Counter-Strike: Von Kellerkindern über Killerspiel zum Massenphänomen

Mike Koch
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Nach 16 Jahren brechen die Diskussionen um den wohl berühmtesten Shooter namens Counter-Strike immer noch nicht ab. Hagelte es früher viel Kritik von Medien, Politikern und Psychologen, ist es heute zum riesigen Massenphänomen und E-Sport geworden. Wir erzählen euch, wie sich CS über die Jahre in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt hat.

Hier ist der aktuelle Trailer zu Counter-Strike: Global Offensive:

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Counter-Strike-Global-Offensive-Trailer

Wieso wurde Counter-Strike so beliebt?

Ganze 16 Jahre ist es inzwischen her, dass Counter-Strike (kurz CS) zum ersten Mal – damals noch als Mod - gespielt werden konnte. Kaum ein Jahr später ging der Erfolg des Spiels dann richtig los: In kürzester Zeit konnte es die größten Online-Shooter wie Quake und Unreal Tournament verdrängen und schuf sich einen Stammplatz am Tisch der E-Sport-Titel. Dabei war es besonders in Kenner-Kreisen beliebt, schließlich handelte es sich zu Beginn noch um eine Mod, die (noch) nicht als Vollpreis-Titel erschien und entsprechend auch nicht beworben wurde.

Durch seine geniale Handhabung der Waffen (Spray-Verhalten) und der recht realistischen Physik zog es seinerzeit viele Gamer, die sofort alle Entwicklungen in ihrer Szene mitbekamen, in den Bann. Für Minimalisten war es das perfekte Spiel. Unnötiger Firlefanz bei CS? Fehlanzeige!

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Die „Killerspiel“-Debatte

In einer Zeit, als Gaming noch Nische war und besonders auf privaten LANs gezockt wurde, war Counter-Strike unter den Videospielern – die abfällig auch gern mal als „Kellerkinder“ beschrieben wurden – sehr beliebt. Die Spielerzahl hätte sich sicher auch eine Weile so gut gehalten… wäre es nicht zur „Killerspiel“-Debatte gekommen.

Aber was ist überhaupt ein Killerspiel? Schnell mal gegoogelt, sagt euch der Duden: „Computerspiel, bei dem die simulierte Tötung von Menschen oder menschenähnlichen Wesen eine wesentliche Rolle spielt.“

Na klasse, das ist doch mittlerweile bei einem sehr großen Teil der Spiele der Fall, was auf jeden Fall viel Freiraum lässt in der Debatte – was ist ein Killerspiel und was nicht?

Die Spieler selbst wussten immer, dass der Grund für viele Amokläufe nie wirklich mit den Spielen begründbar waren. Vielen Politikern und Psychologen war das aber ziemlich egal: Man hatte ein fiktives Mittel, einen Sündenbock, um die Angst vor Amokläufen zu dämpfen – brutale Shooter wurden einfach verboten und durften entweder nicht mehr frei verkauft werden, oder wurden von den Eltern vom PC gelöscht.

Die Killerspiel-Debatte schadete dem Ruf von CS immens. Aber auch im E-Sport zeigten sich schnell die ersten Probleme: Während das Spiel zu Beginn sehr viele talentierte Spieler hatte, fehlte aufgrund der Verbotswelle der Nachwuchs, vor allem im Vergleich zu Spielen wie DotA und Warcraft 3.

Counter-Strike im Wandel der Zeit

Seit den Amokläufen in deutschen Schulen, wie Erfurt in 2002, Emsdetten in 2006 und Winnenden in 2009, ist einige Zeit vergangen. Seither wandelt sich das Bild von Counter-Strike immens. Heutzutage muss man sich nur noch sehr selten rechtfertigen, wenn man gern CS spielt. Ganz im Gegenteil: Gute Spieler erfahren sogar einen (kleinen) Star-Status.

Viele Politiker distanzieren sich vom Killerspiele-Thema, und Zeitungen und Sport-Seiten (Sport1.de ist ein perfektes Beispiel mit einer eigenen E-Sport-Abteilung) versuchen sich mittlerweile an einer ernsthaften Berichterstattung zum Thema E-Sport.

