Multiplayer-Report: Acht Ansätze für bessere Mehrspieler-Modi

Call of Duty: Black Ops 2“ wird schätzungsweise 30 Millionen Käufer finden. Die meisten von ihnen werden sich noch am Release-Tag in den Mehrspieler-Modus des Shooters stürzen. Trotz Millionen-Budget und riesigem Entwicklerteam werden sie dort allerdings wenig Neues finden. Auch „Medal of Honor: Warfighter“, „Halo 4“ oder das kommende „Far Cry 3“ haben den etablierten Standards wenig hinzuzufügen. Ein Multiplayer-Modus erfüllt dieser Tage nur noch etablierte Erwartungen und enttäuscht die Lust auf Neues. Es fragt sich warum, denn an frischen Ansätzen mangelt es nun wirklich nicht. Hier sind schon mal acht davon. 

Multiplayer-Report: Acht Ansätze für bessere Mehrspieler-Modi

Mehr Rollenspiel

“Call of Duty 4: Modern Warfare“ haben wir die Etablierung von Rollenspiel-Elementen in Multiplayer-Modi zu verdanken. Infinity Wards Adaption von Erfahrungspunkten und Spezialfähigkeiten wurde quasi über Nacht zum Standard und hat die Branche wie kaum eine andere Spielmechanik in den letzten Jahren geprägt. Doch wie haben sich Erfahrungsstufen und „Perks“ seit ihrer Einführung 2007 weiterentwickelt? Gemessen an den Möglichkeiten, die das RPG-Genre bietet – überhaupt nicht! Hier ist so viel mehr zu holen als ein permanentes Power-up. Es wird endlich Zeit für echte Klassen mit essentiell verschiedenen Spielweisen und nachhaltigen Individualisierungsentscheidungen. Balancing-Probleme sind eine Herausforderung, aber noch lange kein Grund, es gar nicht erst zu versuchen.

Mehr Teamplay

Valve ist mit der “Left4Dead“-Reihe etwas gelungen, das schon längst hätte Schule machen sollen: organisches Teamplay. Kooperation, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Planung werden den Spielern hier nicht durch die Wahl eines Spielmodus oder einer bestimmten Karte aufgezwungen – sie sind selbstverständliche und unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg. Das Spiel im Team geht in “Left4Dead“ in Fleisch und Blut über, es ist kein bewusster Prozess – sondern schlichtweg natürlich. Man spielt eben so, weil es keine Alternative gibt. Aktuelle Multiplayer-Modi kranken oft an einem ungesunden Spagat zwischen den Bedürfnissen von Solisten und jenen der Teamspieler. Das Ergebnis ist für beide Seiten nicht selten frustrierend. Der Ausweg aus diesem Dilemma ist längst bekannt. Hier helfen nur konsequente Entscheidungen in Richtung Teamplay – zum Beispiel der Squad-basierte Rush-Modus aus „Bad Company 2“ – oder eben die hohe Kunst, beide Parteien an einen Tisch zu bringen. Möglich ist es jedenfalls.

 

Mehr Abwechslung

Free Radicals „Star Wars: Battlefront 3“ hatte die richtigen Ideen – wurde dann aber aus wirtschaftlichen Gründen leider eingestellt. Das Konzept basierte auf der Vermengung verschiedener Spielebenen. Der Kampf am Boden als einfacher Fußsoldat ging laut Konzept in schnelle Luftkämpfe mit Raumschiffen über, mit deren Hilfe man wiederum in die Hangars eines Sternenzerstörers gelangen sollte, um dort dann die Brücke zu stürmen. Mehrstufige Missionsziele, die Verkettung unterschiedlicher Spielmechaniken und neuartige Fahrzeugkämpfe – mehr Abwechslung ist möglich. Abgesehen vom unausgereiften bzw. halbherzigen Versuchen à la „Dust 514“ oder „Battlefield 2142“ hat sich kaum ein Entwickler dieses Potentials ernsthaft angenommen. Dabei gehört der Abwechslung doch die Zukunft.

Mehr Waffen

Shotgun, Snipergewehr, MP, Pistolen, Explosives und etliche Ausführungen des Allround-MGs. Egal wohin man schießt, überall warten die ewig gleichen Waffen auf uns. Langweilig! Dabei lässt sich mit den namensgebenden Instrumenten des Shooters doch noch am einfachsten an der Innovationsschraube drehen. Man denke nur an die Magnet-Knarre aus dem letzten „Red Faction“ oder die Skill-Shots aus „Bulletstorm“. Es muss ja nicht gleich eine Portal-Gun sein, aber einfach nur ein neues Visier auf die alten Bleispritzen hauen reicht nicht mehr. Gebt uns mehr Waffen und lasst uns die halbe Karte damit abreißen.

