekommen, da man von Eigenständigkeit und Stil sprechen kann.

In früheren Geräten mit Samsung-Geräten mit edge-Display war ein Problem, dass man immer wieder versehentliche Displayberührungen ausgelöst hat, etwa mit dem Daumenballen. Beim Samsung Galaxy S8 gibt es diese „Phantom-Touches“ nicht mehr – klasse. Wirklich komfortabel ist der Touchscreen aufgrund seiner Wölbungen aber auch nicht immer zu bedienen, vor allem bei Wischbewegungen an den Rändern und von den Rändern weg erfordert das Galaxy S8 mitunter, dass man die zweite Hand zu Hilfe nimmt. Das fällt besonders auf, wenn man in einigen Apps das Slideout-Menü von links mit dem rechten Daumen hereinwischen möchte.

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Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-Einstellungen
Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-Multitaksing

von links: Benachrichtigungen und Schnelleinstellungen, Einstellungs-App, Multitasking-Menü

Gleiches gilt für die Benachrichtigungsleiste, die nun höher liegt. Samsung täte gut daran, eine einfache Geste zu integrieren, um die Notifications leichter nach unten zu ziehen – etwa mit einer Wischbewegung nach unten von einer beliebigen Stelle des Homescreens, so wie es im Nova Launcher oder bei OxygenOS von OnePlus möglich ist. Zwar kann man Vergleichbares über eine Option erreichen, die entsprechende Geste per Fingerabdruckscanner bereitstellt (Huawei lässt Grüße ausrichten) – über die ergonomischen Probleme des Scanners habe ich mich ja schon zur Genüge ausgelassen. Auch die zuschaltbare Möglichkeit per dreifachem Druck auf den Home-Button den Bildschirminhalt verkleinert darzustellen ist nur ein Notnagel, keine echte Lösung.

Stellt sich natürlich die Frage, wie Applikationen mit dem ungewöhnlichen Displayverhältnis zurechtkommen. Im Großen und Ganzen gut. Anders als beispielsweise bei der Einführung des iPhone 5 von Apple, die ebenfalls mit einem Wechsel des Displayverhältnisses einherging, gibt es nur sehr wenige Anwendungen, die schwarze Balken oben und unten zeigen, dafür sorgt das App-Framework von Android, das ganz auf die flexible Darstellung von Inhalten ausgelegt ist.

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Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-Vollbild-Apps
Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-PayPal-App-Vollbild

von links: PayPal-App mit schwarzen Balken, Menü zum Erzwingen von App-Darstellung im Vollbild, PayPal-App mit erzwungenem Vollbild ohne schwarze Balken

Problematisch sind aber trotzdem einige Apps, vor allem Games. Im Test zeigte beispielsweise die mit der Unity Engine gebauten Titel „Sky Force Reloaded“ und „Riptide: Renegade“ schwarze Balken an. Aber auch eine Handvoll regulärer Apps kommt nicht mit 18,5:9 klar – mir sind die PayPal-App, der alternative Browser Tuga und der Twitter-Client Fenix negativ aufgefallen. Für alle Apps ist es möglich, den Vollbildmodus über ein spezielles Einstellungsmenü zu erzwingen, hierbei wird der Content einfach ein Stück weiter hereingezoomt – in Apps ist das meist problemlos möglich, in Spielen wird allerdings Content an den Seiten abgeschnitten, was abhängig vom Spiel zu Problemen führen kann. Es handelt sich aber lediglich um eine Handvoll Apps aus rund 100 getesteten Anwendungen, die mit dem Seitenverhältnis nicht klarkommen. Die Bedienbarkeit litt darunter nicht und wir sind zuversichtlich, dass es für die meisten Apps sowieso bald Kompatibilitäts-Updates geben wird, schließlich ist das Galaxy S8 ein potenzieller Kassenschlager und dürfte hohe Verbreitung erfahren. Ein Showstopper ist das 18,5:9-Display jedenfalls nicht – ob mit ohne schwarze Balken.

Neu ist, dass der App Drawer keinen eigenen Button mehr hat, sondern – wie auch in Googles eigenem Launcher – durch eine Wischbewegung nach oben geöffnet wird. Etwas seltsam mutete an, dass abermals Apps im Drawer nicht nach dem Alphabet sortiert werden können, diese Sortierung lässt sich aber aktivieren und bleibt dann auch alphabetisch. Eine neue Besonderheit ist die Tatsache, dass Spiele standardmäßig nicht im App Drawer aufgeführt werden, für diese muss man den Game Launcher aktivieren. Auch das lässt sich aber abschalten, genauso wie der App Drawer als Ganzes – für manchen iOS-Umsteiger könnte das eine Option sein, die die Umstellung erleichtert.

