Battlefield 4 Test des Multiplayers: Absturz in die gute alte Zeit

Tobias Heidemann
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Die Umstände meines Tests zu „Battlefield 4“ waren speziell. So speziell, dass mir eine kleine Vorwarnung angebracht erscheint. Wobei, wenn ich genau darüber nachdenke, ist hier sogar eine Art  Disclaimer notwendig. Ich schließe also hiermit jegliche Haftung für den nun folgenden Text aus – ich war nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und meine Erfahrungen mit dem Multiplayer aus „Battlefield 4“ sollten in keiner Weise als repräsentativ angesehen werden.

Battlefield 4 Test des Multiplayers: Absturz in die gute alte Zeit

Als ich am vergangenen Donnerstag mein erstes BF4-Match startete, stand ich nämlich bereits unter Drogen. Zwei Paracetamol, mehrere Milligramm Pulmotin, ätherische Substanzen und eine Überdosis Ingwer vernebelten mir den Geist. Das Fieber einer Bronchitis hatte mich fest in seinem Schwitzkasten. Der Hals war wund, der Kopf dick und die Lust auf die ohrenbetäubende Kriegs-Kakophonie der Frostbite 3-Engine überschaubar. Ein krankheitsbedingter Rückzug kam leider nicht in Frage. Außer mir hatte kein einziges Redaktions-Mitglied Interesse an einem Test von „Battlefield 4“ gezeigt.

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This Is Battlefield 4 Multiplayer
Als langjähriger Battlefield-Spieler hatte ich mich im Vorfeld richtig auf diesen Test gefreut. Seit ich seinerzeit sagenhafte 200 Spielstunden in den Online-Modus von „Bad Company 2“ verschossen hatte, warte ich darauf, dass die Serie noch einmal diese eigentümliche, fremde Macht über mich ausüben wird. „Battlefield 3“ war dies zuletzt leider nicht mehr gelungen.

So beeindruckend das audio-visuelle Powerhouse auch gewesen sein mag, im direkten Vergleich mit „Bad Company 2“ war irgendetwas abhanden gekommen. Wobei „irgendetwas“ hier nur ein schwächlicher Platzhalter ist – ich kann tatsächlich nicht genau sagen, was mir zuletzt gefehlt hat. Schließlich war in „Battlefield 3“ alles ein bisschen größer, detaillierter und beeindruckender. Nur eben nicht besser.

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Hoffnungsträger oder Cash-Cow?

So gesehen war „Battlefield 4“ für mich in den letzten Monaten vor dem Release eher ein Hoffnungsträger, denn eine zu schnell produzierte Cash-Cow. Dass EA und DICE den neusten Teil vergleichsweise früh auf den Markt geworfen haben, muss – in diesem speziellen Fall wohlgemerkt – also nichts Schlechtes bedeuten. Zumindest dann nicht, wenn man – so wie ich – mehr nach jenem besonderen „irgendetwas“, also nach einer besseren Abmischung der altbekannten Elemente, und weniger nach Innovation und neuen Killer-Features sucht.

Dieses Feature heißt in „Battlefield 4“ bekanntlich „Levolution“ und soll hier gleich mal als ziemlich großer Quatsch abqualifiziert werden. Dann ist es wenigstens vom Tisch.

Brechende Dämme, einstürzende Neubauten, aufkommende Stürme und spontane Überflutungen sind sicherlich nette Zusatzereignisse – in ihren beiden Wirkungsdimensionen, Dynamik der Schlachtfelder auf der einen und filmische Inszenierung auf der anderen, können die vermeintlichen Alleinstellungsmerkmale aber nur als zu zögerliche Schritte in eine an sich richtige Richtung angesehen werden. So geht dem Brechen der immer gleichen Sollbruchstellen oder dem Interagieren mit Umgebungselementen wie zum Beispiel Türen einfach das, nun ja, Dynamische ab.

Die Auswirkungen der Levolution-Elemente sind zu gering, zu absehbar, zu schlicht, um die Kräfteverhältnisse auf den jeweiligen Karten tatsächlich zu Gunsten und Ungunsten der streitenden Parteien zu verändern. Mit anderen Worten: Levolution ist in seiner spielerischen Dimension weder bedeutend, noch flexibel genug, um der von DICE gerührten Werbetrommel gerecht zu werden.

