Assassin's Creed Rogue Test: Mehr als nur ein Trostpflaster

Anne Wernicke
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An Deck ihr Landratten, wir stechen in See! Die Freiheit ruft, der eisige Wind des Nord-Atlantiks füllt die Segel mit Luft. Doch was bedeutet Freiheit und welche Opfer muss man für sie bringen? Das ist die zentrale Frage in Assassin's Creed Rogue, deren Antwort ein junger Assassine auf der Spur ist und sie bei den Templer zu finden glaubt. Nicht die einzige Krux, steht der Titel doch zusätzlich im Schatten seines großen Bruders Assassin's Creed Unity, das mit Rogue zeitgleich für die PlayStation 4 und Xbox One erschien. Vorweg sei aber gesagt: Rogue ist mehr als nur ein Trostpflaster.

Assassin's Creed Rogue Test: Mehr als nur ein Trostpflaster

Assassins-Creed-Rogue-Teaser-Artikel

Zum Test von Assassin's Creed: Unity!

Nord-Amerika im 18. Jahrhundert. Der siebenjährige Krieg bricht aus. Die Franzosen kämpfen gegen die Briten um die Vorherrschaft der hiesigen Kolonien. Inmitten dieses Szenarios reift ein junger Assassine heran. Shay Patrick Cormac ist zielstrebig, engagiert und ein wenig zu selbstbewusst. Dennoch hinterfragt er die Taten der Assassinen-Bruderschaft nie wirklich, lebt nach ihrem Kredo und führt brav ihre Aufträge aus.

Doch es kommt zu einem Zwischenfall und Shay wendet sich von den Assassinen ab. Seine neuen Gefährten: die Templer. Fortan kämpft er an der Seite von Haytham Kenway und Thomas Cook, um seinen ehemaligen Brüdern und Lehrmeistern das Handwerk zu legen. Die Rahmenhandlung von Assassin's Creed: Rogue füllt nicht nur die Handlungslücke zwischen Assassin's Creed: Black Flag und Assassin's Creed 3, sondern schließt gleichzeitig die Nord-Amerika-Trilogie ab.

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Assassins Creed Rogue Launch Trailer
Assassin's Creed: Die Geschichte aller Assassinen und Spiele

Neue Story im alten Gewand

Abseits der Story setzt Entwickler Ubisoft auf altbewährtes. In voller Montur und bestens ausgerüstet zieht ihr los, um Ziele auszuspionieren, zu verfolgen oder zu töten. Dabei helfen euch Waffen wie die versteckte Klinge, die Pistole oder Rauchbomben. Das Luftgewehr ersetzt ab sofort das Blasrohr und verschießt lautlos Schlaf- und Berserkerpfeile, sowie Knallkörper als Ablenkung. Außerdem erhaltet ihr einen Granatwerfer, der euch in so mancher Situation von Nutzen ist.

Am Kampfsystem hat sich anders als in Unity leider nichts getan. Die K.I. ist weiterhin spielend leicht zu überwältigen und hat teilweise immense Aussetzer. Mit sogenannten Bandenschleichern, die im Stile eines Assassinen aus dem Hinterhalt angreifen, wird versucht, den Spieler verstärkt zum Schleichen zu zwingen und ihm einige Missionen dadurch zu erschweren, was allerdings nicht wirklich gelingt. Die Störenfriede sind nämlich vor allem eines: nervtötend. Selbst beim banalen Stadtspaziergang lauern sie euch auf und wirken so wie lästige Kletten an eurer digitalen Stofftasche.

Enorm gelungen sind hingegen erneut die Seeschlachten. Gegen euer Schiff, die Morrigan, ist die Jackdaw aus Black Flag eine Antiquität. Ausgestattet mit Mörsern, brennbarem Öl und der neuen Puckle-Gun seid ihr der Chef auf See. Der verstärkte Bug sorgt zusätzlich dafür, dass ihr bedenkenlos durch das dichteste Eis brechen, sowie kleine Schiffe durch Rammattacken auf den Grund des Meeres befördern könnt. Doch Vorsicht: Ab sofort könnt auch ihr geentert werden. Das peppt nicht nur das Gameplay auf, sondern kann inmitten einer Schlacht die Rettung sein. Seid ihr siegreich, könnt ihr euer Schiff reparieren und so gestärkt ins Gefecht zurückkehren.

