Company of Heroes 2 Vorschau – Die Rückkehr des Königs

Dem Shooter geht es schlecht. Das Genre kämpft um sein Überleben. Die schlechten Verkaufszahlen von „Black Ops 3“ haben Activision an den Rand des Ruins getrieben. Doch auch Rollenspiele wie „Mass Effect: Ressurection“ und „The Elder Scrolls: Elsweyr“ haben in letzter Zeit starke Verluste hinnehmen müssen. Der Grund: Alle Welt spielt Echtzeit-Strategie. Das ist natürlich alles vollkommener Unsinn. Aber ist es wirklich undenkbarer Unsinn? Wer einen Blick zurück auf die Spielegeschichte wirft, der weiß – kaum etwas ist so starken Konjunkturen unterworfen wie die Beliebtheit von Spielegenres. Trends, Hypes und Innovationen kommen und gehen. Nichts bleibt, wie es ist. Ob Relics „Company of Heroes 2“ der todgesagten Echtzeit-Strategie zu einem neuen Höhenflug verhelfen wird, können auch wir nicht prophezeiten. Dass es ein Fest für RTS-Fans wird hingegen schon.

Company of Heroes 2 Vorschau – Die Rückkehr des Königs

Die Lücke zwischen der Qualität von „Company of Heroes“ und seinem kommerziellem Erfolg klafft gewaltig. Relics Strategiespiel aus dem Jahr 2006 gilt unbestritten als eines der besten seiner Zunft. Glaubt man der Seite GameRankings, dann ist es sogar das beste RTS-Spiel aller Zeiten. Besser als „StarCraft 2“ und besser als jeder „Command & Conquer“ Teil. Der große Erfolg blieb damals dennoch aus.

Mit “Company of Heroes 2″ öffnet Relic das grauenvolle Kapitel des Deutsch-Sowjetischen Krieges.

 

Das weiß auch Quinn Duffy, seines Zeichens Game Director bei Relic Entertainment und geistiger Vater des ersten Teils. Duffy ist unser heutiger Gastgeber bei der Londoner Erstvorstellung von „Company of Heroes 2“ und wir sind gespannt, wo die Reise hingeht. Die Antwort folgt auf dem Fuße. Relict sagt nein zur radikalen Neuausrichtung und will stattdessen die bewährten Stärken weiter ausbauen. In den Worten Duffys bedeutet das: Mehr Taktik, mehr Authentizität und eine noch engere Bindung des Spielers an das Schicksal der Soldaten.

Zumindest die Sache mit der Authentizität scheint Relic schon mal sehr ernst zu nehmen. Sound-Aufnahmen von Original-Waffen in der texanischen Wüste, Forschungstrips nach Berlin und Moskau, sowie endlose Statistik-Ausführungen zu dem unfassbar verlustreichen Krieg zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion. Duffy spricht viel von der „schonungslosen Wahrheit des Krieges“, die man mit „Company of Heroes 2“ so einfühlsam wie möglich abbilden möchte. Die zweifelhaft morbide Faszination, die vielen Spielen über den Zweiten Weltkrieg leider viel zu oft innewohnt, will man hingegen vermeiden. Mit „Company of Heroes“ gelang diese Grandwanderung seinerzeit und auch die Fortsetzung scheint sich der Brisanz des Themas bewusst.

Die ausführliche Live-Gameplay-Demo, die wir nun endlich zu Gesicht bekommen, stellt dies unter Beweis. Wir befinden uns im Jahr 1942 und beobachten eine Handvoll russischer Soldaten, die sich durch den kniehohen Schnee auf den „Fleischwolf von Rschew“ zubewegen. Der unheilverkündende Name bezeichnet eine Schlacht, die als eine der grausamsten des Zweiten Weltkrieges in die Geschichte eingehen sollte. Schneeverwehungen und Sonnenstrahlen auf glitzerndem Eis setzen das Treiben atmosphärisch in Szene. Verantwortlich ist dafür eine neue Version der Essemble Engine, die neben optischen Verbesserungen auch eine aufgebohrte Physik im Programmcode hat.

Die Schlacht von Rschew dient in dieser Mission als historischer Hintergrund.

