Alice: Madness Returns - Vorschau: Dieses Spiel ist zum Verrücktwerden

David Hain
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Was machen die bei id Software eigentlich, dass wirklich jeder ihre Namen kennt? John Romero, Todd Hollenshead, John Carmack – allesamt bekannte Größen einer Branche, die ihre Entwickler für gewöhnlich hinter dem Firmenlogo in der Anonymität versteckt. American McGee ist so ein Fall, den man kennt, obwohl er lediglich die Levels für Doom und Quake zusammengeschraubt hat. Mit solch einer Reputation geht man dann natürlich gern hausieren.

Alice: Madness Returns - Vorschau: Dieses Spiel ist zum Verrücktwerden

Prompt gab es einen Exklusivvertrag von EA, es folgte “American McGees Alice” – ein gefeierter, aber nur mäßig erfolgreicher Erstling. Und dann: jahrelang Murks. An “Bad Day LA” oder “Scrapland” dürfte sich wahrscheinlich kaum noch jemand erinnern. Dass American McGee elf Jahre später nun doch zu “seiner” Alice zurückkehrt, dürften wohl nur ganz naive Naturen als Dienst am Fan werten. Die Freude dürfte trotzdem groß sein, denn Spiele wie dieses gibt es – mal abseits des zum Glück immer stärker werdenden Independent-Marktes – einfach viel zu selten.


“Alice Madness Returns” trägt die Kursrichtung ja praktisch schon im Namen: Madness, also Wahnsinn, ist auch das, was man erwarten darf, wenn man Lewis Carrolls ohnehin schon arg skurrilen Klassiker “Alice im Wunderland” nimmt, einen heftigen Halluzinogen-Cocktail einwirft und drauflos spinnt. Heraus kommt ein wilder Mix aus Tim Burton, Fear and Loathing in Las Vegas, Silent Hill und so ziemlich jedem bedeutenden Werk des Surrealismus.

Alice ist hier nicht das süße Püppchen aus wohlbehütetem Hause, dass sich in einer bunten Fantasiewelt verirrt, sondern ein blutrünstiges Biest, dass sich eingesperrt in einer Nervenheilanstalt in ihre kranke Gedanken zurückzieht – wo sie dann statt des flauschigen, weißen Kaninchens auf eklige Hasenmonstrositäten trifft, denen das Lächeln zur grotesken Fratze verwachsen ist. Und die werden nicht gekrault – sondern zerhackt. Was dann erklärt, warum sogar das “Alice”-Logo mit Blutspritzern verziert ist.

Wie schon im Vorgänger ist denn auch in “Alice 2″ das bestechende ArtDesign das Heiligtum des Spiels: Wo sonst hüpfen und prügeln wir uns durch eine Welt, die aus zerbrochenen Uhrwerken, fauligen Gemäuern und grotesken Höllenvisionen besteht. “Alice” ist märchenhaft malerisch, zugleich aber düster und morbide. Um das also klar zu stellen: Dies ist die Sorte Spiel, in der euch eine monströse Teekanne mit riesigem Auge im Porzellanbauch entgegen wankt und sich selbst als Eyepot (Get it…höhö?!) vorstellt.

In London durften wir allerdings mehr als nur zusehen – wobei sich die ersten Schwächen offenbarten. Hinter der hübschen Fassade (wobei hübsch mit Vorsicht zu lesen ist – die kreative Gestaltung kaschiert eigentlich nur eine stark verjährte Technik) entpuppt sich “Madness Returns” nämlich als eher durchschnittlicher Plattformer mit Hack’n Slay-Elementen und den üblichen Genreschwächen.

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