Review - Skyline

Leserbeitrag
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Das Kinojahr neigt sich dem Ende zu und als ob wir im Moment nicht schon genug von Menschen vs. Aliens Geschichten hätten, serviert uns Hollywood ein echtes Schmankerl zum Ausklinken lassen des Jahres. Mit Skyline trauen sich die Gebrüder Strause also tatsächlich ein zweites Mal als Regisseure ins Kino. Knapp drei Jahre nach dem kommerziell zwar erfolgreichen, von den Medien jedoch abgestraftem Aliens vs. Predator Requiem erwartet uns mit Skyline, zumindest vom Gründgerüst her, ähnliches. Bekannt durch Special Effects in The Day After Tomorrow,  Avatar oder sogar in TV-Spots für Sonys God Of War, machten sich Greg und Colin Strause vor allem als Techniker einen Namen. Haben sie es diesmal geschafft einen packenden Science-Fiction-Thriller auf die Beine zu stellen, der nicht nur verdammt gut aussieht sondern auch noch einen gewissen Tiefgang aufweist?

Es ist gar nicht so einfach den Inhalt von Skyline vernünftig herauszuarbeiten. Nicht, dass die Stroyline allzu verworren wäre (s. Inception). Nein, es ist viel mehr schwierig zu erfassen was denn an diesem Film überhaupt Inhalt sein soll. Nach mühsamen Suchen kann man sich dann doch auf eine gewisse Struktur einigen, die vom Prädikat ”Story” oder besser ”sinnvolle Story” noch einige Kilometer entfernt ist.

Nach einer intensiven Partynacht wird eine Gruppe von Freunden mitten in der Nacht von einem unheimlichen blauen Licht geweckt. Nicht nur in L.A., sondern auch in anderen Metropolen weltweit, werden Menschen von diesem Licht angezogen, nur um sich kurz darauf scheinbar in Luft aufzulösen. Dahinter steckt eine gigantische extraterrestrische Streitmacht, die im rasanten Tempo die gesamte menschliche Bevölkerung vom Erdboden saugt.

Gleich vorweg: Skyline ist alles andere als ein gelungener Film. Neben großen schauspielerischen Defiziten fehlt es dem Film vor allem an einer gewissen Sinnhaftigkeit bzw. Tiefe die dem ganzen einen Mindestgrad von Unterhaltung garantiert hätte.

Doch fangen wir vorne an. Es gibt zwei grundsätzliche Arten wie man ein solches apokalyptisches Szenario wie eine Alieninvasion darstellen kann. Entweder man bleibt fast den ganzen Film über bei einer kleineren Gruppe von Menschen, gibt kaum mehr Informationen preis als nötig und baut so eine Verbindung zwischen Zuschauer und Charakteren auf, die wiederum eine gewisse emotionale Tiefe mit sich zieht. Auf der anderen Seite kann man den Rahmen möglichst groß halten, d.h. es geht um eine größere Gruppe von Menschen deren

einzelne Individuen den Zuschauer kaum packen. Allerdings entsteht durch den größeren Rahmen auch ein besseres Verständnis über die Angreifer und dem Grund ihres Schaffens. Das hört sich alles sehr theoretisch an – ist es auch! Aber immer wenn ein Film einen perfekten Mittelweg zwischen diesen beiden Varianten schafft, nimmt er einen wirklich mit. Zu sehen ist dies in Independence Day, The Day After Tomorrow und für manche auch noch in abgeschwächter Form bei Roland Emmerichs 2012 erkennbar. Doch noch nie gab es einen Film der so grandios an diesem perfekten Mittelwert vorbeigeschossen ist wie Skyline.

Nun könnte man ja wenigstens einen Film erwarten, der ganz im Stirb Langsam Stil die ”Kopf aus und entspannen”- Variante einschlägt. Doch das schafft er auch nicht. Denn neben dem sinnlosem Mix aus charakterbezogener und epischer Darstellung leidet der Film vor allem unter einem: den Schauspielern. Wer dachte die Spitze der Ausdruckslosigkeit sei schon mit ”The Tourist” erreicht worden wird hier eines besseren belehrt. Scottie Thompson, Eric Balfour und Co. hätten allenfalls Platz in einem Saw-Streifen gehabt, denn das was hier geboten wird, eine Mischung aus dramatischen Dackelblicken und entsetztem Schreien, ist unter der Würde jedes Zuschauers.

