Das atemberaubende Konstantinopel
Den Konflikt um Prinz Süleyman, dessen Vater und Onkel sich um den Platz des künftigen Sultans uneins sind, kriegen wir etwa nur beiläufig mit – selbst Ezio scheint nur bedingt Interesse daran zu haben. Abziehbild-Charaktere wie die schöne Sofia, die Ezio bei der Lokalisierung der Artefakte hilft, haben wir nachdem die Credits durchgerollt sind schonwieder vergessen – da hilft auch eine oberflächlich etablierte Liebesgeschichte nicht.
Mit “Brotherhood” spendierte Ubisoft der “Assassin’s Creed”-Serie einen Modus, mit dem keiner zuvor gerechnet hätte: Den Multiplayer. Für Revelations wurde das Katz-und-Maus-Spiel um diverse Modi und Mehrspieler-Fähigkeiten erweitert. So gibt es nun etwa eine Art Capture-the-Flag und einen Infestation-Modus, bei dem ein Attentäter andere Assassinen mit seiner Klinge “konvertieren” muss. Das macht Laune und motiviert dank zahlreicher Upgrade- und Individualisierungsmöglichkeiten auch auf lange Sicht.

Auch wenn auf erzählerischer Ebene enttäuscht, optisch ist dieses Spiel wie seine Vorgänger ein absolutes Fest. Konstantinopel wurde mit seinen vier Distrikten fantastisch umgesetzt, die orientale Atmosphäre ist greifbar und die Panaromen, die Ubisoft hier auf den Bildschirm zaubert, würden wir uns glatt einrahmen und in die GIGA-Büros hängen. Etwas verstörend ist jedoch, dass das Aussehen von Desmond und seinen Ahnen merklich verändert wurde – bis zum Schluss konnten wir uns mit dem neuen Look nicht wirklich anfreunden.
Musikalisch wandert Revelations ebenfalls im sicheren Bereich, so einprägsame Tracks wie das Stück Ezio’s Family aus Assassin’s Creed 2 gibt es aber nicht.
Fazit:
Nachdem ich Assassin’s Creed: Revelations nun durchgespielt habe, ist mir eines klar geworden: Ubisoft will mit dieser Reihe einfach zu viel. Die Geschichte ist inzwischen ein großes verheddertes Netz aus Verschwörungen und Pseudo-Mythen, durch das kein normaler Mensch mehr durchblickt. Zwar gibt es noch Lichtblicke – die Bildsprache am Ende von Revelations etwa ist ein wahres Highlight – allerdings hätte man nach Teil 2 einen Gang runterschalten und sich aufs Wesentliche konzentrieren sollen. Ich glaube nicht, dass das große Mysterium in “Assassin’s Creed” noch eine befriedigende Auflösung bekommen kann.
Spielerisch wandert Ezio derweil auf sicheren Wegen. Ergänzungen wie die Bomben oder die Hakenklinge sind eine Bereicherung, die bekannten und motivierenden Mechaniken der Vorgänger kehren zurück. Allerdings werden die wenigen einfallsreichen Missionen von viel Lauferei und Aufträgen der Marke “Folge dem da!” überschattet. Was bleibt, ist immer noch ein spaßiges “Assassin’s Creed”, aber auch eines, das man sich komplett sparen könnte, ohne etwas zu verpassen.