IP finden und Besitzer orten - So geht's!

Marco Kratzenberg
25

Man kann den Benutzer einer IP-Adresse finden und orten, wo er sitzt. Das ist gar nicht so schwer. Hier ein paar Tipps für Euch, wie Ihr zumindest herauskriegt, von wo ein User ins Internet geht.

Video: Willst du ein Smartphone orten, geht das nur schwer über die IP. In diesem Video stellen wir dir einige Apps dazu vor.

118.419
Smartphone orten

Sobald ich in das Internet gehe, bekomme ich von meinem Provider eine IP-Adresse zugewiesen. Anhand dieser Nummer, der Uhrzeit und des Datums bin ich identifizierbar... theoretisch.

Die eigentlichen Probleme fangen schon damit an, dass hier vier Rechner und drei Smartphones am Internet hängen, die alle dieselbe IP-Adresse bei meinem Provider haben. Wer also hat die E-Mail wirklich geschrieben, oder in einem Forum etwas Beleidigendes verbreitet? Wie man sehen kann, ist die Identifizierung von Personen anhand der IP-Adresse sehr schwer.

15.009
Steganos Online Shield VPN für Mobilgeräte

Vorarbeit: Die IP-Adresse herausfinden

Erst muss man eine IP-Adresse finden, bevor man sie orten kann. Wurde man per E-Mail belästigt, dann wird in der Regel die IP des Verursachers gleich mitgeliefert. Sie findet man im sogenannten Mailheader. Darin befinden sich Daten, die ein Mailprogramm zur Identifikation und Beantwortung braucht. Um daran zu kommen, müsst Ihr den Nachrichten-Quelltext öffnen, den Ihr in Thunderbird beispielsweise mit der Tastenkombination Strg + U öffnet, wenn Ihr in der E-Mail seid.

Dort muss man nun suchen. Das ist manchmal gar nicht so leicht und man findet gleich mehrere infrage kommende IP-Adressen. Es hilft, z.B. nach Schlüsselworten wie “permitted sender” zu suchen und die IP-Adresse daneben auszuprobieren.

Schwieriger wird es, wenn man selbst keine Daten hat, in denen man eine IP-Adresse herausfinden kann. Wenn also z.B. jemand in einem Gästebuch oder Forum miese Kommentare hinterlassen hat, auf das man keinen Zugriff hat. Der Besitzer dieses Forums kommt in der Regel problemlos an die IP-Adresse und oft genug auch an eine E-Mail-Adresse. Wenn es sich um handfeste Beleidigungen handelt, dann kann man nur noch die gesetzlichen Mittel ausschöpfen und eine Anzeige machen. Und auch das hat nur Sinn, wenn der Betreiber des Forums im eigenen Land sitzt. Doch manchmal hat man ja Glück und die IP-Adresse des Beleidigers steht direkt an seinem Post.

Eine IP orten mit Geolocation

Oft reicht es ja schon, wenn man einigermaßen eingrenzen kann, wo jemand wohnt, dessen IP ich gefunden habe. Aber dazu eins gleich vorab: Der Einzige, der einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer IP-Adresse und einem Internetanschluss bis zu einer Wohnung herstellen kann, ist der Provider. Und die Einzigen, die eine solche eindeutige Adresszuordnung anfordern dürfen, sind die Rechtsorgane eines Landes. Und auch das nicht endlos lang, da der Provider solche Daten nicht dauerhaft speichern darf. Findet man also in einem Internetforum oder Gästebuch eine beleidigende Äußerung und zufällig auch eine IP-Nummer dazu, dann darf dieser Eintrag nicht zu alt sein, wenn man ihn strafrechtlich verfolgen will.

 

Was hingegen immer möglich ist, ist die Chance, den ungefähren Ort einer IP zu finden – zumindest einigermaßen. Es existieren nämlich umfangreiche Datenbanken, die IP-Bereiche der verschiedenen Anbieter ihren Verteilungsgebieten zuweisen können. Und diese Datenbanken nutzen verschiedene Internetanbieter, um uns zu präsentieren, wo ein “IP-Inhaber” wohnt oder arbeitet. Allerdings muss man berücksichtigen: Je kleiner der Ort, desto schwieriger ist er zu lokalisieren. Manchmal umfasst nämlich ein IP-Bereich gleich eine Handvoll kleiner Orte und dann weiß man nur ungefähr, wo der Verursacher zu finden ist.

Ausprobieren kann man das z.B. mit der IP-Lokalisierung von Maxmind. Dort gebe ich einfach eine IP-Adresse ein und klicke auf “Abschicken”, sofort wird mir der Ort angezeigt, der hinter dieser IP steckt. Manchmal ist sogar die Postleitzahl zu sehen und sogar Angaben dazu, welche Firma die IP gemietet hat. Doch in der Regel endet hier die große Verfolgungsjagd, denn alle 24 Stunden bekommt man in Deutschland als normaler Internetkunde eine neue IP und selbst intensive Googlerecherche würde dann schlimmstenfalls jemanden finden, der diese IP ein paar Tage früher oder später hatte.

