Anonym surfen: So bewegt man sich unerkannt im Internet

Marco Kratzenberg

Schon lange vor dem Überwachungsskandal um NSA und Co hatten Menschen das Bedürfnis, anonym im Internet zu surfen. Natürlich waren immer auch einige Gauner darunter, aber die meisten sind ganz normale Zeitgenossen, die einfach ihre Privatsphäre erhalten wollen.

Anonym surfen: So bewegt man sich unerkannt im Internet

Das Ergebnis solcher Bemühungen sind weltumspannende Netze wie etwa das Tor Project. Hier werden anonyme Server zwischengeschaltet, wenn man im Internet surft. Doch ist das Projekt weitgehend spendenfinanziert und beruht auf viel freiwilliger Mitarbeit. Es gibt so viele Nutzer dieses Netzwerks, dass die Surfgeschwindigkeit durch die blanke Masse der User stark herabgesetzt wird. Und so surft man mit Tor zwar meist versteckt, aber im Schneckentempo. Kommerzielle Anbieter wollen eine ähnliche Anonymität, doch einen wesentlich schnelleren Datentransport bieten.

Anonym surfen gegen Gebühren: VPN Anbieter

Das Problem des Tor Netzwerks liegt in der Diskrepanz zwischen der Anzahl der User und der Anzahl der zur Verfügung stehenden Server. Wenn – sinnbildlich gesagt – 12 Millionen Menschen gleichzeitig über 150 Server anonym surfen wollen und diese auch noch weltweit verteilt sind, dann wird’s ein bisschen eng. Das Ergebnis sind Surfgeschwindigkeiten wie zur Zeit der analogen Modems.

Da aber viele der Tor Nutzer nicht für einen kommerziellen Dienst ähnlicher Ausprägung zahlen wollen oder können, haben diese Dienste auch wesentlich weniger Kunden. Gleichzeitig zahlen diese Kunden aber Geld, was dafür sorgt, dass die Hardware in ausreichendem Maße angeschafft werden kann. Und das wiederum sorgt dafür, dass die Kunden fast ohne Tempoverlust durchs Internet rauschen – bei voller Anonymität.

Es gibt mehrere solcher Anbieter, die dieses Geschäft schon seit ein paar Jahren betreiben. Während viele Nutzer solcher Dienste früher relativ naiv an die Sache herangingen und sich einfach einen Anbieter suchten, der irgendwie vertrauenswürdig schein und gleichzeitig Support im eigenen Land bot, sehen die Wahlkriterien heute schon anders aus. So ist z.B. erst jetzt vielen Menschen klar geworden, dass die US-Geheimdienste auf alle Server voll zugreifen dürfen, der in den USA gehostet wird. Und einige Presseartikel decken auf, dass auch die Telekom mit dem FBI seit 10 Jahren einen Vertrag hat, der den Einblick in Serverdaten sichert. Also werden jetzt Anbieter gesucht, die den Spagat zwischen Vertrauenswürdigkeit und rechtlich unerreichbarem Hosting schaffen.

Einer dieser Anbieter, der sich seit Jahren eine guten Rufs erfreut, ist der Anbieter CyberGhost VPN. Die Firma sitzt in Rumänien und ihre Server sind auf der ganzen Welt verteilt. Der Nutzer kann ich entweder automatisch verbinden lassen, oder manuell aussuchen, welchen der Server er nutzen will. Die Verbindung erfolgt über einen eigenen VPN Client, der gleichzeitig einen virtuellen Netzwerktreiber installiert.

 

Nun verschlüsselt der Client den Verkehr vom PC zum Anonymisierungsserver und dort geht es dann mit einer anderen IP weiter. Zurück wiederholt sich die Prozedur. Also kann der Datenverkehr zwischen PC und VPN-Server nicht abgehört werden. Weder der Provider noch irgendwelche Mithörer sehen, welche Seiten ich besuche, was ich da downloade oder schreibe. Und auch die Seitenbetreiber sehen durch die anonyme IP nicht, wer sie da besucht – solange ich mich dort nicht mit eindeutigen Daten wie dem Namen, der Emailadresse und der Postadresse anmelde.

Es empfiehlt sich also durchaus, einen Service wie CyberGhost VPN zu nutzen. Doch dann muss die Sicherheit weitergehen. Also sollte man sich für Logins eine weitere Identität zulegen. Vom Namen über die Emailadresse bis hin zu irgendwelchen Avataren muss man ein zweites, ein Online-Leben führen.

Anonym geht auch kostenlos: Das Tor Netzwerk

Wie bereits erwähnt, gibt es kostenlose Möglichkeiten zur Anonymität. Sie funktionieren nachweislich. Sind aber ebenso nachweislich nicht hundertprozentig sicher. Auch Tor-User kann man abhören. Trotzdem vertrauen täglich viele Millionen Menschen dem Netzwerk und in manchen Ländern bedeutet das heutzutage, sie vertrauen ihm ihr Leben an.

 

Das Tor Browser Bundle soll uns dabei unterstützen. Es handelt sich um ein Softwarepaket, das neben einem portablen Firefox-Browser alles enthält, um sich mit dem Tor-Netzwerk zu verbinden uns ab sofort anonym zu surfen. Gerade wenn man diese Art des Versteckspiels nur gelegentlich braucht, wird man über die langsame Verbindung sicherlich hinwegsehen können. Die Benutzung ist dank dieses Paketes einfach und da es außerdem portabel ist, also vom USB-Stick betrieben werden kann, stellt es eine praktikable Lösung dar. Einmal gestartet, wird man sofort mit dem Netzwerk verbunden. Eine Überprüfung der IP zeigt dann auch, dass man anonym unterwegs ist. Nur auf einen Geschwindigkeitstest sollte man verzichten, der denn treibt einem die Tränen in die Augen.

Anonymizer für Zwischendurch

Will man nur mal eben eine Webseite besuchen und möglichst wenig von sich preisgeben, dann empfehlen sich Anonymisierer, genannt Anonymizer. Das sind Webseiten, auf denen man seine Ziel eingeben kann und dann wird diese Anfrage, ähnlich wie bei Tor oder einem VPN, über einen Anonymisierungsserver geleitet. Das Ergebnis wird dann in einem Browser-Frame präsentiert. Einige verräterische Features, wie etwa JavaScript, kann der Nutzer dabei deaktivieren und sogar gefälschte Browserkennungen sind möglich.

Für lange Surfsitzungen ist so etwas nichts. Abgesehen davon, dass keine hundertprozentige Anonymität geboten wird, nutzen solche Anbieter den Bildschirm auch noch zur Einblendung von Werbung und haben vermutlich auch einen Nutzen von diesem Dienst. Seiten wie SmartHide, Hide My Ass und andere taugen also bestenfalls für den kleinen Streich zwischendurch. Von Datensicherheit kann hier auf keinen Fall die Rede sein. Wollt ihr auch unerkannt Kurznachrichten schreiben, lest unseren Artikel: Anonym SMS versenden: So schickt ihr kostenlos und heimlich Botschaften.

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