Samsung Galaxy S8 im Test: Lustobjekt im Glashaus

Frank Ritter
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Lüsterne Blicke, frivole Avancen, wilde Träume – Samsungs neues Handy-Flaggschiff sieht geradezu verboten gut aus – und weckt Begierden. Aber taugt es auch oberhalb der Gürtellinie? Im Test vom Samsung Galaxy S8 konfrontieren wir es mit dem Alltag.

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Samsung Galaxy S8: Der Test

Vorweg: OMGWTF

Bevor ich hier auch nur ein Wort über Spezifikationen, Displayhelligkeit, Akkulaufzeiten, ergonomische Eigenschaften oder Foto-Details verliere, möchte ich etwas deutlich aussprechen, Entschuldigung, aufschreiben, was du beim Lesen dieses Testberichts im Hinterkopf behalten solltest: Das Samsung Galaxy S8 ist ein fantastisches Smartphone. Es ist brillant gestaltet und gebaut, schmiegt sich perfekt in die Hand und überstrahlt mit seinem fantastischen Display jedes andere Smartphone. Das Galaxy S8 appelliert an niedere Instinkte, wenn man so will. Ich möchte es besitzen – und das trotz einiger durchaus vorhandener Makel. Denn das Galaxy S8 besitzt ein herausragendes Industriedesign und ist nach dem HTC One M7 das erste Smartphone seit Jahren, das ich auf sein Design bezogen als kompromisslos atemberaubend bezeichne.

Huch, so eine Liebeserklärung vom für seine übertriebene Penibilität und notorische Meckerei bekannten Frank? Nachdem ich das vorausgeschickt habe, ist es natürlich schwierig, die Perspektive zu einem objektiven Standpunkt zu wechseln. Aber natürlich kann ich nicht aus meiner Haut heraus, deswegen soll es ab hier sachlich zugehen. Zumindest überwiegend. Ich versuche es. Wirklich.

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Das Galaxy S8 ist groß und klein zugleich

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Klären wir zu Beginn gleich mal einen Irrtum auf, dem man in den Kommentarspalten und Foren oft begegnet. Dieser Irrtum betrifft die Größe des Samsung Galaxy S8. Denn das Gerät hat ein 5,8-Zoll-Display. Der Wert suggeriert gigantische Ausmaße, die kaum in Hosentaschen Platz finden. Stimmt aber nicht, denn das S8 besitzt ein Display mit dem ungewöhnlichen Displayverhältnis von 18,5:9. Das bedeutet, dass das Galaxy S8 ein Display hat, das im Porträtmodus gehalten überproportional höher ist als das der meisten anderen Smartphones mit dem traditionelleren 16:9-Displayverhältnis, und deswegen ist auch die Bilddiagonale größer als die bei anderen Geräten.

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In der Realität ist das Display vom Galaxy S8 genauso breit wie das vom Galaxy S7 mit seinem 5,1-Zoll-Display, nur eben etwa eine Daumenbreite länger. Dazu kommt, dass Samsung es geschafft hat, das Gehäuse merklich schmaler zu bauen als das des Vorgängers. Zusammen mit den seitlichen Rundungen fühlt sich das Galaxy S8 also sogar kompakter an als das S7 – das war die eine große Überraschung nach dem Auspacken des Galaxy S8.

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Dass Samsung sein Flaggschiff in diesem Jahr nicht mehr in Version mit planem Display anbietet – und dass, obwohl die Akkuprobleme des Galaxy Note 7 indirekt auf diese Bauweise zurückzuführen sind – deutet bereits an, dass der Hersteller genug Vertrauen in die eigene Fertigungstechnik und Qualitätssicherung hat. Das Konzept geht, zumindest was die Verarbeitung angeht, auf: Die ist nämlich makellos. Zur Akkusicherheit können wir aktuell nichts Anderes sagen als: Unser S8 ist nicht explodiert. Da das Samsung Galaxy S8 aber mittlerweile seine ersten Besitzer hat und wir bislang keine Berichte von irgendwie gearteten Selbstentzündungen im Netz gelesen haben, kann man dahin gehend wohl Entwarnung geben.