Will ich generell über eine IP etwas mehr erfahren, dann kann ich eine Whois-Anfrage stellen. Dafür gibt es verschiedene Seiten, wie etwa WhoISrequest, die mir unkompliziert Auskunft geben. Da kann man dann z.B. auch sehen, wem die IP der Wikipedia gehört und welche Server sie nutzt.

IP lokalisieren: Den Täter finden und dingfest machen

Auch wenn wir eine IP-Adresse finden und orten können: Die deutsche Gesetzeslage regelt den Auskunftsanspruch zu den Daten eines Anschlussinhabers sehr eindeutig. Generell sind nur Ermittlungsbehörden wie Polizei und Staatsanwaltschaft berechtigt, bei einem Provider die Daten eines Anschlussinhabers einzuholen. Und das in den meisten Fällen auch nur, wenn eine richterliche Anordnung vorliegt. Die wiederum wird nur dann erteilt, wenn eine nachweisbare Straftat vorliegt. Ein Privatmann hat beispielsweise bei beleidigenden Äußerungen oder Fotos in einem Forum keinerlei Auskunftsanspruch. Er muss eine Anzeige machen. Generell kann man schon mal einiges über den Anschlussinhaber herausfinden,

Bei Urheberrechtsvergehen gehen die Behörden allerdings wesentlich gründlicher vor, als das bei solchen Beleidigungen der Fall ist. In der Regel wird man nur sehr schwer an die Verursacherdaten kommen. Ein weiteres Problem ist die rechtliche Lage hinsichtlich der Speicherdauer der Daten. Will man eine IP orten und den Anschlussinhaber einer IP finden, dann muss die zugrunde liegende Tat sehr frisch sein und eine Anzeige muss sofort erfolgen. Die Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung hätten alle Provider verpflichtet, solche Daten zwischen mindestens 6 und höchstens 7 Monate zu speichern. Doch das wurde vom Bundesverfassungsgericht als illegal bewertet und untersagt. Nun speichern die meisten Provider solche Daten nur noch eine, höchstens aber ein paar Wochen. In der Regel so lange, wie sie zu einer nachweisbaren Monatsabrechnung notwendig sind. Bei einer (üblichen) Flatrate sind solche Daten völlig unnötig und werden kaum noch gespeichert.

Eine IP-Adresse orten, wenn sich der Täter versteckt hat

Schon bevor bekannt wurde, dass die amerikanische NSA das weltweite Internet ausschnüffelt, gab es Dienste, mit denen man seine IP verstecken konnte. Im einfachsten Fall nutzt man dazu eine Seite wie Hide My Ass. Dort gibt man einfach die Seite ein, die man eigentlich besuchen will und dieser Service lädt diese Seite ein einem Frame. Der Zielseite wird – statt der eigenen IP – etwa die IP 67.159.36.26 vorgegaukelt und die gehört zu einem amerikanischen Server. Wenn ich nun einen beleidigenden Gästebucheintrag loswerden will, bin ich anhand der IP nicht zu orten.

Will ich es etwas professioneller und nicht nur ab und zu, dann kann ich einen der vielen kommerziellen VPN-Dienste in Anspruch nehmen. Für ein paar Euro im Monat wird sämtlicher Internetverkehr nun über die Server des Anbieters geroutet. Das geschieht bei guten Anbietern ohne merkliche Verzögerung. Und überall auf der Welt, egal ob in E-Mails , auf Webseiten oder Servern werde ich nicht mehr eindeutig identifiziert. Nur noch eine anonyme Serveradresse wird angezeigt und der Anbieter selbst speichert keine IP-Daten. Stößt man auf solche IP-Adressen, dann ist jegliche weitere Verfolgung witzlos – auch für den Staatsanwalt.

Was man über eine IP herausfinden kann – IPNetInfo

Manchmal reicht es ja schon aus, ungefähr zu wissen, wo eine IP ungefähr zu suchen ist. Wenn ich sehe, dass es sich eigentlich um einen Server in Brasilien handelt, dann ist mir schon klar, dass jeglicher Verfolgungsversuch in die Leere laufen wird. Für erste schnelle Informationen gibt es Tools wie IPNetInfo. Dort können wir eine oder mehrere IPs eingeben und erhalten dann grundlegende Infos über den Provider bzw. den Anbieter der Server.

OK, das ist jetzt nicht der Superhammer. Im Gegensatz zu zur Geolocation sehe ich hier keine Ortsbezüge. Aber ich sehe z.B. den Provider. Wenn da so etwas wie Arcor oder Telekom steht, dann weiß ich zumindest, dass ich hier eine Chance der Strafverfolgung habe. Danach kann ich dann ja immer noch die IP-Ortung der ersten Artikelseite aufrufen und mir den Ort suchen.

Mehr zum Thema:

Weitere Themen: HideMyAss, Nirsoft

Neue Artikel von GIGA SOFTWARE