Samsung hat auch wieder seine mächtige Theming-Engine integriert, die nun auch für das profane Wechseln des Hintergrundbildes zuständig ist. Prinzipiell ist das okay, wir haben hier allerdings keine Möglichkeit entdeckt, ein Live-Wallpaper zu aktivieren. Um das zu bewerkstelligen, muss man erst mühsam den Launcher wechseln, dort das Live Wallpaper aktivieren, und dann auf den Samsung-Launcher zurückstellen – nervig.

Ein neues Schmankerl ist die optionale Möglichkeit, Bluetooth-Audio abgekoppelt von restlichen Systemsounds abzuspielen. Wer sich also zum Beispiel mit seinem Smartphone als DJ auf einer Party betätigt, muss nicht mehr fürchten, dass die Lautstärke reduziert wird und der Benachrichtigungssound abgespielt wird, wenn eine Nachricht eingeht – praktisch, aber auch unverständlich, warum dieses Feature nicht längst Standard bei Android ist.

Das Entsperren des Geräts geht nicht ganz so schnell wie bei den meisten anderen Geräten. Grund ist die bereits oben erwähnte verhunzte Positionierung des Fingerabdrucksensors. Der funktioniert zwar recht schnell – mit dem Finger die richtige Position zu finden, dauert aber deutlich länger. Dafür funktioniert der Iris-Scanner gut. Weder Dunkelheit noch meine Brille hinderten ihn daran, mich vergleichsweise schnell biometrisch zu identifizieren. Vor allem nach ein paar Tagen Training gehen einem der richtigen Abstände und Halteposition ins Blut über. Problematisch bleibt der Iris-Scan aber, wenn man unterwegs und in Bewegung ist, der Iris-Scanner hat Probleme mit dem Gewackel der Hand oder kommt mit bestimmten Sonnenlicht-Einstrahlwinkeln nicht klar. Als Alternative kann man zwar auch einen PIN eingeben. Hier nervt aber regelmäßig, dass nicht alle Tastendrücke registriert werden, weil im ungünstigsten Moment ein modaler Dialog aufploppt, laut dem die Iris nicht erkannt wurde – an der Stelle darf Samsung gerne noch nachbessern. Auf die Nutzung des Gesichtsscanners habe ich verzichtet, der war schon unter Android 4.0 unsicher, weil er mit einem Foto des Nutzers entsperrt werden konnte. Unterm Strich dauert es immer ein bisschen länger, das Galaxy S8 zu entsperren als andere Smartphones mit pfeilschnellen Fingerabdrucksensoren.

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Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-Dateimanager
Samsung-Galaxy-S8-Software-Screenshot-Uhr

von links: Bixby, Dateimanager, Uhren-App

Samsung stattet das Galaxy S8 wieder mit einem Haufen eigener und angepasster Software aus. Vorinstalliert ist unter anderem eine komplette Suite aus Microsoft-Apps, von Word über Excel bis hin zu Skype. Daneben gibt es wieder den eigenen Appstore „Samsung Apps“ und diverse andere eigene Apps für Notizen, E-Mail, einen eigenen Browser, den Fitnesstracker Samsung Health, den Gear Manager für Zubehör und weitere. Einige von Samsungs eigenen Apps aktualisieren sich nicht, wie mittlerweile bei zahlreichen anderen Herstellern üblich ist, per Play Store – stattdessen greifen die Updatemechaniken des Samsung-eigenen Appstores. Und die sind leider wenig transparent: Aktualisierungen und App-Installationen erfolgen mitunter ohne Kontrolle des Nutzers, selbst bei mobiler Datenverbindung. Die Frage, ob Samsung für ähnliche erweiterte Sicherheitsmechanismen wie Google im Play Store sorgt, wollen wir gar nicht erst aufwerfen (Spoiler: wahrscheinlich nicht).

Abgesehen davon präsentieren sich die Apps erfreulich konsistent und aufgeräumt. Die Einstellungs-App ist üppig und in seinen Möglichkeiten vielfältig, für eine leichte Navigation sorgen aber eine Suchfunktion und Querverweise zu zugehörigen Optionen in anderen Unterpunkten am Ende jeder Einstellungsseite. In den Einstellungen kann man dann auch endlich die anachronistische Samsung-Button-Reihenfolge ändern – von Multitasking-Home-Zurück auf Zurück-Home-Multitasking. Kannst du ihn sehen, den Android-Puristen, der da drüben jubelnd in die Luft springt?

