Batman Arkham Knight Test: Ein grandioses Finale

Martin Küpper
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ArkhamKnight_Test
Für gewöhnlich beginne ich meine Testberichte ja gerne damit, den Leser mit einer Frage zu ködern. „Kann Batman: Arkham Knight überzeugen? Wird es seinen Vorgängern gerecht? Ist es ein gelungener Abschluss der Trilogie?“ Aber damit möchte ich mich heute gar nicht erst aufhalten. Ich möchte gleich auf den Punkt kommen und es heraus schreien: Ja, verdammt! Es kann überzeugen, es wird seinen Vorgängern gerecht und es ist ein gelungener Abschluss der Trilogie! Mehr als das. Es ist eines der besten Spiele, die ich seit langer Zeit gespielt habe!

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Batman: Arkham Knight – Launch-Trailer

Ganz großes Kino. Eigentlich sogar besser.

Meine Begeisterung gilt in erster Linie der Handlung des Spiels, über die ich euch an dieser Stelle aber freilich schlecht allzu viel verraten kann. Eine kurze Synopse könnte ihr ohnehin nicht gerecht werden und mein kläglicher Versuch mit einer Umschreibung des Settings zu versuchen, euch einen Vorgeschmack zu geben, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Scarecrow hat Gotham durch die Androhung eines gewaltigen Giftgasangriffs leergefegt, in den Straßen herrscht Chaos und Anarchie und Batman ist natürlich der Einzige, der die Stadt vor dem drohenden Untergang bewahren kann. Zu allem Überfluss bekommt der Titelheld es auch noch mit dem geheimnisvollen Arkham Knight zu tun. Dieser neue Bösewicht ist das bösartige Gegenstück zu Batman und stellt somit eine ernsthafte und glaubhafte Bedrohung dar. Vor allem aber stellt seine Identität auch den besten Detektiv der Welt vor ein großes Rätsel.

Doch mit diesen Zeilen kratze ich nur an der Oberfläche und habe den vielleicht besten Strang der Story ganz bewusst nicht mit einem Wort erwähnt. Ihr könnt mir also nur blind vertrauen (oder es lassen), wenn ich euch sage, dass das was Arkham Knight erzählt, ganz großes Kino ist. Schon die grundsätzliche Idee ist genial, doch dass sie hier auch noch gekonnt und packend erzählt wird, ist die Sahne auf der Torte, die ich euch nicht mit einem Spoiler ins Gesicht schmieren möchte. Das müsst ihr einfach selbst erleben.

Im 7. Grafik-Himmel: Das sind die schönsten Screenshots, die es je gegeben hat

Gekonnt präsentiert, exzellent gestaltet.

Natürlich profitiert gerade auch die Handlung davon, dass die Präsentation des Spiels auf dem gewohnt hohen Niveau der Vorgänger ist. Die Zwischensequenzen sind sehr cineastisch gestaltet, sodass auch die Kollegen von GIGA FILM an Schnitt und Kamera wohl nichts auszusetzen hätten.

Die Sprachausgabe kann ebenfalls überzeugen, alle Stimmen wirken glaubhaft und passen zu den jeweiligen Charakteren wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Und wenn Batmans Faust tatsächlich ins Gesicht seiner Gegner kracht, sorgt das ganz allgemein tadellose Sounddesign für das entsprechende akustische Feedback. Euer Ohr wird also mit ordentlich POW, BOOM und BANG verwöhnt.

Die Grafik überzeugt wie gehabt vornehmlich durch den düsteren Stil. Doch auch rein technisch ist Arkham Knight auf den Konsolen (zur PC-Fassung komme ich noch!) größtenteils sauber. Nur ab und an wurde ich mit kleineren Grafik-Fehlern konfrontiert.

Das Gameplay: Ich bin immer noch Batman!

Soweit so gut, die Handlung und die Präsentation sind also ein Volltreffer – doch wie steht es um das Gameplay? Wer die Vorgänger gespielt hat weiß natürlich weitestgehend, was man hier erwarten kann. Das beginnt bei den Kämpfen, deren durchdachte Steuerung es nach wie vor ermöglicht, sich auch gegen größere Gegner-Massen wie eine coole Sau zu fühlen. Nein, besser noch! Man fühlt sich wie Batman! Doch feiert euch dabei nicht zu sehr, denn wenn ihr euch nicht konzentriert, kontert, ausweicht und die Stärken und Schwachstellen eurer Gegner berücksichtigt, werdet ihr vom Superhelden schnell zum Schlagsack degradiert.

