Assassin’s Creed 3: Tyrannei von König Washington – Die Schande Test

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Ich bin kein großer Fan von “Assassin's Creed 3“. In meinem Zuhause lassen sich sämtliche Sammlereditionen aller Spiele finden, zig Figuren schmücken meinen Schrank, dank verschiedener Bücher und einer Enzyklopädie kann ich die komplette Geschichte der Serie im Schlaf runterbeten. Und trotzdem hat mir der dritte Teil nicht besonders viel Spaß gemacht. Die Charaktere waren unsympathisch bis langweilig, das Szenario uninteressant, das Tutorial viel zu lang und die Missionen bestanden zum größten Teil aus „Laufe von A nach B, vorzugsweise in Schrittgeschwindigkeit“.

„Die Tyrannei von König George Washington“ und dessen erste DLC-Episode „Die Schande“ scheint nun der exakte Gegenentwurf zum Hauptspiel zu sein. Mit mehr Action, weniger Gelaber und einem überarbeiteten Szenario haben mir die 4 Stunden mit dem ersten DLC mehr Spaß gemacht, als das gesamte Hauptspiel zuvor. „Die Tyrannei“ erzählt eine alternative Geschichte, in der George Washington nicht die demokratischen Vereinigten Staaten gründet, sondern zu einem machtbesessenen Monarchen wird. Connor ist den Assassinen nie beigetreten und muss stattdessen Washington gemeinsam mit seinem Indianer-Stamm aufhalten.

Ihr habt richtig gelesen: Keine Assassinen, keine Templer, kein Desmond, kein Sci-Fi-Kram. Trotzdem ist der DLC Teil der Hauptgeschichte: Connor kann sich an alle Geschehnisse aus „Assassin's Creed 3“ erinnern und ist deswegen, wie der Spieler,komplett verwirrt, warum plötzlich alles anders  ist. Es wird spannend, zu sehen, wie Ubisoft diese Geschichte auflöst.

Bereits die erste Mission von „Die Tyrannei“ ist spektakulärer als alles, was man im Hauptspiel geboten bekam. Lexington wird von Washingtons Soldaten angegriffen und während Connor – komplett im Indianer-Outfit, inklusive Wolfs-Kopf als Hut – noch darüber am Rätseln ist, was hier überhaupt gerade abgeht, rennen wir schon durch die kleine Vorstadt und legen uns mit dutzenden Gegnern gleichzeitig an. Kurz darauf regnet Kanonenfeuer auf die Stadt nieder, brennende Menschen rennen uns schreiend entgegen, Einwohner und Soldaten kämpfen ums Überleben, Gebäude stürzen ein, die Erde bebt. Wir schwingen uns auf ein Pferd, rennen mitten durch das Chaos auf die Kanonen zu und töten dessen Besatzung  – wow!

Ubisoft hat aber nicht nur das Tempo und die Inszenierung deutlich aufgedreht, sondern sogar komplett neue Spiel-Mechaniken implementiert. Man mag es als langjähriger Fan kaum glauben, doch mit „Die Tyrannei“ bekommt Connor tatsächlich endlich die Fähigkeit, ungesehen durch die Gegend zu schleichen.

Auf Knopfdruck aktiviert ihr eine Spezialfertigkeit, mit der Connor die Kraft des Wolfes herbeiruft und auf Kosten seiner Gesundheit für einige Sekunden unsichtbar wird. So könnt ihr dann ungesehen von Deckung zu Deckung schleichen. Im Vergleich zum Hauptspiel wird das Augenmerk auf die Schleich-Aspekte gesetzt, einige Missionen könnt ihr nur abschließen, wenn ihr nicht entdeckt werdet.

Die erste Episode von „Die Tyrannei“ namens „Die Schande“ spielt komplett in der Wildnis, die angrenzenden Städte könnt ihr nicht besuchen. Auch die offene Welt hat bis auf einige Schätze und umherfahrende  Gefangenen-Konvois kaum etwas an Abwechslung zu bieten – der Fokus von „Die Schande“ liegt eindeutig auf den Hauptmissionen. Das bedeutet auch, dass mit dem Schiffskampf der wohl beste Teil von „Assassin's Creed 3“ komplett fehlt.

Leider muss „Die Tyrannei“ zudem noch immer mit den Lasten von „Assassin's Creed 3“ leben. Wegen der überarbeiteten Steuerung im Vergleich zum Vorgänger bleibt ihr alle paar Sekunden an irgendwelchen Kanten hängen, springt wenn ihr nicht springen wollt und umgekehrt. Die Kämpfe bestehen noch immer aus den immer gleichen Konter-Angriffen und sind deswegen viel zu einfach. Da es in „Die Schande“ zusätzlich keine einzige, große Stadt gibt, fällt das Parkour-Element fast vollständig weg. Über die gesamte Spielzeit habe ich nur wenige Sekunden mit dem Klettern durch die Baumkronen verbracht, was ich wegen der verkorksten Steuerung allerdings durchaus als Pluspunkt sehe.

Fazit:

Die erste Episode von „Die Tyrannei von König Washington“ macht all das besser, was mich am Hauptspiel gestört hat. Mit mehr Action, mehr Tempo, sympathischeren Charakteren  und einer entschlackten Geschichte ganz ohne Templer und Assassinen unterhält die erste Episode über die gesamte Spielzeit hervorragend. Seid ihr nur an den Hauptmissionen interessiert, wird euch „Die Schande“ etwa zwei bis drei Stunden unterhalten können, für das Finden von Schatzkisten und das Erkunden der Wildnis gehen noch einmal ein bis zwei Stunden drauf. „Assassin's Creed 3: Die Tyrannei von König Washington Episode 1 – Die Schande“ kostet 800 MS Points auf Xbox Live und 9,99€ im Playstation Store und bei Uplay. Wenn ihr euch den „Season Pass“ für insgesamt 30€ gekauft habt, sind alle drei Episoden dort enthalten.

Statt einer Wertung, gibt es eine Empfehlung: Solltet ihr mit dem dritten Teil gar nichts anfangen können, wird euch “Die Tyrannei von König Washington” auch nicht vom Gegenteil überzeugen können. Seid ihr dagegen Fan der Serie, wurdet jedoch von “Assassin’s Creed 3″ etwas enttäuscht, solltet ihr dem DLC zumindest eine Chance geben. Fans des Hauptspiels können dagegen bedenkenlos zugreifen.

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Weitere Themen: gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Ubisoft


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