Ach ja, dann ist da noch Bixby. Bixby ist der Partygast, den keiner eingeladen hat und der jeden nervt. Samsung positioniert seinen nicht abschaltbaren Assistenten als unabdingbar – manifestiert durch einen eigenen Hardware-Button, der sich nicht anders konfigurieren lässt und den man ständig aus Versehen drückt. Die Funktionalität von Bixby ist aktuell wirklich nicht berauschend. Auf dem linken Homescreen (zumindest der lässt sich abschalten) oder nach Druck auf die Bixby-Taste bekommt man einen eigenen Bildschirm mit Karten-ähnlichen Widgets präsentiert, die unter anderem Media-Player-Kontrollen, aktuelle Nachrichten über upday, Wetter, Reminder, Fitness-Infos und dergleichen präsentiert. Also ziemlich exakt die Funktionalität, die man mit Google Now oder Homescreen-Widgets erhält. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Bixby-Button in der Kamera, aber auch der funktioniert selten gut und ließe sich auch unabhängig von dem unrunden Assistenten realisieren. Samsung hat versprochen, noch Stimmerkennung für Bixby nachzurüsten – aber warum? Niemand braucht Bixby. Es handelt sich um ein geradezu lächerliches Me-Too-Angebot, das nie an Googles Alternative heranreichen kann und mich an Samsung schlimmste Software-Ära zurückerinnert – ich sage nur S Voice. Samsung, bitte macht Bixby deaktivierbar und den Button mit Bordmitteln umkonfigurierbar. Oder lasst den Quatsch gleich ganz bleiben. Danke.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Schummelei mit der Auflösung. Es ist toll, dass Samsung ein Display verbaut, das die atemberaubende WQHD+-Auflösung von 2.960 x 1.440 Pixel aufweist. Natürlich sieht man im Normalfall keinen Unterschied zu einer FHD+-Auflösung von 2.220 x 1.080 Pixel. Bloß ist es Quatsch, dass Samsung standardmäßig alle Inhalte auf FHD+ herunterskaliert, sofern man das nicht umstellt. Denn: Physisch sind die kleineren Pixel da und verbrauchen auch Energie, eine Herunterskalierung von WQHD+ auf FHD+ geht mit einem zusätzlichen Qualitätsverlust aufgrund von Interpolierung einher. Energie spart man damit im Normalfall kaum, und das Mehr an Rechenaufwand ist im Normalfall, sieht man von 3D-Games ab, kaum höher. Ehrlicher und tatsächlich energieeffizienter wäre gewesen, zumindest beim kleineren S8 auf ein echtes FHD+-Panel zu setzen.

Kameras des Galaxy S8 im Test: Klassenprimus mit wenig Schwächen

Samsung-Galaxy-S8-Test-9488-Kamera-Fingerabdruckscanner

Samsung verbaut seit dem Galaxy S2 hervorragende Kameras in seinen Flaggschiffen und das ist auch beim Galaxy S8 nicht anders. Der Sensor wurde gegenüber dem ohnehin schon tollen Galaxy S7 aus dem letzten Jahr zumindest auf dem Papier nicht arg verbessert. Einige Änderungen lassen sich aber dennoch verzeichnen – neben zahlreichen Fotos mit dem S8 haben wir auch ein paar Vergleichsbilder mit dem S7 angefertigt. Das sind ein paar der Ergebnisse:

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Testfoto „Park“:Galaxy S8Testfoto „Park“:Galaxy S8
Testfoto „Park“: Galaxy S7Testfoto „Park“: Galaxy S7

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Testfoto „Teich“: Samsung Galaxy S8Testfoto „Teich“: Samsung Galaxy S8
Testfoto „Teich“: Samsung Galaxy S7Testfoto „Teich“: Samsung Galaxy S7

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Testfoto Brücke/Gegenlicht: Samsung Galaxy S8Testfoto Brücke/Gegenlicht: Samsung Galaxy S8
Testfoto Brücke/Gegenlicht: Samsung Galaxy S7Testfoto Brücke/Gegenlicht: Samsung Galaxy S7

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„Äste“, Vergrößerung 4×: Schärfe Samsung Galaxy S8„Äste“, Vergrößerung 4×: Schärfe Samsung Galaxy S8
„Äste“, Vergrößerung 4×: Schärfe Samsung Galaxy S7„Äste“, Vergrößerung 4×: Schärfe Samsung Galaxy S7

