007 Legends Test – Ein Quantum Fallobst

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Es ist schon ein bisschen paradox, wenn man James Bond im Kino seit geraumer Zeit zu modernisierter Hochform auflaufen sieht, im Spielesegment aber seit Jahren zusehen muss, wie eine einst so große Marke mit Füßen getreten wird. Was mit „Goldeneye“ legendär begann, war mit ‘Quantum of Solace’ gerade noch ‘okay’, bei ‘Goldeneye Reloaded’ bereits richtig mies. Und jetzt? Ist der Tiefpunkt erreicht.

Man muss sich nicht einmal sonderlich lange mit der Spielmechanik von „007 Legends‘ auseinandersetzen, um zu verstehen, dass hier so einiges im Argen liegt. Die Trailer ließen hinsichtlich der grafischen Güte ja bereits Einiges erahnen, das finale Spiel unterbietet diese Erwartungen aber dann doch spielend: technisch dürfte das hier Gebotene zum miesesten gehören, was das Jahr 2012 bisher zu Tage gefördert hat.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: „007 Legends“ ist nicht einfach nur hässlich, es ist – gemessen an sämtlichen Standards der letzten fünf (!!) Jahre – schlichtweg eklig. Texturen sind nicht einfach nur verwaschen, nein, sie scheinen aus einer einzigen farbigen Fläche zu bestehen. Kanten flimmern, Schatten sowieso. Tearing und Ruckler sind sowieso Pflicht für ein Lizenzspiel, Levels und Objekte sind detailarm, Effekte kann man kaum als solche ausmachen.

Dass die Ladezeiten dennoch länger sind, als bei jedem anderen Titel, den wir in den letzten 24 Monaten in die Hände genommen haben, setzt der Farce dann nur noch die Krone auf – egal, wie gut „007 Legends“ nach diesen ersten Schrecksekunden geworden wäre, nichts, auch die beste Spielmechanik nicht, rechtfertigt eine derartige Zumutung. Zum Glück, müsste man fast sagen, bestätigt der anhängende Gameplay-Appendix die frühen Eindrücke, denn der Rest vom Spiel ist ähnlich minderwertig.

Die Schießereien spielen sich undynamisch, das Gunplay wirkt unglaublich betagt, wenig druckvoll oder zeitgemäß. Waffensounds klingen blechern, das Upgrade-System, mit dem man Aufsätze oder sonstige Gimmicks gegen Erfahrungspunkte kauft, hat spielerisch keinerlei Auswirkungen. Die KI ist idiotisch, eine Physik fehlt beinahe völlig, das Zielen ist zu schwammig.

Zum Glück ist das Leveldesign derart hässlich, uninspiriert, schlauchig und monoton, dass derartige Mankos in der allgemeinen Tristesse irgendwann untergehen und sich zu einem grauen Brei aus Mittelmaß formen. Wenn Bond dann den x-ten Raum betritt, in dem er 20 Klonsoldaten töten und irgendeinen Trigger übertreten muss, dann regt man sich darüber irgendwann nicht mal mehr auf.

Eine Story hat sich Entwickler Eurocom netterweise gleich gespart, so wird das Spielerlebnis nicht länger als nötig. Als roter Faden dient ein Unfall, der dazu führt, dass Daniel Craigs Bond sich in frühere Abenteuer hineinträumt. In der Folge ballert ihr euch durch „Moonraker“, „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, „Lizenz zum Töten“, „Goldfinger“ und „Stirb an einem anderen Tag“. Eine „Skyfall“-Episode soll folgen, allerdings erst später, als DLC – dafür war wohl dann keine Zeit mehr.

Fazit
„Keine Zeit“ ist dann auch ein gutes Stichwort für die abschließende Beurteilung: Hinten und vorne merkt man diesem allein aus Gier genährten Produkt an, dass es rechtzeitig zum Kinostart fertig werden musste. Hauptsache der Rubel rollt, die Marke „James Bond“, deren Integrität und Wertigkeit, sind dabei egal. Die Fans ja sowieso. Die werden schon nichts sagen, wenn man ihnen zum Activision-Vorzugspreis von 70 Euro ein Spiel unterjubelt, das technisch eine bodenlose Frechheit ist und spielerisch nie dem Mittelmaß entsteigt.

Auf der Habenseite stehen hier lediglich der schöne Originalsoundtrack und die teils sehr abwechslungsreichen Missionen und technischen Gimmicks. Aber auch die sind allesamt nur halb zu Ende gedacht. Fahrmissionen steuern sich grässlich, Nahkämpfe sind in ihrer trägen Abfolge irgendwann todlangweilig und selbst der Einsatz des Allround-Smartphones nervt irgendwann.

„Keine Zeit“ ist es also, die ihr diesem Spiel zu Teil werden lassen solltet. Kauft euch das vier Jahre alte „Ein Quantum Trost“, das sieht genauso aus, spielt sich deutlich besser und kostet gebraucht gerade mal 10 Euro. Vielleicht merkt man im Hause Activision dann irgendwann, dass sich selbst hartnäckige Bond-Fans nicht endlos verarschen lassen...

Wertung: 59%

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