Bei ihrem Versuch den Film komplett zu ruinieren werden die Schauspieler auch noch tatkräftig von einem recht bizarren Drehbuch unterstützt. In gekonnter Voraussicht, dass die Schauspieler wohl keine gute Arbeit leisten würden haben die Drehbuchautoren mit Hilfe von zwei Konflikten innerhalb der 5-köpfigen Gruppe versucht eine gewisse Dramatik in den Film zu bringen.

Dies funktioniert aber kein Stück besser. Zum einen ist da die schwangere Elaine, die natürlich Angst um ihr Baby hat. Zum Anderen braut sich gleichzeitig ein Eifersuchtsdrama zusammen, das jedoch abrupt endet indem zwei der drei Beteiligten in ihrem Auto von einem riesigen Alien-Godzilla zerquetscht werden. Schade, da hätte eventuell was draus werden können.

Was macht der Film sonst noch außer nicht zu begeistern? Ach ja, er wirft einige Fragen auf. Warum zum Teufel erfahren wir so überhaupt gar nichts über die extraterrestrische Invasion und ihre Beweggründe, außer, dass sie den Menschen das Gehirn entnehmen um selber neue Aliens zu schaffen, warum schickt die US-Army ganze drei Scharfschützen in die besetzte Metropole und wieso wirkt der Hausmeister so als ob er sich schon Jahrelang auf einen solchen Angriff vorbereitet hätte? Und warum heißt dieser Film überhaupt Skyline? Fragen die selbst den anspruchlosesten Kinogänger störend in den Sinn kommen.

Der Handlungsstrang verläuft über drei Eckpunkte: 1. Die Gruppe wacht auf (im Haus) – 2.Die Gruppe geht nach draußen – 3.Die Gruppe geht wieder ins Haus rein. Dem ganzen setzt das schlechteste Filmende dieses Jahres dann auch noch die Krone auf. Auch wenn es eigentlich egal wäre möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht Spoilern. Aber das schlimmste an diesem Ende überhaupt ist, dass es einen eventuellen zweiten Teil einleitet!

So sehr man auch denken könnte, dass der Film schlicht und einfach unfertig ist umso überraschend gut gelungen sind die Special Effects. Ihrem eigentlichen Handwerk entsprechend leisten die Filmmacher hier sehr gute Arbeit. Alles sieht rund und detailgetreu aus. Die Lichteffekte wirken super und verleihen den doch allzu spärlich ausgestatteten Angreifern ein gewisses geheimnisvolles Auftreten. Jedoch bleiben diese eigenschaftslos und austauschbar.

Doch leider gibt es gerade mal eine einzige wirkliche Kampfszene, indem amerikanische Drohnen eine Atombombe auf eines der Hauptsschiffe feuern. Das sieht alles sehr genial aus, doch es ist einfach viel zu wenig davon im Film enthalten.

Und so tröstet auch die gute Technik über die offensichtlichen Schwächen von Skyline nicht hinweg.

Fazit

Filme, die nur auf Grund ihrer ungewollten Komik unterhaltsam sind, haben einfach nichts im Kino verloren. Skyline dient hierfür als Paradebeispiel und macht den Zuschauern auf drastische Art und Weise klar, dass es Schauspieler gibt, die nicht Schauspielern können und Drehbuchautoren, die kein Drehbuch schreiben können und sogar Aliens die grundlos unsere Erde angreifen. Ein exklusives BluRay-Release über Amazon hätte für diesen Film mehr als gereicht und hätte vielen Kinogängern eine Menge Ärger erspart. Wie naive mussten die Strause Brüder gewesen sein um zu glauben, dass ein SciFi Streifen mit nur einer wirklichen Kampfszene und einer Länge eines Disney/Pixar-Films (ca. 94 min.!!) wirklich gut sein kann?  Skyline ist so stupide, undefinierbar und unterfordernd schlecht, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass damit Piranha 3D (mit einem großen Krawumm) vom Thron des schlechtesten Films dieses Jahres gestoßen wurde – und wie!

 

 

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