Review - Call Of Duty Black Ops - Kompletttest (PS3, Xbox360)

Leserbeitrag
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Call Of Duty: Black Ops – uncut (getestet für PS3, Xbox 360)

Jedes Jahr versorgt uns Publisher Activision in einer Art ”Bäumchen-wechsel-dich-Spiel” der Entwickler Infinity Ward und Treyarch mit den neusten Raffinessen des Ego-Shooter Genres. Inzwischen gehört Call Of Duty im November also mindestens genauso dazu, wie Lebkuchen in der Vorweihnachtszeit.  Dass Black Ops besser als Treyrachs erste CoD Versuche (Call Of Duty 3, Call Of Duty: World At War) werden würde, meinten viele schon bei der Ankündigung im März diesen Jahres zu wissen. So stellte insbesondere World At War doch eher eine dunklere Stunde der CoD-Geschichte dar. Ein weiterer Versuch also, den größeren Bruder namens Infinity Ward endlich zu übertrumpfen. Schade nur, dass gerade dieser Entwickler erst letztes Jahr den bis dato erfolgreichsten CoD-Titel veröffentlicht hat. Wird es Treyarch gelingen an den riesigen Erfolg von Modern Warfare 2 anzuknüpfen oder wird es wieder nur ein ”Lückenfüller” um die Zeit bis zum Release von Modern Warfare 3 zu verkürzen…

Singleplayer

Wie jedes Jahr, bei jeder CoD-Review, schaut man an dieser Stelle auf die Singleplayer-Historie der Ego-Shooter-Reihe zurück, und stellt wie jedes Jahr fest, dass sich eigentlich noch nie etwas geändert hat. Zwar boten insbesondere die Modern Warfare-Teile viel mehr Abwechslung, doch meistens fiel die logische Geschichte sowie eine angemessene Länge des Einzelspielers der bombastischen Inszenierung zum Opfer.
Black Ops bietet in diesem Punkt eine große Neuerung. Zwar ist der Einzelspieler noch ein Stück weit davon entfernt ihn als ?lang? zu bezeichnen, aber das erste Mal in der CoD-Geschichte ist die Story mehr als nur ein paar aneinandergereihte, historische Begebenheiten oder eine, viel zu unlogisch verknüpfte Anzahl verschiedenster Level. In Black Ops geht es um EINEN Menschen – es geht um euch: Alex Mason. Von Anfang an gefangen in einer Art Verhörzimmer, springt ihr durch die verschiedenen Erinnerungen eueres Protagnistens und werdet dabei immer wieder von schrecklichen Visionen heimgesucht. Außerdem fragt euer gegenüber ständig nach irgendwelchen Zahlen.
Klingt unlogisch? – Ist es auch. Aber die vielen, sehr abwechslungsreichen Levelabschnitte setzten sich langsam aber sicher zu einem großen Ganzen zusammen und bieten gegen Ende sogar noch eine interessante Wendung. Schade nur, dass der Entwickler in der Mitte des Spiels auf genretypische Gegnerwellen und durchschnittliches Missionsdesign setzt. Das wäre definitiv nicht nötig gewesen, hinterlässt auf Grund des starken ersten und letzen Drittels aber kaum einen faden Beigeschmack.

Die Darstellung ist sehr brutal, was jedoch nicht unbedingt als störend bezeichnet werden muss. So gehen die abfliegenden Körperteile doch meistens in den wuchtigen Explosionen unter (außer im Tunnel-Level). Unterm Strich setzt Black Ops also altbewährte Dinge fort: Von einer hervorragenden Inszenierung (überall Explosion, authentische Schreie und passende Orchester- oder Rolling Stones-Musik) bis hin zu zur starken Technik, ist alles drin. Der Sound ist wieder einmal sehr gut, wenn auch nicht so gut wie bei Bad Company 2. Die Grafik sieht wie immer Referenzverdächtig aus, so gab es wohl in noch keinem Ego-Shooter zuvor solch grandiose Explosionen. Gegenüber dem mickrigen ”Verpuffen” im Medal Of Honor Style wirk Black Ops wie eine einzige, riesige Offenbarung.

