Review - Alpha Protocol

Leserbeitrag
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Das Spionage-RPG ”Alpha Protocol” aus dem Hause Obsidian soll großen Wert auf die Entscheidungen des Spielers legen, aber auch mit Stealth und Gefechten sowie einigen Rollenspielelementen glänzen. Ob den Machern ein gutes Spiel geglückt ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Test.

Ein Linienflugzeug fliegt am Himmel entlang, bis urplötzlich mehrere Raketen angerauscht kommen und das Flugzeug explodieren lassen. Hierbei handelte es sich wohl sichtlich um einen Terroranschlag. Nur wer steckt dahinter? Das gilt es in ”Alpha Protocol” herauszufinden und dabei auch eine Verschwörung aufzudecken. Die Nachforschungen führen uns zunächst nach Saudi-Arabien. Dann geht es weiter nach Rom, Taipeh und auch Moskau. Auf unserer Reise werden uns viele Charaktere begegnen und vielleicht ergibt sich auch eine kleine Romanze mit dem ein oder anderen weiblichen Akteur. Leider kann der Protagonist Michael Thorton nicht wie im Science-Fiction-Epos ”Mass Effect” auch durch einen weiblichen Protagonisten ersetzt werden.

Michael Thorton im Einsatz

Am Anfang des Spiels darf man wie in einem bekannten Rollenspiel seine Klasse wählen. Hierbei kann man sich zwischen Agent im Einsatz, Soldat, Söldner sowie Technikspezialist entscheiden. Der Agent kennt sich am besten im Nahkampf aus und bevorzugt unter Umständen auch Stealth. Der Soldat ist genauso wie der Söldner mehr eine Klasse, die sich auf das Schießen verlässt und gerne innerhalb der Missionen viel Lärm erzeugt. Letztlich kennt sich der Technikspezialist besonders in Sabotage aus, durch die Türschlösser leichter geknackt, Computersysteme besser gehackt und Alarmanlagen simpler umgangen werden können. Eine Fähigkeit, die nicht vernachlässigt werden sollte. Nach der Wahl der Klasse sowie einem Anfängertraining geht es dann in den ersten Einsatz nach Saudi-Arabien. Dort erwartet den Spieler genauso wie bei den restlichen Schauplätzen ein Unterschlupf – eine schick eingerichtete Wohnung, die einige Interaktionsmöglichkeiten bietet. Dort kann man nämlich an den Computer gehen und E-Mails checken sowie den Schwarzmarkt besuchen, um an neue Waffen und Daten zu diversen Missionen zu kommen. Das kostet natürlich alles Geld, welches man in den Missionen findet und auch per E-Mails als Belohnung erhält. Ansonsten kann man in der Wohnung noch Nachrichtensendungen anschauen, sein Aussehen leicht verändern und sich auch mit anderen Waffen ausrüsten. Durch die Tür geht es dann nach draußen, wodurch man sich zwischen meist zu Beginn drei verschiedenen Missionen entscheiden darf.

Stealth versus Schießereien

Zwar klingt es erst einmal richtig gut, dass innerhalb der Missionen Stealth möglich ist. Nur leider ist die Umsetzung einfach nur richtig schlecht. Erst einmal gibt es in den Missionen keinerlei Schatten, nur so ein Halbdunkel, wo man allerdings trotzdem von den Gegnern gesehen wird. Nie weiß man, ob Gegner einen sehen können. Eine solche Anzeige wie in ”Splinter Cell” fehlt völlig. Auch einen Schwarz-Weiß-Filter gibt es nicht. Lichtquellen lassen sich nicht ausschießen. Wenn man schon das Schleichen anbietet, sollte man auch weiterdenken. Man wird zwar durch das Ausbauen bestimmter Fähigkeiten viel weniger bemerkt, aber auch das bringt nichts, wenn die Missionen meistens sowieso auf wilde Schießereien hinauslaufen. Besonders viele Endkämpfe mancher Missionen sind nur mit Waffengewalt machbar und erzeugen bei den Leisetretern viele Frustmomente, weil die nötigen Skills fehlen. Das ist sehr schade. Somit schränkt das Spiel seinen eigenen Umfang ein.