Besonders im letzten Jahr hatte Counter-Strike sogar einen regelrechten Boom erlebt: In Köln wurde mit der ESL One das bisher größte CS:GO-Turnier mit über 11.000 Fans gefeiert, während 27 Millionen Zuschauer gleichzeitig vor den Bildschirmen saßen - eine beeindruckende Masse!

Gutes Internet und Streaming-Plattformen wie Twitch sind der Grund für den Wachstum der legendären Spielereihe – aber auch bessere Hardware und CS:GO selbst leisten einen Beitrag zu Erfolg. Der neuste Ableger sieht – offensichtlich - grafisch einfach besser aus als die letzten Teile. CS 1.6 und Source waren zu veraltet, um junge E-Sport-Talente anzusprechen.

Screenshots der Spielversionen von 2010 erschrecken viele junge Spieler heutzutage: Wer Events von damals sieht, würde meinen, dass die Bilder von 1998 sind. Wir sollten uns nur mal vor Augen führen, dass in besagtem Jahr bereits Spiele wie Call of Duty: Modern Warfare 2, Batman Arkham Asylum und Crysis auf dem Markt waren – alle davon grafisch wesentlich fortschrittlicher.

Aber auch die Bildschirm-Entwicklung hat große Fortschritte gemacht: Die Hardcore-Gamer haben bis vor Kurzem noch an den Röhrenbildschirmen festgehalten, da sie einfach viel mehr Bilder pro Sekunde liefern. Erst die Entwicklung von 144 Hertz LCD-Monitoren hat auch die Peripherie in die Moderne gehievt und Counter-Strike noch zugänglicher gemacht.

... bis zum Massenphänomen

Mittlerweile gibt es für Counter-Strike-Fans 4 riesige Major-Events jährlich, wovon jedes über einen Preispool von 250.000 US-Dollar (etwa 230.000 Euro) verfügt. Durch sammelbare Event-Sticker im Spiel, die von den Spielern bezahlt werden müssen, kommen pro Event außerdem noch mal etwa 2,5 Millionen Euro zusammen, die an die 16 teilnehmenden Teams ausgeschüttet werden. Geldpreise in der Höhe führen unweigerlich zur Professionalisierung der Teams und Spieler, da die E-Sport-Profis von ihrem früheren Hobby heute leben können.

In der Lanxess-Arena konnte Counter-Strike übrigens neue Maßstäbe setzen, als 11.000 Begeisterte vor Ort waren – es war unglaublich! Auch kleinere Events werden immer größer: In Leipzig wird nächste Woche die DreamHack präsentiert, die mit etwa 90.000 Euro dotiert ist. Der E-Sport und das Spiel wachsen und wachsen.

„EZ skins, EZ life“

Den Ausdruck kennt jeder CS-Spieler. Valve hatte vor einiger Zeit Mikrotransaktionen in Form von verschiedenen Logos für die Waffen und Messer in das Spiel gebracht – womit sich ein ganz eigener Markt entwickelte. Durch die Seltenheit einiger Artikel und das besondere Design können Skins inzwischen bis über 1000 Euro wert sein und die Sammelwut der Spieler antreiben. So wächst CS nicht nur an der E-Sport-Front, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene.

Wie sich die Szene und das Spiel in Zukunft entwickeln werden, bleibt abzusehen. Ob Counter-Strike und E-Sport noch größer werden können? Immerhin hat Frankreich als Vorreiter in Europa den E-Sport jetzt schon als offiziellen Sport betitelt – vielleicht folgen ja bald auch andere Länder, was die Steine für den weiteren Erfolg von CS:GO und Co. mit Sicherheit sinnvoll legen könnte.

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Weitere Themen: Call of Duty 4: Modern Warfare Patch, Unreal Tournament, Defense of the Ancients 2, WarCraft 3: Reign of Chaos , Batman - Arkham Asylum, Quake Live, Crysis, Valve

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