All das, ist zwar sehr schön doch nicht wirklich neu. Was jedoch neu ist, ist die deutlich tiefer gehende Geschichte. Endlich hat man mal das Gefühl, dass hier nicht nur verdammt gute Programmierer sondern auch gute Drehbuchautoren am Werk waren. Zur cineastischen Inszenierung gesellt sich nun eine cineastische Storyline, die lediglich durch ein paar wenige Sequenzen gebrochen wird. Es dauert zwar maximal drei Tage bis der Einzelspieler durch ist, doch er ist, seit Modern Warfare 1, endlich mal wieder ein Einzelspieler der sich nicht nur wegen der technischen Aspekte lohnt. Die Grafik ist wuchtig, die Missionen sehr abwechslungsreich, die Charaktere typisch klischeehaft und das Ende hat Shutter-Island-Charakter. Daumen hoch, für einen der bis dato besseren Call Of Duty Kampagnen.

 

Story                  8.0

Abwechslung        9.0

Inszenierung         9.0

Technik                 9.0

Herausforderung   7.5 (nur in höheren Schwierigkeitsstufen gegeben)

Teilnote: 8.5

Multiplayer

Von vielen als ”Herzstück” des Spiels bezeichnet, ist der Mehrspieler in einem Call Of Duty Spiel im Laufe der Jahre deutlich wichtiger geworden als der Einzelspieler. Im Großen und Ganzen setzt Treyarch hier das fort, was sie im Singleplayer angefangen haben. Man nehme typische CoD-Elemente und mische sie mit etwas Frischem zu einem neuen Spielgefühl. Viel zu oft las man in der letzten Zeit den Satz: ”Das Spiel revolutioniert den MP nicht, aber es setzt ihn gekonnt fort”. Schon vorab: Black Ops tut all das nicht. Weder revolutioniert es das MP-Genre, noch setzt es den bekannten CoD-Style in alter Manier fort. Black Ops bietet etwas Neues: Änderung. Und zwar gute Änderungen.
Der Multiplayer ist einfach nur voll von logischen Erweiterungen, die im Kleinen zwar nur geringfügig auffallen, im Großen aber zumindest ein solide Weiterentwicklung darstellen. Natürlich weicht auch Black Ops am typischen Erfolgskonzept der Reihe nicht gänzlich ab: wie immer kämpft ihr euch im Team-Deathmatch, Deathmatch, Domination, Capture The Flag durch die Gegnermassen (je nachdem auch im Hardcore- oder Prestige-Modus) und erhaltet je nach Leistung Erfahrungspunkte (EP) mit deren Hilfe ihr im Level aufsteigt und somit weitere Waffen und Extras freischaltet. Letzteres kann man bei Black Ops jedoch nicht so stehen lassen. Zwar schaltet man je nach Level neue Waffen frei, jedoch nur ”zum Kauf”. Denn Treyarch führt mit Black Ops auch die neue CoD-Währung, die sog.  ”CoD-Points” ein. Diese erhaltet ihr ebenfalls durch ganz normales Onlinespiel und Level-Ups. Mit ihrer Hilfe könnt ihr dann Waffen und die dazugehörigen Extras kaufen.
Dieses Prinzip macht es einen einfacher sich individuell am Besten auszustatten.

So können Freunde der AK-47, welche ab Level 38 zum Kauf bereit steht, zusätzlich zur Waffe nun auch direkt ihre persönlich beliebtesten Extras, wie etwa das Red-Dot-Visier mit kaufen. Alle Waffenerweiterungen werden nämlich mit dem freischalten der Waffe ebenfalls zum Verkauf stehen. Man muss also zum Beispiel nicht mehr, fünfzehn Kills mit dem Schalldämpfer machen um den Heartbeat-Sensor freizuschalten.

Wer jedoch dachte, dass die CoD-Points nur dafür da sind um exzessiv Waffen-Shopping zu betreiben hat sich geirrt.

