Battlefield 1 im Test: Multiplayer-Meisterwerk und enttäuschender Einzelspieler

Alexander Gehlsdorf
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Battlefield 1 besinnt sich auf seine Wurzeln und widmet sich der Vergangenheit: Diesmal führt Dich DICE auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Ob das frische Szenario überzeugen kann oder der Schuss nach hinten losgeht, erfährst Du in meinem Test.

 

Battlefield – das steht für Multiplayer-Schlachten mit bis zu 64 Spielern, Klassenauswahl, Fahrzeuge, Teamplay und Taktik. Seit Battlefield: Bad Company versucht sich die Reihe jedoch auch an Einzelspieler-Kampagnen, deren Geschichten im Fall von Battlefield 3 und 4 jedoch bestenfalls mäßig ausfielen. Battlefield 1 wagt den Sprung aus dem Einheitsbrei aus Terroristen, Technologie und naher Zukunft und schickt die Spieler stattdessen in den Ersten Weltkrieg. Da sich neben kleineren Produktionen wie Valiant Hearts und Verdun bisher kaum jemand mit dem Szenario beschäftigt hat, stehen Battlefield 1 nun Tür und Tor offen, originelle Geschichten in einem unverbrauchten Setting zu erzählen. Theoretisch.

Vor dem Start: 10 voll gute Tipps für Battlefield 1

Die War Stories

Statt wie in anderen Serienteilen eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, zerteilt Battlefield 1 seine Kampagne in fünf voneinander unabhängige War Stories. Diese führen Dich an unterschiedliche, quer über Europa verteilte Schauplätze und darüber hinaus. Eine gelungene Möglichkeit, auch die weniger bekannten Fronten des Konflikts zu beleuchten. Die Story Durch Morast und Blut versetzt Dich in die Haut eines britischen Panzerfahrers, der sich in den letzten Kriegsmonaten hinter feindlichen Linien behaupten muss. Einflussreiche Freunde erzählt die Geschichte eines amerikanischen Hochstaplers, der sich als britischer Pilot ausgibt und schon bald dem Ernst des Krieges gegenübersteht. In Avanti Savoia! begibst Du dich in den italienischen Alpen auf die Suche nach deinem besten Freund, während Du in Der Meldegänger auf australischer Seite wichtige Nachrichten während der Schlacht von Gallipoli überbringst. Nichts steht geschrieben schickt Dich schließlich als Beduinin Zara gemeinsam mit Lawrence von Arabien auf Guerilla-Missionen, um einen schwer gepanzerten Zug des Osamnischen Reiches zu zerstören.

Das Potential der War Stories schöpft Battlefield 1 trotz dieser breiten Aufstellung dennoch nicht aus. Es illustriert zwar verschiedene Schauplätze des Ersten Weltkriegs, spielbar sind diese jedoch stets nur auf Seiten der späteren Siegermächte. Statt die Chance zu nutzen, sich differenziert mit den Schrecken des Krieges auseinanderzusetzen, bestehen die kurzen Episoden aus plattem Heldenpathos. Die eingeblendeten Texte zu Beginn und am Ende jeder Geschichte verstreuen zwar hin und wieder ein paar Hintergrundinformationen, verlieren sich aber ebenso in nichtssagenden Glorifizierungen, statt das Kriegsgeschehen nachvollziehbar einzuordnen. Das betrifft zugegebnermaßen nicht alle Einsätze im gleichen Maße. Die Geschichte des Piloten in Einflussreiche Freunde schafft es beispielsweise, den Heldenpathos an der richtigen Stelle geschickt zu brechen und stellt den erzählerischen Höhepunkt der War Stories dar. Spätestens nachdem ich in Avanti Savoia! in eine Ritterrüstung schlüpfe und mit dem MG im Alleingang unzählige Feinde niedermähe, wird die Kampagne jeoch wieder zur bemühten Popcorn-Schießbude und trägt nichts dazu bei, den Ersten Weltkrieg historisch korrekt aufzuarbeiten.

Das Gameplay

Kann Battlefield 1 die erzählerischen Schwächen wenigstens spielerisch ausgleichen? Tatsächlich spielen sich die einzelnen War Stories alle recht unterschiedlich und wechseln auch innerhalb eines Einsatzes hin und wieder das Tempo, etwa wenn ich in Durch Morast und Blut die Kontrolle über eine Breiftaube übernehme. Mehrmals gibt mir das Spiel sogar die Möglichkeit, mich unbemerkt durch feindliche Gebiete zu schleichen. Das funktioniert zwar mehr oder weniger gut, deutlich besser fühlen sich aber die Schießereien an, die dank Frostbite Engine 3 genauso präzise und angenehm von der Hand gehen, wie im Multiplayer-Modus.

Wirklich anspruchsvoll spielen sich die Einsätze jedoch kaum, meistens reicht es aus, alle Gegner auszuschalten und zum nächsten Checkpoint vorzustoßen. Relevant ist in erster Linie das Geschick am Fadenkreuz, nur der höchste der drei Schwierigkeitsgrade verlangt mitunter taktisches Vorgehen. Mein spielerischer Höhepunkt war der finale Kampf um den gepanzerten Zug in Nichts steht geschrieben, der es als einziger schafft, ein wenig die Atmosphäre einer Multiplayer-Partie einzufangen, während ich in den übrigen Einsätzen größtenteils auf mich allein gestellt in linearen Levels unterwegs bin.

Hochglanz-Tutorial

Was der Einzelspieler-Kampagne richtig gut gelingt, ist die Einführung typischer Battlefield-Mechaniken für potentielle Neueinsteiger. Von der Steuerung eines Flugzeugs, über die Stärken und Schwächen eines Panzers, hin zum Markieren von Gegnern werden diverse im Multiplayer relevante Spielmechaniken erklärt. Das mag für Veteranen im ersten Schritt nicht weiter von Bedeutung sein, wenn es aber dazu führt, dass auch Neueinstiger in den Online-Partien konsequent Gegner für die Artillerie und Flugzeuge markieren, Panzer an den entsprechenden Schwachstellen unter Beschuss nehmen und wissen, wie man Fahrzeuge repariert, profitieren davon auf lange Sicht auch erfahrene Spieler.

Ob Battlefield 1 im Multiplayer überzeugen kann, erfährst Du auf Seite 2.

Weitere Themen: E3 2016, DICE

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