Company of Heroes 2 Multiplayer Hands-On: Im Fleischwolf der Perfektion

Ich sagte es bereits: Für mich war „Company of Heroes“ ein nahezu perfektes Spiel. In einer Zeit, in der ich mit einem einfachen Bogen noch steinerne Festungen zum Einsturz bringen konnte (ja, ich meine dich Legolas), katapultierte Relics brachialer Realismus das Echtzeit-Genre mit einer Haubitze in bisher unerreichte Regionen. Die Schlachten waren furchtbar sinnlich, die Physik erstmals relevant, die KI teuflisch und die etlichen taktischen Optionen fehlerfrei austariert. „Company of Heroes“ machte damals wenig anders, aber alles besser. Nach zahlreichen Matches im Multiplayer der Fortsetzung darf ich meine Aussage sechs Jahren später wiederholen: „Company of Heroes 2“ macht im Vergleich zum Klassiker wenig anders, aber alles nochmal besser.

Company of Heroes 2 Multiplayer Hands-On: Im Fleischwolf der Perfektion

Das muss es auch, um dieser Tage noch eine Chance zu haben. Der Erstling erblickte die Spiele-Welt, als diese gerade begann, den Zweiten Weltkrieg überzuhaben und die Echtzeitstrategie langweilig zu finden. Daran hat sich im Jahre 2013 nichts geändert. RTS war gestern und der Krieg findet heute in der Gegenwart statt. Zudem kämpft mit „StarCraft II: Heart of the Swarm“ im kommenden Frühjahr noch ein zweiter Überlebender der großen Echtzeitstrategie-Zeiten um das verbliebende Restpublikum.

Company of Heroes 2: Der besserer Klassiker

Zum Glück hat sich Relic Entertainment trotz der schwierigen Marktlage für den hardcorigen Stoff des Klassikers und gegen die Versoftung auf dem Free-2-Play-Markt entschieden. Eine ehrenwerte Schicksalsentscheidung, die “CoH2″ mit dem unlängst erschienenen „XCOM: Enemy Unkown“ teilt. Wie das erstklassige Rundenstrategie-Remake aus dem Hause Firaxis ist auch Relics „Company of Heroes 2“ eine Neuauflage von allem, was damals so viel Spaß machte.

Das verrät schon mein erster Blick auf das schneeverwehte Schlachtfeld vor mir. Das Londoner Multiplayer-Hands-On hat soeben begonnen und schon gehe ich mit derselben unheilvollen Kriegsstimmung des Erstlings schwanger. Ich spiele auf Seiten der Roten Armee. Bevor meine Pioniere den Kampf mit dem Ostheer der Nazis aufnehmen können, gilt es bei ihrem Vorstoß einen sehr viel grausameren Feind zu besiegen: Den Kältetod.

Wieder und wieder fauchen eisige Schneestürme über die Rschew-Karte und zwingen mich und meine beiden Mitstreiter (gespielt wurde 3 vs 3) dazu, unsere Taktik an die Wetterbedingungen anzupassen. Wer schutzlose Truppen nach der Sturmwarnung nicht umgehend in Sicherheit bringt, muss mit ansehen, wie sie im Eissturm kläglich erfrieren. Relic lässt uns den Verlust von Truppen mit allen Mitteln spüren und bleibt sich bei der leibhaftigen Darstellung der Verwerfungen des Krieges treu. Krieg spielen bedeutet in „Company of Heroes 2“ immer auch Krieg erleben.

Company of Heroes 2: Schmerzhafte Verluste

Zum Glück können Pioniere und Mechaniker Feuerstellen errichten. Das rettet meinen Truppen an diesem Tag das Leben. Als der Sturm abzieht, geht es weiter Richtung Frontlinien. Unser Ziel ist die Sicherung des zentralen Siegpunktes. Der ist umgeben von knietiefem Schnee und zugefrorenen Seen. Während Fußtruppen durch die Schneemassen verlangsamt werden, droht schwerem Gerät auf Eisflächen das Einbrechen. Trotz des genretypischen Zeitdrucks ist also stets Vorsicht bei der Einheitenführung geboten. Das sorgt für zusätzliche Spannung in den ohnehin schon nervenaufreibenden Mehrspieler-Partien.

Bevor mein Team das Hauptziel erreicht, gilt es so schnell wie möglich die speziellen Ressourcen-Punkte zu erobern, um den Nachschub von Benzin und Munition zu gewährleisten. Das alte Ressourcen-System wurde beibehalten, allerdings um neue taktische Optionen erweitert. So lassen sich jetzt auch auf normalen Eroberungspunkten in kürzester Zeit Ressourcengebäude errichten.

Erweiterungen wie diese ziehen sich durch das gesamte Spiel. Egal, ob es die Eroberung verlassener Feindesfahrzeuge, die Berücksichtigung der Sichtlinien oder der starke Einfluss von Terrain und Wetter ist – stets steht die Dynamisierung der erprobten Formel im Mittelpunkt der Entwicklung.

