Nanu, ein vergleichsweise altes Handy wie das Sony Ericsson Xperia X10 im androidnews-Test? Genau. Unser Ziel ist es, alle wichtigen Geräte seit 2010 mindestens einmal genauer betrachtet zu haben, weil uns wichtig ist, die Stärken und Schwächen der Geräte zu kennen. Bonus für euch: Ihr erfahrt, ob es sich lohnt, eines der älteren Geräte zu kaufen — entweder vom Gebrauchtmarkt oder als Schnäppchen auf dem Grabbeltisch. Wir fangen an in unserer „Oldies, but Goldies“-Reihe mit dem Sony Ericsson Xperia X10.

Sony Ericsson Xperia X10: Testbericht zum ersten SE-Androiden

Fakten

Das Sony Ericsson Xperia X10 kam im April 2010 auf den Markt. Für diese Zeit war das Gerät üppig ausgestattet: 1GHz Snapdragon CPU, 4-Zoll-Display, 1 GB interner Speicher, eine 8,1 MP-Kamera und ein 1500 mAh-Akkuließen das erste Android-Smartphone von Sony Ericsson veritabel aus der Masse herausstechen. Warum das X10 jedoch bei weitem nicht den Erfolg wie das beinahe gleichzeitig erschienene HTC Desire hatte, klären wir hier.

Hardware

Das Xperia X10 macht einen soliden Eindruck. Das Gehäuse wirkt im Vergleich zu anderen 4-Zoll-Phones etwas klobig, ist jedoch gut verarbeitet. Der Akkudeckel aus gummiertem Plastik sitzt fest, die Vorderseite ist eine durchgehende Glasfront. Es. Ein Lob gebührt Sony Ericsson für die Hardwaretasten, die durchgehend angenehme Druckpunkte besitzen. Die Leuchten zwischen den Hardwaretasten unten am Gerät haben keine Funktion, wirken aber edel. Wichtiger ist die Benachrichtigungsleuchte an der Oberseite, die über eingehende Mails, verpasste Anrufe und mehr informiert — sehr praktisch.

Das 4-Zoll-Display mit LCD-Display ist standardmäßig etwas dunkel und zieht bei schnellen Bewegungen Schlieren. Wer AMOLED-, SuperAMOLED- oder eines der neueren LCD-Displays gewöhnt ist, fühlt sich beim X10 ein bisschen an britische Fernsehserien der 1970er Jahre zurückerinnert. Das größte Manko der Display-Hardware ist jedoch nicht die Optik. Die große Enttäuschung am X10 ist die Tatsache, dass der Touchscreen zwar kapazitiv ist, aber kein Multitouch unterstützt. Das macht die Bedienung in diversen Apps zur Qual. Spiele mit On-Screen-Controls kann man vergessen, in Google Maps und im Browser muss man mit den Schaltflächen zoomen. Zwar tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass Sony Multitouch-Unterstützung per Software nachliefern möchte, aber das glauben wir erst, wenn sie da ist. Dieser Aspekt des X10 und den Schwestermodellen ist schlicht ärgerlich und war auch bei Erscheinen des Handys nicht zeitgemäß.

Positiv ist wiederum die Kamera, die für eine Handykamera hervorragende Fotos macht. Der LED-Blitz ist sehr hell, seit dem Update auf Android 2.1 können sogar HD-Videos ind 720p-Auflösung aufgenommen werden. Ein weiteres Highlight in unserem test war der 1500 mAh-Akku, der das Sony Xperia X10 durchaus 2 Tage bei normaler Nutzung mit Saft versorgen konnte.

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Software

Sony Ericsson hat das X10 mit Android 2.1 ausgestattet, auf ein offizielles Froyo- oder gar Gingerbread-Update hofft man wohl vergeblich. Bastelwillige User können aber ihr X10 per Custom Rom auf Froyo upgraden. SE liefert mit dem X10 eine eigene Benutzeroberfläche namens UX mit, die unaufdringlich ist und vor allem über eigene Widgets verfügt. Nett, aber kein Grund, sich nicht den Launcher Pro zu installieren. Zudem werden diverse gebundelte Apps mitgeliefert. Timescape ist eine SocialHub-artige App, die aktuelle Neuigkeiten aus den Social Networks bündelt, in denen der Nutzer angemeldet ist, sowie SMS und E-Mails. MediaScape ist ein erweiterter Mediaplayer. Daneben ist Wisepilot integriert, eine Navigationssoftware für Android und diverse andere Apps. Nett, aber nichts Weltbewegendes. Bei uns überwog beim Testen der Ärger darüber, dass man die Software nicht auf Wunsch deinstallieren kann den Vorteil vorinstallierter Apps. Liebe Hardware-Hersteller — hört bitte endlich auf, Crapware zu bundlen oder macht diese zumindest auch für Ottonormalnutzer deinstallierbar.

Fazit

Der Gesamteindruck des Xperia X10 ist durchwachsen. Das Fehlen von Multitouch ist ein großes Ärgernis, das — hoffentlich lehnen wir uns jetzt nicht zu weit aus dem Fenster — für viele Android-Fans einen Nicht-Kaufgrund darstellen dürfte. Das mittelmäßige Display ist hingegen verschmerzbar. Die gute Leistung, prima Verarbeitung, sowie die stimmig wirkende Verbindung von Hard und Software entschädigen sogar recht gut. Wir raten: Abwägen. Bei einem derzeitigen Preis von etwa € 320,- ohne Simlock und Vertrag (), der im Zuge der neuen Xperia-Generation sicher noch etwas fallen wird, könnte das X10 zu einem Schnäppchen-Geheimtipp werden.

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