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Lowlight: Samsung Galaxy S8Lowlight: Samsung Galaxy S8
Lowlight: Samsung Galaxy S7Lowlight: Samsung Galaxy S7

Vergleicht man die Bilder, fällt auf, dass das S8 besonders farbintensive Bilder erzeugt. Die Bilder sehen toll aus, sind gegenüber der Realität aber übersättigt. Das fällt auf, wenn man Personen bei künstlichem Licht fotografiert – Gesichtshaut hat mitunter einen dezenten Rotstich. Das S7 hatte ich noch dafür kritisiert, dass die Bilder im Postprocessing zu stark nachgeschärft werden – dieses Problem hat Samsung, nun ja, entschärft, wie man auf dem zugeschnittenen Bild (4×-Vergrößerung) der Äste oben sieht.

Trotzdem ist die Kamera wieder auf einem extrem hohen Niveau. Bilder sind trotz der Auflösung von „nur“ 12 MP (im 4:3-Format, bei 16:9 sind es nur noch 9,6 MP) extrem detailreich. Die Fotos mögen zwar ziemlich „poppig“ bezogen auf die Farben wirken, schaut man sich die Vergleichsfotos aus dem Park an, wirkt der Frühling auf den S8-Fotos immer etwa eine Woche weiter fortgeschritten als beim S7, obwohl die Fotos nur Sekunden voneinander entfernt aufgenommen wurden. Anders als bei Googles Pixel-Phones werden dabei aber nie surreale Ergebnisse produziert.

Bildergalerie Samsung Galaxy S8: Testfotos

Bei Low-Light-Bedingungen tut sich wenig gegenüber dem Galaxy S7, Samsung kann weiter nicht ganz mit dem Pixel mithalten. Die Fotos sehen zwar auf dem Display gelungen aus, bei näherem Heranzoomen vermatscht der Inhalt aufgrund der Rauschunterdrückung aber relativ stark.

Obendrein konnte mich die Galaxy-S8-Kamera im Test mit ihrem extrem schnellen Autofokus, der kurzen Auslöseverzögerung und ihrer Helligkeitsanpassung begeistern. Andere Hersteller haben selbst im High-End-Segment das Problem, das Teile eines fotografierten Bildes zu dunkel sind oder der Bereich des Himmels überstrahlt wirkt. Samsungs automatischer HDR-Modus sorgt dafür, dass man sich darauf verlassen kann, dass ein Bild gelingt und Details überall erkannt werden. Auch der optische Bildstabilisator funktioniert deutlich besser als beim Vorgänger. Das Galaxy S8 hat, zusammengefasst, eine hervorragende Fire-and-Forget-Kamera: Einfach draufdrücken und man kann sich fast sicher sein, dass das Bild gelingt.

Die 8-MP-Frontkamera macht ziemlich gute Fotos, hier kommt besonders die bei Samsung neue und bislang in nur wenigen Smartphones aufzufindende Autofokus-Fähigkeit zur Geltung. Anders als bei Kameras mit Fixfokus kann man hier beispielsweise auch einen Bokeh-Effekt nutzen. Frontkamera-Videos sind zwar nicht in 4K-Auflösung verfügbar, aber immerhin in WQHD (2.560×1.440).

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Samsung Galaxy S8 Videosample (4K)

Das gute Qualitätszeugnis für die Kamera gilt genauso für Videos. Zwar sind 4K-Videos auf 10 Minuten Aufnahme begrenzt, alternativ kann man aber unbegrenzt in Full-HD aufnehmen, auf Wunsch sogar mit flüssigen 60 FPS (Einzelbildern pro Sekunde). Genau wie beim Fotografieren sind die automatische Helligkeitsanpassung und der rasante Autofokus sowie das reiche Farbbild die überzeugenden Punkte. Die Bildstabilisierung ist etwa auf dem Niveau des Galaxy S7, kommt dabei aber nicht an die verblüffende digitale Stabilisierung des Google Pixel heran. Fast schon unheimlich ist dabei die Soundaufnahme in Stereo: Man hat beinahe das Gefühl, live in der Situation zu sein, wenn man die Aufnahme betrachtet und den Ton per Kopfhörer anhört.

