NostalGIGA Folge 12 - Das Schwarze Auge - Die Nordlandtrilogie

Jonas Wekenborg
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Ohne behaupten zu wollen, dass ich bei Spielen viel Wert auf eine gute Grafik lege – Wow, manche Klassiker sind echt hässlich. Da ist es immer wieder gut, wenn man sich statt an einer übertriebenen Grafik-Engine an einer handfesten durchdachten Story labt. Und genau damit punktete Das Schwarze Auge Anfang der Neunziger mit der Nordlandtrilogie.

NostalGIGA Folge 12 - Das Schwarze Auge - Die Nordlandtrilogie

Wie ging es los?

Im Jahr 1992 entschied sich der deutsche Spiele-Entwickler Attic das überaus erfolgreiche Pen&Paper-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ als Computerspiel zu produzieren. Auf dem PC und dem Amiga hatten Hobbyhelden endlich auch ohne Anschluss an eine Real-Life-Heldengruppe die Möglichkeit, Abenteuer in Aventurien zu bestreiten. Das komplexe Rollenspiel war so erfolgreich, das zwei Jahre später „Schattenschweif“ und 1996 schließlich „Schatten über Riva“ folgten und das Ganze zu einer Trilogie, der „Nordlandtrilogie“, abgerundet wurde. Der Erfolg wurde zudem bis in die USA hinübergetragen, wo Sir-Tech das Spiel unter dem Namen „Realms of Arkania“ vertrieb.

Was ich geliebt habe?

Endlich Held sein. Das ist ein Traum, den sich heutzutage jeder Gamer selbst erfüllen kann. Damals noch eine Seltenheit. Und wer im Besitz eines PCs war, konnte so erstmalig mit einer Gruppe Abenteurer losziehen, ohne ständige Unterbrechungen wie „Muss mal eben auf Klo“ oder „Mama, bringst du noch ein paar Snacks“ hinnehmen zu müssen.

Der Weg zum wahren Heldentum war lang und beschwerlich. „Die Nordlandtrilogie“ setzte die 3. Edition des DSA-Regelwerks  fast eins zu eins um, daher konnte ich mich als Pen&Paper-Spieler sofort damit identifizieren. Außerdem waren reine Textabenteuer endlich Geschichte. Damals fand ich das Ganze sogar total schön und hatte den Soundtrack eine ganze Zeit lang auf meinem WalkMan™.

Was ich gehasst habe?

Sterben. Wer hasst es nicht zu sterben? Bei jeder Rast musste eigentlich gespeichert werden, da der potentiell folgende Kampf oft tödlich endete. Überhaupt waren die Kämpfe brechend schwer. Allein eine Konfrontation mit ein paar Käfern konnte die Gruppe an den Rand des Ablebens treiben. Und in den computergesteuerten Kämpfen waren die Recken meist extrem planlos und dem Tode geweiht. Außerdem waren da noch die etlichen Krankheiten, Gifte und ausweglosen Fallgruben in Dungeons.

Das Reisesystem nervte zudem durch seine überrealistisch dargestellte Zeitbeschleunigung und die stetig wiederkehrende Optionen-Abfrage: Reisen-Rasten-Wache aufstellen-Reisen-Rasten- Wache aufstellen: Eine ewige Leier.

FunFact:

Als ich noch nicht im Besitz eines eigenen PCs war, saß ich oft tagelang nach der Schule zuhause und habe Bögen mit Charakteren kreiert und gegen alle möglichen Ungeheuer gekämpft. Wenn ich dann mal zu meinem Kumpel gefahren bin, um DSA am Rechner zu zocken, war ich extrem gut vorbereitet, was mir der PC aber leider nie vergolten hat.

Das Erbe:

Während die Nordlandtrilogie von der deutschen P&P-Fangemeinde gefeiert wurde, wurde das Spiel mit Verweis auf den amerikanischen Konkurrenten „Daggerfall“ als veraltet und nicht mehr zeitgemäß eingestuft.

Anfang des neuen Jahrtausends erschien „Das Schwarze Auge: Drakensang“, das anfangs große Freude unter den Fans entfachte, spätestens aber nach dem Add-On „Am Fluss der Zeit“ und der Insolvenz Radon Labs wieder verloren geglaubt schien. Auch „Drakensang Online“ entfernte sich mehr von der ursprünglichen Spielidee als sich ihr wieder zu nähern. 2008 kündigte Silver Style Entertainment die Übernahme von „Demonicon“ an, das deutlich actionlastiger werden sollte, dafür aber bis heute nicht erschienen ist.

Aus „Legenden der Magierkriege“ wurde nach der Trennung von Infrogrames schließlich nicht, wie Gerüchte behaupten, „Divine Divinity“, es finden sich aber Anlehnungen an die Idee im Spiel wieder. Ikarion machte schließlich Publisher JoWood dafür verantwortlich, dass „Armalion“ niemals erschien, veröffentlichten es schließlich aber etwas verspätet als „Sacred“, mit dem sie sicher mehr Erfolg hatten.

Nun warten Fans auf das Adventure „Satinavs Ketten“ und dem Action-Abenteuer „Herokon“, den vielleicht letzten Erben des Schwarzen Auges. Aber uns bleibt ja immer noch Pen&Paper.

Weitere Themen: Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten, Das Schwarze Auge: Demonicon, Das Schwarze Auge - Saat des Zorns

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