Angry Birds im Visier: Lodsys verklagt Rovio

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In seinem Bemühen, möglichst viele Entwickler zur Unterzeichnung von Lizenzabkommen zu drängen, scheut Patent-Troll Lodsys auch die großen App-Schmieden nicht. Rovio, Schöpfer des beliebten Angry Birds* für iOS und Android, ist in der erweiterten Klageschrift ebenso aufgeführt wie ein paar andere Branchen-Riesen.

Insgesamt fügte Lodsys fünf weitere Klagegegner hinzu, ließ jedoch von dem vietnamesischen Spiele-Entwickler Wulven Games ab, wie der Patentrechtsexperte Florian Müller berichtet. Electronic Arts wird vorgeworfen, mit seinem Spiel Die Sims 3* fürs iPhone Patentrechtsverletzungen begangen zu haben. Auch der Klassiker Atari mit seinen “Greatest Hits” für iPhone* und iPad* ist teil der Klageschrift.

Damit zeigt das Unternehmen Müller zufolge ein weiteres Mal, dass es keine Angst vor mächtigen Gegnern hat. Zuvor ging Lodsys bereits gegen Größen wie HP, Brother, adidas, Best Buy und The New York Times vor. Außerdem gerät mit Rovio ein prominenter Vertreter im Android Market ins Visier; Googles Zurückhaltung in dieser Sache macht es den Android-Entwicklern nicht leichter und spornt Rechteinhaber wie Lodsys nur dazu an, noch mehr von ihnen zu verklagen.

Diverse Programmierer für Googles Smartphone- und Tablet-Plattform waren in den letzten Wochen angeschrieben worden. Verklagt wurde bislang aber nur einer: Illusion Labs aus Malmö wegen ihrer App Labyrinth*.

Apple hält sich im Streit zwischen seinen Entwicklern und Lodsys ebenfalls dezent im Hintergrund. Das könnte jedoch auch daran liegen, dass der Hersteller in seinem Lizenzabkommen mit dem Rechtsvorgänger des Patentinhabers versprechen musste, die Durchsetzung der Urheberrechte gegen andere nicht zu behindern.

Rechte aus dem Abkommen selbst darf Cupertino aber wahrnehmen und genau darauf beschränkten sich die Stellungnahmen bisher: Man sei der Meinung, dass alle Entwickler von dem Abkommen zwischen Apple und Intellectual Ventures abgedeckt seien. Ein schwaches Argument, das Lodsys ganz offensichtlich wenig kümmert.

Statt dessen konzentriert Apple sich darauf, sein eigenes Patent-Portfolio aufzustocken. Nach dem Kauf einiger tausend Patente von Nortel (vor allem auf 4G-Technologien) will der Hersteller jetzt angeblich Interdigital übernehmen. Das Mobil-Tech-Unternehmen verfügt laut Businessinsider über ungefähr 18.000 Patente und Patentanträge und könnte zwischen 3 und 10 Milliarden US-Dollar wert sein.

Für das Nortel-Patent-Paket zahlten Apple, Microsoft, Sony, Ericsson, EMC und RIM zusammen 4,5 Milliarden US-Dollar. Mit einem Beitrag von 58 Prozent dieser Summe dürfte der Mac-Macher sich einen Großteil der enthaltenen Rechte gesichert haben. Gute Hebel im Streit mit anderen Herstellern wie Motorola, Samsung oder HTC (um die bislang in diesem Thema vorherrschende Kriegs-Retorik einmal etwas zu entschärfen).

Gegen Patent-Trolle wie Lodsys oder Kootol helfen solche Mittel jedoch nur gefühlt. Sie sind nicht durch Gegenklagen zu beeindrucken, da sie selbst nichts herstellen, das gegen Patente anderer verstoßen könnte. Die Entwickler, gegen die vorgegangen wird, haben davon schon gar nichts – sie sind quasi gezwungen, die Lizenzvereinbarungen zu unterzeichnen und Gebühren zu zahlen, ob zurecht oder nicht.

Weitere Themen: Angry Birds Demo, Lodsys


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