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Der Trupp erreicht das kleine Dorf, das sich am Rande der Karte abzeichnet, nur sehr langsam. Der tiefe Schnee wirkt sich nämlich negativ auf die Bewegungsgeschwindigkeit der Einheiten aus. Sofort springt uns eine weitere Neuerung ins Auge. Die Soldaten suchen erst an einer Steinmauer Deckung und springen dann detailliert animiert über das Hindernis. Eine Fähigkeit, die der Infanterie einen entscheidenden Vorteil gegenüben Fahrzeugen geben soll. Plötzlich greifen deutsche Soldaten an und die Männer werden mit heftigem Unterdrückungsfeuer belegt. So ähnlich kennen wir das bereits aus Relics „Dawn of War“-Reihe.

Die Einheit ergreift panisch die Flucht. Es folgt eine kurze In-Game Zwischensequenz, in der die flüchtenden Männer von einem unbarmherzigen Offizier zur sofortigen Rückkehr an die Front aufgefordert werden. Als die Soldaten nicht reagieren, gibt der Mann den Erschießungsbefehl. Duffy pausiert und erklärt uns, dass die Entwickler mit jeder Schlacht in „Company of Heroes 2“ eine Geschichte erzählen möchten. Wie schon im Vorgänger geht es ihnen nicht um die Strategien großer Generäle, sondern um die Schicksale ganz normaler Soldaten.

Nah dran – Relic will uns die Schicksale der russischen Soldaten spüren lassen.

 

Für die zweite Offensive fährt Relic schweres Geschütz auf. Zwei Infanterie-Einheiten erhalten Unterstützung von einem Panzer. Der rollt mit einem beindruckend realen Grollen auf das Dorf zu und eröffnet unter mächtigem Zittern das Feuer. Die deutschen Soldaten nehmen das Fahrzeug sofort aufs Korn und lassen eine weitere Neuerung in „Company of Heroes 2“ erkennen: Es hat den Fahrer erwischt. Der Panzer steht nun unbemannt vor dem Dorf. Sollte es den Deutschen gelingen, das Fahrzeug zu kapern, könnte dies die Schlacht entscheiden. Insbesondere im Hinblick auf die Multiplayer-Gefechte eine überaus interessante Neuerung.

Der Panzer hat die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich gezogen. Zeit, die Vorteile der neuen Sichtlinien-Mechanik in „Company of Heroes 2“ auszunutzen. Zwar lichten wir als Spieler nach wie vor den Nebel des Krieges mit unserem Vorstoß über die Karte; Einheiten sind aber nur dann zu sehen, wenn keine Objekte unsere Sicht versperren. Das sogenannte True Sight-Feature ermöglicht es einem Trupp russischer Soldaten sodann, sich um ein Haus herum zu schleichen und den überraschten Deutschen in den Rücken zu fallen. Als der Sieg greifbar nahe scheint, fallen plötzlich deutsche Panzer und Infanteristen aus dem Wald über das Dorf her. Es entbrennt eine bildschirmfüllende Entscheidungsschlacht, die beängstigend real wirkt. Die Motorengeräusche deutscher Flugzeuge sind zu vernehmen und gewaltige Explosionen zerreißen Menschen wie Gebäude in Sekundenschnelle. Die Schlacht von Rschew hat begonnen.

Ausblick
Was passiert, wenn man einen der besten Echtzeit-Strategie-Titel aller Zeiten an genau den richtigen Stellen weiterentwickelt? Noch ist es zu früh, um diese Frage zu beantworten, doch das Gezeigte verspricht bereits großes. „Company of Heroes 2“ muss ohne aufsehenerregende Innovationen auskommen und auch die Grafik ist kein Quantensprung für das Genre. Der ambitionierte Fokus auf noch mehr taktische Optionen, mehr historische Authentizität und eine emotionalere Bindung ans Geschehen erscheint uns aber als der richtige Weg, um den nahezu perfekten Vorgänger nochmals zu verbessern. Offen bleiben vorerst noch die Fragen zum Multiplayer-Part von “CoH 2″ und auch in puncto Story-Details hielt man sich in London weitgehend bedeckt. Die Qualitäten des Vorgängers in diesen Bereichen stimmen uns aber zuversichtlich, dass wir  im nächsten Jahr mit einem tollen Spiel rechnen dürfen. Wir können die Rückkehr des Genre-Königs kaum erwarten.

Ersteindruck: Ausgezeichnet

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Company Of Heroes 2

Weitere Themen: Company of Heroes 2 Demo, THQ

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