Call of Duty: Modern Warfare 3 Test – Besser als Battlefield 3?
Der Herausforderer Battlefield 3 hat vor wenigen Tagen imposant vorgelegt, jetzt ist Modern Warfare 3 am Zug. Kann Infinity Ward im Gespann mit Sledgehammer Games die gewaltige Offensive des Konkurrenten abwehren? Wir sind nach London geflogen, um zumindest die Attacke der Russen abzuwehren.
Denn die ist in Call of Duty: Modern Warfare 3 (MW3) im vollen Gange. Und um das Ballerspiel rechtzeitig testen zu können, mussten wir in die britische Hauptstadt reisen, wo wir Activisions Blockbuster zusammen mit anderen ausgewählten Medienvertretern vorab auf der Xbox 360 spielen konnten. Einen Haken hat die Geschichte allerdings – wie sich der Shooter auf den Onlineservern schlägt, lässt sich unter diesen Bedingungen natürlich nicht beurteilen.
Doch zurück zum Vormarsch der russischen Streitkräfte – die setzen nämlich nicht nur der amerikanischen Ostküste mächtig zu.

Die Truppen des Feindes sind zudem dabei, auch westliche Metropolen wie London, Paris und auch Berlin zu überrennen. Damit ist auch klar: Modern Warfare 3 setzt in der Einzelspielerkampagne genau dort an, wo man in der zweiten Episode endete. Das gilt allerdings nicht allein für die Flickenteppich-Story. Auch spielerisch offenbart die mit fünf Stunden Spielzeit wiederum sehr kurze Kampagne erwartungsgemäß kaum Neuerungen. Interessant ist da vor allem ein neues Waffen-Feature, denn einige Wummen verfügen nun über ein alternatives Visier, wodurch sie im Einsatz flexibler sind und die einengende Beschränkung auf zwei tragbare Schießeisen verschmerzbarer ist.
MW3 lässt es krachen!
Die wahre Stärke der CoD-Reihe im Einzelspieler-Modus liegt spätestens seit MW1 aber eindeutig auf der monumentalen Inszenierung. Wer kann sich schon an die vielen Charaktere erinnern, die auch in dieser Episode in loser Folge immer wieder gegen die Feinde ins Getümmel ziehen? An die fantastische Sniper-Mission, an die Atombombenexplosion, an den Sturm durch die Favelas oder das Weiße Haus aber wohl jeder. Und genau davon lebt auch MW3: Eine WTF!-Situation reiht sich an die nächste, die Sinneseindrücke sind so überwältigend, dass man teils das Ballern vergisst.

Eine irre Verfolgungsjagd in einem U-Bahn-Tunnel? Check! Schwerelose Ballerei in einem Jet? Aber ja! Krachende Panzerfahrt durch ein Parkhaus? Und ob! U-Boot-Infiltration? Wir sind dabei! Railshooter-Einlagen, AC-130-Schütze, Sandsturm? JAJAJA! 17 Missionen lang erleben wir das volle Brett, gelegentlich überdrehen die Macher aber erneut. Einige Szenen werden unreflektiert, scheinbar zur reinen Provokation integriert. Wollen wir in einem Entertainment-Produkt zusehen, wie eine Familie durch Giftgas stirbt? Nicht wirklich, aber “Disturbing Content” lässt sich immerhin deaktivieren …
Die schnelle Abfolge von dramatischen Szenen kaschiert aber auch ein wenig, dass die verwendete Engine trotz einiger Verbesserungen sichtlich in die Jahre gekommen ist. Ja, man konzentriert sich auf stabile 60 FPS, doch gerade im optischen Vergleich mit Battlefield 3 hinkt man dadurch (auch auf der Konsole) hinterher. Aber immerhin: Die Animationen der Figuren und ihre Kleidung sind hervorragend gelungen. Auch die druckvollen Soundeffekte unterstreichen das Kriegschaos, das übrigens viel seltener Massenszenen mit ewig nachrückenden Feindeskräften enthält, überaus gut.
Im Vergleich zur Referenzqualität des Konkurrenten fehlt hier aber doch die Differenzierungsfeinheit. Der Urgewalt der Sinneseindrücke stehen vor allem tumbe KI-Kameraden und Feinde sowie die sehr simpel gestalteten und geskripteten Missionen gegenüber. Was nutzt die packendste Atmosphäre, wenn ich weiß, dass ich eh nicht drauf gehen kann, wenn ich nur den Anweisungen der computergesteuerten Freunde folge. Trotzdem: Battlefield 3 kann sich hinsichtlich der fulminanten Kampagnen-Inszenierung noch einiges bei Infinity Ward abgucken.
Tom