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Zwar bin ich weiter nicht davon überzeugt, dass sich nach unten verjüngende Displayränder einen irgendwie gearteten Vorteil in der Bedienung bringen, aber es sieht unbestreitbar sexy aus. Und weil die geschwungenen Glasränder vorne und hinten praktisch nahtlos in den Metallrahmen übergehen, fühlt sich dieser metalleingefasste Glasbarren in der Hand schlicht einzigartig an und sieht eines Premiumgerätes wahrhaft würdig aus.

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Der Preis der edlen Optik ist, dass das Galaxy S8 rutschig ist. Holt man es einen Tick zu hektisch aus der Hosentasche, gleitet einem der edle Telefonriegel schon einmal aus der Hand. Im Testzeitraum ist mir das bereits dreimal passiert, immerhin überstand das Gerät die Kollisionen mit Frontglas- und Rahmen-Bodenkontakt komplett unbeschadet. Zumindest anekdotisch können wir also den überraschend robusten Eindruck aus dem Falltest-Vergleich bestätigen. Was dauerhafte Schäden angeht, hat sich lediglich ein freches Sandkorn aus meiner Hosentasche auf der Rückseite mit zwei minimalen Kratzern verewigt. Trotz des offenkundig recht widerstandsfähigen Mantels aus Gorilla Glass 5 an der Vorder- und Rückseite empfehlen wir dennoch ein Case fürs Galaxy S8, um die Gefahr dauerhafter Schäden und die Rutschigkeit des Gehäuses signifikant zu mindern.

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Das Gehäuse ist wieder wasser- und staubdicht nach dem Industriestandard IP68. Das ist vorteilhaft nicht nur gegen Regenwasser und für etwaige, nicht näher zu schildernde, Unfälle am Wasserklosett, sondern auch um das Telefon gelegentlich mal unter den Wasserhahn zu halten. Denn die Glasrückseite ist natürlich auch ein Magnet für Fingerabdrücke und anderer Ekeligkeiten, derer man sich so hin und wieder entledigen kann.

Krieg der Knöpfe – Samsungs neue Buttons

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Eine der großen Änderungen des Galaxy S8 gegenüber seinen Vorgängern betrifft die Buttons. Genauer: Es gibt drei große Änderungen.

  1. Die zentralen Buttons zur Steuerung sind keine echten Buttons (Druckknopf und kapazitiv) mehr, sondern Software-Tasten. So können die Buttons frei konfiguriert werden und in Vollbild-Anwendungen wie Spielen einfach ausgeblendet werden. Der Software-Homebutton erhält dennoch haptisches Feedback, wenn man ihn stärker drückt.
  2. Beim Galaxy S5, S6 und S7 befand sich der Fingerabdrucksensor noch auf der Vorderseite, beim S8 wandert er nach hinten. Gerüchteweise wollte Samsung den Sensor eigentlich im Display integrieren, hat es aber aufgrund technischer Probleme nicht geschafft. Die Positionierung auf der Rückseite ist dann auch deutlich eine Notlösung: Dort hinzulangen ist unkomfortabel und man fasst immer wieder auf die Kameralinse. Zudem ist der Scanner nicht so genau wie beispielsweise bei Huawei. In der Konsequenz haben wir ihn nur noch selten benutzt – Iris-Scanner oder PIN-Eingabe sind dann doch schneller.
  3. Zusätzlich gibt es eine weitere Hardware-Taste auf der linken Seite unter der Lautstärke-Wippe. Mit der startet man den Bixby-Assistenten – dazu später mehr. In der täglichen Nutzung irritiert die Taste eher, als dass sie nützt, weil man die Lautstärke nicht mehr problemlos blind ertasten kann.

Abgesehen davon sind die seitlichen Tasten für Lautstärke (links) und Power (rechts) aber wieder ergonomisch optimal positioniert und bieten satte Druckpunkte. Hardware-Buttons sind überhaupt schon seit vielen Jahren eine Qualität von Samsung, die zu selten hervorgehoben wird: Ihr macht das gut, Samsung, weiter so!

Auf der nächsten Seite: Display und Software des Galaxy S8 im Test. 

bewertete "
Samsung Galaxy S8
" mit
90 von 100 Punkten
(26. April 2017)

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