Battlefield 3 Multiplayer Test - Hat DICE es noch drauf?

Tobias Heidemann
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Vergangene Woche wurden wir von der Battlefield 3 Solo-Kampagne ein kleines bisschen enttäuscht. Seltsam, denn auf dem Papier bot sie so ziemlich alles, was das moderne Shooter-Herz begehrt. Bei unserem Test des Multiplayer-Parts liegen die Dinge nun genau andersherum. Der Mehrspieler-Modus bietet wenig Neues und ist eigentlich nur eine Feinjustierung des bekannten Battlefield-Konzepts – trotzdem hat uns DICE damit voll und ganz überzeugt. Von Enttäuschung keine Spur. Am Ende geht es eben doch immer nur um Spielspaß und genau davon hat Battlefield 3 mehr als alle vergleichbaren Titel.

Battlefield 3 Multiplayer Test   - Hat DICE es noch drauf?

Wer in den letzten sechs Jahren nicht seine gesamte Freizeit auf einem “Battlefield 2″- oder “Bad Company 2″-Server verballert hat, der muss schon seeeeehr genau hinsehen, um zu erkennen, was im Mehrspieler-Bereich von “Battlefield 3″ tatsächlich NEU ist.

Ok, Grafik und Sound sind bekanntlich der Hammer und lassen jeden Rekruten erst einmal vor Ehrfurcht erstarren. Von den schattendurchzogenen Gassen des “Grand Bazaar” über die Graffiti-beschmierten Pariser U-Bahn-Tunnel der “Operation Metro” bis hin zum Donnergrollen der Panzerschlachten an der “Caspian Border” – die neun Schlachtfelder sehen so verdammt gut aus und hören sich so unglaublich realistisch an, dass selbst alte Battlefield-Hasen hin und wieder vor lauter Staunen ins wunderschöne Gras beißen.

Hat man sich aber erst einmal an die audio-visuelle Modernisierung des Militär-Shooters gewöhnt, bekommt man eine klare Sicht auf das Kerngeschäft von “Battlefield 3″ – und genau daran hat sich fast nichts geändert.

Was ist neu an Battlefield 3?
Das ist schon etwas ungewöhnlich für den schwedischen Entwickler DICE. Während man in der “Bad Company”-Reihe mit einer zerstörbaren Umgebung, dem taktisch anspruchsvollen Rush-Modus und dem teambasierten Squad-Sytem gleich mehrere tolle Neuerungen einführte, sind die Alleinstellungsmerkmale in “Battlefield 3″ nun sehr spärlich gesät. Einzig Team-Deathmatch und die kurzen Koop-Missionen geben im dritten Teil ihr Debut. Beides sind hinlänglich bekannte Genre-Variationen, die zudem kaum mehr als ein solides Zugeständnis an die “Modern-Warfare”-Fans sind. In punkto Innovation sind wir von DICE nun wirklich mehr gewöhnt.

Warum sollte man sich “Battlefield 3″ dann überhaupt zulegen? Wegen der Grafik? Dem tollen Sound? Angesichts der wenigen Neuerungen (und dem derzeitigen Ärger um Origin) eine legitime Frage. Nun, weil “Battlefield 3″ sich trotz des vermeintlichen Stillstands wie ein ganz neues Spiel anfühlt. DICE hat an so vielen kleinen Stellschrauben gedreht, so viel sinnvolles Fein-Tuning betrieben, dass am Ende das bisher beste “Battlefield” herausgekommen ist. Man sieht es “Battlefield 3″ vielleicht nicht sofort an, doch die Liste entscheidender Neuerung ist verdammt lang.

Stillstand? Von wegen!
Anstatt zum Beispiel eine oder gleich mehrere neue Klassen einzuführen, hat DICE die bestehenden radikal überarbeitet. Die bekannten Waffen, Gadgets und Fähigkeiten wurden den alten Klassen-Kammeraden entrissen, dann in einen großen Topf geworfen, mit einigen neuen Kriegsgeräten und Skills gewürzt und schließlich – unabhängig von ihrer Herkunft – komplett neu verteilt. DICE hat mit dieser Vorgehensweise alte Spiel-Strukturen mutig aufgebrochen, um am Ende das Teamplay intuitiver und die Gefechte spannender zu machen.


Der für seine Defensivfähigkeiten bekannte Sani fiel beispielsweise gleich ganz dem Rotstift der Entwickler zum Opfer. Seine Medi-Packs und der wiederbelebende Defibrilator tauchen dafür plötzlich im Handgepäck des Assault auf – einem erwiesenen Frontschwein. DICE will, dass sich die alte Granatenschleuder in der neuen Rolle des Heilers endlich mal nützlich macht, anstatt den Rest der Spielergemeinde ständig mit den Zufallstreffern aus seiner Noob-Tube zu ärgern.

Weitere Themen: Battlefield 3 - Trial, multiplayer, Battlefield, DICE

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