Ein Traum in Kalt

Wer die Assassin's-Creed-Reihe kennt, weiß, dass man sich stets auf ein Element verlassen kann: Eine atemberaubende Spielwelt von enormer Größe. Das ist bei Rogue nicht anders. Euer Gebiet erstreckt sich über drei Zonen. Das River-Valley mit saftigen Wiesen und malerischen Bergen, die überarbeitete Version von New York aus Assassin's Creed 3 und der eisige Nord-Atlantik. Letzterer stellt eine besondere Herausforderung dar, da man in der eisigen Gegend nicht mehr gemütlich umher schippern kann und ständig Eisbergen ausweichen oder Schneestürme überstehen muss. Ihr solltet euch zudem besser warm anziehen, falls ihr plant, über Bord zu gehen: Seid ihr nicht schnell genug wieder an Land, sterbt ihr nämlich einen qualvollen Kältetod.

In Sachen Grafik macht das Setting in Assassin's Creed: Rogue einiges her. Es ist zwar seit Black Flag kein Quantensprung vollzogen worden, dafür läuft es auf meiner Xbox 360 aber flüssig und ist in meinem Fall, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, frei von Fehlern. Natürlich ist der Unterschied zur aktuellen Konsolengeneration gewaltig, – im Bereich des Möglichen wurde jedoch alles herausgeholt was ging – und das gefällt.

Wir schweifen ab...

... und das tun wir in Assassin's Creed meist ganz bewusst. Die schier unendliche Auswahl an Nebenmissionen lädt einen förmlich dazu ein, den Pfad der Hauptstory zu verlassen. Auch in Rogue könnt ihr dem harten Tagesgeschäft entfliehen, indem ihr beispielsweise Jagdmissionen abschließt, Assassinenmissionen sabotiert, oder Gegenstände sammelt. Sammeln ist hier ein gutes Stichwort: Neben den alt bewehrten Truhen, Animus-Fragmenten, Schatzkarten und atmosphärischen Shantys, stibitzt ihr jetzt auch Wikingerschwerter, Totems und leuchtende Artefakte, um irgendwann weitere Belohnungen einzusacken. Doch das ist noch nicht alles.

Außerdem verdient ihr euch mit dem Aufbau und der Renovierung von New York und kleineren Siedlungen nebenbei etwas dazu. Selbiges gilt für die Seekampagne, in der ihr eure Flotte für euch auf Beutezug schickt. Seid ihr auf Action aus, könnt ihr Lagerhäuser leer räumen, Bandenquartiere hochnehmen und Forts erobern. Das breite Angebot macht etwa zwei Drittel eurer Spielzeit aus – wenn ihr denn alle Möglichkeiten voll ausschöpft.

Assassin’s Creed: Rogue – Test-Fazit

Assassin's Creed Rogue macht vieles richtig, aber auch leider viel falsch. Die Templer-Story funktioniert nur bedingt, da ich zum einen die Motive hinter der Konvertierung etwas schwammig finde und zum anderen ein Problem damit habe, auf einmal Jagd auf lieb gewonnene Charaktere, wie Achilles aus Teil 3 und Adewalé aus Black Flag, zu machen – das ist aber meine rein persönliche Meinung. Die Kämpfe sind nach wie vor nicht richtig ausbalanciert, die K.I. ist schlicht zu dumm und manche Missionen haben mich aufgrund der zu ungenauen Steuerung beim Klettern in den Wahnsinn getrieben. Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass der Abstergo-Storyzweig weiterhin in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

Das klingt jetzt schlimmer als es ist, denn im Grunde ist Assassin's Creed: Rogue ein unterhaltsames Spiel mit Kinderkrankheiten, die wir bereits aus der Vergangenheit kennen. Der Titel ist ein solider Abschluss der durchwachsenen Nord-Amerika-Reihe, der mich als Sympathisant der Serie sicherlich noch einige Stunden beschäftigen wird.

Hier findet ihr unsere offizielle Wertungsphilosphie.

Wertung

7/10
Getestet von Anne

Für Fans der Reihe definitiv ein Muss! Neueinsteigern würde ich empfehlen, zunächst die anderen Titel der Nord-Amerika-Trilogie zu spielen.

Weitere Themen: Assassin's Creed, Ubisoft

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