Assassin’s Creed 3 Test – Ob New York oder Boston, Hauptsache Europa!

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Die Erde geht vor die Hunde und wir müssen es verhindern. Das Volk vor uns hat es nicht geschafft, Minerva und Co. haben trotz Ultra-Technologie versagt und wir müssen es als Desmond nun ausbaden, sonst wird unser Heimatplanet Ende 2012 nämlich von der Sonne verbrutzelt. Minerva? Desmond? Das Ende der Welt? Was geht hier eigentlich gerade ab?

Assassin's Creed 3“ ist endlich da und eines müssen wir vorneweg klarstellen: Wenn ihr Teil zwei, „Brotherhood“ oder „Revelations“ nicht gespielt habt, wird euch die Geschichte um den gegenwärtigen Templer-Assassinen-Konflikt und das Ende der Welt mächtig Kopfaua bereiten. Denn leicht zu folgen sind die Geschehnisse nicht, trotz der netten Zusammenfassung in Videoform gleich zu Beginn des Spiels.

Und da wären wir auch schon bei einem der großen Probleme von Ubisofts Meuchelmörder-Massaker: Der Anfang. Sehr zähe vier bis fünf Stunden dauert es, bis die Story an Fahrt aufnimmt, bis es wirklich spannend wird, bis Missionen über das Schema „geh dahin, mach den platt“ hinausgehen. Und dabei ist das Setting so spannend, die Möglichkeiten so vielfältig, einen fulminanten Spielstart zu bieten. „Assassin's Creed 3“ spielt nämlich während der Amerikanischen Revolution im 18. Jahrhundert – nur wenige Minuten nach dem Spielstart legen wir im Hafen von Boston an, das serientypisch mal wieder wunderbar realisiert wurde. Begrüßt werden wir dort von niemand geringerem als Benjamin Franklin... der uns dann gleich eine der optionalen und weniger spannenden Sammlereien vorstellt.

Im Video-Review verraten wir euch mehr Details zu “Assassin’s Creed 3″:

Aber dran bleiben lohnt sich, es wird besser – richtig gut sogar! Denn die wahren Neuerungen warten erst nach einigen Spielstunden auf euch. Da wäre etwa der spektakuläre, actionreiche und doch taktische Kampf zu See, bei dem Held Connor zum besten Kapitän der sieben Weltmeere wird und ein Boot nach dem anderen zersprengt und versenkt – besonders dramatisch übrigens, wenn es dabei noch regnet, blitzt und donnert. Da ist es fast schon etwas schade, dass der Schiffskampf in der Story nur eine kleine Rolle spielt und wir zu Nebenmissionen greifen müssen, um uns hinters Ruder zu stellen.

Erstmals dürfen wir zudem die Wildnis zwischen den Städten erkunden und dort sogar auf Jagd gehen. Wer erst ein paar Hasen, Bären und Rehe erlegt und gehäutet hat, um mit den gesammelten Materialien dann Handel zu treiben oder Waren herzustellen, der fühlt sich nicht nur einmal positiv an „Red Dead Redemption“ erinnert. Nur war die Fauna in Rockstars Amerika deutlich cleverer als hier bei Ubisoft.

Statt zu fliehen bleibt ein Waschbär gerne mal an einem Baum hängen und dem gemeinen Reh ist es scheinbar völlig egal, dass bei einer Falle mit Köder schon drei andere tote Tiere liegen. Schade ist auch, dass vermeintlich gefährliche Geschöpfe wie Bären oder Hirsche mit einem recht einfachen Quick-Time-Event erlegt werden, wodurch sie nicht viel bedrohlicher wirken als die kleinen Häschen des Waldes. Spaß macht die Jagd aber trotzdem – Fallen stellen, Spuren lesen, mit Pfeil und Bogen das Tier erlegen, bevor es die Flucht ergreift. Da fühlt man sich schnell wie ein gewitzter Indianer auf der Pirsch.

Mit dem Geld, das wir durch Handel verdienen, können wir uns etwa neue Waffen für den Kampf kaufen. Schwerter, Äxte, Dolche, Knarren – eben was das Jahrhundert so hergibt. Am Gefühl der Scharmützel hat sich allerdings wenig geändert. Aus dem Ein-Tasten-Konter-System des Vorgängers wurde ein Zwei-Tasten-Konter-System, bei dem man ein bisschen besser aufpassen muss. Noch immer ist das alles aber zu einfach und automatisiert – die Upgrades, die wir für Connor erstehen können, brauchen wir nicht. Sie sind dem Spielspaß sogar eher schädlich, da der Kampf durch neue, stärkere Waffen einfacher und damit langweiliger wird.