Wenn eure Gegner über Schusswaffen verfügen, solltet ihr die offene Konfrontation natürlich generell meiden. Bleibt verborgen, schaltet eure Feinde vorsichtig nacheinander aus und genießt es, wie unter den verbleibenden Männern die schiere Panik ausbricht.

Es kann schon mal frustrierend sein, wenn man von einem der letzten verbliebenen Gegner doch noch erwischt wird und wieder von Neuem beginnen muss, doch im Gegenzug ist das Erfolgsgefühl zuckersüß. Kenner der Vorgänger kennen dieses Prinzip natürlich bereits, doch die gerissene Fledermaus hat ihr Repertoire nochmals um einige Tricks und Kniffe erweitert. Besonders amüsant fand ich es, mit einem Stimmenverzerrer die ahnungslosen Wachen herumzukommandieren und sie somit direkt in meine Falle zu locken. Mit ein wenig Einfallsreichtum lassen sich hier herrlich makabere Spielchen spielen.

Etwas Gehirnschmalz ist allgemein nicht verkehrt. Dass Batman mehr als ein Haudegen ist und sogar als einer der besten Detektive der fiktionalen Welt gilt, kommt mir in vielen Adaptionen ja entschieden zu kurz. In der Arkham-Reihe ist die Detektiv-Arbeit aber seit jeher ein fester Bestandteil des Konzepts, der auch hier wieder seine Glanzmomente bekommt. Immer wieder werdet ihr im Spielverlauf mit Denkaufgaben konfrontiert, die ihr mit den unterschiedlichsten Herangehensweisen lösen müsst. Mal versucht ihr durch Indizien bestimmte Ereignisse zu rekonstruieren, dann durchsucht ihr das Material von Überwachungskameras auf wichtige Hinweise und manchmal müsst ihr euch einfach nur den Weg von A nach B bahnen. Diese Denkaufgaben stellen zwar größtenteils keine sonderlich harten Kopfnüsse da, sind aber meist kreativ gestaltet und spaßig zu lösen.

Das Batmobil: Tank you!

Große kreative Ergüsse und neue Spielkonzepte darf man vom Abschluss einer Trilogie eigentlich sehr selten erwarten, doch Arkham Knight ist da eine lobenswerte Ausnahme – zumindest in der Idee, wenn auch nicht in der kompletten Ausführung. Das neue Spielelement kommt in Form des Batmobils und ist weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel.

Im Sattel des bis auf die Zähne bewaffneten Fahrzeugs erwarten euch im Spielverlauf immer wieder Schusswechsel mit feindlichen Panzern. Hierbei gilt es vornehmlich den gegnerischen Schüssen auszuweichen, die euch glücklicherweise vorab angezeigt werden. Und während ihr nun mit ruckartigen Ausweichmanövern den visuellen Schusslinien davon tänzelt, solltet ihr natürlich selbst das Feuer eröffnen und die Gegner erledigen. Von Kollegen habe ich immer wieder gehört, dass dies aufgrund der schwierigen Steuerung ein ziemlich nerviger K(r)ampf sein soll… ich persönlich bin aber größtenteils problemlos durch die Schusswechsel gekommen.

Ich kann aber trotzdem nicht behaupten, dass ich dabei sonderlich viel Spaß gehabt hätte. Die Kämpfe ziehen sich oftmals einfach etwas zu lange und kommen entschieden zu oft vor. Das größte Problem ist, dass es ihnen an Abwechslung fehlt. Jedes andere Element des Spiels bietet euch zahlreiche Optionen und unterschiedliche Herangehensweisen, hier ist das nicht wirklich der Fall. Ihr könnt zwar beispielsweise gegnerische Panzer hacken und euch somit temporär Schusshilfe sichern, doch in den meisten Fällen bleibt es immer beim Schießen und Ausweichen. Schießen und Ausweichen. Schießen und Ausweichen. Das ist schlicht und ergreifend auf Dauer zu dröge.

Wirklich schlecht sind die Passagen nicht, sie fallen im Vergleich zum restlichen Spiel nur doch merklich ab. Sagen wir es so: Ich war immer froh, wenn ich sie überstanden hatte – und das ist nicht unbedingt das beste Zeichen.

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Batman - Arkham Knight: Das Batmobil in Aktion

Reich an Abwechslung…

Das Batmobil wurde aber auch noch auf andere Art in das Spiel integriert. Es kommt immer mal wieder vor, dass ihr einen fahrbaren Untersatz oder auch die gewaltige Feuerpower des Batmobils an Orten benötigt, die es auf normalem Wege gar nicht erreichen kann. Um euer Vehikel trotzdem in Position zu bringen, müsst ihr euer Oberstübchen nutzen und nicht selten um ein oder zwei Ecken denken. Nützlich ist hierbei oft die Fernsteuerung des Batmobils, die es euch ermöglicht, zwischen Batman und dem Vehikel hin und her zu wechseln. Passagen, die wirklich sehr gut durchdacht und intelligent gestaltet sind.