Während meine Männer sich durch das unwirtliche Gelände weiter zur Front kämpfen, veranlasse ich im Hauptquartier der Roten Armee die Lieferung neuer Einheiten. Über eine behelfsmäßig wirkende Baracke produziere ich einen Trupp Soldaten, einen Scharfschützen und ein schweres Maschinengewehr. Als diese sichtlich erschöpft den Siegpunkt erreichen, haben meine Pioniere bereits ein MG-Nest errichtet und das Gebiet mit Teller-Mienen und Stacheldraht versehen. Fähigkeiten wie diese lassen sich wieder blitzschnell und problemlos anwenden. Für einen Moment läuft alles nach Plan. Der Bereich scheint gesichert und unsere Gegner verlieren Punkte im Sekundentakt.

Company of Heroes 2: Die durch die Hölle gehen

Doch dann durchbrechen zwei gepanzerte Spähfahrzeuge den Wald und Mörser-Granaten jagen um den Siegpunkt herum tödliche Fontänen aus Feuer, Eis und Erde in die Luft. Mein MG-Nest fällt einem lebensecht lodernden Flammenwerfer zum Opfer, mein Scharfschütze wird mitsamt seiner Deckung in Stücke gerissen und unzählige deutsche Sturmtruppen rennen plötzlich todesmutig über das Eis, um meine Stellung einzunehmen. Die Hölle bricht los.

Es ist wieder einmal eine grausam detaillierte Hölle, in die uns Relic da schickt. Animationen, Explosionen, Physik – jedes Element steuert seinen Teil zum erschütternden Schlachtengemälde des „Fleischwolfes von Rschew“ bei. Ein paar Minuten später ist das gesamte Areal physikalisch korrekt dem Boden gleichgemacht. Eine ohrenbetäubende Panzerschlacht ist mittlerweile entbrannt und fordert auf beiden Seiten immer schwerere Verluste. Längst kämpfe ich an mehreren Fronten gleichzeitig. Der Ausgang der Schlacht scheint auch nach 20 Minuten noch ungewiss.

Die deutschen Truppen werden von einem Spezial-Panzer angeführt und sorgen mit schwerer Artellerie-Unterstützung von außerhalb der Karte und ständigen Luftangriffen für Angst und Schrecken unter den Sowjets. Es handelt sich um die mächtigen Sonderfähigkeiten der Kommandeure, die jeder Spieler im Laufe eines Matches freischaltet. Über Erfahrungspunkte spielen wir in „Company of Heroes 2“ bis zu sieben unterschiedliche Kommandeure frei, von denen wir drei im Vorfeld eines Multiplayer-Matches auswählen dürfen. Sobald wir in der Schlacht ausreichend Punkte gesammelt haben, dürfen wir einen der drei Kommandeure aktivieren und nach und nach auf seine insgesamt fünf unterschiedlichen Fähigkeiten zugreifen.

Gemeinsam mit den knapp 30 verschiedenen Einheiten pro Kriegspartei und deren mannigfaltigen Fähigkeiten stellt Relic mit dem Kommandeur-System also ein überaus breites Spektrum an taktischen Möglichkeiten bereit. Sogar an zusätzliche Individualisierungsmöglichkeiten für die eigenen Einheiten hat Relic bei der Entwicklung gedacht. Insgesamt zwanzig neue Spieler-Ränge wird es in „Company of Heroes 2“ geben.

Entschieden wurde die erste Schlacht des Tages übrigens durch eine scheinbar unbedeutende MG-Einheit, die sich nahe eines zuvor eroberten Siegpunktes in einem Haus verschanzt hatte. Umstellt von drei wild feuernden Panzern hatten sie so lange ausgeharrt, bis die sowjetische Unterstützung kam und den Feind von hinten aufmischen konnte. Auch das mache „Company of Heroes“ seinerzeit so besonders: Jeder Soldat zählt.

Ausblick

Seit dem Mehrspieler-Hands-On bin ich fast schon sorgenfrei. Der aufregende Mix aus schnellen, taktischen Scharmützeln, komplexem Mikro-Management und imposant immersiver Kriegskulisse zündet wie einst im Klassiker – und der war bereits nahezu perfekt.

Dank durchdachter Neuerungen wie dem Wettersystem, den Fahrzeug-Eroberungen und den mächtigen Kommandeurs-Fähigkeiten wird die ohnehin schon formidable Formel in den Multiplayer-Partien noch einen spürbaren Tick dynamischer. Jedes meiner insgesamt fünf Matches lief überraschend anders ab,  jedes war spannend bis zur letzten Minute und jedes machte Lust auf mehr. Für Langzeitmotivation sorgt in Zukunft aber nicht nur das Mehr an taktischer Vielfalt, sondern auch das zwanzig-stufige Erfahrungssystem mit allerhand Freischaltbarem.

Wenn überhaupt, dann bereitet mir „Company of Heroes 2“ momentan nur noch eine einzige Sorge: Wird diese Echtzeit-Perle die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient oder hat die Welt einfach genug vom Zweiten Weltkrieg gesehen?

Ersteindruck: Ausgezeichnet

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: Company of Heroes 2 Demo, THQ

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz