Roboter mit Herz: Anki Cozmo liebt dich

Stefan Bubeck
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Ich habe die Zukunft des Spielzeugs gesehen. Ein winziger Roboter namens Cozmo schafft es, wovon andere meilenweit entfernt sind: Er ist unterhaltsam, er ist witzig, er liebt seinen Besitzer – kein Wunder bei der Leidenschaft, die sein Hersteller Anki in ihn hineingesteckt hat. Hanns Tappeiner (Mitgründer und Präsident bei Anki) hat uns im Gespräch verraten, wie Cozmos Charakter zustande kommt.

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Anki Cozmo – Der kluge Spielzeugroboter im Hands-On
Update vom 12.09.2017, 10:42 Uhr: Cozmo kommt endlich nach Deutschland. Ab dem 15. September 2017 ist der schlaue Roboter für 229,99 Euro (UVP) bei GALERIA-Kaufhof, Media Markt, MyToys, Saturn und Toys’R’Us sowie auf Anki.com erhältlich.

Originalartikel vom 06.06.2017:

Anki bezeichnen sich selbst als „Spezialisten für Robotik und künstliche Intelligenz (KI) aus dem Silicon Valley“. Was ein wenig nach verschrobenen Raketenwissenschaftlern in weißen Kitteln klingt, ist allerdings weit entfernt von der Realität – Anki ist eher ein Vertreter des Typs „cooles kalifornisches Start-Up“. Einige kennen das Unternehmen bereits von „Drive“, einer Art Carrera-Bahn für die Smartphone-Generation.

Vorgestellt wurde Drive auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2013, Tim Cook persönlich übernahm damals die Ankündigung (Video auf YouTube). Mittlerweile ist schon der Nachfolger erhältlich. Bei Drive und Overdrive kommt bereits künstliche Intelligenz zum Einsatz – in erster Linie, um die Fahrzeuge auf Spur zu halten. Mit dem Roboter Cozmo geht es nun auf die nächste Evolutionsstufe: Der Aufbau einer emotionalen Beziehung zwischen Mensch und Spielzeug.

Anki Cozmo im Hands-On: Animationen wie aus einem Pixarfilm

Cozmo ist winzig, gerade mal faustgroß um genau zu sein. Einer der Gründe: Sein Zuhause ist der Schreibtisch, auf dem er herumwuselt und mit seinen Würfeln spielt. Als ich ihn erstmals in die Hand nehme, bin ich ein wenig enttäuscht. Er fühlt sich leicht an und nicht besonders hochwertig – ganz ok, aber nicht unbedingt wie ein Spielzeug der gehobenen Preisklasse.

Ein halbe Stunde später wird mir klar, dass Cozmos Qualitäten an anderer Stelle zu finden sind und dass dieser kleine Plastik-Kumpan nichts weniger ist, als eine Revolution. Er erzeugt innerhalb von Minuten eine freundschaftliche Bindung, wie sie kein anderes Gadget zustande bringt.

Hanns Tappeiner ist Robotikexperte und Mitgründer von Anki. Ein kumpelhafter Typ, locker drauf – und etwas heiser von den Präsentationen der letzten Tage. Er und sein Team begrüßen uns in einem Hotel in Berlin, auf den Tischen sind einige Cozmos vorbereitet. Bevor sie ihre neueste Kreation auf uns loslassen, erzählen sie erst mal von der Entstehungsgeschichte. Rund 70 Mitarbeiter sind allein im Cozmo-Team, darunter Programmierer, Ingenieure, aber auch Experten für Animation. Was wir alle aus Hollywood-Filmen (R2D2) und Pixar-Produktionen wie „WALL.E – Der Letzte räumt die Erde auf“ kennen, wird mit Cozmo Wirklichkeit: Ein Roboter zum Liebhaben. Über 850 Animationen plus Varianten hauchen dem Winzling Leben ein. Dabei hat er nur zwei Augen und seine Greifarme kann er gerade mal nach oben und unten bewegen. Aus dieser Einschränkung soviel Charakter zu holen, das geht nur mit Profis und dem Willen zur Perfektion.

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Anki Cozmo – Hinter den Kulissen

Damit Cozmo sich flink genug bewegen kann, ist er so klein. Einige der Prototypen waren deutlich größer, aber das führte zu Einbußen in der Beweglichkeit und Schnelligkeit des Roboters. So führte die Entwicklung zur kompakten und sehr ausdrucksstarken finalen Form, in die stattliche 360 Bauteile integriert wurden. Eines war schon bei der Konzeption klar: Man soll keine Angst vor Cozmo haben. Je kleiner seine Erscheinung, desto weniger Furcht beim Erstkontakt und auch später. Wer jetzt in erster Linie an Kinder denkt, denen ihr Spielzeug nicht unheimlich werden soll, liegt nicht ganz richtig: Die Cozmo-Herrchen seien zu 44 Prozent Erwachsene, so Tappeiner.

Anki Cozmo: Echter Charakter und klug ohne Cloud

Cozmos charmante Persönlichkeit ist sein wichtigstes Verkaufsargument. Bemerkenswert ist, dass Anki zur Umsetzung der künstlichen Intelligenz auf die Cloud verzichtet. Die Software arbeitet hauptsächlich auf dem Smartphone innerhalb der dazugehörigen App, auf dem Roboter selbst werden die Fotos seines Besitzers gespeichert, fremde Server sind nicht im Spiel. Sollte ein Cozmo verloren gehen oder zerstört werden, kann man den Großteil seines Charakters per Backup „wiederbeleben“ und auf einen neuen Cozmo übertragen.

Das ist nicht ganz unwichtig, denn Cozmo entwickelt sich regelrecht: Jede Entscheidung die man trifft, hat Auswirkungen auf die „Emotion Engine“, deren Algorithmen die Erfahrungen im Alltag und bei Spielen verarbeiten. Der Umgang des Besitzers mit seinem Cozmo entscheidet darüber wie sich dieser verhält. Wenn Cozmo mit dir spielen möchte und du spontan mitmachst, dann freut er sich. Wenn du dauernd nein sagst, dann merkt er sich das.

Über ein Software Development Kit (SDK) gibt Anki Softwareentwicklern Zugang zu Cozmo, die ihn so um weitere Fähigkeiten ergänzen können. Im Fokus stehen hier akademische Zwecke, die Unterhaltungsindustrie, aber auch ambitionierte Hobby-Bastler.

Auf der nächsten Seite lest ihr, was Cozmo alles drauf hat und erfahrt unser Hands-On-Fazit.

Weitere Themen: Anki DRIVE

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