The Killing TV-Review - Die Rettung der Krimiserie

Tobias Heidemann
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Der Krimi verblutet. Es ist ein Steckschuss ins Herz. Während das US-Fernsehen das soziale Grundmotiv der Kriminalgeschichte mit technokratischen Ermittlungsmethoden à la "CSI – Schießmichtot " ad absurdum führt, langweilen uns die Öffentlich-Rechtlichen mit Tatort-Drehbüchern zum Fremdschämen. Doch halte durch, lieber Krimi- Unterstützung ist unterwegs: Mit der Adaption der dänischen Serie "Forbrydelsen" hat der amerikanische TV-Sender AMC gerade eine der besten Krimiserien der letzten Jahren im Programm.

The Killing TV-Review - Die Rettung der Krimiserie

Für Krimiliebhaber waren es verdammt harte Jahre. Man musste lange suchen, um verwertbare Beweisstücke für die Qualitäten des Genres zu finden. In Deutschland waren es eher kleinere TV-Projekte wie zum Beispiel der “KDD – Kriminaldauerdienst” oder die ganz fantastische Miniserie “Blackout – Die Erinnerung ist tödlich” aus dem Jahr 2006, die zur Ehrenrettung des Krimis vor dem Geschmacksgericht erschienen.


Die Briten konnten Krimi zwar schon immer – ließen die Verbrechensbekämpfung aber in jüngster Zeit etwas schleifen. Damit soll natürlich nicht unterschlagen werden, dass der nervenkitzelnde BBC Detective Chief Inspector John Luther, gespielt von einem unglaublich engagierten Idris Elba, seinen Zuschauern wirklich unter die Haut ging. Was uns die britischen Autoren da zum Ende der ersten Staffel von präsentierten, war erfrischend konsequent und dürfte so manchem Augenzeugen die Maniküre erspart haben.

Und die Amis? Verrennen sich in abstruseren Prämissen und abwegigen Ermittlungsmethoden. Ein pfiffiger “Pitch”, geschaffen um irgendeinen Produzenten zu überzeugen, ist aber nicht gleichbedeutend mit einer guten Geschichte. “CSI”, “Criminal Minds”, “Bones” oder “The Mentalist” – die Liste ist lang. Sie alle lassen sich in einem Satz zusammenfassen und übertragen Allbekannte Hausmannskost mit lediglich leicht veränderten Vorzeichen auf neue Charaktere und Handlungsorte. Der Krimi kann mehr. Viel mehr!

Dass es dann ausgerechnet das US-Remake einer dänischen Fernsehserie sein würde, das den Krimi im Jahr 2011 vor seinem Untergang im Mittelmaß retten würde, überrascht dann doch sehr. “The Killing” heißt die von den Fox Television Studios produzierte und vom Kabelsender AMC seit dem dritten April ausgestrahlte Fernsehserie, die die Geschehnisse aus dem dänischen Original “Forbrydelsen” – zu Deutsch “Das Verbrechen” – in das verregnete Seattle verlegt.


“The Killing” erzählt meisterhaft von den Ermittlungen im Mordfall Rosie Larsen. Das junge Mädchen wird im Kofferraum eines Wagens gefunden, der zum Wahlkampfteam des idealistischen Bürgermeister-Kandidaten Darren Richmond gehört. Der Tod des Teenagers wird damit zu einem Politikum, das sich auf die gesamte Stadt auswirken könnte.

Dass das tote Mädchen überhaupt gefunden wird, ist der Mordkommissarin Sarah Linden zu verdanken, die an ihrem letzten Tag im Einsatz der Polizei von Seattle der Vermisstenanzeige nachgehen muss. Linden will die Stadt verlassen, um mit ihrem Lebenspartner und ihrem Sohn aus erster Ehe ein neues Leben in Kalifornien zu beginnen. Durch den schrecklichen Fund, den sie zusammen mit ihrem ziemlich heruntergekommenen Amtsnachfolger Stephen Holder macht, verzögert sich ihre Abreise und Larsen muss jeden Tag aufs Neue entscheiden, ob sie dem Mord und den trauernden Eltern des Mädchens den Rücken zukehrt.

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