Dass die kurzen Zerstörungsorgien zur Atmosphäre beitragen und somit auch einfach Spaß machen können, soll hier gar nicht bestritten werden. Levolution ist schön anzuschauen und sorgt hin und wieder für inspirierende Schlachtfeld-Romantik.

 

Allerdings konnte mich „Titanfall“ mit seinem „Cinematic Multiplayer“-Konzept in dieser Hinsicht etwas mehr begeistern. Hier nimmt gleich eine ganze NPC-Armee am Kampf teil und für Abschüsse von NPCs bekomme ich sogar noch Punkte. Levolution bringt mir hingegen keine Punkte und dient meist eher als Kulisse, denn als interaktives Element. Beim nächsten Mal also bitte ganz oder gar nicht, DICE.

Ganz oder gar nicht

Ganz oder gar nicht wären dann auch die richtigen Stichwörter für die ersten zwei Tage meines Tests. Auf die hätte ich nämlich gerne ganz verzichtet, da „BF 4“ auf meinen beiden Testrechnern so gut wie gar nicht lief.

Jede beendete Partie wurde mit einem harten Absturz quittiert. Jede! Mal bekam ich gleich einen Red-Screen, mal wurde ich mit der informativen Botschaft „Something went wrong“ aus dem Spiel zurück ins (immer noch sehr unkomfortable)  Battlelog geworfen. Wenn es „Battlefield 4“ wirklich gut mit mir meinte, dann schenkte es mir einen Freeze, der den zuletzt abgespielten Soundfetzen in eine grauenvolle Endlosschleife verwandelte. Dank dieser Erfahrung weiß ich jetzt: Wörter wie „Abfackeln“ oder „Panzer“  können einen Mann in den Wahnsinn treiben, wenn man sie nur oft genug wiederholt. Zumindest wenn man 39 Grad Fieber hat und nicht so lange warten kann, bis der Hersteller die eklatanten Launch-Probleme in den Griff bekommt.

Spulen wir also zwei Tage vor und vergessen wir den desaströsen Start, den EA und DICE hier trotz ausführlicher Beta-Phase hingelegt haben. Zwar sind die Probleme noch lange nicht vollständig behoben (Heute ist der 04. November), doch das Wochenende gewährte mir viele, viele Spielstunden ununterbrochener Spielerfahrungen und diese sollen mir als Grundlage für meinen Test genügen.

Und doch wieder nur Conquest und Rush

In ihrer Gesamtheit machen die „Battlefield 4“-Modi und das Karten-Layout auf mich einen sehr durchwachsenen Eindruck, wobei die neu eingeführten Modi (Obliteration und Defuse) eher enttäuschen, die altbekannten Vorzeigemodi (Conquest und Rush) dafür aber so viel Spaß wie nie zuvor machen.

Obliteration kommt mit seiner teambasierten Bombenjagd zunächst als gute und aufregende Idee beim Spieler an. Nach einigen Partien merkt man aber, dass sich der neue Modus zwar hervorragend für die Kreation unvorhersehbarer oder einfach nur lustiger Momente eignet, für sich genommen aber etwas unreif ist. In meiner Erfahrung schwankten die Partien spielerisch stets zwischen zwei Extrem-Polen. Entweder die Nummer artete in unkoordiniertes Chaos aus oder aber die Teams fahren sich in einer Pattsituation fest, die weder spannend noch befriedigend war.

Dass Obliteration (noch) nicht richtig aufgeht, kann viele Gründe haben. Mein Tipp wäre das Fehlen eigens für diesen Modus designter Karten. So scheint mir das Konzept auf der weiten Flur der klassischen Conquest-Karten komplett verloren zu sein, während die intimere Map „Operation Locker“ eher zu einer spielerischen Dünndarm-Verstopfung führt.

Überhaupt tut sich DICE mit seiner „Alle Modi auf allen Karten“-Politik keinen Gefallen. Das genannte „Operation Locker“-Beispiel trägt dieses grundsätzliche Problem, das „Battlefield 4“ von seinen Vorgängern erbt, am besten zur Schau, denn abgesehen von Domination oder Team-DM sollte man hier gar nix spielen. Diese Modi machen dann aber auch einen Mordsspaß auf der Karte. Was bleibt, sind gemischte Gefühle und die Hoffnung, dass DICE den unterschiedlichen Modi in Zukunft die passenden Karten schenkt.

