Alan Wake’s American Nightmare Test: Rewriting Reality

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Über fünf Jahre lang war Alan Wake in Entwicklung, bei Alan Wake’s American Nightmare hat man das Ganze einfach mal auf rund zwei Jahre heruntergeschraubt. Remedy betonte dafür aber auch mehrfach, dass es sich beim neuen Spiel nicht um ein vollwertiges Sequel, sondern ein Download-exklusives Spin-Off handelt. Sicher kein gutes Zeichen, oder?

Wer von Alan Wake in Sachen Spielzeit etwas enttäuscht war, der dürfte bei American Nightmare recht zufrieden sein. Zwar kann man die Story in nur etwa 5 Stunden bewältigen, doch der erfrischende – wenn auch nicht gerade innovative – Fight Till Dawn-Modus steigert das Spielvolumen noch einmal. Und nicht zu vergessen: Der Preis beträgt diesmal nicht 60€, sondern nur rund 15€.

Erneut schlüpft man in die Rolle des Schriftstellers Alan, diesmal findet sich dieser in einer von ihm selbst geschriebenen Episode der fiktiven TV-Serie Night Springs wieder. “Alan Wake’s American Nightmare” schließt zwar direkt an den Vorgänger an, liefert aber eine zum Großteil unabhängige Story, die durchaus überzeugt. Komplette Neueinstiger könnten zu Beginn allerdings einige Probleme haben, die grundlegende Thematik zu verstehen – zum Glück wird dieses Manko im Verlauf des Spiels insbesondere durch die Manuskriptseiten ausgeglichen.

Leider sind die neuen Charaktere – übrigens allesamt weiblich – ein wenig blass. Die Konfrontationen mit Alan wirken ein wenig steif und beinahe unmotiviert – das trägt zwar zum B-Movie Charme bei, stört aber die sonst gelungene Präsentation.

Genug kritisiert, denn den Rest macht Remedy völlig richtig: Am Gameplay hat man überwiegend kleine Änderungen vorgenommen. Eure Gegner müssen weiterhin erst per Taschenlampe von den Schatten befreit und dann mit Pistole, Shotgun oder Armbrust bearbeitet werden. Die unangenehmen Sprungpassagen des Vorgängers hat man übrigens glücklicherweise gestrichen. Die neuen Gegner und Waffen – mein Liebling war die klassische Uzi – sind eine schöne Ergänzung und tragen im Vergleich zum Vorgänger deutlich zur Abwechslung bei. Besonders Feinde wie der Birdman zeugen von der Kreativität der Finnen.

Das Storytelling überzeugt, die Lichteffekte sind weiterhin allererste Sahne und auch das Level-Design passt. Hier könnte man den Entwicklern zwar etwas Faulheit vorwerfen, denn einige Passagen werdet ihr gleich mehrmals ablaufen müssen. Allerdings wird dies auch logisch in die Story eingebunden, bildet einen netten Twist und ist somit zu verschmerzen. Zudem könnt ihr euch in drei großen Arealen austoben und seid nicht auf kleinere Level beschränkt, wodurch “Alan Wake’s American Nightmare” sogar etwas Entdeckungsfreiheit bietet, ohne euch das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren zu lassen. Das HUD wurde dementsprechend auch ein wenig angepasst und zeigt nun unter anderem, wo ihr zusätzliche Manuskriptseiten und Munitionsvorräte finden könnt.


Der abwechslungsreiche Soundtrack inklusive eigens für das Spiel komponierte Songs unterstützt die ohnehin schon besondere Atmosphäre und sorgt bei ein paar geskripteten Aktionen sogar für kleine Adrenalinschübe.

Nicht zu verachten ist auch Alans neuer Erzfeind, Mr. Scratch. Als Alan auf mysteriöse Weise verschwand, munkelten die Einwohner von Bright Falls, dass er eigentlich ein blutrünstiger Mörder sei, der seine Frau Alice umgebracht hat. Mr. Scratch symbolisiert diese Urban Legend und treibt in Night Springs sein Unwesen. Im Verlauf des Spiels werdet ihr ihm mehrmals begegnen, meist in Form von TV-Geräten, die Alans bösen Zwilling beim Foltern und Töten von unschuldigen Leuten zeigen. Die Performance von Schauspieler Ilka Villi ist dabei äußerst beachtlich, verstärkt das Sinnbild des psychopatischen, skurillen Massenmörders und macht Mr. Scratch zu einem sehr ausgefallenen und einprägsamen Charakter.
Als besonderes Schmankerl hat Remedy abseits der Story noch den Fight Till Dawn-Modus eingebaut. Hier müsst ihr immer stärker werdende Wellen von Feinden besiegen und findet zu diesem Zweck massig Munition und Waffen, einige davon müssen aber erst durch die Entdeckung von Manuskriptseiten freigeschaltet werden. Das Ganze funktioniert mit dem typischen Alan Wake-Gameplay trotz seines hektischen, actionreichen Ansatzes ganz gut, Frustration kommt eher selten auf. Auch wenn Fight Till Dawn keine Weltneuheit ist, bietet der Spielmodus eine spaßige Erweiterung des für XBLA-Verhältnisse respektablen Umfangs.

Fazit: Alan Wake’s American Nightmare ist actionreicher geworden und Remedy hat den ohnehin schon geringen Gruselfaktor noch einmal ein Stückchen nach unten geschraubt. Doch das tut dem Spiel ganz gut. Die teilweise etwas dröge wirkenden Passagen aus dem Vorgänger sind größtenteils Geschichte und in Sachen Präsentation bekommt man das von Remedy gewohnte Niveau geboten. Besonders die Live-Action Elemente mit Schauspieler Illka Villi und der Erzähler sorgen für eine tolle Atmosphäre und ein geniales B-Movie Feeling. Mit “Alan Wake’s American Nightmare” punktet Remedy bei Fans des Franchises und zeigt, was auf Xbox Live Arcade alles möglich ist.

Wertung: 88%

Weitere Themen: Remedy Entertainment


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