 

Mehr Offenheit

Im Interview mit „DayZ“-Macher Dean Hall fragten wir ihn kürzlich, was die Spieler seiner Meinung nach an seiner Mod so sehr fasziniert. Seine Antwort lautete „Pure PVP“. Hall meint damit die Offenheit in seinem Spiel. Im Gegensatz zum klassischen Deathmatch werden die Spieler nicht gezwungen, andere zu töten, um das Ziel zu erreichen. Der Wettstreit ist auch nicht optional wie etwa in Form eines Duells, dem beide Seiten zunächst zustimmen müssen. „DayZ“ lebt hingegen von seiner strukturellen Offenheit. Man kann alles erreichen, ohne jemanden zu töten, muss aber jederzeit mit Tötungsversuchen anderer Spieler rechnen. Das Ergebnis ist mehr Entscheidungsfreiheit und eine sehr viel stärkere Bindung an den Spielercharakter. Auch wenn man das Konzept des Pure-PVP nicht ohne Weiteres auf die gängigen Modi in einem Mehrspieler-Shooter übertragen kann – es gibt viel, das man von „DayZ“ lernen kann.

Mehr Sport

Hier rennen wir offene Türen ein. Bei einem von der Games TM veranstalteten Gipfeltreffen einiger Mehrspieler-Branchengrößen (u.a. David Vonderhaar, Jim Brown, Daniel Berlin, Tim Wllits) zeichnete sich eine neue E-Sport-Welle als das favorisierte Zukunftsmodell ab. In der medialen Berichterstattung über die Wettkämpfe der Profis vermutet man enormes Potential. Das Publikum ist groß, mediale Mittel wie Livestreams sind mittlerweile sogar in die Spiele selbst integriert und echte Stars hat die Szene auch schon. Was König Fußball kann, soll auch „Call of Duty“ können. Warum nicht – Mehrspieler als Volkssport. Wer sich die Nutzerzahlen von „League of Legends“ ansieht, weiß: So weit ist der Weg zum erklärten Ziel nicht mehr. Er muss nur mal konsequent gegangen werden.

Mehr Story

Die wohl schwierigste Aufgabe von allen. Wie lassen sich erzählerische Elemente im kompetitiven Multiplayer unterbringen. Bisher gibt es hierzu erschreckend wenige Antworten. Die Wahl der Seite, für die man ins Gefecht zieht, ist deshalb oft genauso beliebig, wie die Missionsaufgaben, die man für diese Seite erfüllt. Das führt dazu, dass wir uns mit unseren Charakteren und deren Aktionen wenig bis gar nicht identifizieren. Selbst ein Online-Rollenspiel wie „Guild Wars 2“, das jenseits des PvP stark auf gemeinsam erlebte Geschichte und die Identifikation mit dem eigenen Charakter setzt, lässt diese Mittel im World vs. World-Konzept grundlos liegen. Erste Antworten auf diese Gretchenfrage des Multiplayers sollten im Szenario gesucht werden. Egal, ob wir als Bankräuber gegen Ordnungskräfte („Payday – The Heist“) antreten oder wie im bereits erwähnten „L4D“ vor beißwütigen Zombies in einen sicheren Schutzraum fliehen müssen – ein gut gewähltes Szenario gibt dem MP-Chaos einen übergeordneten Sinn und damit mehr Spannung. Nicht weniger interessant sind Ansätze, die Online-Spieler als Gegner oder asynchrone Wegbegleiter in die Singleplayer-Kampagne integrieren. Zuletzt etwa der Agent-Hunt Modus in „Resident Evil 6“ oder das Online-Feature von “Dark Souls”.

Mehr Mods

Die wohl am stärksten begrenzte Ressource eines Entwicklers heißt Risiko. Fast jedes Team würde gerne mehr wagen, mehr ausprobieren, mehr experimentieren. Leider lassen Budget, Zeitplan und Zielgruppenanalysen genau das nicht zu. Umso wichtiger ist die Unterstützung seitens der Community. Wer sein Spiel von Anfang an mit entsprechenden Tools auf Modifikationen hin auslegt, der kann nur gewinnen. Jedes Spiel, das ohne ein mächtiges Mod-Tool auf den Markt kommt, ist eine vertane Chance.

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Weitere Themen: gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Activision Blizzard

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