Wie sinnvoll sind Task Manager für Android?

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In den 90′ern hat man uns fast dogmatisch eingetrichtert, dass voller Arbeitsspeicher böse ist und ein leerer Arbeitsspeicher das beste ist, was einem PC nur passieren könnte. Diese Weisheiten haben sich bis heute fest in die Köpfe der Menschen weiter getragen und wurde so auch für Android übernommen. Das ist aber vollkommen falsch und wir klären auf, warum das so ist.

Wie sinnvoll sind Task Manager für Android?

Um Windows 98 oder Windows 2000 sofort etwas schneller zu machen, haben viele einfach den größten Prozess im Taskmanager beendet, der RAM-hungrig allen Arbeitsspeicher gefressen hat. Das ist eine Lösung, die sich auf moderne Betriebssysteme nicht mehr übertragen lässt.

Task Manger: Der Griff in den Android Lifecycle

Der Android Lifecycle ist eine schematische Beschreibung einer App oder die Aktivität einer App im Betriebssystem von Android. Dieses Konzept lässt sich auf jede Android-App anwenden und hat allgemeine Gültigkeit. Im Android Lifecycle ist fest vorgeschrieben, wann eine App startet, wann sie tatsächlich läuft, wann ihr Status eingefroren wird, wann sie pausiert wird, wann sie angehalten wird und wann sie final beendet wird. Diese Lebenszeit jeder App ist notwendig, damit der Arbeitsspeicher optimal ausgenutzt wird und nicht jede App gleichzeitig neben jeder anderer Aktivität arbeitet. So entsteht ein organisches Zusammenspiel vieler Prozesse um ein flüssiges Multitasking zu gewähren.

Ein Android Task Manager greift in diesen Lifecycle ein. Während eine App nur pausiert war, wird nun vom System erzwungen, dass diese App sofort aus dem Arbeitsspeicher fliegt. Beim nächsten Start wurden einige Daten gelöscht und diese unsaubere Variante des Beenden eines Prozesses, produziert immer Probleme mit der Verwaltung des Dalvik-Caches.

Das heißt aber auch, dass freier Arbeitsspeicher nicht gleich etwas gutes ist. Android basiert auf dem Konzept, dass gerade so viel freier Arbeitsspeicher vorhanden ist, wie das Starten einer App benötigen könnte und so wenig Arbeitsspeicher wie möglich von anderen Apps verbraucht wird.

Eine App möchte gerne nur pausiert werden, da sie damit sofort wieder verfügbar sein kann, wenn man sie gerade braucht. So müssen nicht sämtliche Daten erneut geladen werden. Verbraucht ein Spiel eine große Menge Arbeitsspeicher und wird nur pausiert, dann muss nicht jedes Element beim erneuten öffnen geladen werden.

Das Gegenzug bedeutet das, dass die Dalvik-VM im Hintergrund immer etwas mehr Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen lässt und gegebenenfalls neuen Platz im RAM freigibt indem andere Apps beendet werden. Dabei schreibt die Virtual Machine vor, wie der RAM verwaltet wird. Ein Task Manager greift in diesen Prozess ein und kann damit sinnlose Filedumps in der Dalvik-VM verursachen, die dann zu unsinnvoll genutzten Arbeitsspeicher führen.

Task Manager unter Android: Aus heutiger Sicht kein Zweck mehr

Mit den Multitasking-Features von Android, können seit Android 3.0 die Apps mit einem Wisch aus dem System geschmissen werden. Während ein Task Manager in das Android-Ecosystem eingreifen, wird hier ein Befehl über die Dalvik-VM ausgeführt, welche den Prozess endgültig beendet und mehr Arbeitsspeicher für laufende Prozesse freigibt. Nur weil leerer RAM auf dem Papier ganz gut klingt, heißt es das noch lange nicht.

Im Fazit heißt das: Alle Geräte mit der Versionsnummer 2.x oder niedriger können einen Task Manager unter Android benutzen, wenn eine App abstürzt oder sich in einem schwarzen Bildschirm festhängt. Für alle anderen Geräte ist ein Task-Manager obsolet durch die Features des Android-Systems.

Was tun gegen Akkufresser?

Auch der Multitasking-Switcher mit Android 4.0 ist nicht das Allheilmittel für alle Prozesse, denn es gibt immer wieder Apps die im Hintergrund nicht pausiert werden möchten oder jederzeit einen anderen stromfressenden Prozess ausführen wollen. Für alle User ohne Root gibt es dagegen nur eine wirkliche Möglichkeit: Die App gnadenlos löschen.

Für all diejenigen, die ihr Smartphone gerootet haben, gibt es “autostarts”. Mit autostarts können die Events geändert werden, wann eine App aktiv werden darf oder eben nicht. Mit dieser App gelangt man über die volle Kontrolle, wann eine App mitschreiben darf oder eines ihr Activities starten darf.


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