Wer mehr Kontrolle über sein Bild haben will, wird dank der funktionsreichen, aber sinnvoll aufgebauten App ebenfalls nicht enttäuscht. Ein Pro-Modus, der manuelle und pfeilschnelle Touchfokus, optionale Aufnahme von RAW-Bildern und einige Effekt-Gimmicks erweitern die Funktionalität. Bei Letzteren handelt es sich um Sticker im Snapchat-Stil, die zumindest dem einen oder anderen Millenial unter unseren Lesern gefallen könnten. Clever finden wir Samsungs Lösung für digitales Zoomen. Ungeachtet der Tatsache, dass man das grundsätzlich eher vermeiden sollte, kann der Bildinhalt nun herangeholt werden, indem man den Auslösebutton nach oben oder, um wieder herauszuzoomen, nach unten zieht.

Die Kamera-App hat außerdem eine eigene Schaltfläche für Bixby. Die sorgt dafür, dass Bildinhalte erkannt werden, bei Produkten auch Links zu Shoppingportalen für den Direktkauf des entsprechenden Produktes eingeblendet werden. Das funktionierte im Test leider nur selten und bestärkt meinen Eindruck, dass Samsungs Bixby-Plattform überflüssig wie ein Kropf noch nicht ganz ausgereift ist.

On fleek: Das Samsung Galaxy S8 und seine Performance im Test

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In einigen Ländern kommt das Samsung Galaxy S8 mit einem Snapdragon 835 von Qualcomm auf den Markt, hierzulande ist Samsungs eigenes neues Exynos-8895-SoC integriert. Es handelt sich dabei abermals, wie schon beim im S7 verbauten Exynos 8890, um einen Achtkernprozessor. Sowohl Snapdragon 835 als auch Exynos 8895 werden von Samsung im 10-nm-Prozess gefertigt. Das bedeutet, dass der Chip bei praktisch gleichem Takt energieeffizienter geworden ist. Wie schon sein Vorgänger besitzt das Galaxy S8 eine effiziente Heatpipe-Konstruktion, dank der Wärme einfach abgeleitet wird. Im Alltag konnten wir aber selbst bei intensiven Games- und Benchmark-Sitzungen keine starke Hitzeentwicklung feststellen, lediglich beim Laden wird das Samsung Galaxy S8 merklich warm – aber auch nie auf einem alarmierenden Niveau wie beispielsweise die Snapdragon-810-Flaggschiffe vor zwei Jahren.

Die Performance im Alltagsbetrieb geht jederzeit in Ordnung. Aufwändige 3D-Spiele können das Galaxy S8 dank ARMs Mali-G71-GPU mit 20 Kernen (Galaxy S7: Mali-T880 mit 12 Kernen) freilich ins Schwitzen bringen, im Test fiel das etwa bei dem Waverace-Rennspiel Riptide: Renegade auf. Sofern das Spiel keine eigene Anpassung der Grafikqualität und Auflösung zulässt, empfehlen wir daher die Nutzung von Samsungs Game Tuner. In diesem kann man die Bildschirmauflösung dynamisch herunterskalieren. Schade, dass diese Funktion nicht mehr wie noch beim S7 im Game Center integriert ist und für jedes Spiel individuell angepasst werden kann – anders als auf dem Homescreen würde das nämlich tatsächlich positive Effekte in puncto Akkuleistung und Performance bringen.

Trotzdem ist das Galaxy S8 leistungstechnisch überzeugend, nicht zuletzt auch dank des performanten UFS2.1-Speichers – den bemerkt man beispielsweise, wenn man mehrere Apps hintereinander installiert oder aktualisiert. Nicht ganz mit dem OnePlus 3T und dessen üppigen 6 GB Speicher kann das Galaxy S8 (4 GB) im Bereich Multitasking, Apps werden hier merklich schneller im Hintergrund geschlossen – was aber im Alltag eher selten stört.

Den guten Eindruck von der Performance belegen auch die Benchmarks, die wir mit dem Gerät erstellt haben – und in der Tabelle mit dem Vorjahresmodell Galaxy S7 sowie dem OnePlus 3T mit dem Snapdragon 821 vergleichen. Insbesondere, was die rohe Grafikleistung angeht, ist das Galaxy S8 den beiden Konkurrenten deutlich voraus, wiewohl diese Leistung auch notwendig ist, wenn sie 3D-Anwendungen befeuert. In nativer Auflösung hinkt es sogar dem OnePlus 3T etwas hinterher, das ein ökonomischeres Full-HD-Panel, und damit nicht einmal halb so viele Pixel, besitzt.

