Black Mesa Test: Das kostenlose Meisterwerk

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Während im Handel erhältliche HD-Collections für 40 Euro nichts weiter zu bieten haben, als eine höhere Auflösung samt skalierter Texturen, hat es das etwa 40-köpfige Hobby-Entwicklerteam der „Black Mesa“-Mod geschafft, sein großes Vorbild „Half-Life 1“ tatsächlich zu übertrumpfen. Ihr lest richtig: Black Mesa ist besser als das legendäre Original.

„Half-Life“ revolutionierte 1998 das Genre der Ego-Shooter und zeigte, wie man inmitten all der Einheits-Ballerei eine spannende Story erzählen konnte. 14 Jahre nach dem Release spielt sich das Original noch immer hervorragend, die Grafik wirkt heute aber abschreckend. Ganz klar: Ein paar neue HD-Texturen gebastelt, die Auflösung hochgeschraubt und schon ist die Arbeit getan...könnte man meinen.

Vermutlich hätte sich auch kaum einer beschwert, wenn das Modding-Team genau das getan hätte. Stattdessen liefert es jedoch ein generalüberholtes, eigenständiges Spiel ab, das gleichzeitig nostalgisch und neu ist. Black Mesa hat nur noch die grundsätzliche Struktur und die Story mit dem Original gemein, ansonsten wurde alles gemäß der Möglichkeiten der Source-Engine umgebaut. Die Level sind größer, die Gegner klüger, nervige Sektionen wurden eiskalt weggekürzt. Was nun neu ist und was aus „Half-Life“ übernommen wurde, lässt sich nicht unterscheiden: Jeder Raum und jeder Gegenstand ist perfekt in das jeweilige Level integriert. Besonders die Außenareale sind nun nicht mehr nur wenige Quadratmeter große Boxen mit Skybox-Anstrich. Stattdessen sind sie (wie etwa im Falle des Staudamms) nun bis zu dreißig Mal größer und vollgepackt mit neuen Physikrätseln, Waffendepots und Gegnern.

Daneben hat das Team sämtliche Figuren neu synchronisiert und im Falle von Dr. Kleiner und Eli Vance ihre ursprünglichen Sprecher sehr genau imitiert. Ab und an hört man eine Stimme mal doppelt und dreifach, was die Begeisterung über die professionelle Neuvertonung aber nicht schmälern kann. Gleichzeitig wurde der Mod ein komplett neuer Soundtrack spendiert, den ihr auf der offiziellen Website kostenlos herunterladen könnt. Die Tracks erinnern stark an den OST von „Half-Life 2“ und passen insgesamt gut ins Spielgeschehen. An wenigen Stellen dröhnt die Musik jedoch so kräftig aus den Boxen, dass es der Atmosphäre eher schadet.

Grafisch kann es „Black Mesa“ problemlosen mit aktuellen Vollpreistiteln aufnehmen.  Das Entwicklerteam nutzte die gleiche Version der Source-Engine, die auch schon in „Portal 2“ und „Left 4 Dead 2“ zum Tragen kam, wodurch die Mod sogar „Half-Life 2“ grafisch den Rang abläuft.

„Black Mesa“ ist leider auch der etwas traurige Beweis dafür, wie wenig sich das Ego-Shooter-Genre in den letzten 14 Jahren weiterentwickelt hat. Es gibt es zahlreiche optionale Laufwege, an deren Ende Bonuswaffen, Munition oder hilfreiche Wachmänner warten. Diese folgen euch durch das Level, ballern auf Gegner und können so die ein oder andere Situation erheblich vereinfachen. Die offene Levelstruktur wird immer wieder von Skript-Sequenzen unterbrochen, in denen ihr etwa vor einem Raketenangriff in einen Bunker flüchten oder einen Boss besiegen müsst. Man macht über die gesamte Spielzeit nie lange das Gleiche, ständig gibt es neue Herausforderungen zu meistern.

Fazit:

Acht Jahre hat es gedauert, doch die Wartezeit hat sich gelohnt. „Black Mesa“ ist kein Remake, es ist ein eigenständiges Meisterwerk, das jeder Shooter-Fan gespielt haben muss. Dass ein solch hochwertiges Spiel tatsächlich von einem Hobby-Team realisiert wurde und anschließend allen Ernstes kostenlos auf den Markt geworfen wird, ist kaum zu fassen. Mit der „Half-Life“-Serie hätte das Team kaum in größere Fußstapfen treten können, doch es schafft tatsächlich, sie komplett auszufüllen.

Wertung: 93%

Weitere Themen: Black Mesa Modification Team


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