Zu Defuse fällt mir ehrlich gesagt nicht viel ein, denn hier wurde das altgediente Counter Strike-Konzept einfach auf Battlefield getrimmt. Das funktioniert. Neue Einsichten in das Mehrspieler-Urgestein oder besonders viel Spaß gewährt der Modus allerdings nicht.

Wachsende Begeisterung

Bei mir kam es dann, wie es kommen musste. Ich spiele derzeit nur noch Conquest und Rush. Am liebsten auf den Karten Rogue Transmission und Zavod 311. Und das mit stetig wachsender Begeisterung.

Alles, was mir an Battlefield jemals Spaß gemacht hat, darf sich hier voll und ganz entfalten. Die enorme Kreativität, die mir das konkurrenzlose Arsenal an Waffen, Modifikationen, Fahrzeugen und Gadgets ermöglicht, der instinktive Zwang zum Teamplay, das Unvorhersehbare und die Spannung einer engen Entscheidung – all das begegnet mir hier. In jeder Partie. Und wieder kann ich davon nicht genug bekommen.

Es ist diese kleine, feine Nische der Glückseligkeit, die „Battlefield 4“ für mich vor der Bedeutungslosigkeit rettet, denn wer ehrlich ist, wird die Unterschiede zum Vorgänger an einer Hand abzählen können. Bessere Grafik, zehn neue Karten und ein inkonsequentes Levolution – eigentlich ist das mehr als dürftig und für viele Beobachter vielleicht sogar schon „Abzocke“ nach EA-Muster. Doch wenn Conquest und Rush mir mehr Spaß machen als jemals zuvor, dann hat DICE zumindest das richtig gemacht, was mir persönlich wichtig ist.

Woher all der Spaß dieses Mal kommt, kann ich wieder einmal nicht genau sagen. „Battelfield 4“ spielt sich einen Hauch langsamer und gewährt mehr Überlebenschancen. Wer genau weiß, was er tut, kann das unvermeidbare Ableben noch etwas länger herauszögern als zuletzt im Vorgänger. Das führt dazu, dass man dem Tod so manches Mal von der Schippe springt, was jenes tolle Gefühl eines besonders aufregenden und ereignisreichen Tickets befördert. Gleichzeitig wurde die Freischaltung neuer Waffen und Gadgets etwas gestreckt, ohne deren motivierende Aussicht zu verstellen. Mit der Rückkehr des Commander-Modus macht DICE zudem noch einen taktischen Fehler der Vergangenheit wieder gut.

Fazit

Die Mischung aus heroischen Momenten, spielerischer Kreativität, natürlichem Teamplay und fesselnder Langzeitmotivation ist der Stoff aus dem „Bad Company 2“ gestrickt war – meinem Lieblingsteil der Serie. In „Battfield 4“ gibt es für diese magische Mixtur endlich wieder eine kleine Nische. Conquest und Rush machen auf einigen wenigen Karten mehr Spaß als jemals zuvor. Nur hier will ich spielen, nur hier ist „Battlefield 4“ besser geworden als seine beiden Vorgänger.

Der Rest von „Battlefield 4“ stagniert dafür auf dem Niveau des dritten Teils und ist mir damit herzlich egal. Die neuen Modi funktionieren zwar, sind aber entweder unfertig (Obliteration) oder Schnee von gestern (Defuse). Das große Alleinstellungsmerkmal Levolution sorgt für ein willkommenes Mehr an Atmosphäre auf den Schlachtfeldern, ist spielerisch letztlich aber nicht der Rede wert. Das Design der Karten stellt wieder einmal die hohe Kunstfertigkeit von DICE unter Beweis, zeigt aber auch, dass es endlich Zeit wird, die passenden Karten für die passenden Modi zu entwickeln. Was von der Singleplayer-Kampagne zu halten ist, konntet ihr ja bereits in meinem Test nachlesen.

Ich lasse „Battlefield 4“ trotz seiner Selbstgenügsamkeit und trotz seiner schwerwiegenden technischen Probleme noch einmal mit einem blauen Auge davon kommen. Beim nächsten Mal wird es aber verdammt eng. Dann bitte gleich ganz ohne Kampagne und dafür mit konsequenteren Neuerungen.

 

Wertung

8/10
Getestet von Tobias

Schlimme Bugs und viel Stillstand - dass mir dieses Spiel dennoch so viel Spaß macht, ist ein kleines Wunder. Ein Wunder, das in Conquest und Rush zu finden ist. Doch dieser Bonus ist nun endgültig aufgebraucht.

Na, angefixt?
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