Das Samsung Galaxy S8 im Benchmark-Vergleichstest mit Galaxy S7 und OnePlus 3T

Samsung Galaxy S8 Samsung Galaxy S7 OnePlus 3T
Specs (CPU, GPU, RAM, Speicher) Exynos 8895 Octa
4× 2,3 GHz, 4×1,7 GHz
ARM Mali-G71 MP20
4 GB LPDDR4
64 GB UFS-2.1
Exynos 8890 Octa
4× 2,3 GHz, 4× 1,6 GHz
ARM Mali-T880 MP12
4 GB LPDDR4
32 GB UFS-2.0
Snapdragon 821 Quad
2× 2,35 GHz, 2× 1,6 GHz
Adreno 530
6 GB LPDDR4
64/128 GB UFS-2.0
AnTuTu 6.2.7 gesamt 172.709 131.700 151.730
AnTuTu 3D 72.159 46.997 62.138
AnTuTu UX 51.509 38.368 45.147
AnTuTu CPU 38.828 36.161 34.392
AnTuTu RAM 10.213 10.174 10.053
GfxBench 4.0.13
Car Chase 3.1 native Onscreen
742,4 Frames
13 FPS
(2.678×1.440)
487,6 Frames
8,3 FPS
(2.560×1.440)
1.163 Frames
20 FPS
(1.920×1.080)
GfxBench
Car Chase 3.1 1080p Offscreen
1.493 Frames
25 FPS
903,1 Frames
15 FPS
1.150 Frames
19 FPS
GfxBench
Manhattan 3.1.1 1440p Offscreen
1.521 Frames
25 FPS
884,9 Frames
14 FPS
1.051 Frames
17 FPS
GfxBench
Manhattan 3.0 1080p Offscreen
3.856 Frames
62 FPS
2.377 Frames
38 FPS
3.029 Frames
49 FPS
GfxBench
T-Rex 2.0 1080p Offscreen
5.785 Frames
103 FPS
4.610 Frames
82 FPS
5.278 Frames
94 FPS
Geekbench 4.0.13
Single Core
1.996 1.949 1.860
Geekbench
Multi-Core
6.588 6.003 4.438

Auf der nächsten Seite: Konnektivität und Speicher, Telefonie und Sound des Galaxy S8 im Test. 

Konnektivität und Speicher des Galaxy S8 auf dem Prüfstand

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Wie gewohnt ist das Samsung Galaxy S8 mit fast allem ausgestattet, was man braucht, irgendwann mal brauchen könnte oder nie brauchen wird. Fangen wir bei der Konnektivität an: NFC ist natürlich dabei. Das Galaxy S8 unterstützt alle denkbaren WLAN-Standards bis ac und Dual-Band, LTE bis zu Cat.16 (jeweils maximal ↓ 1.000 MBit/s, ↑ 150 MBit/s) und Bluetooth sogar im auf dem Galaxy S8 debütierenden Standard 5.0. Kabellos Musik hören funktioniert dank aptX- und A2DP-Support in tadelloser Qualität, auf die Klinkenbuchse zum Anschluss von kabelgebundenen Kopfhörern verzichtet Samsung dankenswerterweise trotzdem nicht. Die USB-Typ-C-Buchse überträgt Daten nun auch in USB-3.1-Geschwindigkeit – klasse.

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Auch die Sensorik ist erste Sahne: Neben allen Oberklasse-relevanten Standards hat Samsung auch wieder exotischere Sensoren verbaut: Thermometer, Hygrometer, Barometer und Altimeter kann man nutzen, um Daten wie die Höhe, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Temperatur auszulesen. Klingt zunächst nach Funktionalität für Wetterfrösche und Extremreisende, gerade im Fitness- und Gesundheitsbereich können diese Daten aber auch verwendet werden, wenn der Nutzer beim Sport seine Gesundheit gefährdet. Klasse ist, dass der GPS-Chip auch die Signale der Satellitendienste Baidu (China), Galileo (Europa) und Glonass (Russland) auffängt und interpretiert – in der Praxis bekommt man so noch schneller und zuverlässiger Positionsinformationen.

64 GB interner Speicher sind gehobener Standard, davon werden allerdings bereits ziemlich genau 10 GB bei Inbetriebnahme fest vom System verwendet. Die Geschwindigkeit des UFS-2.1-Moduls trägt ihren Teil zum Eindruck der hervorragenden Performance des Galaxy S8 bei; zusätzlich kann man den Speicher per microSD-Karte erweitern – natürlich sollte man hier zu einem flotten Kärtchen greifen.