Um sein Geldbeutel außerhalb der normalen Modi zu füllen bietet Treyarch einen weiteren Modus: Wettspiel (Wagermatch). Dieser dient ausschließlich dazu seine CoD-Points zu setzten und, je nachdem, am Ende der Runde Gewinn oder Verlust zu machen. Da das einzelne Beschreiben der Spielmodi nun sehr viel Platz wegnehmen würde hier ein simples aber informatives Video dazu:

Diese vier Modi wirken simpel durchdacht und trotzen augenscheinlich auch nicht vor allzu riesiger Kreativität, gab es den GunGame-Mode doch schon seinerseits im bekannten Counter Strike.

Doch es sind genau diese Wettspiele, die den, und jetzt ist es raus, grandiosen Multiplayer von Call Of Duty Black Ops endgültig vollenden. Nicht zuletzt wegen der Möglichkeit über SplitScreen und einem Gamertag zusammen online spielen zu können, bietet der Black Ops MP einen selten so erlebten Spaßfaktor. Die Hauptmodi sind schon alleine durch die verdammt gut ausbalancierten Karten wie jedes Jahr einige mehrere Blicke wert, die individuelle Anpassung greift wunderbar und die Wettspiele garantieren puren Suchtfaktor. Es ist die wohl spürbarste Änderung, die in den letzten Jahren an einem CoD vorgenommen wurde. Neben neuen Waffen wie dem ballistischem Messer oder der Armbrust strotzt Black Ops nur so vor Abwechslung und Spielfreude. Ob zusammen oder alleine, für diesen Multiplayer gibt es nur einen zutreffenden Begriff: ein kleines Meisterwerk. Zwar gibt es noch die ein oder anderen Lags, die beseitigt werden müssen (von der hier nicht getesteten PC-Version ganz zu schweigen) aber auch kleinere Serverprobleme halten einen nicht davon ab mit dem neuen Call Of Duty vor allem eins zu haben – Spaß!

 

Teilnote: 9.5

Fazit:

Eine überraschend gute Kampagne vereinigt sich mit einem frischen Wind von Multiplayer mit einigen coolen, sinnvollen Neuerungen und Erweiterungen. Klar, einige typische Kritikpunkte bleiben bestehen: die Lags in den ersten Wochen, die Gegnerwellen oder die Länge des Einzelspielers. Doch wer nicht gerade auf dem höchsten Niveau meckern möchte, wird sich in Black Ops mehr als nur gut aufgehoben fühlen. Treyarch schafft es durch kleine Änderungen den Genre-Primus noch ein Stückchen besser, noch ein Stückchen attraktiver zu gestalten und lässt somit kaum Kritikpunkte offen. In Zeiten, in denen sich Ego-Shooter eines hohen Ansehens erfreuen können, stellt Black Ops mit einigen anderen auf jeden Fall die Spitze des Genres dar. Ein visuelles und spielerisches Vergnügen, mit dem sich der Entwickler auch vor Infinity Ward sehen lassen kann.

 

Teilnote (Einzelspieler)    8.5

Teilnote (Mehrspieler)     9.5

Wertung (insgesamt)     9.0

EasterEgg: Dead Ops

Als kleines Feature hier noch ein Hinweis auf ein verstecktes EasterEgg, dass nicht nur zusätzlich ein Achievement bringt sondern gleichzeitig auch noch einen neuen Modus freischaltet. Im Titelmenü, müsst ihr die linke und rechte Schultertaste (beim PC einfach Leertaste) abwechselnd drücken. Euer Charakter reißt sich vom Stuhl los. Ihr könnt nun frei umhergehen; das Menü ist ausgeschaltet. Geht im Raum um her an den Computer, haltet X (bei PS3 Viereck) gedrückt und gebt ”DOA” ein. Nun könnt ihr den Arcade-Shooter ”Dead Ops” spielen.

 

Weitere Themen: Xbox 360, PlayStation 3, Activision Blizzard

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