Einer unserer ersten Pressetermine für das neue GIGA war auch gleich einer der besten des Jahres. Er fand im Frühjahr bei Entwickler Related Designs statt. Das kleine Studio hatte damals zur Vorstellung des nächsten Anno nach Mainz geladen und uns Journalisten dort mit einem Fake "ANNO 1305"-Logo empfangen. Dann ließen sie die Bombe platzen. Inzwischen weiß die ganze Spielwelt: das neue Anno spielt in der Zukunft und soll genau deshalb der bisher beste Teil der beliebten Aufbaureihe werden. Ob Anno 2070 wirklich das Zeug dazu hat, erfahrt ihr jetzt in unserem Test.

Anno 2070 Test - Anno wie es leibt und (weiter)lebt

Umweltwissenschaftler zerbrechen sich gegenwärtig den Kopf über eine zentrale Frage: Wie können wir die Gefahren des Klimawandels einem Laien verständlich machen. Die meisten Menschen können sich die ökologischen und sozialen Auswirkungen des globalen Temperaturanstieges nämlich gar nicht vorstellen. Wer „Anno 2070“ spielt, der wird dadurch zwar nicht zum Klimaexperten – vorstellbar werden Klimakrise und globaler Kollaps aber allemal.

Related Designs präsentiert uns hier nämlich eine Zukunft, in der der Klimawandel die Welt für immer verändert hat. Ressourcenknappheit, Kriege und Naturkatastrophen haben die Erde gezeichnet, Nationalitäten sind bedeutungslos geworden, der steigende Meeresspiegel hat ganze Regionen überflutet. Die Erde ist nun eine riesige Insellandschaft in der drei konkurrierende Gruppierungen um das bisschen Zukunft kämpfen, das den Menschen geblieben ist.

Keine Endzeitstimmung
Doch im neuen Anno herrscht deshalb keine düstere Endzeitstimmung. Im Gegenteil. Über allem was ihr in „Anno 2070“ erleben werdet, liegt erneut diese abenteuerliche Aufbruchsstimmung, die die Serie schon immer auszeichnete. Auf den Trümmern der alten, besiedeln wir eine vollkommen neue Welt – wieder werden wir Zeuge, wie unsere mutigen Pioniere eine mächtige Metropole mit weitverzweigten Handelsrouten und komplexen Warenkreisläufen erschaffen. Wieder entfaltet die Besiedelung neuer Inseln und die Befriedung unserer Bevölkerung einen enormen Sog, der uns die Zeit vergessen lässt. Wer das gute alte Anno-Gefühl sucht, der wird schon nach wenigen Klicks in der ungewohnten Umgebung fündig.

Das soll aber nicht heißen, dass sich „Anno 2070“ nicht von seinen Vorgängern zu unterscheiden weiß. Die neuen Fraktionen stellen einen radikalen Einschnitt dar. Die Ecos, Tycoons und Techs stehen für sehr unterschiedliche Entwicklungsmodelle, die sich enorm auf die Spielweise der jeweiligen Fraktionen auswirken. Die Eden Initiative (Ecos) erzeugt durch ihren nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zum Beispiel sehr viel mehr Zufriedenheit in der Bevölkerung und muss sich nicht so sehr vor drohenden Umweltkatastrophen fürchten.


Ein Manager des Global Trust (Tycoon) verfügt durch den radikalen Raubbau an der Natur wiederum über ein schnelleres Wachstum und effizientere Gebäude. Irgendwann muss sich aber auch der Tycoon gegenüber seiner Bevölkerung verantworten – ein Unfall in einem Atomkraftwerk und verschmutzte Flüsse machen sich da nicht so gut. Durch den Bau von Bildungseinrichtungen haben wir in „Anno 2070“ schließlich Zugriff auf die dritte Fraktion im Bunde, eine mysteriöse Gruppe von Wissenschaftlern, die es bei der Such nach einer besseren Zukunft unter die Wasseroberfläche zieht.

Das neue Fraktionssystem
Im Genre der Strategiespiele ist ein Fraktionssystem an sich natürlich nichts Neues. Die rundenbasierte „Civilization“-Serie stattet ihre spielbaren Zivilisationen schon seit Anno dazumal mit Vor- und Nachteilen aus, die sich nicht minder auf das Gameplay auswirken. Was das neue „Anno“ aber so faszinierend macht, ist die Möglichkeit alle Technologien und Gebäude der drei Fraktionen frei miteinander kombinieren zu können. Das bereichert das Spiel ungemein und eröffnet uns ganze neue Strategien beim Siedlungsausbau. Ob wir uns zum Beispiel dafür entscheiden, unsere Inseln nach dem stricken Fraktionsmuster aufzuziehen – hier eine grüne Öko-Insel, da die pestenden Schmuddel-Tycoons und dort ein paar Unterwassersiedlungen – oder aber alles möglichst effektiv miteinander verflechten, das bleibt uns zu Beginn jeder Partie im Endlosmodus selbst überlassen.


Dass das neue Fraktionssystem sich auch in den unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und deren Bedürfnissen wiederspiegelt, macht die ganze Angelegenheit noch kniffliger und damit spaßiger. Wer zum Beispiel die Anliegen der Grünen-Bevölkerungsschicht vernachlässigt, der muss auch deren Abwanderung in Kauf nehmen. Gleichzeitig wirkt die Welt nach der Klimakatastrophe dadurch auch sehr viel authentischer, da wir es mit einer Gesellschaft zu haben, in der die Menschen sich über kurz oder lang zwischen den konkurrierenden Zukunfts-Ideologien entscheiden müssen.

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