Im GIGA Gameplay zu “Assassin’s Creed 3″ seht ihr das Spiel in Aktion:

Cool sieht es natürlich trotzdem aus, wenn sich unser rothäutiger Held mit Tomahawk in der einen und Dolch in der anderen Hand durch mehrere Platoons englischer Soldaten kämpft. Ein gewisses Machtgefühl macht sich breit. Übrigens nicht nur mit Connor: In der Gegenwart dürfen wir einige Male mit Desmond selbst losziehen und uns etwa durch ein MMA-Stadion in Brasilien kämpfen oder einen Wolkenkratzer in New York erklimmen. Das gibt uns einen Vorgeschmack auf ein „Asssassin's Creed“ im Jetzt und der ist äußerst vielversprechend.

Neben der riesigen Spielwelt und den zahlreichen Nebenbeschäftigungen blieb Ubisoft scheinbar nur noch bedingt Zeit für die Hauptmissionen. Die sind nämlich stark durchwachsen und reichen von spektakulären Parkour-Rennereien durch von Kanonenfeuer zerberstende Vororte bis hin zum immer wiederkehrenden „Verfolge-den-Typ“-Auftrag, der schon bei „Assassin's Creed 2“ angeödet hat.  Wo an manchen Stellen das riesige Budget des Spiels in aufwendigen Kulissen und spektakulären Events aufblitzt, wirken an anderer Stelle zu viele Missionen arg einfallslos und trist.

In jeder Mission gibt es zudem optionale Ziele. Die sind meist dermaßen unfair, dass wir sie nicht nur einmal bereits wenige Sekunden nach der Einblendung verfehlt haben. Etwa, wenn wir bei einer Verfolgung über einen Fluss das Wasser nicht berühren dürfen oder schlicht nicht entdeckt werden sollen. Das frustriert vor allem Achievement-Hunter und verlangt mehrere Neustarts des gesamten Auftrags – anwählbare Checkpoints gibt es nicht.

Dafür baut die Geschichte in gleich zwei Richtungen Spannung auf. Desmonds Crew ist nur einen kleinen Schlüssel davon entfernt, das letzte Geheimnis der ersten Zivilisation zu lüften und so das Ende der Welt zu verhindern. Wo dieser Schlüssel sein soll, wird Connors Geschichte verraten. Der wiederum ist mal wieder ein Charakter, dem man nicht nur zustimmt, der hin- und hergerissen ist zwischen seiner Bestimmung als Assassine und der Rettung seines Volkes. Und der mit seinem britischen Vater zu kämpfen hat, da sie scheinbar gegenteiligen Zielen entgegen eifern.

Mehr sei nicht verraten, nur, dass die Story des nunmehr fünften „Assassin's Creed“-Ablegers nach anfänglicher Hürde trotz einiger Logiklücken sehr gut Spannung beim Spieler aufbaut. Die Auflösung von Desmonds Geschichte war uns dann aber doch zu knapp, zu kurz, zu wenig Belohnung für das lange Abenteuer.

Der aus den Vorgängern bekannte Mehrspielermodus wurde leicht erweitert. In Spielmodie wie Deathmatch, Domination oder dem Koop-zentrierten Wolfpack rammt man sich gegenseitig Axt, Klinge und Knüppel in den Hinterkopf. Dabei muss man stets die Umgebung zu seinem Vorteil nutzen, etwa in der Menge untergehen, Abkürzungen über Dächer und durch Gassen nutzen oder aktive Fähigkeiten wie die Unsichtbarkeit verwenden, die einen unsichtbarer macht, je langsamer man sich fortbewegt.

Oder man streut Geld auf die Straßen, worauf sich NPCs sofort stürzen und so Spieler enttarnen. Neben aktiven Fähigkeiten gibt es auch passive Perks, die etwa automatisch NPCs dem eigenen Aussehen angleichen und es so für andere Spieler schwerer machen, das richtige Ziel zu meucheln. Taktisches, vorsichtiges Vorgehen führt zum Sieg, was den Mehrspieler von „Assassin's Creed“ nach wie vor zu einer willkommenen Abwechslung im Shooter-Einerlei anderer Spiele macht.

Fazit:

Es gibt viel zu meckern bei „“. Durchwachsene Missionsqualität, wackelige Balance, langatmiger Einstieg – all das nagt am Spielspaß. Den haben wir trotzdem. New York, Boston und die Wälder dazwischen wurden mit viel Liebe zum Detail verwirklicht und lassen Erkunderherzen höher schlagen. Der Schiffskampf verdient sein eigenes Spiel und sogar die Story macht wieder Spaß, nachdem sie in „Revelations“ eher müßig vorankam. Einen Sprung wie damals vom ersten „Assassin's Creed“ zu Ezios Abenteuer dürft ihr definitiv nicht erwarten. Sehr wohl aber ein gutes, spielenswertes Action-Adventure.

Wertung: 85%

Weitere Themen: gamescom 2013 – Alle Infos, das Gewinnspiel und wo ihr uns treffen könnt, Ubisoft


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