Amnesia – A Machine for Pigs Test: Weniger Horror, schlechteres Spiel?

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Warum war das erste Amnesia: The Dark Descent so beliebt? Wegen der Öllampe, die man nachfüllen musste? Wegen dem Inventar und seinen stets knappen Zündhölzern? Oder doch wegen der fiesen Monster, die man schlicht nicht bekämpfen konnte? All diese Elemente schufen ein wahrhaft angsteinflößendes Erlebnis, das nicht zuletzt dank YouTube unheimlich populär wurde. Amnesia: A Machine for Pigs wird diesen Ruhm nicht erreichen, weil es schlicht nicht so viel Angst macht. Aber ist es deswegen auch ein schlechteres Spiel?

Nein, ist es nicht! In manchen Bereichen gefällt mir „A Machine for Pigs“ sogar deutlich besser als Frictionals „The Dark Descent“. Statt den Nachfolger zum Horror-Erfolg selbst zu entwickeln, gab Frictional einem anderen Entwickler diese Aufgabe. The Chinese Room nennt sich das kleine Studio, zuvor verantwortlich für „Dear Esther“, mehr eine interaktive Story als ein Spiel.

Perlen vor die Säue

Wer den gleichen Schlag Grusel des ersten Amnesia auch im zweiten Teil erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht. Zu viel wurde geändert oder auch einfach gestrichen. Das Insanity-System ist raus, das Inventar gehört der Vergangenheit an, die Lampe, die ich mit mir herumtrage, läuft nun auf Elektrizität und muss nicht mehr befüllt bzw. geladen werden. Mich stören diese Eingeständnisse an ein simpleres, geradlinigeres Erlebnis nicht, weil sie meiner Meinung nach auch nicht der Hauptgrund für die Angst waren, die „The Dark Descent“ entfesseln konnte. Stattdessen freue ich mich eher, dass The Chinese Room einen anderen Weg einschlägt und nicht einfach die selbe Nummer noch mal abfeiert.

„A Machine for Pigs“ bietet mir nicht den Terror, den das erste Amnesia über mich brachte. Stattdessen baut es ein immerwährendes Gefühl des Unbehagens auf, zum Großteil durch die Geschichte, die es erzählt. Mandus ist ein Unternehmer im 19. Jahrhundert, der eines Nachts mit Amnesie in seinem Bett aufwacht und nichts weiter will, als seine beiden Kinder zu finden, die er auf dem Dachboden spielen hört. Dort wird er nicht fündig und so bringt ihn seine Suche schnell in die Maschinerie seines Schlachtbetriebs, wo der eigentliche Horror beginnt...

Oder auch nicht beginnt, je nachdem, wie zart besaitet ihr seid. Auf Jumpscares verzichtet „A Machine for Pigs“ fast vollständig, auch tatsächliche Begegnungen mit den Kreaturen, die in den Tiefen der Maschine auf Mandus warten, sind selten. Und sie sind auch nicht so effektiv, wie im Vorgänger – Panik macht sich nur bei den ersten Treffen mit den Wesen in Mandus‘ Fabrik breit. Ihre Bedrohlichkeit verlieren die Viecher zwar nie, sehr wohl aber ihr Mysterium: Zu schnell wird mir verraten, wie meine Gegner aussehen und was sie eigentlich sind.

Manche dieser Horror-Momente mit den Maschinen-Monstern wirken zudem losgelöst vom Rest des Spiels – als wären sie erst im Nachhinein hinzugefügt worden, weil es zuvor zu wenig von ihnen gab. Sie wollen nicht so recht in die sonst eher ruhige, subtil bedrohliche Atmosphäre des Spiels passen.

Ein paar Rätsel gibt es in „A Machine for Pigs“ auch, wenn auch eher rudimentärer Natur. Da gilt es dann meist, ein paar Hebel umzulegen oder Ventile zu drehen und die Lösung findet sich praktisch von selbst, was der Linearität des Grusel-Abenteuers geschuldet ist.

Kaum Schocker, viel Story

„Amnesia: A Machine for Pigs“ ist also ein Spiel, in dem ich vor allem die Umgebung erkunde, Audiologs und Telefongesprächen zuhöre und viele (viiieeele!) Notizen lese, die sich Mandus entweder selbst macht oder die er in der Spielwelt findet. Das alles wäre furchtbar langweilig, wenn die Geschichte, die mir The Chinese Room hier erzählt, nicht so verdammt spannend wäre. Mir gefällt außerdem, dass sich das Spiel genug Zeit nimmt, seine Story zu erzählen, es aber auch nicht übertreibt. Die Geschichte bewegt sich ständig vorwärts, gibt mir neue Hinweise, die mir dabei helfen, das große Ganze zu entschlüsseln, bis sie mich schließlich mit einigen Antworten und neuen Fragen in die Credits entlässt.

Nach etwas mehr als vier Stunden war der Trip in die Tiefen des Apparats vorbei und ich zufrieden – zufrieden mit einer Geschichte, über die ich spekulieren kann, die mich dazu animiert, Meinungen und Interpretationen anderer in Foren zu lesen. Zuletzt schaffte das „BioShock Infinite“. Und auch wenn „A Machine for Pigs“ sicher nicht dieses Niveau erreicht – dafür ist es an mancher Stelle zu vorhersehbar – so werde ich mich noch lang an diese Geschichte erinnern.

Unbedingt erwähnen muss ich noch den hervorragenden Soundtrack von Jessica Curry und das teils großartige Sounddesign. Ab sofort wird Schweinegrunzen in mir sofortiges Unwohlsein auslösen.

Fazit:

Amnesia: A Machine for Pigs wird euch keinen Spaß machen, wenn ihr eine konsequente Fortsetzung des Vorgängers erwartet. Dafür wurde der Horror-Hebel zu weit heruntergedreht, zu viele Gameplay-Elemente sind der Schere zum Opfer gefallen – wer einfach nur erschreckt werden will, ist mit Outlast besser bedient. Lasst ihr euch aber auf das Spiel ein, so bekommt ihr eine subtilere Art der Angst geboten und – vor allem – eine gute Geschichte. Und das ist bei einem Horrorspiel heutzutage leider eine Rarität.

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Wertung

7/10
Getestet von Thomas

Weniger Horror, mehr Story – A Machine for Pigs ist mehr ein Erlebnis als ein Spiel.

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