Die Missionen und Vorbereitungsmöglichkeiten

Zu den Missionen zählen allerdings nicht nur Infilrtrationen oder die Verwanzung von bestimmten Dingen, sondern manchmal auch einfache Gespräche, bei denen man klug die Dialogoptionen auswählen sollte. Wenn man nicht ganz unvorbereitet in den nächsten Einsatz ziehen möchte, kann man auf dem Schwarzmarkt auch Karten oder andere Daten vom Einsatzgebiet mit Geld erwerben. Das ist immer wieder eine gute Vorbereitungsmöglichkeit. Bei den Einsätzen fiel noch auf, dass Texturen innerhalb der Mission nachgeladen wurden, was stark den Spielfluss störte. Gelegentlich gab es auch starke Ruckler. Technisch macht das Spiel also alles andere als eine gute Figur. Die KI ist auch nicht immer ganz gut. Mit Granaten wird zwar fleißig geworfen, aber manchmal stehen diese einfach – ohne irgendeine Deckung – in der Gegend rum und können somit leicht abgeschossen werden. Wenn man Gegner ausschaltet, bemerken dies die wenige Meter entfernten Kollgen nicht einmal.

Die Minispiele

Auch in ”Alpha Protocol” gibt es Minispiele, um Schlösser zu knacken, Alarmsysteme zu umgehen oder Computer zu hacken. Dabei werden die Spiele auch mit der Zeit schwerer. Insgesamt sind diese schon fordernd, aber Spieler, die solche Minispiele überhaupt nicht mögen oder können, werden sehr viele Frustmomente haben, denn die Minispiele kommen in den Missionen sehr oft, vielleicht auch schon zu oft, vor. Beim Hacken gilt es zwei stillstehende Zahlenreihen zu finden und zwar mit Zeitlimit. Beim Knacken von Türschlössern oder Safes wird einiges an Geschicklichkeit verlangt, da der linke Trigger nicht zu viel und nicht zu wenig nach unten gedrückt werden muss. Die Bestätigung erfolgt dann mit dem rechten Trigger. Am einfachsten ist da noch das Umgehen von Alarmsystemen, bei dem einfach in der richtigen Reihenfolge die einzelnen Verbindungen zu den Zahlen gefunden werden müssen.

Entscheidungen sind die Waffe

Noch nie brachten mich Entscheidungsmöglichkeiten so zum Nachdenken. Man spürt direkt die Konsequenzen seines Handelns – und sei es nur die verlorene oder gewonnene Freundschaft einer Person. An anderer Stelle muss man auch zwischen Tod und Leben entscheiden. Nehme ich jetzt die linke Tür, um eine Freundin zu retten, oder gehe ich nach rechts, um eine Bombe zu entschärfen. Die Entscheidung liegt beim Spieler und daraufhin verzweigt sich auch die Strory. Es wird am Schluss sogar gut 15 verschiedene Enden geben. Der Titel hat einen großen Wiederspielwert. Das Dialogsystem ist im Grunde ganz simple. Personen sprechen mit dem Protagonisten und dann werden Dialogoptionen eingeblendet. In kürzester Zeit sollte man dann seine Wahl treffen, denn das Spiel wartet nicht auf den Spieler. Leider entsteht gerade deshalb ziemliche Verwirrung, wenn man dem Englischen nicht mächtig ist. Zwar gibt es deutsche Untertitel, aber diese laufen sehr schnell ab. Das Geschehen wird beim Einblenden der Dialogoptionen auch nicht gestoppt, wodurch man im Grunde Untertitel verfolgen und gleichzeitig überlegen muss, was man antwortet.

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