Assassin’s Creed 3: Liberation Test – Vita la Révolution?

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Wer als “Assassin’s Creed“-Fan neben einer Xbox 360, einer PS3 oder einem spielefähigen Rechner auch noch eine Vita sein Eigen nennt, darf jetzt gleich zwei mal zuschlagen. Zeitgleich zu “Assassin’s Creed 3” erscheint “Assassin’s Creed 3: Liberation” exklusiv für die PlayStation Vita. Statt Boston und Waldgebiet geht es hier nach New Orleans und in den Sumpf, statt mit Connor kämpfen wir mit Aveline, der ersten Heldin in Ubisofts Meuchelreihe.

Im Gegensatz zu Teil 3 beschäftigt sich “Liberation” nicht lange mit der Vorgeschichte, versucht nicht, Charaktere langsam zu etablieren. Es dauert keine zehn Minuten da stülpt sich die halb Französin/halb Afrikanerin ihre Assassinenkluft über und beginnt ihr Abenteuer. Es geht um die Befreiung von Sklaven, um die Besetzung New Orleans’ durch die Spanier, um die Wiederfindung ihrer verlorenen Mutter und natürlich um den ewigen Assassinen-Templer-Konflikt.

So richtig spannend will das alles aber nicht werden. Wir lernen bis auf Aveline kaum einen Charakter wirklich kennen. Es fehlen die wahrhaft bemerkenswerten Persönlichkeiten, an die man sich erinnert. Mit Haytham, Charles Lee oder Achilles fährt der große Konsolenbruder da wesentlich einprägsamere Charaktere auf. Hinzu kommt, dass “Liberation” sich kaum inszeniert. Die meisten Dialoge werden trocken im Stillstand aus wenigen Kameraperspektiven erzählt, während uns auf PS3 und 360 vollends realisierte Zwischensequenzen erwarten. Die gibt es hier auch, aber sehr viel seltener.

Dafür hebt sich “Liberation” spielerisch angenehm von anderen “Assassin’s Creed”-Teilen ab, zumindest in Teilen. Das Persona-System erlaubt es uns an freischaltbaren Orten überall in der Spielwelt eine von drei Kostümierungen zu wählen. Die Lady, die Sklavin und die Assassine stehen zur Auswahl, alle haben ihre eigenen Fähigkeiten. Die Lady kann etwa Wachen verführen oder bestechen und fällt generell weniger auf. Als Sklavin können wir zwischen anderen Arbeitern untertauchen und so unauffällig gesperrte Gebiete infiltrieren. Als Assassine steht uns dafür unser gesamtes Arsenal zur Verfügung.

Der stete Kostümwechsel bringt frischen Wind in die altbekannten Spielmechaniken, die “Liberation” natürlich ebenso bietet. Genau wie Connor hüpft Aveline geschmeidig von Baum zu Baum und kann sich später dank der neuen Peitsche sogar zwischen entfernten Ästen hin- und herschwingen. Pfeil und Bogen gehören zwar nicht zu Avelines Werkzeugen, dafür aber Blasrohre mit Giften, die Feinde etwa verrückt werden lassen, so dass sie jeden angreifen, der ihnen zu Nahe kommt. “Liberation” spielt sich damit noch einmal spürbar anders als “Assassin’s Creed 3″.

Leider bringt das dem Spiel nur wenig, da das Missionsdesign größtenteils uninspirierter kaum sein könnte. Gefühlt die Hälfte des Spiels verbringen wir damit, von Punkt A nach Punkt B zu latschen – auf ein gescheites Schnellreisesystem wurde verzichtet. Zu oft müssen wir Personen verfolgen, Gebäude XY infiltrieren oder eine bestimmte Zielperson erledigen. Es gibt kaum aufregende Situationen, kaum Auflockerung im schleppenden Spielverlauf. Lichtblicke wie eine Flucht durch die Straßen auf einer Kutsche oder die Erkundung eines geheimen Höhensystems à la “Uncharted” bleiben rar.

Bei den Nebenbeschäftigungen bietet uns “Liberation” den Serien-Standard: Voodoo-Puppen, Münzen, Maya-Statuen und Tagebuchseiten wollen gesammelt, Aufstände angezettelt und Konkurrenten erledigt werden. Kein Jagdsystem, kein Schiffskampf, dafür ein Handelssystem, das in seiner Ausführung stark an ein Browserspiel erinnert.

Gleiches gilt übrigens für den Mehrspieler-Modus, in dem wir auf einer Weltkarte verschiedene Agenten unseres Ordens (Templer oder Assassinen) an diverse Orte schicken, um nach und nach Gebiete einzunehmen. Warum auf den durchaus spaßigen Multiplayer aus “Brotherhood”, “Revelations” und Teil 3 verzichtet wurde, ist uns ein Rätsel. Das zu flache Pseudo-Strategiespiel ist leider kein gelungener Ersatz und nicht viel mehr als eine Randnotiz.

Grafisch ist “Liberation” an man manchen Stellen atemberaubend, etwa wenn wir von der Spitze eines Aussichtsturms auf die ganze Stadt oder den Sumpf blicken oder wenn wir in einer der neuen Tauchpassagen durch schimmernde Unterwasserhöhlen schwimmen. Andernorts fallen aber die technischen Unzulänglichkeiten des Spiels auf. Zahlreiche Pop-Ups, verwaschene Texturen, Animationsfehler, Bugs im Kampf- und Klettersystem, schwache Soundabmischung, fehlende Kantenglättung, aussetzende Soundeffekte und eine sehr unstabile Framerate zeigen, dass entweder keine Zeit zum Aufpolieren blieb oder “Liberation” einfach zu viel ist für die Vita.

Fazit:

“Assassin’s Creed 3: Liberation” leidet unter mäßigem Missionsdesign, einer vergleichsweise schwachen Geschichte und technischen Mängeln. Das Schlimmste aber ist: “Liberation” ist zu oft einfach nur langweilig. Anfangs fasziniert allein die Tatsache, ein “Assassin’s Creed” mit teils so schöner Grafik auf einem Handheld zu spielen. Schnell schwindet die Euphorie und übrig bleibt ein mittelmäßiges Spiel, das im großen Schatten seines zeitgleich erscheinenden Konsolengegenstücks steht. Klar macht es auch auf der Vita Spaß, über Dächer zu hüpfen, sich in Heuhaufen zu stürzen und nichtsahnenden Feinden Avelines Unterarmklingen vorzustellen – mit etwas mehr Entwicklungszeit hätte es aber soviel besser werden können.

Wertung: 70%

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