Fragt sich, was fehlt. Zumindest einigen Galaxy-Fans wird das Fehlen des Infrarotsensors zur Steuerung ihrer Heim-Hardware sauer aufstoßen. Zwar wird heute immer mehr Heimelektronik per App über Netzwerk und Internet gesteuert, weswegen der Nutzen der Infrarotschnittstelle vor allem auf lange Sicht sowieso infrage zu stellen ist. Wer eine sündhaft teure Anlage oder einen entsprechenden Fernseher zu Hause hat, die vorher per Handy angesteuert werden konnte, dem nützt das wenig. Für mutmaßlich mehr potenzielle Kunden alltagsrelevant ist die Auslassung des UKW-Radios. Das ist freilich schon seit dem Galaxy S4 der Fall und ich würde mich über diese Feature-Auslassung schon lange nicht mehr wundern – wenn Samsung nicht weiterhin konstant seine Mittelklasse-Smartphones mit Radio-Funktionalität ausstatten würde. Warum ein 350-Euro-Handy UKW empfangen kann, ein 800-Euro-Handy aber nicht, hätte ich wirklich gern mal erklärt.

Hochgezogenen Augenbrauen gibt es zwar, aber keinen Punktabzug für diese Nickligkeiten, denn auch bei anderen Herstellern gehören Infrarot und Radio nicht zum Standard. Dafür ist die restliche Ausstattung zu gut – und funktioniert auch einwandfrei, im Test gab es bei Sensorik und Konnektivität keinen Grund zur Beanstandung.

Telefonie und Sound

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Das beste Zeugnis, das man einem Smartphone heutzutage in puncto Telefonie ausstellen kann, ist Unauffälligkeit. Dieses Zeugnis verdient sich das Galaxy S8 redlich. Weder Störungen noch Verbindungsabbrüche noch suboptimale Sprachqualität konnten wir beobachten. Im Gegenteil, sowohl über GSM als auch VoLTE und Voice-over-WiFi klangen alle Gespräche ausgezeichnet, dank gelungener Umgebungsgeräuschunterdrückung waren auch belebte, laute Umgebungen kein Problem für den Gesprächspartner.

Auch die Freisprechfunktion funktionierte gut – zumindest in einem sonst leisen Raum. Denn der Lautsprecher im Galaxy S8 ist wahrlich kein Glanzpunkt des Gerätes. Telefonate, Podcasts und Hörbücher klingen noch erträglich, bei Musik jeder Art hört der Spaß jedoch auf – hier sollte man definitiv auf externe Klangkörper setzen. Ein weiteres Problem ist, dass die Lautsprecher im Landscape-Modus sehr leicht vom Zeigefinger verdeckt werden – potenziert durch die Tatsache, dass man beim Design des Galaxy S8 kaum noch Möglichkeiten hat, die Finger anders abzulegen. Immerhin klingen die mitgelieferten AKG-Ohrstöpsel recht gut und lassen sich dank verschiedener Ohrmuschelnupsis an fast jedes Ohr anpassen.

Samsung Galaxy S8 im Test: Akku und Alltag

Es ist gar nicht so leicht, das Galaxy S8 in puncto Akkulaufzeit zu beurteilen. Insbesondere am Anfang unseres Tests hinterließ die Laufzeit pro Ladung einen unterirdischen Eindruck, mit einem Profil normaler Nutzung (zwei Google-Konten, eines mit permanenter Standortfreigabe, Nutzung von Google Now. Aufnahme von etwa zwei Dutzend Fotos und 5 Minuten 4K-Videos, Hintergrund-Upload von Fotos und Videos bei Google Fotos und Dropbox, automatische Helligkeitsanpassung, 1,5 Stunden bei mobiler Datenverbindung, Rest im WLAN) konnte man das Telefon kaum 12 Stunden am Stück nutzen ohne zwischenzeitliches Nachtanken. Nach einigen Tagen verbesserte sich der Wert etwas, aber auch nur auf bis zu 16 Stunden bei 2,5 Stunden Screen-on-Time. Dann deaktivierte ich Samsungs Always-on-Display – und plötzlich hielt der Akku 24 Stunden durch.

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Natürlich handelt es sich hier nur um typische Werte – aber die Tendenz dürfte klar sein: Mit aktiviertem Always-On-Display sollte man am Arbeitsplatz oder im Auto auf jeden Fall eine Möglichkeit zum schnellen Nachladen haben – alternativ schaltet man die Funktion einfach aus. Nachladen geht übrigens mit dem mitgelieferten Quick-Charge-fähigen Ladegeräte einigermaßen schnell, wenn es auch kein Vergleich zum überwältigenden DashCharge-Feature des OnePlus 3(T) ist, das nahezu doppelt so schnell lädt. Immerhin kann das Galaxy S8 dafür auch kabellos per Qi-Wireless geladen werden, mit entsprechend lizenzierten Ladestationen auch schneller dank QuickCharge-Kompatibilität.

