Borderlands 2 Test – Ballern bis zur Hirnschmelze

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Ein Blick unter die Kommentare irgendeiner News, eines Videos oder Artikels zu „Borderlands 2“ fördert derzeit gefühlt mehr „Geilo!“-, „Ich kann es kaum erwarten“- oder „Mein Highlight des Jahres“-Kommentare zu Tage, als alle Battlefields und Halos zusammengerechnet. Ein Umstand, den man als Außenstehender zumindest überraschend finden kann, galt doch der drei Jahre alte Vorgänger als zwar spaßiger, aber dennoch nur halb zu Ende gedachter Titel. Verkauft hat er sich trotzdem, was uns unweigerlich zum „Spiel des Jahres 2012“ führt. Oder?

Nun, zumindest die Grundidee ist schon mal eine prinzipiell sehr richtige: Teil eins, mit all seinen Macken und Versäumnissen, barg ein riesiges Spaßpotential, welches man mit ein paar festgezogenen  Schrauben, etwas Schmieröl und Esprit relativ einfach hell erstrahlen lassen könnte. Und so stellte sich Entwickler Gearbox dann auch selbstsicher auf die Gamescom 2011 und versprach, ich zitiere, „wir machen alles besser, als die Konkurrenz.“

Gemeint war, nicht einfach nur sämtliche überschüssigen Ideen in eine Fortsetzung zu quetschen und schnellstmöglich auf den großen, roten Knopf mit der Aufschrift „Release“ zu drücken, sondern in erster Linie Fehler auszumerzen, verschenkte Gelegenheiten zu nutzen. Was das für mich bedeutet hätte? Zum Beispiel den auf Dauer stark eintönigen Spielablauf aufzuwerten, die leere Spielwelt mit ihren 08/15-Quests aus dem Klischeekeller oder das gerade für Solospieler verpatzte Balancing zu beheben. Und eine Story, die wär‘ auch nett.

Taten wird Gearbox diesen vollmundigen Versprechungen, so viel weiß ich mittlerweile nach etwa 26 Stunden in der Hauptkampagne und einigen Nebenquests, keine folgen lassen. Stattdessen macht man es nicht besser als die Konkurrenz, nicht einmal genau so, sondern tatsächlich schlechter – indem man gar nichts ändert. „Borderlands 2“ und sein Vorgänger sind streng genommen ein und dasselbe Spiel.

Die Spielerfahrung ist natürlich schon einmal grundlegend gleich, schon klar. Aber auch abseits fallen die etwaigen Neuerungen nicht nur so gar nicht auf, ich konnte während des Spiels nicht einmal sagen, ob es überhaupt welche gibt. Die Spielwelt z.B. wollte Gearbox mit glaubwürdigerer KI (sind in Rudeln angreifende Riesenkakerlaken glaubwürdig?), Skripts und spannenderen Quests lebendiger gestalten, mehr als ehrbare Absichten bleiben dies aber nicht.

Die KI eines Spiels, dessen Schusswechsel ohnehin über weite Teile an die Rückwärtsgang-Ballereien eines „Serious Sam“ erinnern, verbessern zu wollen, kann man wohl nur unter „ambitioniert, aber...habt ihr nichts Besseres zu tun?“ verbuchen. Skripts gibt es zwar an jeder Ecke, aber dass Gegner bei Überschreiten unsichtbarer Trigger alle Nase lang einfach aufploppen ist weder „dynamisch“ noch „spektakulär“.

Die Story ist selbstredend abermals völlig austauschbar – nie möchte ich wissen, wie es ausgeht, nie wachsen mir Charaktere ans Herz. Mitten im Spiel verlässt einer der storyrelevanten Charaktere die große Bühne des Lebens, alle trauern – und ich frage mich ernsthaft, um wen es überhaupt geht. So egal sind mir diese Personen, dass ich sie nicht einmal auseinander halten kann.

Und hier scheiden sich dann sicherlich die Geister. Denn allein ein Blick ins GIGA-Büro reicht aus, um mindestens drei schwer begeisterte „Borderlands“-Fans zu Tage zu fördern, die auch dem Nachfolger fiebrig entgegenblicken. Robin, Tom und Jonas wissen um dessen Schwächen, aber sie sind ihnen egal. Im Gespräch mit einem Kollegen lobte der dessen Neuerungen: „Aber es gibt doch jetzt sehr viel mehr Waffen“. Und ich muss mich unweigerlich fragen: Würde es ernsthaft niemanden stören, wenn Blizzard „Diablo 4“ in die Läden stellt und als Hauptfeature „Mehr Schwerter“ auf der Packungsrückseite stünde?

Den Hardcore-Fan wohl eher nicht, weshalb man an dieser Stelle sagen kann: Wem es egal ist, dass er über rund 30/40 Stunden Spielzeit durch eine nicht enden wollende Tretmühle belangloser Quests, minutenlanger Schießereien und sinnfreier Gespräche gejagt wird, der darf hier fern jeder Bedenken zuschlagen. Allerdings bleibt selbst dann die Frage im Raum, warum man sich „Borderlands 2“ kaufen sollte, anstatt einfach bei Teil eins zu bleiben.

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Weitere Themen: gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, 2K Games

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