Im Grunde fällt das Gameplay von Arkham Knight schon sehr abwechslungsreich aus. Alleine die Mischung aus Kämpfen, Schleichen, Rätseln und Fahrzeug-Passagen birgt schon mehr Abwechslung als viele andere Spiele dieser Größenordnung – doch damit hat sich Rocksteady nicht begnügt. Immer wieder werden euch neue Ideen und Möglichkeiten präsentiert, die das Vorhandene erweitern. An bestimmten Punkten bekommt ihr beispielsweise einen Gefährten an die Seite gestellt und könnt auf Knopfdruck zwischen Batman und seinem temporären Begleiter hin und her wechseln. Gerade in den Kämpfen sorgt das für eine neue Dynamik, da man Gegner nun auch via Team-Moves ausschalten kann.

…und an Umfang.

Doch Arkham Knight ist nicht nur reich an Abwechslung, auch der Umfang kommt wahrlich nicht zu kurz. Alleine die Hauptstory beschäftigt euch geschätzte 20 Stunden, doch auch darüber hinaus gibt es für Batman in Gotham jede Menge zu tun. Es wirkt, als hätten alle Bösewichte gemeinsam beschlossen, dem armen Bruce mit einer ordentlichen Beschäftigungstherapie aus dem langweiligen Millionärsalltag zu befreien. Ihr vermiest Banküberfälle von Two-Face, Feuerwehrleute warten auf eure Rettung und ein verstörender Serienmord könnte ganz nebenbei auch noch aufgeklärt werden. Zudem beweist ihr euch auch in etlichen Herausforderungen und bessert somit eure Highscores auf.

Ein besonderer Leckerbissen sind wieder die Aufgaben des Riddlers. Wie gehabt könnt ihr in ganz Gotham versteckte Riddler-Trophäen finden, doch in dieser Nacht möchte der Rätselfuchs noch ein anderes Spielchen mit uns spielen. Um das Leben von Catwoman zu retten, müssen wir eine Reihe kniffliger Aufgaben meistern, die (ganz im Zeichen des Riddlers) besonders einfallsreich gestaltet wurden. So gilt es etwa, mit dem Batmobil über gefährliche Parcours-Strecken zu brettern. Der Clou: auf Knopfdruck müsst ihr während der Fahrt Blöcke ein- und ausschalten um Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder wichtige Wegstücke zu erzeugen.

PC-Spieler kämpfen mit Problemen!

Bevor wir zu meinem Fazit kommen, muss ich noch dringend darauf hinweisen, dass die PC-Spieler aktuell leider mit einer ganzen Reihe an Problemen zu kämpfen haben. Die Portierung wird dem grandiosen Spiel leider überhaupt nicht gerecht, wird derzeit zurecht heftig kritisiert und wurde nun sogar von Warner Bros. aus dem Steam-Store genommen! Da ich die PS4-Fassung getestet habe, lasse ich diese Probleme nicht in die Endnote einfließen, möchte diese Schwierigkeiten aber nicht unerwähnt lassen. Wenn ihr betroffen seid, bekommt hier übrigens genauere Informationen und Hilfe bei euren Problemen:

Was tun bei PC-Problemen mit Arkham Knight?

Batman: Arkham Knight Test-Fazit

Batman: Arkham Knight präsentiert und erzählt seine packende Geschichte auf brillante Art und Weise und ist alleine damit bereits eine der besten Batman-Adaptionen, die ich kenne. Gleichzeitig überzeugt Arkham Night jedoch auch als Spiel. Umfang und Abwechslung legen die Messlatte durch den schieren Ideenreichtum einige Meter über der Konkurrenz an. Einzig die „Panzer-Passagen“ können mit den restliche Inhalten nicht mithalten – und sind somit ein kleiner Kratzer auf einem ansonsten blank polierten Meisterstück.

Seit Jahren gab es kein Spiel mehr, dass mich sowohl spielerisch als auch in Bezug auf die Story und Präsentation derart überzeugen konnte, wie es Batman: Arkham Knight geschafft hat.

PS: Die PC-Fassung ist eine Schande!

Die GIGA Wertungsphilosophie

 

Wertung

9.5/10
Getestet von Martin

Ein Meisterstück, das sowohl spielerisch als auch durch Handlung und Präsentation begeistert.

Na, angefixt?
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