Test-Fazit: Das Samsung Galaxy S8 ist nicht für jedermann – aber für mich auf jeden Fall

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Im September letzten Jahres stellte Apple sein iPhone 7 vor und ließ dabei die Klinkenbuchse für Kopfhörer weg. Die umstrittene Entscheidung begründete Apple damit, dass man „Mut“ beweisen wollte. Über diesen Euphemismus macht man sich abseits der Apple-Fankreise gern lustig. Zurecht, denn Features in einem Produkt wegzulassen, ohne dass es nötig wäre, und das Gesamtpaket teurer zu verkaufen ist nicht mutig, sondern dreist. Apple wird, neben einem immer noch im Dunkeln liegenden Jubiläums-iPhone im Winter, 2017 gerüchteweise wohl den vierten Aufguss des iPhone-6-Designs auf den Markt bringen. Auch das ist nicht mutig, sondern auf Sicherheit gespielt.

Nein, mutig ist, ein Mainstream-Smartphone mehr oder weniger komplett neu zu gestalten – selbst auf die Gefahr hin, Fans der Vorgänger vor den Kopf zu stoßen. Samsungs Galaxy S8 ist so ein mutiges Gerät. Weil es bei allen Detailverbesserungen nicht auf dem bewährten Rezept der Samsung-Galaxy-Geräte S6 und S7 aufbaut, sondern in die Zukunft schaut – durch ein fantastisches, gigantisches, ach mir gehen die Superlative aus, Display. Es ist ein Zeugnis davon, was heute möglich ist, dass umso mehr beeindruckt, wenn man sich verdeutlicht, dass erst ein halbes Jahr seit Samsungs Babylon mit dem Note-7-Fiasko vergangen ist.

Und nein, das Galaxy S8 ist nicht in jeder Hinsicht perfekt und auch kein Smartphone für jedermann. Insbesondere der Sinn von Bixby erschließt sich uns nicht, die Haptik ist aufgrund der Glasrückseite nicht optimal, der Bedienbarkeit sind die Bildschirmrundungen eher abträglich und den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite kann man einfach nur als Fehlschlag bezeichnen. Aber das Samsung Galaxy S8 ist ein unvernünftiges, aber betörendes Schmuckstück – und ich persönlich bin gerne bereit, ihm seine Schwächen zu verzeihen. Nicht zuletzt deshalb, weil es in den für mich wichtigen Disziplinen Display, Kamera und Design brilliert, weil es beim Thema Akku zumindest kein Totalabsturz ist. Und eben auch, weil es ein mutiges Smartphone ist.

Aber passt das Galaxy S8 auch für dich? Das kann sein, muss aber nicht. Ich empfehle, das Gerät in die Hand zu nehmen, es zu drehen, es zu benutzen, zwei drei Fotos zu schießen und sie dir auf dem Display in voller Breite anzuschauen. Vielleicht stellst du dann fest, dass du das Galaxy S8 nicht brauchst, weil dir ein konservativeres Design lieber ist, du mehr Akkulaufzeit haben willst oder nicht so viel Geld ausgeben möchtest. Das ist okay. Aber schau es dir trotzdem an. Und wenn dir das Galaxy S8 zusagt, hol es dir, verbringe ein, zwei heiße Honeymoon-Wochen mit dem nackten Gerät – und hol dir dann ein gutes Case, damit die Liebe lange anhält und dir niemals entgleiten möge.

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Unsere Test-Wertung zum Samsung Galaxy S8

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 5/5
  • Kamera: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 5/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 3/5

Gesamt: 90 %

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Hinweis: Wir haben das Samsung Galaxy S8 in der Orchid-Grey-Farbvariante über einen Zeitraum von 3 Wochen getestet. Zunächst kam eine Vorserien-Firmware zum Einsatz. Diese wurde im Testzeitraum auf die G950FXXU1AQDD aktualisiert, auf ihr beruhen die Erkenntnisse unseres Testberichts. Wir danken Samsung Deutschland für die Leihstellung.

bewertete "
Samsung Galaxy S8
" mit
90 von 100 Punkten
(26. April 2017)

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